3:0 in Fürth

Dank Sissoko und Standards: Bester Blitzstart seit 1989

Eindrucksvoller hätte sich Ibrahima Sissoko nicht zurückmelden können. Mehr als drei Monate musste er auf sein Comeback in der Bochumer Startelf warten. In der ersten Pokalrunde verletzte sich der Nationalspieler Malis bei einem Foul gegen ihn folgenschwer. Sissoko erlitt eine Schultereckgelenksprengung, die operiert werden musste. Der defensive Mittelfeldakteur wurde in der Folge schmerzlich vermisst – bis zum ersten Adventswochenende. Bereits nach 13 Spielminuten hatte der 28-Jährige beim Auswärtsspiel in Fürth einen Doppelpack geschnürt. Zweimal traf er nach Standardsituationen, die von Maximilian Wittek getreten wurden. Philipp Hofmann legte nur wenige Augenblicke später das 3:0 nach. Es war ein Blitzstart mit historischem Wert: So früh und so hoch führte der VfL zuletzt am 9. Dezember 1989.

Zwei Standardtore

Damals, vor 36 Jahren, war es ein Bundesligaspiel beim Hamburger SV, nun ein Kellerduell eine Klasse tiefer – und in beiden Fällen ein wichtiger Sieg. Mit den drei Punkten gegen den Tabellennachbarn aus Fürth robbt sich der VfL zum ersten Mal in dieser Saison an das Mittelfeld der Liga heran und hat plötzlich sogar ein ausgeglichenes Torverhältnis. Denn die frühe Führung war gleichbedeutend mit dem Endstand. Das Spiel plätscherte in der Folge dahin, mit angezogener Handbremse verwalteten die Bochumer ihren Vorsprung und schonten ihre Kräfte für die bevorstehende Pokalwoche, in die das Team von Trainer Uwe Rösler mit genügend Selbstvertrauen gehen kann. „Gegen Dresden sind wir hingefallen, gegen Fürth wieder aufgestanden. Der Start ins Spiel hat uns unheimlich geholfen“, analysierte der Fußballlehrer.

Rösler freute sich vor allem über die verbesserten Standards. Schon zuletzt traf seine Mannschaft nach einem ruhenden Ball; zum ersten Mal unter seiner Leitung nun auch doppelt in einem Spiel. „Der Schlüssel dafür ist die Genauigkeit der Hereingaben“, erklärte Rösler und lobte Vorlagengeber Wittek: „Er hat einen großen Anteil daran, dass wir uns bei Ecken und Freistößen verbessert haben.“ So kann der VfL endlich auch seine Größenvorteile ausspielen. Sieben Feldspieler aus der Bochumer Startelf, von Rösler im Vergleich zur Heimniederlage gegen Dresden auf vier Positionen verändert, sind größer als 1,85 Meter, darunter auch Ibrahima Sissoko. Wobei der Doppeltorschütze verletzungsbedingt beim Standardtraining bislang kaum dabei war. „Da ist also noch Luft nach oben“, sagte Hofmann mit einem Augenzwinkern.

Bochums viel gescholtener Mittelstürmer trug sich ebenfalls in die Torschützenliste ein und erklärte, dass die neue Standardstärke mitnichten ein Zufall ist. „Wir waren dabei in der Vergangenheit nicht so erfolgreich, also musste sich etwas tun. Wir trainieren diese Situationen mehr und haben manchmal auch längere Sitzungen, in denen wir uns anschauen, wie es laufen sollte.“ Teamkollege Wittek ging sogar ins Detail: „Wir besetzen den ersten Pfosten, blocken den Torwart und wissen, welche Räume wir belaufen müssen. Jeder kennt seine Rolle.“ Die Mischung zwischen Videostudium und Übungseinheiten auf dem Platz sei wichtig, um alle Abläufe zu verinnerlichen. Diesen Job übernimmt in erster Linie Alessandro Riedle, den sich Rösler als Co-Trainer ausgesucht hatte, obwohl die beiden vor der Zeit in Bochum noch nicht zusammengearbeitet haben.

Pokalspiel gegen Stuttgart

Die Ideen von Rösler und Riedle sind bereits an diesem Mittwoch wieder gefragt, wenn der VfL im Pokal-Achtelfinale den Titelverteidiger aus Stuttgart empfängt. Ob Rösler wieder rotiert, ähnlich wie beim Überraschungserfolg in Augsburg, ließ er am Samstagnachmittag offen. Sissoko etwa sei noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, wurde deshalb in Fürth ausgewechselt. Auch Gerrit Holtmann verließ das Spielfeld vorzeitig, humpelte sogar vom Platz, gab kurz vor der Heimfahrt nach Bochum aber Entwarnung. Kjell Wätjen fehlte indes erkrankt. So oder so: Der VfL hat gegen den VfB nichts zu verlieren. „Wir freuen uns, gehen ohne Druck ins Spiel und wissen, dass im Pokal immer eine Überraschung möglich ist“, gibt Hofmann die Devise vor und weiß: „Wichtig waren die drei Punkte in Fürth. Der Pokal ist Zusatz.“


Ihr wollt das VfL-Magazin einmalig oder dauerhaft unterstützen? Nutzt dafür gerne die unkomplizierte Zahlungsoption via PayPal. Danke, dass ihr Berichterstattung dieser Art auch in Zukunft möglich macht.