Kolumne

Hüpfverbot auf der Osttribüne: Begründung wird zum Bumerang

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Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Der VfL-Nachwuchs.

Klingt wie ein Aprilscherz, ist aber keiner: Für die Osttribüne im Ruhrstadion gilt ab sofort ein Hüpfverbot. Bei Missachtung droht die Sperrung des gesamten Bereichs. 10.000 VfL-Fans wären betroffen – und das Stadion halb leer. Denn auch Teile der Haupttribüne sind wegen der gestarteten Sanierung nicht mehr nutzbar.

Die Meldung zum Hüpfverbot, die der VfL gemeinsam mit der Bochumer Sportstätten-Besitzgesellschaft veröffentlicht hat, fand deutschlandweite Beachtung; leider oft mit der falschen Zuordnung. Denn: Nicht der VfL ist für die neue Regelung verantwortlich, sondern die Bauaufsichtsbehörde. Offiziell wird das Hüpfverbot damit begründet, dass durch Schwingungen ein „Unwohlsein“ bei „ungeübten“ Stadionbesuchern ausgelöst werden kann. Nur: Bislang sind keine Beschwerden öffentlich bekannt. Das bedeutet: Entweder ist dieses Hüpfverbot das Ergebnis eines immer weiter ausufernden Regulierungswahns deutscher Behörden – oder es ist eine verklausulierte Erklärung dafür, dass sich die Osttribüne in einem kritischeren Zustand befindet als bislang angenommen.

Ist Letzteres der Fall, wäre eine ehrlichere Kommunikation der bessere Weg gewesen. Viele Fans hätten mit Verständnis reagiert. Ist Ersteres zutreffend, dann sollte das zuständige Amt seine Risikoeinschätzung und Prioritätensetzung überdenken. Sonst folgt demnächst eine Dezibelgrenze für Fangesänge zur Vermeidung von Hörschäden.

Was nun passiert, hätte jedem klar sein müssen, der Fußballfans nur ein bisschen versteht: Diese Begründung wird mit Spott bedacht und womöglich Gegenteiliges bewirken. Mindestens die Fans im Gästeblock werden nun erst recht kräftig hüpfen. Auf der Osttribüne droht selbiges. Dass der VfL nur Überbringer dieser Nachricht ist, die Behörden am längeren Hebel sitzen und der Verein bei einer Tribünensperrung einen erheblichen Schaden davontragen würde, sollte dabei allen Stadionbesuchern bewusst sein.

Im Grunde hilft jetzt nur noch eines: Das Gutachten zum Zustand der Osttribüne muss offengelegt werden. Angesichts von (mindestens) 91,9 Millionen Euro Sanierungskosten aus Steuergeldern wäre diese Transparenz ohnehin wünschenswert.

(Foto: Marc Niemeyer)

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