Die Sorgen waren unbegründet. Sechs Bochumer Spieler sind mit je vier Gelben Karten in das Duell gegen die SV Elversberg gegangen. Mehr als der halben Startelf drohte ausgerechnet vor dem prestigeträchtigen Derby gegen Schalke 04 eine Sperre. Trainer Uwe Rösler hatte im Vorfeld angekündigt, darauf bei seiner Personalauswahl keine Rücksicht zu nehmen und ließ die Vorbelasteten allesamt von Beginn an spielen: Philipp Hofmann und Mats Pannewig, Maximilian Wittek und Philipp Strompf, Kjell Wätjen und Farid Alfa-Ruprecht. Doch keiner von ihnen kassierte die fünfte Verwarnung. Ansonsten war die Bochumer Darbietung alles andere als souverän, der Punktgewinn beim 1:1 äußerst schmeichelhaft. Die Gastgeber waren eine Stunde lang klar überlegen.
Vor allem in der ersten Halbzeit ließen die Bochumer trotz eigener Führung zu viele Torchancen zu und hatten keine längeren Ballbesitzphasen – ein Manko, das mit wenigen Ausnahmen schon länger besteht. Fünf Elversberger Ecken nach elf Minuten sowie zwei Lattenkracher stehen exemplarisch für die Überlegenheit der Saarländer. Als Mats Pannewig ausgerechnet in dieser Drangphase mit der ersten Bochumer Torchance das 1:0 erzielte, war der Spielverlauf auf den Kopf gestellt. Auch eine Systemumstellung stabilisierte den VfL zu Beginn der zweiten Halbzeit zunächst nicht, der Ausgleichstreffer zum 1:1 war schließlich hochverdient. Erst danach entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, das die Rösler-Elf am Ende sogar hätte gewinnen können. Das aber wäre zu viel des Guten gewesen.
Vier Remis in Folge
Die Bochumer Remis-Serie setzt sich damit fort. Vier Spiele in Folge haben sie das Feld weder als Gewinner noch als Verlierer verlassen. In der Fremde ist der VfL unter Trainer Rösler noch ungeschlagen, hat generell erst eine von elf Partie verloren. So richtig vom Fleck kommt der Bundesliga-Absteiger mit seiner Eichhörchen-Taktik derzeit allerdings nicht. Der Vorsprung auf die Abstiegsränge bleibt gering, beträgt aktuell drei Punkte. „Um den nächsten Schritt zu machen, müssen wir auch mal eine Spitzenmannschaft schlagen“, weiß Trainer Uwe Rösler, der gegen Schalke die nächste Chance dazu erhält. Während die Gelsenkirchener ihren Kader mit prominenten Zu- und Abgängen weiter umbauen, wird sich bei den Bochumern wahrscheinlich nicht mehr so viel tun.
Nach drei Neuverpflichtungen (Rakneberg, Marshall, Sobottka) und vier Abgängen (Kleine-Bekel, Sissoko, Clairicia, Obafemi) ist der Kaderumbau weitestgehend abgeschlossen, auch weil Trainer Uwe Rösler mit dem zur Verfügung stehenden Personal zufrieden ist. Offen ist lediglich, ob Felix Passlack noch den Verein verlässt. Dem Außenverteidiger, der in Elversberg zur Pause eingewechselt wurde, sich in die neu formierte Fünferkette einfügte und am Gegentreffer nicht unbeteiligt war, liegt ein Angebot von Hibernain Edinburgh aus Schottland vor, das er gerne annehmen würde. Weil Rösler den Ex-Dortmunder aber schätzt und Eigengewächs Kacper Koscierski noch Zeit geben möchte, darf Passlack erst gehen, wenn für ihn ein passender Ersatz gefunden ist.
Erstes Pannewig-Tor
Im Mittelfeld indes vertraut Rösler mehr denn je zwei Talenten aus dem eigenen Stall. Sowohl Cajetan Lenz als auch Mats Pannewig zählen längst zum Stammpersonal und gehörten in Elversberg zusammen mit Leandro Morgalla zu den wenigen Lichtblicken. Pannewig belohnte sich nach zahlreichen Anläufen mit seinem ersten Profitor – technisch anspruchsvoll und sogar mit seinem schwächeren Fuß. „Seitdem ich hier bin, ist er unser bester Mittelfeldspieler“, lobte ihn Rösler bereits vor dem Spiel. Der Fußballlehrer geriet regelrecht ins Schwärmen: „Er ist fleißig und mutig und in beiden Strafräumen eine Waffe. An dem Jungen werden wir noch viel Freude haben.“ Vielleicht ja auch gegen Pannewigs Ex-Klub Schalke. Bei den Königsblauen wurde er einst aussortiert.
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