So schnell wendet sich das Blatt. Vor dem Duell gegen Fortuna Düsseldorf war der VfL seit neun Ligaspielen ungeschlagen. Von Abstiegskampf sprach an der Castroper Straße kaum noch jemand, auch wenn Trainer Uwe Rösler und erfahrene Spieler wie Philipp Hofmann in steter Regelmäßigkeit von einer trügerischen Sicherheit sprachen und an die Tabellensituation erinnerten. Geschönt wurde die Bilanz von zahlreichen Punkteteilungen. Und nun? Nach der hochverdienten 1:2-Niederlage schaut die Statistik nicht mehr ganz so erfreulich aus, die Remis-Serie verliert an Bedeutung. Die Bochumer haben nur eines von sieben Pflichtspielen in diesem Kalenderjahr gewonnen. Vor allem die Februar-Bilanz schafft Sorgenfalten: Aus vier Spielen holte der VfL nur drei Punkte und erzielte lediglich zwei Tore.
Rösler entschuldigt sich bei Fans
Gewiss: Einige Punkteteilungen zuletzt waren unglücklich. Gegen Münster und erst recht gegen Paderborn hätte der VfL den Sieg verdient gehabt. Auf reichlich Pech folgte nun aber nicht der Befreiungsschlag, sondern die zweite Pleite unter Rösler. Kein Spieler bis auf Torwart Timo Horn präsentierte sich gegen Düsseldorf in Normalform – obwohl die Bochumer mit Ausnahme des gelbgesperrten Maximilian Wittek in Bestbesetzung antraten. Gerrit Holtmann, Koji Miyoshi und Philipp Strompf kehrten ins Team zurück, außerdem feierte Winter-Neuzugang Mikkel Rakneberg sein Startelfdebüt. Sogar Top-Torschütze Francis Onyeka blieb wegen der großen Auswahl auf der Bank. Doch keiner der Genannten konnte die Niederlage verhindern. Alle trugen zur schlechtesten Leistung unter der Leitung von Rösler bei.
Als „mutlos“ und „energielos“ bezeichnete der Fußballlehrer den Auftritt und dachte dabei auch an die gut 10.000 mitgereisten VfL-Fans, so viele noch bei einem Zweitliga-Auswärtsspiel der Bochumer: „Ich muss mich das erste Mal, seitdem ich beim VfL bin, bei den Fans entschuldigen.“ Diejenigen, die auf dem Platz besonders enttäuscht haben, durften wieder mal nicht sprechen; vorgeschickt wurde abermals Keeper Horn. Der wiederum war in der Position, kein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen. „Gerade die erste Halbzeit war grottenschlecht. Da fahren so viele Fans mit und wir spielen so eine Grütze. Es tut mir leid.“ Horn sah das, was alle sahen: Eine viel zu passive Bochumer Mannschaft, die hinten nur zusah und sich vorne viele Ungenauigkeiten erlaubte. „Das war von allem zu wenig“, bekräftigte Horn.
Der erfahrene Schlussmann wirkte ratlos: „Ich kann es nicht nachvollziehen. Wir waren eigentlich auf einem sehr guten Weg und hätten mit einem Sieg einen großen Schritt machen können. Den haben wir verpasst.“ Für den 32-Jährigen ist klar: „Wir müssen uns schleunigst straffen. Vielleicht war es ein Dämpfer zur richtigen Zeit.“ Klar ist: In dieser Verfassung wird es gegen keine Mannschaft in der Liga reichen. Was Zuversicht gibt: Die Leistungsschwankungen waren in den vergangenen Monaten nicht allzu groß. Ein Ausrutscher wie dieser sollte im Saisonendspurt allerdings die Ausnahme bleiben, zumal ab Ende März überwiegend Gegner aus unteren Tabellendrittel warten, die derzeit – und zwar nur knapp – hinter dem VfL platziert sind. Die Remis-Serie zeigt, dass im Abstiegskampf nur Siege wirklich weiterhelfen.
Plätze werden neu vergeben
Damit diese wieder gelingen, hat Rösler für Samstag eine längere Videositzung angesetzt, in der sich die Spieler erklären sollen. Schon vorher verkündete er: „Der Bonus ist jetzt aufgebraucht, die Karten werden neu gemischt.“ Bis auf Horn und Wittek, der für den überforderten Rakneberg ins Team zurückkehren wird, ist für das wegweisende Heimspiel gegen Kaiserslautern am kommenden Samstag wohl kein Platz fest vergeben. Eigentlich ist Rösler ein Freund davon, möglichst wenige Änderungen vorzunehmen. Nun aber scheint er ins Grübeln zu kommen und Konsequenzen ziehen zu wollen. „Ich habe meine Mannschaft nicht wiedererkannt“, sagte Rösler am späten Freitagabend. Nachdem er zuletzt auch öffentlich viel Lob verteilt hat, muss er allerdings aufpassen, aus Enttäuschung nicht in Aktionismus zu verfallen.
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(Foto: Imago / Revierfoto)
