Nur ein Abgang

Warum es am letzten Transfertag so ruhig blieb

Es ist ein bisschen so wie früher in der Schule. Irgendwann kommt die Klassenarbeit und einige kommen kurz vor der Prüfung ins Schwitzen. So ähnlich erging an diesem Dienstag einigen Bundesliga-Managern, die am letzten Tag der Transferperiode noch auf der Suche nach Verstärkungen waren. Wobei sie für die Hektik am sogenannten „Deadline Day“ ja nur bedingt verantwortlich sind. Oft sind es auch die Spieler, die bis zur letzten Stunde zögern, ob sie nun wechseln wollen oder nicht, und wenn ja, zu welchen Konditionen.

Ekincier nach Mannheim

Der VfL Bochum hat sich an diesem 31. August zurückgehalten. Nur ein Abgang wurde am Nachmittag noch vermeldet: Flügelspieler Baris Ekincier hat den Verein verlassen und einen Vertrag beim Drittligisten Waldhof Mannheim unterzeichnet. Dort hatte der 22-Jährige bereits im Juli ein Probetraining absolviert, war anschließend aber wieder ins Revier zurückgekehrt. Der endgültige Abschied aus Bochum ergibt für beide Parteien Sinn: Ekincier kam in zwei Jahren nur auf zwei Profieinsätze und kann seine Karriere nun andernorts vorantreiben. Und der VfL ist zumindest einen Dauerreservisten losgeworden.

Mit 31 Profis ist die Mannschaft allerdings immer noch relativ groß. Weitere Bemühungen, den Kader zu verschlanken, führten nicht zum gewünschten Erfolg. An Mittelfeldspieler Tom Weilandt war Hansa Rostock zwischenzeitlich interessiert, ein Wechsel ist aber nicht zustande gekommen, vielleicht auch, weil der Spieler in seiner Heimat deutlich weniger verdient hätte. Passiert nichts Überraschendes mehr, wird er beim VfL auch in dieser Saison nicht zum Einsatz kommen. Gleiches gilt für Tarsis Bonga, der mit einigen Drittligisten in Verbindung gebracht wurde, aber mindestens eine Klasse höher spielen möchte. Nur wollte ihn da niemand haben.

Zerschlagen hat sich auch ein vorzeitiger Abgang von Raman Chibsah. Für den Ghanaer gab es zwar Anfragen, doch aus unterschiedlichen Gründen kam ein Wechsel nicht zustande. In die Türkei wollte er nicht gehen, nach Italien durfte er wegen einer komplizierten Ausländerregelung nicht wechseln. Auch er wird mindestens bis zum Winter in Bochum mittrainieren. Aus Sicht von Chefcoach Thomas Reis ist die Kadergröße durchaus ein Problem, weshalb er überlegt, die Trainingsgruppe phasenweise zu verkleinern. „Aber jeder hat weiter die Chance, sich zu zeigen“, betont Reis. Manager Sebastian Schindzielorz ergänzt: „Wir haben keine U23, deshalb muss unser Kader etwas größer sein.“

Geld für Zulj und Pavlidis

Dass auf der Zugangsseite am letzten Transfertag nichts mehr passieren würde, war schon länger klar. Insgesamt acht neue Akteure hat der VfL in diesem Sommer unter Vertrag genommen, fünf fest verpflichtet und drei geliehen. Alle Spieler sind ablösefrei gekommen, allenfalls wurde eine Leihgebühr fällig. Im Gegenzug wurden sechs Profis abgegeben. Für Robert Zulj haben die Bochumer 350.000 Euro eingenommen. Außerdem gab es einen kleinen Nachschlag für Vangelis Pavlidis, der innerhalb der niederländischen Eredivisie weiterverkauft wurde und bis 2019 zum VfL gehörte. Für Simon Zoller wurde allerdings noch ein Aufstiegsbonus an den 1. FC Köln fällig.

(Foto: Imago / Revierfoto)

1:2-Niederlage in Köln

VfL zu passiv: Riemann hat viele Kritikpunkte

Es war spät, es war schade, aber hochverdient. Nachdem Herbert Bockhorn ohne Druck und in der eigenen Hälfte den Ball in die Füße des Gegners spielte, ging es ganz schnell: Florian Kainz flankte nach innen, Louis Schaub war zur Stelle und netzte ein. 82 Minuten lang hatte der VfL so manche Kölner Drangphase überstanden und das Unentschieden schon vor Augen, doch das Glück war den Gästen am Ende nicht mehr hold. Die Hausherren legten sogar noch nach. Erneut ließ der VfL die Hereingabe zu und den Torschützen in der Mitte völlig blank. „Wir müssen lernen, das besser und konzentrierter zu verteidigen. Ich glaube, da sind wir noch zu grün hinter den Ohren“, kritisierte Torhüter Manuel Riemann nach der Partie. Simon Zollers Treffer zum 1:2 kam zu spät und war nur noch Ergebniskosmetik. 

Schwacher Start und schlechte Konter

Der VfL musste vor 25.000 Zuschauern, darunter 1.250 stimmgewaltige Bochumer, Lehrgeld zahlen. Bockhorns schwerer Fehler war nicht der einzige. Bestes Beispiel: Die Konterchancen, die sich ergaben, verdaddelten Zoller, Holtmann und Co. ziemlich leichtfertig. „Da müssen wir kaltschnäuziger sein“, stellte nicht nur Riemann fest. Trotz der Kölner Überlegenheit und der Bochumer Überforderung in der ersten halben Stunde war die Pausenführung für den VfL durchaus möglich.

Dass die Gäste, ähnlich wie in Wolfsburg, die Anfangsphase komplett verschlafen haben, ärgerte den Keeper im Nachgang sehr, auch wenn es zunächst beim 0:0 blieb. „Das war bodenlos“, schimpfte Riemann. Anthony Modeste traf nur den Pfosten, Dejan Ljubicic‘ Tor wurde wegen eines Handspiels aberkannt. „Wir haben uns beeindrucken lassen von der Kulisse und der Wucht der Kölner“, ärgerte sich Riemann. Der FC zeigte den typischen Steffen-Baumgart-Fußball, hoch anlaufend und ziemlich intensiv. Die Handschrift des neuen Trainers war schon deutlich zu erkennen. Bei den passiven Bochumern ging es eher Richtung ‚Sauklaue‘. „Wir haben uns so aufgestellt wie besprochen, aber nur hingestellt, nicht bewegt. Wir haben nur reagiert und nicht agiert“, monierte Bochums Schlussmann.

Dem VfL fehlten Mut und die Ideen, womöglich hätten auch frühere Impulse von der Bank geholfen, als die Bochumer nach gut einer Stunde wieder nur noch hinterherliefen. Thomas Reis brachte Christopher Antwi-Adjei erst nach 70 Minuten für den enttäuschenden Gerrit Holtmann, noch später feierte Eduard Löwen sein VfL-Debüt. Der Neuzugang fürs zentrale Mittelfeld deutete nämlich sofort an, dass er mit seiner Präsenz und Schusstechnik eine Verstärkung sein kann. Die Niederlage konnte er aber auch nicht verhindern.

Nach der Pause gegen Hertha BSC

Läuft alles nach Plan, dürfte Löwen nach der jetzt anstehenden Länderspielpause ins Team rotieren, dann gegen seinen Stammverein Hertha BSC. Löwen würde Milos Pantovic ersetzen, der in der Bundesliga allein mit seinem Einsatz nicht mehr alle Schwächen kaschieren kann. Auch die Rückkehr von Robert Tesche könnte helfen, um das Mittelfeldzentrum zu schließen. In der Abwehr wird Maxim Leitsch zurückerwartet. Vasilios Lampropoulos hatte in Köln immer wieder Probleme mit dem hohen Tempo. Auch Herbert Bockhorn bekam seine Seite nicht geschlossen, doch er wird in den kommenden Wochen weiter gefragt sein. Denn Cristian Gamboa fällt nach einer Arm-OP noch für einige Zeit aus. Stabilisieren muss sich auch Danilo Soares. Mit Konstantinos Stafylidis gibt es immerhin eine Alternative.

(Foto: Imago / Team 2)

Vertrag verlängert

Zoller bleibt bis 2024 beim VfL Bochum

+++ Update: So schnell kann es gehen: Noch vor dem Auswärtsspiel beim 1. FC Köln hat Simon Zoller seinen Vertrag beim VfL Bochum bis 2024 verlängert! Das gab der Verein am Freitagnachmittag bekannt. +++

Ursprünglicher Text vom 26. August:

Den Umweg über Bochum nimmt Simon Zoller gerne in Kauf. Eigentlich hätte es der Stürmer des VfL nicht weit, um an diesem Samstag zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Denn Zoller wohnt in Köln und seine Mannschaft ist zu Gast beim FC. Doch der 30-Jährige reist natürlich mit seinen Teamkollegen an.

Vier Jahre beim 1. FC Köln

Für Zoller ist es auch deshalb ein besonderes Spiel, weil er insgesamt vier Jahre für den 1. FC Köln gespielt hat. „Von der Europa League bis zum Abstieg habe ich alles erlebt“, blickt er zurück, „auch wenn ich heute keinen engen Bezug mehr zum Verein habe.“ Der Wechsel zum VfL erfolgte unmittelbar nach dem bislang letzten Aufeinandertreffen beider Klubs im Dezember 2018, als die Bochumer mit 3:2 gewannen. Für Zoller war es seinerzeit auch ein sportlicher Umweg. Über die 2. Liga wollte er zurück ins Fußball-Oberhaus kommen – was ihm schließlich gelungen ist.

Auch deshalb hat Zoller die Entscheidung nie bereut: „Es macht mir einfach Spaß, in Bochum zu spielen. Es ist jeden Tag ein Vergnügen und war definitiv der richtige Schritt.“ Längst hat sich der fleißige Angreifer zum Stammspieler und Leistungsträger entwickelt. In der Aufstiegssaison war Zoller mit 15 Treffern Bochums bester Torjäger und beeindruckte mit seinem konsequenten Pressing fast jede Abwehr der 2. Liga. In diesem Jahr ist Zoller in einer etwas anderen Rolle gefragt. Trainer Thomas Reis stellte beim 2:0-Heimsieg gegen Mainz 05 in der Vorwoche Neuzugang Sebastian Polter ins Sturmzentrum. Zoller kam auf dem rechten Flügel zum Einsatz – und zeigte auch dort eine starke Leistung.

Kein Wunder, denn diese Position kennt er bereits. „Das Thema begleitet mich jetzt schon seit Jahren. Ich bin ausgebildeter Stürmer, dort hatte ich meine erfolgreichste Zeit. Aber an der Linie habe ich schon gespielt, sowohl in Bochum als auch in Köln“, erklärt Zoller, der sich trotz seiner Vorliebe fürs Zentrum „in den Dienst der Mannschaft“ stellt. „Das klingt wie eine Floskel, ist aber wirklich so gemeint“, bekräftigt er.

Schindzielorz schätzt Zollers Qualitäten

Ihm nimmt man das ab, schließlich ist Zoller ein absoluter Teamplayer und deshalb auch ein Publikumsliebling in Bochum. Logisch also, dass beide Seiten, der Spieler und der Verein, an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert sind. Zollers Vertrag läuft am Saisonende aus, und er macht keinen Hehl daraus, dass er gerne verlängern würde. „Wir wissen, wie wichtig er für uns ist“, sagt Manager Sebastian Schindzielorz dazu und verweist nicht nur auf die sportlichen Qualitäten des Ex-Kölners, sondern auch auf sein soziales Engagement. Erst jüngst half Zoller Flutopfern mit einer Sachspende. An anderen Projekten ist er ebenso beteiligt, etwa zum Kinderschutz oder für den Amateurfußball. Schindzielorz lobt: „Simon steht für die Werte des Klubs.“

Man muss kein Hellseher sein, um zu erahnen, dass die Vertragsverlängerung in den kommenden Wochen über die Bühne gehen dürfte. Simon Zoller positioniert sich jedenfalls klar: „Ich sehe mich als Teil des Projekts, den VfL Bochum wieder in der Bundesliga zu etablieren.“ Er sei in „guten Gesprächen“ mit den Verantwortlichen. Offenbar so gut, dass er sagt: „Ich wage die Prognose, dass ich auch in der Saison 2022/23 beim VfL spiele – und vielleicht sogar länger.“

(Foto: Imago / Team 2)

Neuer Vertrag bis 2023

Leitschs Unterschrift ist viel Geld wert

Kein aktueller VfL-Profi trägt das blau-weiße Trikot schon so lange wie Maxim Leitsch. 2009 wechselte der Verteidiger von der SG Wattenscheid 09 nach Bochum. Damals war der VfL noch Bundesligist, jetzt ist er es wieder – und Leitsch nicht nur Talent und Balljunge wie früher, sondern Stammspieler und Leistungsträger der Lizenzspielermannschaft. Nun hat sich der 23-Jährige dafür entschieden, seinen 2022 auslaufenden Vertrag um ein Jahr zu verlängern. 

Kein ablösefreier Wechsel nach der Saison

Selten zuvor war eine Vertragsverlängerung für lediglich zwölf Monate so wichtig wie diese. Im Idealfall könnte sie dem VfL viel Geld einbringen. Denn möglicherweise wird Leitsch gar nicht ein weiteres Jahr in Bochum spielen. Der entscheidende Unterschied: Sollte es nach dieser Saison Interessenten für Leitsch geben, würde er eine Ablöse kosten. Ohne die Vertragsverlängerung hätte der 23-Jährige im kommenden Sommer problemlos wechseln können – und der VfL wäre leer ausgegangen.

Dass Leitsch seinen Vertrag auch aus Dankbarkeit verlängert hat, geht aus der Pressemitteilung des VfL nicht hervor. Der Spieler wird mit den üblichen Floskeln zitiert: „Für mich ist die Vertragsverlängerung der nächste logische Schritt. Ich freue mich auf die kommende Zeit im VfL-Trikot und werde gemeinsam mit der Mannschaft alles daransetzen, dass wir unsere Ziele erreichen.“ So weit, so bekannt. 

Leitsch ist begehrt in der Branche

Doch Sebastian Schindzielorz wird auf Nachfrage konkreter. Der Geschäftsführer verrät: Leitsch habe in den Verhandlungen das Gefühl vermittelt, dass er sich dem Verein verbunden fühle und womöglich etwas zurückgeben wolle – für die fußballerische Ausbildung, die er seit der E-Jugend beim VfL genossen hat, und für die Vertragsverlängerung vor drei Jahren, als ihm Schindzielorz das Vertrauen schenkte, obwohl Leitsch häufiger verletzt als gesund war. „Wir freuen uns, dass er sich zu seinem Stamm- und Ausbildungsverein bekennt“, sagt Schindzielorz, der seit einem Jahr an diesem Deal gearbeitet hat.

Dass Leitschs Unterschrift mit einer Gehaltserhöhung verbunden ist und ohne den Bundesliga-Aufstieg wohl nicht gelungen wäre, liegt nahe. Das Zeichen des Spielers, den Verein nicht ablösefrei verlassen zu wollen, ist in dieser Branche aber keineswegs selbstverständlich. Der VfL hätte natürlich auch eine andere Vertragslaufzeit akzeptiert. Dass Leitsch allerdings nicht ewig in Bochum bleiben wird, ist nur logisch. Der Linksfuß, der jung, schnell und talentiert zugleich ist, steht längst auf den Beobachtungslisten anderer Klubs. Klar ist aber: Wollen sie ihn verpflichten, müssen sie aber nicht nur mit ihm und seinem Berater, sondern auch mit dem VfL sprechen.

(Foto: VfL Bochum 1848)

Diskussion

Impfstatus bei Transfers prüfen? VfL äußert sich

Auf dem Spielfeld duellieren sich der VfL Bochum und der FSV Mainz 05 erst am Samstag. Doch schon im Vorfeld gab es, etwas überspitzt formuliert, einen verbalen Zweikampf zwischen den beiden Sportdirektoren. Das Thema: Die Impfbereitschaft in der Bundesliga. Christian Heidel, aktuell Verantwortlicher bei den Rheinhessen, hatte schon zu Wochenbeginn eine neue Transferstrategie ins Gespräch gebracht: “Ich kann mir schwer vorstellen, dass Mainz 05 noch einmal einen Spieler verpflichtet, der nicht geimpft ist. Die Risiken werden größer.”

Bochumer Impfquote unbekannt

Hintergrund der Überlegungen: Die Mainzer mussten nach drei Corona-Fällen im Team alle Spieler, die nicht geimpft sind, in Quarantäne schicken. Übrig blieb ein Rumpfkader, der zwar allen Widrigkeiten trotzte und zum Bundesliga-Auftakt Titelanwärter RB Leipzig schlug. Doch auch beim Spiel in Bochum könnten deswegen noch zahlreiche Profis fehlen. Mindestens acht Spieler sind nach Angaben des zuständigen Gesundheitsamtes noch nicht geimpft. Doch wie schaut es beim VfL Bochum aus?

„Wir sind diesbezüglich sehr gut aufgestellt“, sagte Sebastian Schindzielorz in der Pressekonferenz am Donnerstag, ohne konkrete Zahlen zu nennen: „Es handelt sich dabei um sensible Daten.“ Die spätestens dann bekannt werden, sollte beim VfL ein ähnlicher Fall eintreten wie in Mainz. Dann dürften die geimpften Spieler weiter trainieren und spielen, alle anderen müssten in Quarantäne. Auch Schindzielorz ist nicht verborgen geblieben, dass es Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit haben kann – im schlimmsten Fall sogar mehrfach innerhalb einer Saison.

VfL schaut nicht auf den Impfstatus

Trotzdem schließt Bochums Manager – im Gegensatz zu Christian Heidel – aus, dass der Impfstatus von Spielern bei einer Verpflichtung oder Vertragsverlängerung eine Rolle spielen wird: „Entscheidend sind immer die sportlichen Fähigkeiten und charakterlichen Züge.“ Der VfL Bochum werde „individuelle Sichtweisen“, wenn es um das Thema Corona-Schutzimpfung geht, weiterhin akzeptieren. Wie in diesem Sommer sollen alle Spieler aber auch in Zukunft ein Impfangebot erhalten und dann freiwillig entscheiden.

Nicht bekannt ist, ob es sich bei denjenigen, die auf den Piks bislang verzichtet haben, um überzeugte Impfgegner, um Impfskeptiker oder um Impftrödler handelt. Fest steht nur: Im Gegensatz zu allen anderen müssen sie sich weiter testen lassen. Das Hygienekonzept der DFL schreibt mindestens zwei PCR-Tests pro Woche vor. Für die Vereine ist das auch mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Je nach Anzahl der ungeimpften Spieler kommt im Jahr ein fünfstelliger Betrag zusammen, möglicherweise auch auf den VfL Bochum.

Nur vier Teams durchgeimpft

Eine Impfquote von 100 Prozent melden bislang nur vier von 36 Erst- und Zweitligisten: Der FC Augsburg, der 1. FC Köln, der Karlsruher SC und Holstein Kiel. Wie und ob sich der Transfermarkt für ungeimpfte Spieler künftig überhaupt verändern wird, ist noch offen. Mainz-Manager Heidel ist bislang der einzige Vertreter in der Bundesliga, der eine veränderte Einkaufspolitik angekündigt hat. Für den VfL hat es ohnehin noch keine Relevanz. Denn in diesem Sommer sind keine weiteren Transfers mehr geplant.

(Foto: Imago / Eibner)

2:0-Sieg gegen Mainz

Der perfekte Tag: Slalomlauf anne Castroper

Thomas Reis war skeptisch. „Wir standen draußen und dachten immer: schieß, schieß, schieß! Aber Gerrit lief immer weiter“, kommentierte der Trainer die Szene des Tages. Doch zum Glück hat Gerrit Holtmann so wenig Vertrauen in seinen rechten Fuß. Statt von der Strafraumkante direkt aufs Tor zu zielen, setzte er seinen Sololauf in der 21. Minute einfach fort – und belohnte sich und den VfL Bochum mit einem Treffer, der es in jeden Saisonrückblick schaffen wird.

Sechs verdutzte Mainzer ließ der Linksaußen zwischen Mittellinie und Fünfmeterraum wie Slalomstangen stehen, bevor er den Mainzer Torwart tunnelte und rund 12.500 Bochumer ausgelassen jubeln ließ. Nach elf Jahren ohne Auftritt in der Bundesliga und zuletzt etlichen Geisterspielen war die Sehnsucht nach Live-Fußball überall zu spüren. Und die Erwartungen wurden mehr als erfüllt.

Reis lobt seine Mannschaft

Für den perfekten Tag und noch mehr Feierlaune sorgte schließlich Sebastian Polter, der in seinem Premierenspiel für den VfL sofort überzeugte, besonders in der 56. Minute. Da nutzte der jüngst verpflichtete Mittelstürmer nach einer Flanke von Simon Zoller all seine Körperkraft und Kopfballstärke, um das verdiente 2:0 zu erzielen.

„Die Jungs haben es heute bravourös gemacht, wir waren von der ersten Minute an da. Mit den Fans im Rücken wurde es ein besonderes Spiel, ein besonderer Tag für alle“, war nicht nur Thomas Reis vollkommen begeistert. Sein Team präsentierte sich defensiv äußerst stabil, ließ kaum etwas zu und war auch offensiv deutlich gefährlicher als zum Start in Wolfsburg – allerdings gegen einen schwächeren Gegner, denn Mainz blieb über weite Strecken harmlos. Für VfL-Keeper Manuel Riemann waren der Wille und die mannschaftliche Geschlossenheit zwei wichtige Erfolgsfaktoren: „Wenn wir so weiterspielen und diese Intensität beibehalten, dann muss uns erstmal ein Gegner schlagen.“

Starkes Debüt von Bella Kotchap

Der emotionale Torwart genoss die Ehrenrunde nach dem Spiel besonders, das war ihm anzusehen. Riemann hatte zuvor die wenigen Chancen der Mainzer mit starken Reflexen entschärft und verdiente sich ähnlich wie in der Vorwoche eine der Bestnoten. Aber auch andere wussten zu gefallen: Armel Bella Kotchap vor allem, der nach einer kleinen Denkpause ins Team zurückgekehrt ist und stark verteidigte, in der Luft ebenso wie am Boden. Auch Anthony Losilla überzeugte. Der Kapitän hat sich mit 35 Jahren erstaunlich schnell an die neue Liga gewöhnt. Ein gutes Spiel machte auch Neuzugang Elvis Rexhbecaj.

Stark verbessert im Vergleich zu den Partien in Wuppertal und Wolfsburg zeigte sich Cristian Gamboa, der mit einer Armverletzung allerdings ausgewechselt werden musste. Neben den beiden Torschützen Holtmann und Polter, die ausgerechnet gegen ihren Ex-Klub trafen, fiel weiter vorne auch Simon Zoller positiv auf. Zwar musste der Angreifer durch die Hereinnahme von Sebastian Polter auf den rechten Flügel ausweichen, könnte dort aber in der Bundesliga noch wertvoller sein als im Sturmzentrum. Zoller traf nach einer Ecke sogar ins Mainzer Tor, doch der Videoassistent erkannte ein Handspiel. Schiedsrichter Pattrick Ittrich nahm den Hinweis aus Köln dankend an und den Treffer zurück.

Erster Bundesliga-Sieg seit 2010

An der guten Stimmung auf den Rängen änderte das jedoch nichts. Als die Fans am Ende den Klassiker „Oh, wie ist das schön“ anstimmten, mit dem üblichen Zusatz „sowas hat man lange nicht gesehen“, fassten sie den Tag des ersten Bundesliga-Siegs seit Februar 2010 wunderbar zusammen. Kleine Randnotiz: Da war Gerrit Holtmann noch Schüler der neunten Klasse. Jetzt ist er Slalomläufer in der ersten Liga.

(Foto: Imago / Revierfoto)

13.500 Zuschauer

Kommentar: Stadt und VfL sollten nachschärfen

So schnell und unerwartet kann es gehen. Nach dem Testspiel gegen den FC Utrecht Ende Juli hatte das Bochumer Gesundheitsamt noch Bedenken. Die zunächst erlaubte Zahl von 3.000 Zuschauern auf der Osttribüne sollte zum Spiel gegen Mainz auf 1.500 gesenkt werden. Nun aber schließt sich die Stadt den Lockerungsplänen des Landes an und lässt die Möglichkeit, zusätzliche Maßnahmen zu erlassen, ungenutzt verstreichen. Auf Basis der neuen Corona-Schutzverordnung erlaubt sie, dass am Samstag 13.500 Zuschauer ins Stadion dürfen – und damit auch mehr Fans auf die Osttribüne.

Unbegrenzt Ungeimpfte

Das ist nicht per se ein Problem, denn auch 2.500 Fans können sich – wenn sie denn wollen – auf den Stehrängen einigermaßen gut verteilen. Wirklich heikel wird es aber auf den Sitzplätzen. Dort gilt keine Abstandsregel mehr. Die Reihen werden bis auf wenige Ausnahmen voll belegt sein. Einzig für den Einlass gibt es klare Vorgaben – für den Auslass jedoch nicht. Das ist mehr als riskant, zumal die Infektionszahlen steigen und in Bochum weit über dem Bundesdurchschnitt liegen. Wohlgemerkt: Mit 13.500 Zuschauern steht in Bochum das größte Event seit Pandemie-Beginn bevor. Die Größenordnung erinnert an ein normales Zweitligaspiel der vergangenen Jahre.

Das Problem ist weniger die Aufstockung der Kapazität an sich, sondern die Summe der Lockerungen: Bei mehr Zuschauern keine Abstände, Zutritt für Ungeimpfte ohne Begrenzung und Schnelltests, die bis zu 48 Stunden alt sein dürfen. Besonders zwei Entscheidungen verdienen eine kritische Würdigung. Erstens: Wenn Schnelltests bis zu 48 Stunden alt sein dürfen, sind sie praktisch wertlos. Viele Bundesländer haben die Frist deshalb auf 24 Stunden herabgesetzt, NRW leider nicht. Hier sollte der VfL im eigenen Interesse freiwillig nachschärfen. Und zweitens: Wenn plötzlich wieder unbegrenzt Ungeimpfte ins Stadion dürfen, fällt ein weiterer Anreiz weg, sich endlich impfen zu lassen.

Hier hätte der VfL die Möglichkeit, auf eine 2G-Regel zu setzen, um die Sicherheit der Zuschauer zu erhöhen. Und um seiner gesellschaftlichen Mitverantwortung gerecht zu werden. Denn von den neuen Regeln profitieren im Vergleich zur vorherigen Corona-Schutzverordnung vor allem die Impfverweigerer und sorgen für Beklemmungen bei allen, die weiter auf Vorsicht setzen. Das ist insofern verwunderlich, weil das Gesundheitsamt und der VfL Bochum seit Beginn der Pandemie zum „Team Vorsicht“ gehörten und sich zuletzt gemeinsam für das Impfen stark gemacht haben. Jetzt hätten sie die Chance, dem Nachdruck zu verleihen.

VfL setzt weiter auf 3G

Was beim VfL tatsächlich auffällt: Er schafft es nicht, sich klar zu positionieren – vielleicht, weil er die Auseinandersetzung mit seinen eigenen Anhängern scheut; vielleicht, weil ihm das Geld einfach wichtiger ist. Andere Klubs, Borussia Dortmund zum Beispiel oder der 1. FC Köln, wollen trotz der neuen Verordnung weiter auf 2G setzen. Der VfL folgt dagegen brav der Landesregierung – erst streng, nun recht locker. Doch nicht alles, was im Wahlkampf plötzlich erlaubt wird, ist auch sinnvoll.

Transparenzhinweis: Die erste Version dieses Kommentars basierte auf der Annahme, dass es weiterhin Abstände zwischen den Sitzen geben wird. Dies ist jedoch nicht der Fall.

13.500 Zuschauer im Ruhrstadion. Eine gute Idee?

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(Foto: Imago / Team 2)