4:1 gegen Braunschweig

Bochum atmet auf: Hoffnung auf baldige Planungssicherheit

Das frühe Bochumer Führungstor durch Gerrit Holtmann im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig hatte Seltenheitswert. In den vergangenen acht Spielen geriet der VfL sechsmal in Rückstand und ging nie mit einer Pausenführung in die Kabine. „Das erste Tor fiel zu oft auf der falschen Seite“, monierte Trainer Uwe Rösler zuletzt. Auch an diesem Sonntagnachmittag hatte seine Mannschaft zunächst Anlaufschwierigkeiten. Dann aber erzielte der fast unersetzbare Holtmann bei seinem Startelfcomeback mit der ersten Torchance prompt die Führung. „Das war der Brustlöser. Wir sind schlecht ins Spiel gekommen, waren ein bisschen nervös. Das Tor von Gerrit hat uns Sicherheit gegeben“, sagte Philipp Hofmann, der mit zwei Vorlagen und seinem verwandelten Elfmeter in der Nachspielzeit zum Matchwinner avancierte und mittlerweile schon bei 18 Torbeteiligungen steht, elf davon in der Rückrunde.

Vier verschiedene Torschützen

Hofmann füllt endlich die Rolle aus, die ihm schon länger zugedacht war. Ligaweit stehen nur drei Spieler vor ihm in der Scorerliste. Ein weiteres Tor wurde nach einem überraschenden VAR-Eingriff aberkannt; das angebliche Foulspiel von Mats Pannewig im Vorfeld war jedoch lediglich die Folge eines Ausrutschers. Doch der VfL hatte auch Glück, dass der Schiedsrichter in der Anfangsphase keinen Strafstoß gegen Noah Loosli und nach dem Seitenwechsel keinen Platzverweis gegen Matus Bero verhängte. Viele strittige Entscheidungen prägten das Spiel, hatten aber keinen Einfluss auf den Ausgang. Denn Koji Miyoshi, der seit Wochen konstanteste Bochumer Feldspieler, erzielte noch vor dem Pausenpfiff das 2:0. Das war die Grundlage für den ersten Sieg seit Anfang März, der gleichbedeutend ist mit einem Befreiungsschlag im Abstiegskampf und große Erleichterung auf dem Feld und auf den Rängen auslöste.

Quasi in Bestbesetzung erzielte die Rösler-Elf zum ersten Mal in dieser Saison vier Tore. Auch der eingewechselte Farid Alfa-Ruprecht durfte jubeln. Das zwischenzeitliche 1:3 war lediglich Ergebniskosmetik und gefährdete den Heimsieg nicht mehr. Was auch gut so war aus Bochumer Sicht, denn der Druck nach zwei bitteren Pleiten gegen direkte Verfolger war groß. Im Falle einer Niederlage wäre der VfL in den Kreis der akut abstiegsbedrohten Klubs abgestürzt. Mit dem Heimsieg herrscht dagegen wieder Optimismus an der Castroper Straße. Sechs Punkte beträgt nun der Abstand auf Braunschweig und den Relegationsplatz. Frühzeitige Planungssicherheit würde dem Bundesliga-Absteiger zweifellos helfen, die Negativspirale der vergangenen Jahre endlich zu durchbrechen und die Kaderplanung voranzutreiben. Denn zahlreiche Entscheidungen personeller Art sind abhängig von der künftigen Ligazugehörigkeit.

Abgänge zeichnen sich ab

Insgesamt zehn Spielerverträge laufen am Saisonende aus. In den allermeisten Fällen gibt es zwar schon Tendenzen, aber noch keine definitive Klarkeit. Auch mögliche Neuverpflichtungen befinden sich weiterhin im Wartestand. Vor allem in der Innenverteidigung besteht Handlungsbedarf, das haben die zurückliegenden Monate deutlich gezeigt. Ob Noah Loosli, dessen Vertrag ausläuft, trotzdem bleiben darf, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Durch den zu erwartenden Verkauf von Cajetan Lenz benötigt der VfL außerdem einen neuen Sechser. Generell könnte das zentrale Mittelfeld ab dem Sommer anders aussehen als bisher. Francis Onyeka ist nicht zu halten, mit ihm hat Leverkusen Größeres vor; zudem gibt es Interessenten aus der Premier League. Und auch bei Kjell Wätjen stehen die Zeichen nach derzeitigem Stand eher auf Abschied. Offen ist, wie es mit Kapitän Matus Bero weitergeht.

Bei den Fans steht er oft in der Kritik, bei Trainer Uwe Rösler ist er dagegen sehr beliebt. Auch bei Farid Alfa-Ruprecht und Callum Marshall ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Vor allem von Marshall sind die Verantwortlichen durchweg begeistert. Das Problem: Für einen Verbleib müsste ihn der VfL aus dessen Vertrag mit West Ham United herauskaufen, was nur mit großem Verhandlungsgeschick und einer für Bochum ungewöhnlichen Investitionsbereitschaft möglich wäre – und selbst dann noch nicht sicher wäre. Der neue Bochumer Kader soll tendenziell kleiner werden, was darauf hindeutet, das zum Beispiel der Platz von Leandro Morgalla intern neu besetzt wird. Für den Leihspieler gibt es Bewerber aus der Bundesliga. Nimmt man die quasi sicheren Abgänge von Erhan Masovic und Romario Rösch hinzu, dann steht dem VfL wohl der nächste Umbruch ins Haus.

Auswärts lange sieglos

Bevor dieser aber beginnen kann, benötigt die Rösler-Elf noch ein paar Zähler für den Klassenerhalt. Noch ist die ominöse 40-Punkte-Marke nicht erreicht. Spieler und Trainer sind sich einig, dass im Endspurt niemand nachlassen und sich zu sicher fühlen darf; zu eng ist die Tabellensituation nach wie vor. Nachdem sich die Bochumer unter der Woche in ruhrgebietstypischer Art intern die Meinung gegeigt und daraus wertvolle Schlussfolgerungen gezogen haben, sollte nun Klarheit für die kommenden Wochen herrschen. Für einen versöhnlichen Saisonabschluss und baldige Planungssicherheit „müssen wir eine solche Leistung aber auch mal auswärts auf den Platz bringen“, forderte Hofmann direkt nach dem Spiel gegen Braunschweig und dachte dabei an die bevorstehende Fahrt zum Tabellennachbarn nach Dresden. In der Fremde haben die Bochumer zuletzt im November gewonnen. Auch diese Serie soll noch reißen. 


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(Foto: Marc Niemeyer)