Gemütlich ist es im Ruhrstadion nicht immer, das zeigte sich auch am frühen Montagmorgen. Eine steife Brise zog durch das Bochumer Fußball-Wohnzimmer, als Ralf Meyer und Walter Hellmich auf einer improvisierten Bühne den Vertrag zur Sanierung der traditionsreichen Spielstätte unterzeichneten. Meyer ist, etwas vereinfacht formuliert, der Stadionchef, und Hellmich der Inhaber des gleichnamigen Bauunternehmens, das ab sofort mit den Arbeiten am Stadion beauftragt ist. Insgesamt drei Jahre soll die Modernisierung dauern, die Oberbürgermeister Jörg Lukat als „unumgängliche Maßnahme“ bezeichnet. Viele Mängel sind längst bekannt, teilweise auch sichtbar und in Summe so groß, dass das vor bald 50 Jahren eingeweihte Stadion ohne eine zeitnahe Sanierung nicht mehr genutzt werden dürfte.
Dreijährige Umbauphase
Auch dieser Umstand dürfte ein Grund dafür sein, warum sich die Suche nach einem sogenannten Generalunternehmer verzögert hat. Eigentlich sollte dieser bereits im vergangenen Jahr präsentiert werden. Doch bis auf Hellmich gab es keinen passenden Bewerber. Das Risiko, eine Immobilie zu sanieren, in der möglicherweise böse Überraschungen lauern, war anderen Unternehmen offensichtlich zu groß. Hellmich, der früher mal Vorsitzender des MSV Duisburg war, indes bringt reichlich Erfahrung beim Stadionbau mit. Zuletzt war er unter anderem für die Modernisierung des Lohrheidestadions zuständig, parallel bauen seine Mitarbeiter das Preußenstadion in Münster aus. Dort gab es zuletzt Negativ-Schlagzeilen, weil der Zoll bei einem Sub-Unternehmen verschiedene Gesetzesverstöße festgestellt hatte.
Dazu wird es in Bochum hoffentlich nicht kommen. Gesprächs- und Diskussionsstoff dürfte das Projekt in den kommenden Jahren auch ohne Kapriolen schon genügend liefern. „Es wird eine Herausforderung für alle – für die, die bauen, aber natürlich auch für die Fans“, sagte Meyer am Montag und erhielt Zustimmung von allen Mitstreitern. Gestützt wird die These durch harte Fakten. So hat die Stadt als Eigentümerin die kalkulierten Kosten bereits von rund 70 auf mehr als 90 Millionen Euro nach oben korrigiert. Auch die Sanierungszeit wurde angepasst, von ursprünglich zwei Jahren auf drei. Wieso all das notwendig geworden ist, dazu gab es beim Pressetermin am Montagabend keine Informationen. Fragen waren nicht zugelassen. Erst am 28. April soll die Öffentlichkeit mehr erfahren.
Tribünenbereiche gesperrt
Wobei natürlich schon im Vorfeld erste Details durchsickern. Etwa die Vereinbarung zwischen der Stadt und der Baufirma, dass immer mindestens 18.000 Zuschauerplätze zur Verfügung stehen sollen. Auch deshalb musste die Bauzeit verlängert werden; die Alternativen wären noch weniger Plätze oder gar ein Umzug in ein anderes Stadion. Trotzdem ist es unumgänglich, dass während der Sanierungsphase Tribünenbereiche abschnittsweise gesperrt werden. Für den VfL wird das unmittelbare Folgen haben: Zum einen spürbar sinkende Einnahmen, zum anderen enttäuschte Anhänger. Selbst die mehr als 17.000 Dauerkarteninhaber werden während der Umbauzeit nicht alle immer einen Platz finden – ihren eigenen erst recht nicht. Schließlich stehen den Gästen nach wie vor 10 Prozent aller Karten zu.
Wie der VfL die Ticketvergabe regeln wird, ist noch offen. Klar ist nur: Beginnen wird die Sanierung mit der Haupttribüne, in die unter anderem ein neuer VIP-, Medien- und Kabinenbereich integriert wird. Anschließend soll die Gegengerade folgen. Die Osttribüne wird in der Saison 2026/27 noch komplett nutzbar sein; in Gänze geschlossen werden soll sie bis 2029 nie. Parallel dazu soll auch das Stadionumfeld aufgewertet werden, unter anderem durch neue Parkflächen, vor allem aber mit einer Plaza im Osten, die künftig als zentraler Eingangsbereich für fast alle Tribünen dienen wird. Dort werden die Veränderungen sichtbarer sein als im Stadion selbst, wo es insbesondere um eine Erneuerung der Technik, besseren Brandschutz, zusätzliche Verpflegungsbereiche und eine Ertüchtigung der sanitären Anlagen geht.
Kapazität steigt leicht
Immerhin: Mit Beendigung der Maßnahmen im Jahr 2029 sollen 2.000 Zuschauerplätze mehr zur Verfügung als bislang, in Summe 28.000. Die ersten Entwürfe beinhalteten unter anderem die Idee, die Osttribüne neu zu bauen, sodass die Kapazität auf rund 33.000 Plätze angestiegen wäre. Dies wurde aber mit der Sorge, den Bestandsschutz für das Stadion zu verlieren, zügig verworfen. Auch Neubaupläne wurden nicht konkret verfolgt, da sich Politik und Verein schnell einig waren: Die Castroper Straße als Fußballstandort ist unantastbar. „Das ist der Wille unserer Mitglieder“, behauptete VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig am Montag, ohne dass es je eine repräsentative Befragung gab. Die Beteiligten setzen darauf, dass eine Sanierung genügt, damit es im Bochumer Fußball-Wohnzimmer wieder gemütlicher wird.
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(Foto: VfL Bochum 1848)
