Nach einer halben Stunde hatte Trainer Uwe Rösler einen Sündenbock auserkoren. Leandro Morgalla musste weichen, Oliver Olsen kam in die Partie. Rösler machte damit eine von fünf personellen Änderungen rückgängig, die er vor dem Spiel in Magdeburg im Vergleich zur Heimniederlage gegen Kiel vollzogen hatte. Sicher: Morgalla erwischte keinen guten Tag, war mitverantwortlich für den frühen Rückstand nach nur sieben Minuten. Doch prinzipiell hätte Rösler auch fast jeden anderen Spieler auswechseln können. Denn der VfL zeigte eine alarmierend schlechte Leistung, die in einem verdienten 0:2-Rückstand zur Halbzeitpause und einer ebenso verdienten 1:4-Pleite am Ende mündete. So hoch hat der VfL zuletzt am ersten Spieltag verloren – eine Parallele, die Anlass zur Besorgnis gibt.
Und nicht die einzige ist. Schon in den vergangenen beiden Jahren sahen sich die Bochumer im ersten Rückrundenabschnitt auf einem guten Weg zum Klassenerhalt. Zweimal schlug der VfL in der Bundesliga sogar Tabellenführer Bayern München – und jedes Mal folgte eine Negativ-Serie. In diesem Jahr läuft es eine Liga tiefer nicht anders. Nach dem Sieg gegen Schalke Ende Januar hatte kaum noch jemand Abstiegssorgen. Es folgten acht Spiele mit nur einem Sieg. In der Rückrundentabelle ist der VfL mittlerweile auf Platz 14 abgerutscht. Der zwischenzeitliche Aufschwung unter Uwe Rösler ist pünktlich zu Ostern fast vergessen. Die Leistung gegen Magdeburg erinnerte an die Auftritte vor seinem Amtsantritt: mutlos im Vorwärtsgang, anfällig in der Verteidigung.
Viel zu viele Gegentore
„Das, was wir hier in Magdeburg gezeigt haben, war für den Abstiegskampf viel zu wenig. 15 ordentliche Minuten rund um das 1:2 reichen einfach nicht“, sagte Maximilian Wittek kurz nach dem Abpfiff. Die beste Phase erwischte der VfL nach dem Seitenwechsel, als die Zurückhaltung endlich abgelegt war, Philipp Hofmann den schnellen Anschlusstreffer erzielte und sogar der Ausgleich in der Luft lag. Doch die Magdeburger konterten, trafen binnen weniger Minuten doppelt und sorgten so für die Entscheidung. Der bei allen vier Gegentreffern schuldlose Timo Horn im Bochumer Tor sah weiterhin eine völlig überforderte Abwehr. Vor dem Spiel hatte Trainer Rösler mehr Kompaktheit und weniger Gegentore gefordert. „Das hat nicht geklappt. Es sind sogar noch mehr geworden“, bestätigte Horn.
Röslers Appelle, auch nach dem verkorksten Testspiel gegen Rot-Weiss Essen mit ebenfalls vier Gegentoren, sind offensichtlich wirkungslos verhallt. Wobei der Fußballlehrer natürlich auch nicht ganz unschuldig ist. Er hat seiner Mannschaft in Magdeburg eine defensivere Spielweise verordert. Sie mündete allerdings in einer erschreckenden Passivität und einem wirkungslosen Alibi-Pressing. Immer wieder hatten die Magdeburger leichtes Spiel, weil die Bochumer nur halbherzig in Zweikämpfe und Laufduelle gingen. Mitunter reichte ein Spielzug, um die ganze Hintermannschaft auszuhebeln. „Wir waren teilweise schläfrig. Wir müssen einen Weg finden, das zu ändern“, mahnte Wittek an, wohlwissend, dass genau das schon die Zielsetzung nach der Niederlage gegen Kiel war.
Der Vorsprung schmilzt
Rösler, sein Trainerteam und seine Spieler lieferten stattdessen eine noch schlechtere Leistung ab. Das Problem: Der 57-Jährige muss es über taktisches Feintuning und die mentale Schiene lösen, weil personelle Alternativen eher rar sind. Insbesondere die jungen Spieler wirken ausgelaugt und sind teils mit der eigenen Karriereplanung beschäftigt. Dass Rösler im Vergleich zur Kiel-Niederlage vier Spieler neu aufgestellt hat, die lange auf Länderspielreise waren und nur zwei Tage in Bochum mittrainiert haben, war sicher nicht schlau, teilweise aber auch Ausfällen geschuldet, speziell im Mittelfeld. Auf anderen Positionen fehlen schlicht andere Optionen. Insbesondere in der Innenverteidigung haben zuletzt alle Akteure enttäuscht, außer Kevin Vogt. Doch der fällt mal wieder aus.
Trotz dieser Schwächen ist sich Kapitän Horn sicher, dass der VfL „genug Qualität“ für den Klassenerhalt hat. Die Mannschaft sei „intakter als im vergangenen Jahr“. Horns Wunsch: Aus den noch sechs übrigen Spielen „zwei Siege“ zu holen, womit der VfL die 40-Punkte-Marke fast erreicht hätte. Eigentlich machbar, nicht aber in dieser Verfassung. „So kann es nicht weitergehen“, betonte Horn, der natürlich auch sieht, dass der Vorsprung auf die Abstiegsplätze schrumpft und die gute Ausgangsposition fast verspielt ist, während der Erfolgsdruck immer größer wird. Nach zwei Niederlagen gegen die direkte Konkurrenz wartet am kommenden Sonntag mit Eintracht Braunschweig der nächste Tabellennachbar. Spätestens da sollte, eine Woche nach Ostern, die Wiederaufstehung gelingen…
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(Foto: Marc Niemeyer)
