0:7 in München

Historische VfL-Pleite: „Ich schäme mich“

Mehr als 1.500 Bochumer waren mit nach München gereist. Weil sie die Zeit in der Bundesliga genießen wollen, weil das Spiel beim FC Bayern einen besonderen Reiz hat – und natürlich, weil sie auf ein historisches Resultat hofften. Das war dann auch der Fall, nur ganz anders als gewünscht. Mit 0:7 unterlag der VfL beim Rekordmeister. Es war die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte. Die Fans im Gästeblock nahmen es mit Humor. „Wir sind besser als der S04“, sangen sie am Ende. Schalke hatte in der Vorsaison mit 0:8 in der Allianz-Arena verloren.

„Die einzigen, die heute performt haben, waren unsere Fans“, bedankte sich Angreifer Sebastian Polter stellvertretend für die Mannschaft. Viel mehr sagte er nicht, das Ergebnis sprach für sich. Der VfL Bochum war in allen Bereichen unterlegen und an diesem Tag, in diesem Spiel nicht bundesligatauglich. „Die erste Viertelstunde war noch ganz in Ordnung“, sagte Trainer Thomas Reis in seiner Spielanalyse. „Doch dann geraten wir durch einen Freistoß ins Hintertreffen und die Dinge nehmen ihren Lauf.“ 

Nur noch halbherzig verteidigt

Ein abgefälschter Schuss führte zum 0:2, ein Konter zum dritten und ein Eigentor von Vasilios Lampropoulos zum vierten Gegentreffer, alles noch vor der Pause. Die Bayern waren stets einen Schritt schneller, in den Köpfen und mit den Beinen. Der VfL verteidigte mit zunehmender Spieldauer nur noch halbherzig, die Mannschaft ergab sich ihrem Schicksal. Beim 0:5 und 0:6 konnten die Münchner im Strafraum ungestört kombinieren, und auch beim siebten Streich hielten alle Bochumer die Abstandsregeln vorbildlich ein. 

„Wenn man die Gegentore im zweiten Durchgang sieht, können wir froh sein, dass wir nur sieben Stück bekommen haben“, sagte Reis. Am Mikrofon von Sky wurde er besonders deutlich: „Ich bin maßlos enttäuscht und schäme mich auch, für die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte mitverantwortlich zu sein.“ Ein 0:6 gab es schon dreimal, zuletzt 2006, ein 1:7 genau einmal, 1994 gegen Mönchengladbach. Mit 0:7 hatte der VfL aber noch nie verloren. Die schlimmsten Befürchtungen, dass der Aufsteiger in München untergehen könnte, bewahrheiteten sich.

Defizite vorne wie hinten

Dass quasi jeder Spieler, der nach der historischen Pleite ein Interview gab, betonte, dass man „aus den Fehlern lernen“ müsse, ist zwar richtig, wiederholt sich nun aber Woche für Woche. „Wir müssen lernen, viel konsequenter zu sein. Das bedeutet: Im eigenen Sechzehner konsequenter zu verteidigen, aber auch vorne die Chancen konsequenter zu nutzen“, sagte etwa Manuel Riemann. Auch wenn das Spiel in München nicht der Maßstab sein darf, sind einige Defizite nach fünf Spieltagen unübersehbar, die Fehler ähneln sich. Das gilt, wie Riemann andeutet, für alle Mannschaftsteile.

Der Torhüter ist einer der wenigen, der durchweg gute Leistungen zeigt. Nach dem Spiel in München verbietet sich fast eine Einzelkritik, doch speziell in der Abwehr muss Reis dringend an den Schwächen arbeiten. Das Problem: Andere Spieler hat er nicht, außer Maxim Leitsch, so er denn bald zurückkommt. Möglicherweise war es ein Fehler, dass im Sommer zwar acht Neue kamen, aber nur ein einziger Verteidiger verpflichtet wurde. Auch im Mittelfeld hat Reis die optimale Formation noch nicht gefunden. Und im Angriff wird noch ein Ersatz für den verletzten Simon Zoller gesucht. 

Heimspiel gegen Stuttgart

Intern trauen die Verantwortlichen diese Rolle am ehesten Takuma Asano zu, der zum Heimspiel am kommenden Sonntag wieder dabei sein soll. Er könnte auf der rechten Außenbahn starten. Aber auch Christopher Antwi-Adjei, den Reis bislang nur selten einsetzt, könnte beginnen. War die Niederlage in München noch irgendwie verzeihlich – wenn auch nicht in dieser Höhe – wird der VfL gegen Stuttgart fast schon punkten müssen, um neue Zuversicht zu verbreiten. Denn so ähnlich wie auf Schalke soll diese Saison nicht weitergehen, das ist auch den Fans ein Anliegen.

(Foto: Imago / Nordphoto)

Hiobsbotschaft

Zollers Kreuzbandriss: Bitter? Mehr als das!

Vier Spielernamen nannte Jens Fricke, als er in der Pressekonferenz am Donnerstagmittag die Verletzten für das Auswärtsspiel beim FC Bayern München aufzählte. Die beiden Nachwuchskräfte Paul Grave und Luis Hartwig fallen ebenso aus wie die beiden Stammspieler Cristian Gamboa und Maxim Leitsch. Zu diesem Zeitpunkt ahnte wohl weder Fricke noch Cheftrainer Thomas Reis, dass sich nur wenige Stunden später ein weiterer Spieler hinzugesellen würde, verbunden mit einer echten Hiobsbotschaft.

An allen Toren beteiligt

Simon Zoller, der sich im Training am Mittwoch verletzt hatte, ließ sich am Donnerstag näher untersuchen. Danach bekam er die Schock-Diagnose, die sich kein Sportler wünscht: Der Publikumsliebling hat sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen. Er wird monatelang fehlen, womöglich bis zum Saisonende. Das ist für den 30-Jährigen ein ähnlich herber Rückschlag wie für seinen Klub. Zoller ist unumstrittene Stammkraft und Leistungsträger, Laufwunder und Motivator, Führungsspieler und Top-Scorer. In der Aufstiegssaison war er an 25 Treffern beteiligt, in dieser Spielzeit an allen vier. Erst vor knapp drei Wochen hat er seinen Vertrag bis 2023 verlängert. Zoller wird in Kürze operiert und danach die Reha beginnen.

Alternativen gesucht

„Das ist natürlich sehr bitter“, sagt VfL-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz. „Simon ist ein wesentlicher Faktor in unserem Spiel und hat sich auch in dieser Saison in sehr guter Form präsentiert.“ Zoller kam zuletzt entweder in der Sturmspitze oder auf dem rechten Flügel zum Einsatz. Wie er nun ersetzt werden soll, ist noch offen. Als Mittelstürmer mit Bundesligaformat verbleibt Neuzugang Sebastian Polter, je nach Bereitschaft und Tagesform auch Silvere Ganvoula. Auf der Außenbahn gibt es mehr Alternativen: Christopher Antwi-Adjei kann dort spielen, ebenso wie Danny Blum und Takuma Asano, die beide wieder fit sind und nun gefordert sind. Womöglich lässt sich der Ausfall von Zoller nur im Kollektiv kompensieren, wenn überhaupt. 

Viel Zuspruch für Zoller

Am Abend meldete sich der Verletzte auch persönlich zu Wort. Via Instagram gab Zoller einen Einblick in seine Gefühlswelt. Er sei traurig, „einerseits, weil ich mich im Moment sehr gut gefühlt habe und andererseits, weil ich meiner Mannschaft und dem Verein nicht helfen kann […] die Liga zu halten.“ Doch schon wenige Stunden nach der Diagnose zeigte sich der Angreifer kämpferisch: „Wer mich kennt weiß: Ich komme wieder.“ Mehrere hundert Fans reagierten und sprachen ihm Mut zu.

(Foto: VfL Bochum 1848)

15.500 Zuschauer gegen Stuttgart

VfL Bochum darf lockern, Fans zögern aber

Hamburg und Bremen machen den Anfang. Die beiden Stadtstaaten erlauben erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder eine Vollauslastung ihrer Sportstätten. Die Voraussetzung: Alle Zuschauer müssen geimpft oder genesen sein. Es gilt die 2G-Regel. Wollen die Vereine auch getestete Fans empfangen, gelten weiter Einschränkungen.

In Nordrhein-Westfalen ist ein solches Optionsmodell noch nicht Teil der Corona-Schutzverordnung. Aber auch hierzulande werden die Regeln gelockert, wovon der VfL Bochum profitiert. Zum Heimspiel gegen den VfB Stuttgart dürfen 15.500 Zuschauer ins Stadion kommen. Der Verein darf also mehr als 50 Prozent der Kapazität nutzen. Neu ist, dass jetzt 4.000 statt nur 2.500 Fans auf die Osttribüne dürfen. Das Gesundheitsamt hat dafür die Genehmigung erteilt. Der Verein hatte vor dem Spiel gegen Hertha BSC noch damit gedroht, dass künftig weniger Fans auf die Osttribüne dürfen, wenn die Maskenpflicht nicht eingehalten wird. Sie wurde von vielen Anhängern auch nicht beachtet, Konsequenzen hat das aber keine. Sogar ganz im Gegenteil.

Infektionszahlen sinken

Stadt und Verein begründen die Lockerungen damit, dass die Infektionszahlen in Bochum deutlich rückläufig sind und dass die ersten beiden Spiele keinen nachweisbaren, negativen Effekt auf die Inzidenz hatten. Außerdem sei die Impfquote unter den VfL-Fans überdurchschnittlich hoch. Anonyme Stichproben hätten ergeben, dass mehr als 90 Prozent der Stadionbesucher bereits geimpft seien. Damit ist die Impfquote unter den VfL-Fans nicht nur höher als in der allgemeinen Bevölkerung, sondern auch höher als in anderen Stadien.

Die Menschen dürfen auf den Stehplätzen also wieder enger zusammenrücken, was auf den Sitzplätzen ja schon länger der Fall ist. Doch ganz geheuer ist das einigen Anhängern offenbar nicht. Rund 7.000 Dauerkarten hat der VfL vor der Saison für die Ostkurve verkauft, doch nur 3.200 von ihnen haben für das Spiel gegen Stuttgart auch ein Stehplatzticket gebucht. Seit Montag waren die Karten zu haben, doch am Donnerstag waren immer noch welche übrig und sind schließlich in den freien Verkauf gegangen.

Probleme bei Vollauslastung

Hieße das im Umkehrschluss auch, dass eine Erlaubnis zur Vollauslastung in absehbarer Zeit noch gar nicht zu vollen Stadien führen würde? Genau das vermutet der Präsident des FC St. Pauli, Oke Göttlich, der sich mit einem solchen Szenario bereits konkret auseinandersetzen darf: „Wir wissen nicht, ob es den Menschen überhaupt jetzt schon genehm ist, mit wahnsinnig vielen Zuschauerinnen und Zuschauern eng an eng zu stehen.“

Für den VfL Bochum würden sich in einem solchen Fall auch neue organisatorische Herausforderungen ergeben. Schon jetzt ist jedes Heimspiel mit einem hohen logistischen Aufwand verbunden. Beim Auftakt gegen Mainz 05 im August hatte es noch Anlaufschwierigkeiten gegeben, etwa Verzögerungen beim Einlass. Einige Fans berichteten auch, dass kurz vor dem Anpfiff die Impfausweise nur noch flüchtig kontrolliert worden seien. Gegen Hertha lief es schon deutlich besser, weil der VfL zum Beispiel mehr Eingänge und sogenannte Vorkontrollen für den 3G-Status eingerichtet hat. Müssten noch deutlich mehr Impfausweise kontrolliert werden, wären weitere Anpassungen nötig.

Kritik der Dauerkarteninhaber

Mit einer möglichen Vollauslastung wäre ein anderes Problem jedoch gelöst. Einige Dauerkarteninhaber kritisieren, dass sie bei der Buchung von Tickets für die einzelnen Spiele nicht ein exklusives Zugriffsrecht auf ihren Platz erhalten. Der VfL begründet das damit, dass er die Dauerkarteninhaber der Ostkurve nicht benachteiligen möchte. Diese müssten je nach zugelassener Zuschauerzahl um einen Platz kämpfen, während Sitzplatzkunden ihren Platz sicher hätten. Wobei dieses Argument angesichts der Zurückhaltung vieler Fans beim Kartenkauf auch bald hinfällig ist.

(Foto: Imago / Beautiful Sports)

1:3 gegen Hertha

Ein Spiel, das der VfL Bochum nicht verlieren darf

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurden sie immer lauter. Obwohl ihre Mannschaft mit 0:2 zurücklag, feierten die Fans des VfL Bochum ihre Spieler, als hätte die Stadionregie die beiden Ziffern auf der Anzeigetafel vertauscht. Jeder Ballgewinn wurde beklatscht, jede gute Aktion frenetisch bejubelt. Spieler und Fans spornten sich gegenseitig an, dabei war nur jeder zweite Platz besetzt. 14.000 Zuschauer verwandelten das Bochumer Ruhrstadion am frühen Sonntagabend in einen echten Hexenkessel.

Forsch und frech

In dieser Hinsicht ist der VfL in jedem Fall eine Bereicherung für die Bundesliga. Sportlich muss er das noch nachhaltig unter Beweis stellen. Gegen keinesfalls starke Berliner verloren die Bochumer mit 1:3, weil die Gäste aus drei Chancen drei Tore machten. „Die Niederlage ist extrem bitter. Von der Leidenschaft her kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte Trainer Thomas Reis nach einer Partie, die der VfL nicht hätte verlieren dürfen. Zumal es in dieser Saison wohl kaum noch Gegner geben wird, die schwächer und passiver sind als diese Hertha zu diesem Zeitpunkt.

Dabei machte der VfL zunächst vieles richtig: Er begann forsch und attackierte früh, teilweise schon am gegnerischen Strafraum. Die Hausherren waren die aktivere und somit überlegene Mannschaft, am Ende hatte sie sogar 67 Prozent Ballbesitz. Nur der letzte oder vorletzte Pass kam meistens nicht an, spätestens im Strafraum fehlte die Genauigkeit. Auch die Flanken waren nicht gut, Zielspieler Sebastian Polter blieb weitgehend unsichtbar. Echte Chancen waren in der ersten Halbzeit also Mangelware, mal abgesehen von einem Flugkopfball des nimmermüden Simon Zoller. Etwas besser wurde es erst im zweiten Durchgang, doch auch da fehlte bei aller Dominanz in vielen Szenen die Präzision. Hinzu kam, dass die erhoffte Standardstärke durch Eduard Löwen ausblieb. Die Leihgabe aus der Hauptstadt wirkte etwas übermotiviert, versuchte es immer wieder, aber ohne Erfolg.

Schlafmützig und stümperhaft

Dass der VfL nach vier Spielen weiter bei drei Punkten steht, lag aber auch an einer teils stümperhaften Abwehrleistung. Beim ersten Gegentreffer verlor Anthony Losilla nach einem Abschlag von Manuel Riemann den Ball an der Mittellinie, Suat Serdar durfte anschließend unbedrängt durch die Bochumer Hälfte marschieren und hatte gegen Rexhbecaj, Stafylidis sowie Lampropoulos leichtes Spiel, denn keiner griff konsequent an. Serdar schnürte sogar den Doppelpack: Nach einem Einwurf herrschte Unordnung in der Bochumer Abwehr. Armel Bella Kotchap traf den Ball nicht, auch Lampropoulos, der leicht gehalten wurde, kam nicht dran und der Ex-Schalker legte nach. Slapstick beim VfL.

Unglücklicher hätten die letzten Minuten der ersten Halbzeit nicht laufen können. Doch der Aufsteiger ließ die Köpfe nicht hängen und rannte nach der Pause weiter an, mit einem Willen, der durchaus bemerkenswert war. Und der VfL belohnte sich dafür. Gerrit Holtmann setzt, fast schon wie gegen Mainz, zum Solo an. Drei Gegenspieler ließ er stehen, seinen Schuss konnte Herthas Alexander Schwolow noch entschärfen, doch bei Simon Zollers Nachschuss war der Torwart machtlos. Der Anschlusstreffer war hochverdient.

Verloren und verletzt

Von der Hertha war in dieser Phase nichts zu sehen, die Gäste stellten ihre Offensivbemühungen nach dem Seitenwechsel komplett ein, das Spiel fand nur noch in einer Hälfte statt. Das Team von Thomas Reis blieb überlegen, schnupperte am Ausgleich und wurde doch kalt erwischt. Herthas erster Angriff im zweiten Durchgang mündete in der Entscheidung. Wieder ließ der VfL die Gäste gewähren, Myziane Maolida bekam nur Geleitschutz von der Bochumer Abwehr und traf ins untere Eck. Hätte der VfL die Zuschauerzahl an diesem Abend durchgesagt, dann hätte er so manchen Verteidiger dazuzählen müssen – erneut war Vasilios Lampropoulos zu zögerlich, aber auch Elvis Rexhbecaj und Armel Bella Kotchap, die es beide verpassten, ein taktisches Foul zu begehen.

Das 1:3 brachte selbst die stimmgewaltigsten Anhänger zum Schweigen. Besonders bitter: Bella Kotchap verletzte sich noch und humpelte vom Feld. Eine Diagnose steht noch aus. Müsste Reis seine Abwehr ausgerechnet gegen die Bayern am kommenden Samstag umbauen, wäre das eine erhebliche Schwächung – zumal auch Maxim Leitsch erneut ausfallen könnte. Hoffnung machte gegen die Hauptstädter immerhin ein Startelfdebütant: Konstantinos Stafylidis erhielt auf der rechten Seite etwas überraschend den Vorzug vor Herbert Bockhorn und zeigte ein ordentliches Spiel, zumindest defensiv. „Ich wollte Mentalität und Power in der Mannschaft haben“, erklärte Reis seine Maßnahme. Ebenfalls erwähnenswert: Robert Tesche nahm zunächst nur auf der Bank Platz, Danny Blum und Silvere Ganvoula fehlten komplett.

(Foto: Imago / RHR-Foto)

VfL wächst

Bochum boomt: Rekorde bei Mitgliedern & Sponsoren

Der VfL Bochum befindet sich nach seiner Rückkehr in die Bundesliga auf Wachstumskurs – und das auf vielen Ebenen. Mit mehr als 15.000 verkauften Dauerkarten wurde bereits im Sommer ein Vereinsrekord geknackt. Etwas mehr als 7.000 Stehplatzkarten sowie ähnlich viele Sitzplatztickets wurden reserviert, VIP-Plätze kommen noch dazu. Bei der Hauptversammlung im Oktober werden die Verantwortlichen außerdem die aktuelle Mitgliederzahl präsentieren. Bemerkenswert: Seit Januar sind 5.000 neue Vereinsmitglieder dazugekommen. Die Gesamtzahl der Mitglieder ist somit von 12.000 auf 17.000 gestiegen. So einen steilen Anstieg gab es noch nie – und das Jahr ist noch nicht vorbei.

Mehr Sponsoren akquiriert

„Der Aufstieg ermöglicht die wirkliche Entfaltung unseres Potenzials“, sagte VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig jüngst dem Branchenmagazin Sponsors. Das zeigt sich in den ersten Monaten nach dem Aufstieg auch bei den Sponsoren. Fast alle Werbeflächen sind vermarktet. Zahlreiche langjährige Partner haben ihre Verträge verlängert, auch neue Unterstützer wurden gefunden. Bestes Beispiel: Die Zahl der Premium Partner – das ist die Stufe unter dem Hauptsponsor – hat sich von acht auf 14 fast verdoppelt. Der VfL hat Unternehmen aus ganz Deutschland und sogar aus Österreich und aus Asien begeistern können, an der Castroper Straße zu werben.

 „Unser Ziel ist es natürlich, den Klassenerhalt zu schaffen und uns in der Liga zu etablieren. Dieses Ziel darf der VfL Bochum aufgrund seiner Historie so formulieren, ohne überheblich zu sein“, sagt Ilja Kaenzig, auch in der Hoffnung auf weiteres Wachstum. Mögliche Umsatztreiber hat er bereits identifiziert, etwa den Fanartikelverkauf, das Ticketing oder eSport. Auch die Internationalisierung des Klubs soll weiter vorangetrieben werden. Perspektivisch möchte der Klub die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro knacken. Erhalten möchte Geschäftsführer Kaenzig, der seit Anfang 2018 die Verantwortung trägt, trotzdem den „Volkssport“-Charakter des Fußballs mit Nähe und regionaler Verbundenheit.

Mehr Kinder begeistern

Das bleibt auch deshalb wichtig, um die Fans von morgen zu begeistern. Vereins- und ligaweite Erhebungen zeigen, dass das Stadionpublikum beim VfL Bochum im Vergleich etwas älter ist als in anderen Städten. Nach elf Jahren teils trister Zweitklassigkeit möchte der Klub künftig wieder mehr Kinder begeistern. Pandemiebedingt ist das aber gar nicht so einfach. Im Stadion sind die unter 12-Jährigen mangels Impfung nur bedingt geschützt. Dementsprechend zurückhaltend sind einige Eltern, wenn es um die Ticketbuchung geht. Auch die Nähe zu den Spielern lässt sich aktuell kaum herstellen. Das Hygienekonzept der DFL sieht zurzeit keine öffentlichen Trainingseinheiten vor.

(Foto: Imago / Sven Simon)

Bochum in der Findungsphase

Wer hat Bundesliganiveau? Gerland mit Tipps für Reis

Mit Tipps von Hermann Gerland ging es für Trainer Thomas Reis ins verlängerte Wochenende. Die VfL-Legende schaute bei der 0:2-Testspielniederlage gegen den niederländischen Erstligisten Go Ahead Eagles Deventer in Bochum vorbei. Die beiden Fußballlehrer standen nach der Partie noch länger zusammen. Während Gerland seine Eindrücke schilderte, hörte Reis aufmerksam zu. „Die Zeit habe ich mir gerne genommen“, ließ sich der 47-Jährige in der WAZ zitieren. „Was er mir zu unserem Testspiel gesagt hat, war sehr aufschlussreich. Es ist immer hilfreich, von so einem großen Fachmann Aussagen zu bestimmten Spielern zu bekommen.“ 

Reis war ohnehin nicht zufrieden mit dem Auftritt gegen Deventer: „Wir haben nicht das Niveau gehabt, das wir in der Bundesliga zeigen wollen und müssen.“ Es ist nicht die erste deutliche Ansage des Trainers in diesen Tagen. Schon nach der 1:2-Niederlage beim 1. FC Köln kritisierte Reis die Leistung seiner Mannschaft, die „den Männerfußball“ nicht angenommen und die erste halbe Stunde verschlafen habe. Das soll beim Heimspiel gegen Hertha BSC am kommenden Sonntag definitiv anders aussehen. Der VfL will vor knapp 14.000 Zuschauern die nächsten Punkte einfahren. Vieles deutet darauf hin, dass Reis personelle Veränderungen vornehmen wird.

Wechsel im zentralen Mittelfeld

Klar ist: Robert Tesche ist nach seiner Rotsperre wieder einsatzbereit. Gut möglich, dass der Routinier gegen die Berliner zur Anfangsformation gehören wird. Sein Vorteil: Er ist der einzige klassische, absichernde Sechser mit Startelfpotenzial im Kader. Eine Reihe weiter vorne kämpfen Anthony Losilla, Milos Pantovic sowie die Neuzugänge Eduard Löwen und Elvis Rexhbecaj um die beiden Plätze auf der Doppelacht. Als Kapitän dürfte Losilla gesetzt sein, er hat zuletzt auch nicht enttäuscht und den Sprung in die höhere Spielklasse offensichtlich geschafft. Pantovic hat neben ihm allerdings nicht überzeugt – auf Dauer dürfte es für ihn in der Bundesliga nicht reichen. 

Mit Löwen, der gegen Deventer erstmals über 90 Minuten zum Einsatz kam, und Rexhbecaj, der zu Saisonbeginn dreimal zur Anfangself gehörte, gibt es ja auch Alternativen. Löwen könnte mit seiner Physis, seiner Schuss- und Standardstärke neue Elemente ins Bochumer Spiel bringen, die zuletzt ein wenig gefehlt haben. Womöglich müsste also Rexhbecaj weichen, der zum Start weder enttäuschte noch besonders überzeugte. Gemessen an ihren Leistungen sind beim VfL nach vier Partien inklusive Pokal ohnehin nur wenige Spieler unumstritten: Torhüter Manuel Riemann, Dauerbrenner Simon Zoller, vorerst auch Angreifer Sebastian Polter und Innenverteidiger Armel Bella Kotchap.

Kampf um die Startelfplätze

Auf vielen weiteren Positionen befindet sich der VfL noch in der Findungsphase. Links vorne etwa, wo Gerrit Holtmann mit seinem beeindruckenden Sololauf Bonuspunkte sammelte, sich darauf aber auch nicht ausruhen sollte. Gegen Köln wie auch schon im Pokal nahm er kaum am Spiel teil. Als Alternative stünde Christopher Antwi-Adjei bereit. Noch kein Thema für einen Einsatz von Beginn an ist Danny Blum, der zwar wieder fit ist, gegen Deventer aber kaum Akzente setzte. Über mangelnden Konkurrenzkampf kann sich Thomas Reis auf den Außenpositionen grundsätzlich nicht beklagen, zumal Takuma Asano nach einem Muskelfaserriss an seiner Rückkehr arbeitet.

Etwas anders schaut es in der Abwehr aus. Herbert Bockhorn, der gegen Köln ziemlich überfordert war, muss sich steigern, zumal er der einzige Ersatz für den verletzten Cristian Gamboa ist. Da Maxim Leitsch gegen die Hertha erneut fehlen wird, ist zentral wieder Vasilios Lampropoulos gefragt. Auch der Grieche muss noch beweisen, dass er in der Bundesliga wirklich mithalten kann. Mehr erwartet Thomas Reis auch von Linksverteidiger Danilo Soares. Viele Nachlässigkeiten wird Bochums Trainer nicht mehr zulassen, denn nach dem Spiel gegen die Hertha geht es zum FC Bayern. Mehr Bundesliganiveau geht nicht. Dann wird auch Hermann Gerland ganz genau hinschauen.

(Foto: Imago / Team 2)

Im Sommer ist Schluss

Mizuno statt Nike: VfL setzt auf neuen Ausrüster

+++ Update am 9. März 2022: Der VfL Bochum hat den Deal mit Mizuno mittlerweile bestätigt! +++

Ursprünglicher Text vom 1. September 2021:

Nach elf Jahren mit dem Swoosh auf dem Trikot wird es beim VfL Bochum im kommenden Sommer einen Ausrüsterwechsel geben. Der auslaufende Vertrag mit der Firma Nike wird nicht verlängert. Seit 2011 rüstet der Branchenprimus den Revierklub aus. Nach dieser Saison ist definitiv Schluss. Stattdessen setzt der Bundesligist künftig auf den japanischen Sportartikelhersteller Mizuno. Offiziell möchte sich der VfL dazu noch nicht äußern. Nach „Tief im Westen“-Recherchen sind die Verhandlungen aber schon abgeschlossen.

Verkaufsrekord mit Nike

Mit dem Abschied von Nike endet an der Castroper Straße eine lange Tradition. Schon zwischen 2002 und 2007 stellte das US-Unternehmen die blau-weißen Trikots her. In der Aufstiegssaison 2020/21 knackte der VfL mit Nike sogar einen vereinseigenen Verkaufsrekord. Aktuell gibt es allerdings massive Lieferschwierigkeiten. Das aktuelle Heimtrikot wird erst Ende Oktober in allen Normalgrößen erhältlich sein. Auch das Ausweichtrikot kann momentan nicht angeboten werden. Das ist aber nicht der Grund für den Ausrüsterwechsel.

Mizuno übernimmt ab 2022

Mizuno legte dem VfL nicht nur finanziell ein gutes Angebot vor, sondern warb in den Vertragsgesprächen auch mit einer besonderen Konstellation. Denn der VfL wird neben Lazio Rom auf dem europäischen Markt das Flaggschiff des japanischen Anbieters sein und exklusive Produkte erhalten. Das Unternehmen, das seit 1906 existiert und Umsätze von knapp zwei Milliarden Euro verzeichnet, ist zurzeit eher auf dem asiatischen Markt stark und hierzulande nur sporadisch beim Handball (HSG Wetzlar), Tennis (Philipp Kohlschreiber), Golf oder Laufsport vertreten.

Soares trägt Mizuno-Schuhe

Einen bekannten Fußballverein in Deutschland stattet Mizuno bislang noch nicht aus. Zumindest VfL-Verteidiger Danilo Soares setzt aber schon jetzt auf das Schuhwerk des künftigen Klubausrüsters. Prominente Fußballstars wie Kaka oder Fernando Torres wählten in der Vergangenheit ebenfalls Produkte von Mizuno aus. In Portugal trägt aktuell der Erstligist Portimonense Trikots der Japaner, in Italien außerdem einige Zweit- und Drittligisten. Darüber hinaus gab es in der Vergangenheit eine Zusammenarbeit mit dem AC Florenz und dem FC Watford.

(Foto: Firo Sportphoto)