2:0 gegen Schalke

Derbysieg mit historischem Wert: VfL flitzt S04 davon

Das Muster war identisch. Gerrit Holtmann flitzte unaufhaltsam über die linke Seite, blickte in den Strafraum, zeigte den gewünschten Laufweg an und schlug eine scharfe Hereingabe zwischen die Schalker Innenverteidiger. Erst war Koji Miyoshi zur Stelle und brachte den VfL früh in Führung, kurz vor der Halbzeitpause erhöhte Philipp Hofmann den Vorsprung. Diese beiden Szenen waren die entscheidenden Zutaten für einen Derbysieg mit historischem Wert. Denn das 2:0 war der erste Erfolg gegen den Reviernachbarn seit knapp 17 Jahren, damals noch in der Bundesliga. Für die Wiederholung waren viele Akteure verantwortlich. Einzelne Spieler nach diesem Sieg herauszustellen, würde dem Verlauf nicht gerecht werden. Logisch, Holtmann war an fast allen Offensivaktionen beteiligt, rannte den Schalkern ständig davon und avancierte in nur 45 Minuten zum Mann des Tages. Doch der VfL überzeugte vor allem mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung.

Aufstellungsidee geht auf

Somit trugen auch Holtmanns Teamkollegen zu einem verdienten Heimsieg bei – inklusive Uwe Rösler und dessen Trainerteam. Gemeinsam haben sie sich für die bislang offensivste Aufstellung seit seinem Amtsantritt entschieden – mit Callum Marshall als zweite Spitze und mit Francis Onyeka vor der Abwehr anstelle des erkrankten Mats Pannewig. Diese Idee ging zügig auf, der VfL erzielte sein schnellstes Tor seit Dezember 2018. Bereits nach 43 Sekunden zappelte der Ball zum Schalker Tornetz, als genau das Trio zuschlug, das Rösler neu ins Team gebracht hatte. Der umtriebige und robuste Marshall schickte Holtmann auf die Reise, der anschließend Miyoshi bediente. Mit konsequenten Balleroberungen, mit Tiefe und Tempo stellte der VfL den Tabellenführer eine Halbzeit lang vor unlösbare Probleme.

„Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Sie hat die vielleicht beste Halbzeit gezeigt, seitdem ich hier bin“, lobte Rösler seine Truppe, die mit dem frühen Führungstreffer Schalke zur Spielgestaltung zwang. Damit aber können die Knappen, die vor dem Spiel gemeinsam mit dem VfL die geringsten Ballbesitzraten der Liga verzeichneten, nur wenig anfangen. Wie ein Aufsteiger spielten die Gelsenkirchener jedenfalls nicht, auch wenn sie in der zweiten Halbzeit doppelt trafen. Doch Schiedsrichter Michael Bacher nahm beide Tore zurück – das erste wegen eines harten, aber nicht zwingend regelwidrigen Blocks gegen Timo Horn, das zweite wegen eines klaren Handspiels von Edin Dzeko. „Da hatten wir etwas Glück“, stellte auch Rösler später fest. Der VfL konnte das hohe Tempo der ersten Hälfte nicht halten.

Das lag auch daran, dass Holtmann zur Pause signalisierte hatte, nicht mehr weiterspielen zu können. „Die Entscheidung kam von Gerrit. Ich habe ihn gefragt, ob es noch geht, und er sagte ‚Nein‘. Diese Ehrlichkeit weiß ich zu schätzen“, berichtete Rösler und lobte seinen Schützling weiter: „Gerrit hat sich verausgabt, hat sensationell gespielt. Er wusste um die Bedeutung dieses Derbys.“ Der Publikumsliebling absolvierte sein erstes Spiel nach einer knapp zweimonatigen Verletzungspause samt Knie-OP. Während Schalkes Trainer Miron Muslic Holtmanns Gegenspieler Timo Becker Anlaufschwierigkeiten nach einer vergleichbaren Ausfallzeit bescheinigte, war Holtmann sofort wieder in Form. Mit der Hereinnahme von Farid Alfa-Ruprecht sank das Leistungsniveau auf der linken Seite allerdings deutlich.

Erster in der Rösler-Tabelle

Das ist nach diesem Spiel jedoch allenfalls eine Randnotiz wert. Was bleibt, das ist der sechste Sieg im zwölften Spiel unter Rösler, eine Serie mit sieben Partien ohne Niederlage und Gedanken daran, was vielleicht möglich gewesen wäre, wenn der 57-Jährige die Bochumer bereits zu Saisonbeginn trainiert hätte. Denn mit einem Schnitt von fast zwei Punkten pro Spiel rangiert der VfL in der sogenannten Rösler-Tabelle wieder auf Platz eins. Zum ersten Mal ist es nun auch gelungen, ein Spitzenteam zu schlagen. „Das gibt uns weiter Auftrieb“, ist sich Torschütze Hofmann sicher, der deswegen aber nicht den Boden der Tatsachen verlässt. „Es bleibt unten in der Tabelle weiter sehr eng. Wir brauchen weitere Punkte gegen den Abstieg.“ Feiern kann der VfL den prestigeträchtigen Sieg gegen Schalke 04 natürlich trotzdem. „Ich weiß, wie viel es den Menschen hier bedeutet“, bekräftigte Hofmann und gab die Marschroute für den Samstagabend vor: „Wir sollten den Sieg genießen.“


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(Foto: Marc Niemeyer)