Es war wie verhext. Quasi mit dem Schlusspfiff parierte Paderborns Torwart Dennis Seimen die letzte von etlichen Bochumer Großchancen, als es sogar Verteidiger Maximilian Wittek noch einmal versuchte. 22 Torschüsse verzeichnete der VfL am Sonntagnachmittag gegen die Ostwestfalen. Trotzdem stand am Ende die Null auf beiden Seiten, weil der Schlussmann der Gäste immer wieder zur Stelle war – und weil den Hausherren allzu oft die Präzision im Abschluss fehlte, besonders in der Phase vor der Halbzeitpause. Es ist ein bekanntes Manko beim Team von Trainer Uwe Rösler, das auch schon vor einer Woche gegen Münster einen Sieg verhinderte. Rösler war mit dem Auftritt und dem Ergebnis gegen Paderborn trotzdem nicht unzufrieden: „Wir waren dynamisch und hatten unsere Chancen, haben sie nur nicht genutzt. Ansonsten haben wir vieles richtig gemacht. Für mich ist das Glas halbvoll.“ Der Fußballlehrer weiß schließlich, wo die Bochumer herkommen – und dass die Entwicklung generell positiv ist.
Zahlreiche Chancen für den Sieg
Sie knüpften im ersten von zwei Heimspielen in nur sechs Tagen an zuletzt gute Leistungen an, blieben ihrer Spielweise treu und überzeugten vor allem bei schnellen Umschaltaktionen. Rösler hatte überraschend den zuletzt guten Callum Marshall aus der Startelf genommen und dafür auf Mats Pannewig gesetzt. So wollte er mehr Lufthoheit erlangen und Cajetan Lenz im Rückwärtsgang als fünften Spieler in die Abwehrkette schieben. Der Plan ging auf: Nach einer ereignisarmen und taktisch geprägten Anfangsphase dominierten die Gastgeber die Partie, blieben aber ohne Fortune im Abschluss. Vor allem der agile und clevere Koji Miyoshi scheiterte mehrfach. „Vorne fehlte uns die Coolness. Eigentlich hätten wir dieses Spiel gewinnen müssen“, sagte Gerrit Holtmann nach der Partie und erntete keinen Widerspruch, auch nicht von den Gästen, die immerhin im erweiterten Kreis der Aufstiegsanwärter zählen. „Wir haben uns stabilisiert, ein gutes Spiel gemacht und wieder gegen eine Top-Mannschaft gepunktet“, ergänzte Holtmann.
Zwei Gesperrte gegen Nürnberg
Das Paradoxe: Der VfL hat seit Ende November kein Ligaspiel mehr verloren, kommt wegen der Vielzahl an Unentschieden tabellarisch aber nicht richtig vom Fleck. Rang neun ist trügerisch, denn nach wie vor sind es nur fünf Zähler Vorsprung auf Platz 16. Sechs der letzten sieben Bochumer Spiele endeten mit einer Punkteteilung. Vier dieser Partien absolvierte der VfL gegen ein Team aus dem oberen Tabellendrittel. Auch deshalb ist sich Rösler sicher: „Wenn wir so weiterspielen, dann werden wir den Klassenerhalt schaffen.“ Bereits am kommenden Freitag empfängt der VfL den 1. FC Nürnberg zu einem weiteren Heimspiel im Ruhrstadion. Gegen die nur einen Punkt besseren Franken muss Rösler allerdings auf zwei Stammspieler verzichten. Miyoshi und Philipp Strompf sind gelbgesperrt. Für Miyoshi könnte Marshall oder Moritz Kwarteng in die Anfangsformation rücken. Theoretisch sind auch Kjell Wätjen und Farid Alfa-Ruprecht Optionen, je nach Herangehensweise. Für Strompf wird wohl Erhan Masovic beginnen.
Bochum fehlt ein echter Knipser
Routinier Kevin Vogt trainiert zwar seit einiger Zeit wieder mit der Mannschaft, gehört bislang aber nicht zum Kader. Zumindest das dürfte sich am Freitag ändern. Und ansonsten? Personal, das den Bochumer Chancenwucher per Garantie beenden kann, gibt der Kader nicht her. Mittelstürmer Philipp Hofmann hat sich unter Rösler klar gesteigert und die Ansage erhalten, seine Position strikt einzuhalten, was Rösler anerkennt: „Er braucht den kürzesten Weg zum Tor. Ich bin seiner Entwicklung sehr zufrieden.“ Dennoch steht der 32-Jährige weiterhin bei nur bei fünf Saisontoren. Bester Bochumer Torschütze ist Francis Onyeka, dem gegen Paderborn die Möglichkeit genommen wurde, seinen achten Treffer im VfL-Dress zu erzielen. Die Leihgabe aus Leverkusen stand nach einer halben Stunde bereits am Elfmeterpunkt, doch der Strafstoß nach einem klaren Handspiel wurde wegen einer knappen Abseitsposition im Vorfeld zurückgenommen. Über einen weiteren Angreifer mit zuverlässigem Torinstinkt verfügt der VfL derzeit nicht.
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(Foto: Imago / RHR-Foto)
