Nicht wenige Fans des VfL Bochum schauen in Anlehnung an das angebliche Gründungsjahr um 18.48 Uhr besonders gern auf die Uhr. An diesem Freitagabend hatten sie dabei einen besonderen Grund zur Freude. Denn exakt zu dieser Zeit erzielte Philipp Hofmann beim Auswärtsspiel gegen Eintracht Braunschweig gegen den Führungstreffer zum 1:0, der zugleich auch der einzige in dieser Partie war. Auf den Tag genau 55 Jahre nach dem allerersten Bundesliga-Spiel des VfL Bochum, damals ebenfalls gegen Eintracht Braunschweig, trafen die beiden Klubs wieder aufeinander – und das Endergebnis war ebenfalls das gleiche. Nur hieß der Torschütze nicht Hans-Werner Hartl, sondern Hofmann. „Dieser Sieg“, betonte Trainer Uwe Rösler, „ist goldwert für die kommenden Wochen. Gerade nach der Auftaktniederlage.“
Starkes Abwehr-Duo
Der VfL steigerte sich gegenüber dem Auftritt gegen Hertha zumindest in kleinen Schritten. Der entscheidende: Vorne gelang das erste Saisontor. Ein schnell ausgeführter Freistoß von Berkan Taz landete über Koji Miyoshi bei Hofmann, der den Angriff souverän abschloss. Es war die erste Chance nach einer schwachen Anfangsphase, und gleichzeitig auch ein Brustlöser. Denn mit der Führung im Rücken übernahm der VfL bis zur Halbzeitpause die Spielkontrolle. Dass im zweiten Durchgang nichts mehr passierte, war der stabilen Defensive zu verdanken. Vor allem das neue Innenverteidiger-Duo, bestehend aus den Zugängen Michael Steinwender und Karol Mets, überzeugte mit einem klugen Stellungsspiel, einer abgeklärten Zweikampfführung und im Vergleich zur Vorsaison mit einem souveräneren Spielaufbau.
„Dafür haben wir sie ja geholt“, kommentierte Rösler die Leistung zunächst sehr nüchtern, war dann aber voll des Lobes: „Mit ihnen haben wir mehr Ruhe am Ball und dadurch insgesamt mehr Ruhe im Spiel. Sie haben es sehr gut gemacht. Und sobald sie richtig eingespielt sind, können wir die Verteidigungslinie auch höher schieben.“ Generell tat es dem Bochumern gut, dass mit Mets, Mats Pannewig und Gerrit Holtmann drei Stammkräfte wieder für mehr als eine Halbzeit zur Verfügung standen. Pannewig und Holtmann mussten zwar ausgewechselt werden, doch Rösler konnte zunächst auf seine momentane Wunschformation setzen – und damit auf reichlich Routine. Im Schnitt waren die Akteure in der Startelf 29,2 Jahre alt; fünf von ihnen sind jenseits der 30, einige andere nicht weit davon entfernt.
Noch zwei Transfers
Größer könnte der Kontrast im Vergleich zur vergangenen Saison kaum sein. Da schickte Rösler bei Anpfiff zeitweise fünf Spieler unter 21 ins rennen, unter anderem beim Auswärtssieg in Braunschweig. Wobei Rösler angesichts der extremen Temperaturen und der frühen Wechsel darauf hinwies, dass nicht allein die Startelf den ersten Saisonsieg errungen hat: „Moderner Fußball funktioniert nicht mit nur elf Spielern. Die Eingewechselten haben auch einen wichtigen Teil beigetragen.“ Darunter waren mit Profidebütant Tom Meyer sowie Alessandro Crimaldi auch zwei vielversprechende Jungspunde. Rösler lobte sie für eine „reife Leistung“. Allerdings muss die Anmerkung erlaubt sein, dass die beiden womöglich auch nur deshalb zum Einsatz kamen, weil auf ihren Positionen noch nicht die von Rösler erhofften „Qualitätsspieler“ da sind.
Der Trainer geht davon aus, dass bis zum Transferschluss am 1. September noch ein zentraler Mittelfeldspieler für die Achter-Rolle sowie ein schneller linker Außenstürmer verpflichtet wird. Der jüngst eingekaufte Mansour Ouro-Tagba ist quasi eine Art Bonusspieler. Ihn sieht Rösler in erster Linie als Mittelstürmer, also als Ergänzung zu Hofmann und dem bislang schwachen Daniel Hanslik. Weil Ouro-Tagba Trainingsrückstand hat, ist er keine Soforthilfe. Der Plan mit ihm sei ein „mittel- bis langfristiger“, erklärte Rösler neulich. Aktuell setzt er lieber auf die arrivierten Kräfte. Perspektivistisch aber muss er auch die Jüngeren einbauen. Denn das erklärte Ziel der Vereinsführung ist es, Jahr für Jahr Transfererlöse im mindestens hohen einstelligen Millionenbereich zu erzielen. Realistisch ist das nur mit Spielern, die den Großteil ihrer Laufbahn noch vor sich haben.
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