0:0 in Leipzig

Aktivierte Abwehrkräfte: VfL feiert Punkt und Riemann

Nein, kommentieren wollte Manuel Riemann seine herausragende Leistung beim 0:0 in Leipzig leider nicht. Seit zwei Jahren, zufälligerweise nach einem Spiel an gleicher Stelle, gibt der Torhüter des VfL Bochum nach dem Abpfiff keine Interviews mehr. „Wir verbieten es ihm nicht, heute eine Ausnahme zu machen“, sagte VfL-Sportdirektor Marc Lettau kurz nach dem verdienten Punktgewinn, an dem der Schlussmann einen großen Anteil hatte und den die mitgereisten Anhänger natürlich feierten. Riemann parierte gleich zwei Foulelfmeter – einen höchst zweifelhaften gegen Xavi Simons in der ersten Halbzeit und einen berechtigten gegen Emil Forsberg im zweiten Durchgang. „Manuel hat ein tolles Gespür in diesen Situationen“, lobte Trainer Thomas Letsch. Es sei „kein Zufall“, dass Riemann im Schnitt die meisten Strafstöße aller Bundesliga-Keeper gehalten hat.

Stabile Abwehrleistung

Doch Letsch wollte auch die übrige Mannschaftsleistung würdigen. „Nur über Manuel zu sprechen, würde dem Spiel nicht gerecht werden“, betonte der Coach, der nach den desolaten Leistungen gegen München und Gladbach Maßnahmen ergriff, die Wirkung zeigten. Er veränderte seine Startelf auf gleich fünf Positionen, blieb bei seiner favorisierten Dreier- bzw. Fünferkette, veränderte aber die Taktik: „Wir haben uns für einen defensiveren Ansatz entschieden.“ Bedeutet: Der VfL, der zuvor alle sechs Gastspiele bei RB Leipzig verlor, empfing die Gastgeber deutlich tiefer und verzichtete auf das zuletzt sehr mannorientierte und aggressive Pressing. „Im Vergleich zu den vergangenen beiden Spielen war es ein deutlicher Fortschritt“, sagte Lettau nach dem ersten Spiel ohne Gegentor in dieser Saison. Der VfL verteidigte mit höchster Disziplin und großer Leidenschaft und ließ gegen den eigentlich übermächtigen Gegner kaum eine gefährliche Torchance zu. 

Die Erkenntnis, die Spielweise umzustellen, sei in gemeinsamen Gesprächen zwischen Trainer und Mannschaft gereift, betonten die Spieler nach der Partie. Wobei Letsch und seine Assistenten den Weg natürlich vorgaben. Letsch hatte in der vergangenen Woche angekündigt, „alles hinterfragen“ zu wollen, was er offensichtlich auch getan hat. Nach dem Spiel in Leipzig war er jedoch darum bemüht, dieses Thema kleinzuhalten. „Es wurde extern mehr diskutiert als intern“, behauptete der Fußballlehrer. Die Spieler gaben etwas mehr preis und fühlten sich mit der veränderten Marschroute – zumindest in diesem Duell – offensichtlich wohler. „Gegen die schnellen Angreifer von Leipzig hätten wir nicht so hoch stehen können“, erklärte Keven Schlotterbeck, einer der Neuen in der Bochumer Startelf. 

Die Neuen überzeugen

Dass Trainer Letsch gleich fünf personelle Veränderungen vornahm – so viele wie noch nie in seiner Amtszeit – zeigte ebenfalls Wirkung. Der starke Schlotterbeck stabilisierte die Dreierkette; die erfahrenen Cristian Gamboa und Danilo Soares sowie der agile Patrick Osterhage die übrige Defensive. „Wir reden oft vom gleichwertig besetzten Kader, dann musste die Chance für einige Spieler nun auch kommen“, erklärte Letsch. Ganz vorne feierte außerdem Goncalo Paciencia ein durchaus gelungenes Startelf-Debüt. Allerdings beschränkte sich der VfL in Leipzig fast ausschließlich auf seine Defensivarbeit. Gefährliche Entlastungsangriffe gab es folglich nur wenige, wobei Takuma Asano die Führung gleich zweimal auf dem Fuß hatte.

Doch in erster Linie ging es ja darum, die zuletzt wacklige Hintermannschaft zu stabilisieren und mehr Kompaktheit herzustellen – das ist gelungen. „Hier einen Zähler mitzunehmen, ist ein großer Erfolg“, sagte nicht nur Thomas Letsch. Nachdem die Bochumer mit den Punkteteilungen gegen Dortmund, Augsburg und Frankfurt noch etwas haderten, war nach dem Unentschieden in Leipzig keiner mehr unglücklich. „Ich bin zufrieden, aber richtige Freude kommt bei mir nur nach einem Sieg auf“, sagte Schlotterbeck, der damit etwas Wasser in den Wein goss. Dass der VfL mit dem Punkt in Leipzig sehr gut leben kann, ist unstrittig. Dennoch lässt der erste Saisonsieg weiter auf sich warten. Am kommenden Wochenende pausiert die Bundesliga, der VfL testet gegen Zweitligist Hannover. Anschließend gastieren die Bochumer in Freiburg. Dann müssen Letsch und seine Spieler die gute Defensivleistung bestätigen – und auch wieder vermehrt Lösungen mit dem Ball finden.


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(Foto: Imago / Christian Schroedtner)