Kapitän

Losilla-Nachfolge: Hecking wagt mehr Demokratie

Eine Kapitänswahl war beim VfL Bochum vor den vergangenen Spielzeiten nie nötig. Ganz selbstverständlich bekam Anthony Losilla die Binde, ganz gleich, wer gerade Trainer war. Sechs Jahre war das Bochumer Urgestein unumstrittener Spielführer. Seine Teamkameraden schätzten ihn ebenso wie die Anhänger. Auf und neben dem Platz ging der Franzose als Vorbild voran, war stets ein wichtiger Ansprechpartner und das Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainerteam und Fans. Kein Wunder also, dass der 39-Jährige direkt nach seinem Karriereende als Assistenzcoach ins Trainerteam von Dieter Hecking gewechselt ist, um sich vorrangig um die vielen Talente zu kümmern. Am 6. September, bei seinem Abschiedsspiel im Ruhrstadion, wird Losilla ein letztes Mal die Kapitänsbinde tragen. Der VfL trommelt hierfür zahlreiche Weggefährten zusammen und hofft auf eine stattliche Kulisse.

Spieler dürfen wählen

Womöglich wird auch Losillas Nachfolger mitkicken. Für Trainer Dieter Hecking ist klar: Der neue Leader soll von der Mannschaft bestimmt werden. „Da haben wir Demokratie beim VfL Bochum. Vor dem Darmstadt-Spiel werde ich den Mannschaftsrat und einen Kapitän wählen lassen. Damit fühle ich mich wohler“, erklärt Hecking. Er fände es „blöd“, den Kapitän selbst zu bestimmen – eine Vorgehensweise, die in vielen Vereine durchaus üblich ist. „Es handelt sich um den Vertreter der Mannschaft“, betont der 60-Jährige, „die Gruppe soll hinter ihm stehen.“ Gerade für Situationen, wenn die Mannschaft ein Anliegen gegenüber dem Trainer oder der Geschäftsführung formulieren möchte, sei das wichtig. Lediglich ein Mitglied im Mannschaftsrat möchte Hecking selbst bestimmen. „Ich hätte gerne einen von den jüngeren Spielern dabei“, sagt Hecking.

Rolle für Youngster

Naheliegend wäre es, wenn Mats Pannewig diese Rolle übernehmen würde. Er ist der älteste von den vielen Eigengewächsen und zugleich der einzige mit etwas Profi-Erfahrung. Für die übrigen vier Plätze kommen indes viele Spieler infrage. Die logischen Kandidaten für das Kapitänsamt sind Angreifer Philipp Hofmann und Linksverteidiger Maximilian Wittek. Die beiden haben Losilla bereits in der vergangenen Saison vertreten, als dieser nur noch unregelmäßig zum Einsatz kam. Weil Hofmann den ersten Teil der Saisonvorbereitung verpasst hat, trug in den Testspielen vor allem Wittek die Binde, ansonsten Matus Bero. Der Mittelfeldspieler dürfte bei der Kapitänswahl indes nur Außenseiterchancen haben. Zum einen liebäugelt Bero noch mit einem Vereinswechsel, zum anderen beherrscht er die deutsche Sprache kaum.

Viele Kandidaten

Gemessen an ihrer Erfahrung, kämen auch Timo Horn und Kevin Vogt als Anführer in Betracht. Ob mit oder ohne offizielles Amt: Sie sollen in jedem Fall Verantwortung übernehmen. Torhüter Horn kommt auf mehr als 300 Profispiele, Verteidiger und Rückkehrer Vogt sogar auf mehr als 400. Damit zählen sie zu den erfahrensten und auch ältesten Akteuren im verjüngten VfL-Kader. „Seine Erfahrung ist ein echtes Faustpfand für unsere Mannschaft“, sagt VfL-Manager Dirk Dufner über Horn und nimmt Vogt ebenso in die Pflicht: „Wir erwarten, dass er als Führungsspieler vorangeht.“ Trainer Hecking erweitert die Liste der Kandidaten sogar noch: „Vielleicht kommen auch Ibrahima Sissoko oder Felix Passlack in Betracht.“ Dienstältester VfL-Profi ist derweil Gerrit Holtmann. Er pflegt einen besonders engen Draht zu den Fans. Die Kapitänsbinde wird er deshalb aber nicht bekommen.

Update: Die Wahl ist mittlerweile erfolgt. Matus Bero ist neuer VfL-Kapitän, Timo Horn sein Stellvertreter. Den Mannschaftsrat komplettieren Maximilian Wittek, Philipp Hofmann, Kevin Vogt und Mats Pannewig.


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(Foto: Marc Niemeyer)