Abschied denkbar

Reis zunehmend genervt: Für Ganvoula wird es eng

Thomas Reis wollte keine Zeit mehr verlieren. Als er Silvere Ganvoula kurz vor Schluss bei der 0:1-Auswärtsniederlage in Wolfsburg einwechseln wollte, hatte Bochums Trainer noch den Glauben, womöglich den Ausgleich zu schaffen. Der Spieler aber offenbar nicht. Ganvoula trabte gemächlich zur Trainerbank. Reis sah das, klatschte fordernd in die Hände und wollte, dass er sich beeilt. Viel schneller lief der Mittelstürmer trotzdem nicht.

Man sollte diese Szene nicht überbewerten. Doch mit seinem Verhalten vermittelte Ganvoula nicht zum ersten Mal eine gewisse Gleichgültigkeit. Schon in der Vergangenheit, speziell in der Aufstiegssaison, wurde der Angreifer zum Gesprächsthema, weil er im Training oder im Spiel nicht immer Vollgas gab. Hinzu kamen unübersehbare Defizite im technischen und taktischen Bereich. Der 25-Jährige verlor seinen Stammplatz und war maximal als Joker gefragt.

Thomas Reis wollte dem Angreifer in diesem Sommer aber eine neue Chance geben. Er hatte „die Fantasie, dass es in der Bundesliga womöglich leichter für ihn wird. Weil er mehr Räume hat, seinen Körper und sein Tempo besser einbringen kann.“ Doch selbst der Fußballlehrer ist zunehmend genervt: „Ich kann als Trainer unterstützen, mit dem Spieler sprechen und ihm das Vertrauen schenken – aber irgendwann muss auch was zurückkommen.“

Sein Vertrag gilt noch bis 2023

Bei Ganvoula ist das zu selten der Fall. Der Spieler wirkt häufig mit sich selbst beschäftigt, ist teilweise nicht konzentriert, vernachlässigt Defensivaufgaben und fällt auch abseits des Platzes nicht unbedingt positiv auf. Dass der VfL mit Sebastian Polter in der vergangenen Woche einen weiteren Mittelstürmer verpflichtet hat, war sowieso geplant, ist aber auch ein Zeichen an Ganvoula. Soll heißen: Macht er so weiter, wird er in der Bundesliga keine große Rolle mehr spielen. Ein Abschied des Kongolesen rückt somit zwangsläufig näher.

Das wäre unter den aktuellen Umständen wohl die beste Option. Silvere Ganvoula wirkt in Bochum nicht mehr rundum glücklich, und der VfL kann sich keinen unzufriedenen Spieler auf der Bank erlauben, den er trotzdem gut entlohnen muss. Einen schweren Stand hat er auch bei den Fans, die teilweise schon gehässig werden. In den sozialen Netzwerken kommt keiner so schlecht weg wie Ganvoula, dessen Vertrag noch bis Mitte 2023 läuft. Eine Ausstiegsklausel gibt es nicht. Der VfL würde sich bei einem passenden Angebot aber gesprächsbereit zeigen.

Das Problem ist nur: Die Verantwortlichen hatten ursprünglich mal auf einen Millionengewinn durch einen Transfer gehofft. Nach Ganvoulas bislang erfolgreichster Saison 2019/20, als er 13 Tore in der 2. Liga erzielte und zu den Leistungsträgern beim VfL gehörte, schien das nicht unrealistisch. Doch die Entwicklung ging nicht wie gewünscht weiter, der Marktwert ist längst gesunken. Ganvoula muss wieder einen Gang zulegen – ob in Bochum oder woanders.

(Foto: Imago / RHR-Foto)

Neuzugang

Polter-Transfer fix – Kader soll nun verkleinert werden

Kurz vor dem Bundesliga-Start hat der VfL Bochum seinen achten Neuzugang präsentiert. Vom niederländischen Erstligisten Fortuna Sittard wechselt Mittelstürmer Sebastian Polter für zwei Jahre an die Castroper Straße. Dieser Transfer hatte sich seit einigen Tagen angedeutet. In der Vergangenheit war der 30-Jährige unter anderem für Union Berlin, den 1. FC Nürnberg und den VfL Wolfsburg am Ball. In seiner Zeit bei den Niedersachsen spielte Polter sogar noch mit VfL-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz zusammen. Offenbar wurden hier alte Verbindungen genutzt.

Ein bisschen Geld, vermutlich für den letzten Transfer in diesem Sommer, war noch im Topf – und der Bedarf im Angriff mehr als offensichtlich. Hinter Simon Zoller, der zu Saisonbeginn gesetzt sein ist, hat sich niemand aufgedrängt. An Silvere Ganvoula glaubt Trainer Thomas Reis zwar immer noch, doch dessen Leistungen in der Vorbereitung waren nicht besser als in der Vorsaison, abgesehen von einer guten Halbzeit gegen die Reserve von Borussia Dortmund. Technische Defizite und taktische Mängel sind nicht zu übersehen. Damit könnte es Ganvoula trotz seiner Schnelligkeit und seiner körperlichen Präsenz schwer haben in der Bundesliga. Und Soma Novothny, sein überaus engagierter Teamkollege, stößt auf diesem Niveau ebenfalls an Grenzen.

Polter kommt ablösefrei

Mit seiner guten Torquote in verschiedenen Ligen und der Erfahrung von 64 Bundesliga-Partien passt Polter genau ins Bochumer Beuteschema. Sieben der jetzt acht Neuzugänge waren bereits in Deutschlands höchster Spielklasse aktiv. Bemerkenswert: Polter stand in Sittard eigentlich noch bis 2022 unter Vertrag, kommt aber trotzdem ablösefrei. Die Limburger wollten das für ihre Verhältnisse üppige Gehalt einsparen. Diese Chance hat der VfL genutzt und den großgewachsenen Strafraumstürmer verpflichtet.

Die Folge allerdings: Mit nun 32 Spielern ist der Kader nach Einschätzung der Verantwortlichen (deutlich) zu groß. Schon seit einigen Wochen hoffen sie darauf, endlich Abnehmer für einige Akteure zu finden. Das würde den Geldbeutel entlasten und zugleich die Trainingsarbeit erleichtern. Gehen dürfen neben Tom Weilandt auch Baris Ekincier und Raman Chibsah. Sie wurden bereits mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht. Konkretisiert haben sich die Gerüchte allerdings nicht. Zudem sind Tarsis Bonga, Erhan Masovic und Luis Hartwig Kandidaten für ein Leihgeschäft. Auch sie haben keine Aussicht auf Spielpraxis in der Bundesliga. Nach der Verpflichtung von Polter könnte es im Angriff ebenfalls noch einen Abgang geben.

(Foto: Firo Sportphoto)

0:1-Niederlage in Wolfsburg

Bochums Comeback: Erst chaotisch, dann couragiert

Mediziner werden jetzt widersprechen, doch manchmal braucht es nur wenige Minuten, bis Haare auf natürlichem Wege ergrauen. Das Bochumer Bundesliga-Comeback nach elf langen Jahren begann nicht so, wie es sich der Aufsteiger erhofft hatte – ganz im Gegenteil. Gleich mehrere Wolfsburger Großchancen brachten die VfL-Defensive und das Torgestänge ins Wanken. Zweimal krachte der Ball ans Aluminium. Bochum verteidigte chaotisch. Ein Start, der fast schon Angst machte und Spuren hinterließ.

Das war erst recht der Fall, als der Videoassistent ein Handspiel von Robert Tesche auf der Torlinie erkannte, den Schiedsrichter in Wolfsburg informierte und dieser nach nur vier Minuten den ersten Platzverweis und Strafstoß der noch jungen Saison aussprach – eine Doppelbestrafung, die selbst Heim-Trainer Mark van Bommel als „zu hart“ empfand. Auch Manuel Riemann hatte etwas dagegen und zeigte es auf seine Art und Weise: Er hielt den Schuss von Wout Weghorst aus elf Metern sogar fest. 

Dass die Bochumer dieses Spiel trotzdem nicht mehr hoch gewinnen würden, schien da schon klar. Der Aufsteiger wirkte von der ersten Sekunde an nervös, war völlig überfordert mit der schnellen Spielweise der Gastgeber und spielte fortan in Unterzahl. Nach 22 Minuten machte es Weghorst besser als beim Elfmeter und traf zur Wolfsburger Führung. Zwar waren etliche Bochumer nach einem langen Einwurf und einer Kopfballverlängerung in Ballnähe, aber niemand ging entscheidend dazwischen. „Weil wir nicht miteinander sprechen“, kritisierte Riemann nach dem Spiel.

Zu wenig Torgefahr

Nach vorne lief beim VfL Bochum ebenfalls nicht viel zusammen. Takuma Asano und Christopher Antwi-Adjei konnten ihr Tempo nur selten ausspielen, waren in einigen Szenen auch nicht robust genug. Simon Zoller wartete vergeblich auf Zuspiele. „Wir konnten leider kaum Nadelstiche setzen“, bemängelte Trainer Thomas Reis schon zur Halbzeit. Mit dem Spielstand konnten die Gäste bis dahin aber zufrieden sein. Denn mit etwas mehr Cleverness vor dem Tor hätte Wolfsburg schon jegliche Spannung aus dem Spiel nehmen können.

Dazu kam es aber nicht, es lief sogar besser als zu Beginn befürchtet, auch weil Manuel Riemann sein Team mit mehreren Paraden immer wieder im Spiel hielt. „Wir haben zu Beginn der zweiten Halbzeit wieder zu mehreren Torchancen eingeladen“, kritisierte Reis die Defensivarbeit, lobte angesichts der Umstände aber auch die Moral und Laufarbeit seiner Mannschaft, die trotz Unterzahl nie aufgab und immer noch an den Ausgleich glaubte. Der eingewechselte Milos Pantovic vergab in der Schlussphase die einzig echte Chance, Keeper Koen Casteels parierte.

„Wir haben alles versucht“, analysierte Reis später, der sich eine Kritik an den schwachen Standards aber nicht verkneifen konnte. „Die müssen wir gerade in so einem Spiel schärfer treten, um darüber Torgefahr zu entwickeln.“ Helfen könnte dabei unter anderem Neuzugang Eduard Löwen, der in Wolfsburg ebenso gefehlt hat wie Gerrit Holtmann und Danny Blum. Auch Sebastian Polter, der neue Stürmer, war noch nicht dabei. Fest vergeben sind die Startelfplätze speziell in der Offensive noch nicht.

Auch in der Defensive könnte es Veränderungen geben. Cristian Gamboa war in der Viererkette erneut ein Unsicherheitsfaktor, noch dazu ohne Wirkung im Vorwärtsgang. Einen ordentlichen Eindruck hinterließen dagegen Danilo Soares sowie Anthony Losilla und Elvis Rexhbecaj, die sich mit zunehmender Spieldauer steigerten; ähnlich wie Maxim Leitsch. Neben ihm dürfte in Zukunft wieder Armel Bella Kotchap spielen, sofern er im Training überzeugt. Vasilios Lampropoulos enttäuschte nicht, Pluspunkte sammelte er aber auch keine.

Fans zurück in den Stadien

Manches wird sich also noch neu sortieren, auch auf den Rängen. In Wolfsburg waren offiziell keine Gästefans zugelassen. Nur mit ein paar Tricks waren am Ende doch einige Bochumer in die Volkswagen-Arena gelangt und teilweise lauter als die 8.500 Anhänger aus Wolfsburg. Die Mannschaft nahm es wahr und bedankte sich nach dem Spiel für die Unterstützung. Bei der Ankunft am späten Abend in Bochum gab es von einigen Fans, die extra zum Stadion gekommen waren, ebenfalls Applaus.

(Foto: Firo Sportphoto)

Heimspiel gegen Mainz

Massive Lockerungen: VfL plant mit mehr Fans

+++ Update: Die Entscheidung ist gefallen: Das Gesundheitsamt der Stadt hat „im Sinne des Vereins“ die Zulassung für 13.500 Zuschauer erteilt. Der Vorverkauf wird in Kürze beginnen. +++

Ursprünglicher Text:

Unmittelbar vor dem ersten Bundesliga-Heimspiel des VfL Bochum seit mehr als elf Jahren lockert das Bundesland Nordrhein-Westfalen massiv seine Corona-Regeln. Trotz steigender Infektionszahlen dürfen wieder mehr Zuschauer ins Stadion als zuletzt, das Schachbrettmuster und damit Sicherheitsabstände zur Besetzung der Plätze fallen weg und Ungeimpfte dürfen in unbegrenzter Zahl ins Stadion.

13.500 statt 9.000 Zuschauer

Mit diesen weitreichenden Lockerungen habe man nicht gerechnet, erklärte VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig am Dienstagabend auf Nachfrage. Ursprünglich sei man von 9.000 möglichen Zuschauern ausgegangen, davon maximal 1.000 Ungeimpfte – also ein Drittel der Gesamtkapazität. Gemäß der neuen Corona-Schutzverordnung, die am Dienstag veröffentlicht wurde, ist nun eine Auslastung von bis zu 50 Prozent möglich. Der Verein will die neuen Möglichkeiten sogleich nutzen und hat einen Antrag beim Gesundheitsamt der Stadt Bochum gestellt, zum Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 am kommenden Samstag bis zu 13.500 Zuschauer ins Stadion zu lassen. Eine Entscheidung steht noch aus. Erst danach kann der Ticketverkauf beginnen.

Schon jetzt ist klar: Karten werden nach dem Schnelligkeitsprinzip ausschließlich an Dauerkarteninhaber und Vereinsmitglieder gehen, die geimpft, genesen oder getestet sein müssen. Langjährige Dauerkarteninhaber und Neukunden werden in jedem Fall gleichgestellt, versicherte Ilja Kaenzig schon vor einigen Tagen gegenüber „Tief im Westen – Das VfL-Magazin“.

Offen bleibt ohnehin, wie groß die Nachfrage tatsächlich sein wird. Der VfL hat vor Beginn dieser Saison zwar etwas mehr als 13.500 Dauerkarten verkauft, doch in vielen Bundesliga-Städten zeigten Fußballfans zuletzt noch eine gewisse Zurückhaltung vor den einzelnen Partien. Selbst für die Topspiele in Dortmund und Gladbach gingen Karten sogar in den freien Verkauf, weil sie ansonsten nicht verkauft worden wären. Mögliche Gründe dafür: Die weiterhin bestehende Infektionsgefahr, die sehr kurzfristige Planung und ein streng geregelter Einlass, meist zu vorgegebenen Zeiten. Außerdem wird es in Bochum deutlich mehr Sitz- als Stehplätze geben, die entsprechend teurer sind.

Keine 2G-Regel

Im Gegensatz zu anderen NRW-Klubs, darunter der 1. FC Köln und Borussia Dortmund, plant der VfL Bochum keine zusätzlichen Verschärfungen, etwa eine 2G-Regel, die Ungeimpfte weitgehend ausschließen würde. Auch wird der Verein Schnelltests akzeptieren, die bis zu 48 Stunden alt sein dürfen – obwohl zahlreiche Bundesländer bereits eine 24-Stunden-Frist eingeführt haben, weil die Tests, die nicht tagesaktuell sind, kaum noch eine Aussagekraft haben. 

Das letzte Wort hat aber ohnehin das Gesundheitsamt der Stadt. Das ist auch deshalb erwähnenswert, weil die Bochumer Behörde die Regeln zuletzt eigentlich verschärfen wollte. Nach dem Testspiel gegen den FC Utrecht, für das noch 3.000 Stehplätze freigegeben waren, sollten gegen Mainz eigentlich nur 1.500 Tickets für die Ostkurve in den Verkauf gehen. Ob die Stadt nun die allgemeinen Lockerungspläne des Landes unterstützen wird, dürfte sich am Mittwoch entscheiden.

(Foto: Firo Sportphoto)

Bochum zurück im Oberhaus

Endlich Bundesliga: Was uns diese Saison erwartet

Diese Parallele ist wie gemacht für einen Texteinstieg: Exakt 50 Jahre, und zwar auf den Tag genau, liegen zwischen dem ersten Bochumer Bundesliga-Spiel am 14. August 1971 gegen Eintracht Braunschweig und dem Erstliga-Comeback des VfL an diesem Samstag in Wolfsburg. Ein historischer Moment, vielleicht auch zwei.

Das Ergebnis von damals, der VfL gewann mit 1:0, würde Cheftrainer Thomas Reis an diesem Wochenende sicher auch gerne nehmen. Er teilt die große Vorfreude vieler Bochumer, bleibt aber auch kritisch. Der Grund: Einige Trainingseindrücke in dieser Woche haben dem Fußballlehrer nicht gefallen. Er schärfte mit einer Ansprache erneut die Sinne. Reis hatte unter anderem Armel Bella Kotchap ermahnt, der weder in Wuppertal noch im Training danach überzeugt hatte. Ein Beispiel, das zeigt: Mit angezogener Handbremse wird es in der Bundesliga nicht funktionieren. Selbst mit Vollgas wird der VfL wohl auf einem der hinteren Plätzen ins Ziel kommen. Der Klassenerhalt kann unter diesen Umständen das einzige Ziel sein. Diese Leistung würde höchste Anerkennung verdienen und wäre vergleichbar mit dem Aufstieg – mindestens. 

Drei Neue in der Startelf

Wie gut der VfL Bochum für die neue Liga schon gerüstet ist, ist tatsächlich schwierig zu sagen. Trotz sieben Neuzugängen werden es zu Saisonbeginn überwiegend die Aufsteiger sein, die es richten sollen. Sie müssen sich schnell an das höhere Tempo gewöhnen, die Fehlerquote reduzieren, konsequenter verteidigen, torgefährlicher werden.

Von den Neuen werden zum Start wohl drei zur Startelf gehören: Elvis Rexhbecaj, ausgeliehen vom VfL Wolfsburg, soll als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive fungieren. Ein klassischer Ballverteiler wie Robert Zulj ist er nicht, soll er auch gar nicht sein. Thomas Reis setzt auf ein verändertes System mit einem Sechser und zwei Achtern – ob das funktionieren wird, muss sich noch zeigen. Flankiert wird Rexhbecaj von Takuma Asano, dem wieselflinken, aber noch etwas hektischen Japaner, und von Christopher Antwi-Adjei, der in Wuppertal überzeugen konnte. Vor und hinter ihnen spielen die bekannten Routiniers: Lautsprecher Manuel Riemann im Tor, Cristian Gamboa und Danilo Soares in der Abwehr, Anthony Losilla und Robert Tesche im Mittelfeld und Simon Zoller im Sturm. Die beiden Innenverteidiger Maxim Leitsch und Armel Bella Kotchap (sofern er spielen darf) senken den Altersschnitt der erfahrenen Truppe. Bei acht Ausfällen zum Start stellt sich das Team ohnehin fast von alleine auf.

Vielleicht ist es auch ein Vorteil, dass der VfL Bochum zunächst auf Wolfsburg und Mainz trifft. Die Niedersachsen haben nach ihrem Trainerwechsel noch Anlaufschwierigkeiten, in den Testspielen und im Pokal lief es sportlich nicht rund, der Wechselfehler kam noch hinzu. Und Mainz? Die 05er mussten gerade elf Spieler in Quarantäne stecken, weil drei Teammitglieder mit Corona infiziert sind. Das dürfte auch Einfluss auf die Partie in Bochum haben.

Dank an alle Unterstützer

Doch so weit sind wir noch nicht. Was bis zum ersten Heimspiel der Saison noch passieren wird, erfahrt Ihr wie gewohnt an dieser Stelle. Wobei die vergangenen Wochen und Monate eines klar gezeigt haben: Die meisten von euch wollen hier keine klassischen Vorberichte lesen. Personalupdates und Zusammenfassungen von Pressekonferenzen gibt es schon an anderer Stelle, in der Bundesliga sogar noch viel mehr. Heißt also: Um die Tagesaktualität kümmern sich Kicker, WAZ und Co. „Tief im Westen – Das VfL-Magazin“ wird sich noch mehr auf das fokussieren, was uns von anderen unterscheidet: Eigene Recherchen, Hintergründe, Transfernews, Themen abseits des Platzes, Analysen oder Kommentare. In der kommenden Woche geht es zum Beispiel um die Frage: Wie komme ich eigentlich an Karten für die Bundesliga-Spiele? Mit vielen spannenden Ansätzen und aufschlussreichen Antworten.

Möglich ist das nur dank eurer Unterstützung. Die Zahlen sind knapp zwei Jahre nach der Portal-Gründung durchaus beeindruckend: 1,34 Millionen Seitenabrufe, allein 80.000 davon im vergangenen Monat. Möglich machen das mehr als 250 Unterstützer, die den Betrieb dieser Seite finanzieren. Auch das ist erstklassig!

Ihr wollt „Tief im Westen – Das VfL-Magazin“ ebenfalls unterstützen? Das geht ganz einfach: Sendet eure Spende einfach via PayPal an rentsch@vfl-magazin.de. Wer eine klassische Banküberweisung bevorzugt, erhält weitere Informationen gerne auf Anfrage. Jeder Betrag, ob groß oder klein, hilft dabei, dieses Projekt zu finanzieren.

(Foto: Firo Sportphoto)

Was macht eigentlich...?

Sören Colding über Eriksen und den Aufstieg des VfL

Von Jörg Laumann, Gastautor

Nach elf Jahren in der 2. Liga hat der VfL Bochum in diesem Jahr den Wiederaufstieg geschafft. Einer, der sich mit diesem Thema bestens auskennt, ist Sören Colding. Immerhin hat der Däne, der zwischen 2001 und 2006 das Bochumer Trikot trug, gleich zwei Aufstiege mit dem VfL geschafft. 2002 stand Colding selbst auf dem Platz, als das Bochumer Team unter Trainer Peter Neururer in einem spannenden Saisonfinale auf dem Aachener Tivoli den Sprung nach oben perfekt machte.

Vier Jahre später schaffte der mittlerweile von Marcel Koller betreute VfL einmal mehr den Aufstieg – wiederum mit einem Sieg in Aachen. Colding stand zu diesem Zeitpunkt noch im Kader, kam aber nicht mehr regelmäßig zum Einsatz. „Beide Aufstiege mit dem VfL waren auf jeden Fall schöne Erlebnisse und natürlich sehr bedeutend für den Verein“, sagt der heute 48-Jährige in der Rückschau. „Für mich war es immer ein Ansporn, nach einem Abstieg auch gleich nach wieder nach oben zu kommen. Als Fußballprofi fühlte ich da eine gewisse Verantwortung, den Misserfolg des Vorjahres wieder auszubügeln.“

Spannendes Saisonfinale 2002

Besonders im Gedächtnis geblieben ist Colding – wie wohl auch den meisten VfL-Fans, die ihn miterlebt haben – der Showdown am Ende der Zweitliga-Saison 2001/02. Der eigene 3:1-Sieg bei Alemannia Aachen reichte für die Bochumer damals allein nicht aus, um als Dritter doch noch den Aufstieg perfekt zu machen. Mit einem Unentschieden wäre der Konkurrent Mainz 05 durch gewesen, doch die damalige Klopp-Elf unterlag bei Union Berlin mit 1:3.

Da die endgültige Entscheidung an der Alten Försterei erst in der Schlussminute fiel, fühlte sich Colding an ein anderes legendäres Saisonfinale erinnert. „Im Jahr zuvor hatte mein Freund Ebbe Sand miterlebt, wie Schalke für ein paar Minuten als Meister gefeiert wurde und dann doch nicht den Titel gewann, weil im allerletzten Moment ein Tor im anderen Stadion fiel“, berichtet er. „Daher fiel es mir in Aachen im ersten Moment noch schwer, mich zu freuen. Ich bin erst einmal in die Kabine gelaufen, um zu prüfen, ob der Sieg von Union Berlin auch wirklich feststand.“ Wenig später durfte tatsächlich ausgelassen gefeiert werden.

Weggefährte von Reis und Schindzielorz

Mit dabei waren neben Colding auch zwei Spieler, die nun 19 Jahre später wichtige Rollen beim erneuten Wiederaufstieg des VfL gespielt haben: Der heutige Trainer Thomas Reis und Sebastian Schindzielorz, der mittlerweile den Posten des Geschäftsführers Sport bekleidet. „Ich freue mich sehr für die beiden, dass sie jetzt so erfolgreich sind“, sagt ihr ehemaliger Mitspieler aus Dänemark. „Sebastian und Thomas waren auch damals schon Führungsspieler und haben viel Verantwortung übernommen. Bei meinem ersten Trainingslager habe ich mir ein Zimmer mit Sebastian geteilt und wir haben uns immer gut verstanden.“ Der Kontakt sei bis heute nicht abgerissen. Gelegentlich tausche man sich auch über aktuelle Spieler aus Coldings Heimatland aus.

Der Rechtsverteidiger, der einst von Bröndby IF an die Castroper Straße wechselte, absolvierte 149 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga für den VfL Bochum. In 27 Partien lief Colding auch für die dänische Nationalmannschaft auf. Dementsprechend intensiv hat er den Auftritt seiner Landsleute bei der diesjährigen Europameisterschaft verfolgt, der mit einem dramatischen Ereignis begann. „Ich war im Parken in Kopenhagen beim ersten Spiel gegen Finnland, in dem Christian Eriksen auf dem Platz zusammengebrochen ist“, berichtet der ehemalige VfL-Profi. „Das war schon eine sehr traurige Situation, die einen sehr nachdenklich macht. In solchen Momenten wird einem erst bewusst, wie sehr man jeden Tag seines Lebens genießen sollte, weil sich so plötzlich alles verändern kann.“

Letztlich war die Erleichterung bei allen Beteiligten groß. Eriksen konnte das Krankenhaus bereits nach wenigen Tagen verlassen, seine Mannschaftskameraden behaupteten sich noch bis zum Halbfinale im Turnier. Colding hatte der dänischen Auswahl ohnehin eine Menge zugetraut. „Wir haben unsere beste Nationalmannschaft seit Jahren. Das Team hat eine gute Altersstruktur und viele der Spieler sind bei europäischen Spitzenclubs aktiv. Ich hatte schon erwartet, dass sie in diesem Turnier weit kommen können.“

Colding plant Besuch in Bochum

Nun richtet Colding, der heute beruflich für die Schmuckfirma Amazing Jewelry tätig ist, den Blick auch wieder auf den deutschen Fußball – genauer gesagt die 1. Bundesliga und den VfL Bochum. „Ich glaube schon, dass für Bochum der Klassenerhalt möglich ist“, sagt der 48-Jährige. „Natürlich ist es für einen Verein wie den VfL immer schwer, sich gegen finanzstärkere Konkurrenten zu behaupten. Aber auch der Aufstieg hat ja erfreulicherweise gezeigt, dass es nicht nur auf das Geld ankommt.“

Nach der langen coronabedingten Phase ohne Zuschauer hofft der Däne darauf, dass er endlich auch wieder selbst auf der Tribüne im Ruhrstadion sitzen kann. Zuletzt war dies im Dezember 2019 der Fall, als der VfL einen 2:1-Sieg gegen Hannover 96 feierte. Am Abend zuvor hatte es in der „Zeche“ an der Prinz-Regent-Straße noch eine besondere Hommage an Colding gegeben, als er dort das Konzert der bekannten dänischen Rockband D-A-D besuchte. „Ein Freund von mir war mit dabei und hat mich der Band vorgestellt. Er hat dazu auch ein Trikot von mir aus Bochumer Zeiten besorgt und es ihnen geschenkt.“ Die Musiker nahmen das Präsent gleich mit auf die Bühne und so prangte das VfL-Jersey mit Coldings Nummer 5 im Zugabenteil gut sichtbar an der Verstärkerwand im Rücken von D-A-D-Gitarrist Jacob Binzer.

Beim nächsten Besuch des ehemaligen Profis in Bochum wird es wohl weniger musikalisch zugehen. Vor allem das Wiedersehen mit Freunden sei geplant, berichtet er. Zudem seien aus dem Familienkreis bereits sehr konkrete Wünsche bezüglich der Auswahl von VfL-Spielen geäußert worden, wie Sören Colding schmunzelnd berichtet: „Mein Sohn hat mir gleich nach dem Aufstieg gesagt, dass ich mich jetzt um Karten für die Partien gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund kümmern müsse.“ 

Dieser Text ist zuerst im Magazin „100 Prozent VfL Bochum“ erschienen. Herausgeber ist der 3satz-Verlag mit Sitz in Bochum. Das Heft mit vielen Geschichten zum VfL Bochum wurde frisch zum Saisonstart veröffentlicht und ist aktuell an vielen Stellen im Stadtgebiet erhältlich, u.a. direkt beim Verlag (Alte Hattinger Straße 29 in Bochum-Ehrenfeld).

Corona-Regeln

Stadionbesuch: Kaum noch eine Chance ohne Impfung

Ohne einen Impfnachweis könnte der Stadionbesuch bald schwierig bis unmöglich werden. Das Bundesgesundheitsministerium hat in dieser Woche ein Papier mit Corona-Schutzkonzepten für den Herbst vorgelegt. Demnach könnte aus der bekannten 3G- eine 2G-Regel werden. Würde bedeuten: Nur noch Geimpfte oder Genesene erhalten Zutritt zu Großveranstaltungen. Ein aktueller Testnachweis würde dann nicht mehr ausreichen.

Beschränkungen für Nicht-Geimpfte

Selbst dann, wenn Minister Spahn mit diesem Vorschlag nicht durchkommt, könnten Geimpfte beim VfL Bochum künftig klare Vorteile haben. Schon jetzt besagt die Corona-Schutzverordnung in Nordrhein-Westfalen: Liegt die Inzidenz in einer Kommune an acht aufeinanderfolgenden Tagen über 35, dann gilt für Veranstaltungen die Grenze von 1.000 getesteten Teilnehmern. „Immunisierte Personen werden nicht eingerechnet“, heißt es in der Verordnung. Ein Drittel der Stadionkapazität dürfte dann theoretisch besetzt werden. Im Bochumer Ruhrstadion wären das, je nach Freigabe des Gesundheitsamtes, rund 9.000 Besucher, überwiegend im Sitzplatzbereich.

Ein finales Gespräch mit den Behörden für das erste Heimspiel gegen Mainz sei für den kommenden Freitag terminiert, verrät VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig auf Nachfrage. Erst danach könne der Ticketverkauf genau geplant werden. Verschiedene Szenarien seien möglich, so Kaenzig, der darauf hinweist, dass sich die Corona-Schutzverordnung und damit die Rahmenbedingungen noch verändern könnten, genauso wie die Inzidenz, die in Bochum erstmals seit Wochen wieder über 35 geklettert ist. Sollten tatsächlich fast nur noch Geimpfte ins Stadion dürfen, seien außerdem noch einige Fragen zu klären. Etwa, wie der VfL mit Kindern umgeht, für die eine Impfung derzeit noch nicht angeboten oder empfohlen wird. Beim BVB gehen zum Beispiel alle 1.000 Tickets für Nicht-Geimpfte an unter 18-Jährige. Heißt auch: Wer als Erwachsener nicht geimpft (oder genesen) ist, darf nicht mehr ins Stadion.

VfL wirbt fürs Impfen

Nicht nur deshalb will der VfL weiter fürs Impfen werben. Zwei Sonderaktionen gab es schon, die Nachfrage war überschaubar. Zahlen darüber, wie viele Stadionbesucher beim Test gegen Utrecht am vergangenen Wochenende ohnehin schon geimpft waren, wurden aus Datenschutzgründen nicht erhoben, erklärt Kaenzig. Man habe aber alle Abläufe im Nachgang analysiert. Kaenzig lobt die Disziplin der Stadionbesucher, sagt aber auch, dass es in Absprache mit dem Gesundheitsamt noch zu Nachschärfungen kommen wird – etwa, wenn es um die Einhaltung des Schachbrettmusters auf den Sitzplätzen oder die Abstände auf den Stehplätzen geht. Wahrscheinlich wird das Gesundheitsamt nach den Erfahrungen gegen Utrecht deutlich weniger Stehplätze freigeben als ursprünglich geplant.

Feedback für den VfL gab es übrigens auch aus der „Tief im Westen – Das VfL-Magazin“. Gelobt wurde insbesondere der reibungslose und gewissenhaft durchgeführten Einlass. Angeregt wurde, nach dem Spiel entweder mehr Stadiontore zu öffnen oder aber feste Auslasszeiten für die unterschiedlichen Blöcke einzuführen. In einigen Situationen sei es recht eng geworden, obwohl nur knapp 4.000 Zuschauer im Stadion waren. Kaenzig versichert, dass die Verantwortlichen auch das registriert hätten.

(Foto: Firo Sportphoto)