Transferschluss

Vor Lampropoulos-Leihe: VfL war an Ziereis dran

Eigentlich gab es nur eine Frage, die in der Pressekonferenz am Freitagmittag wirklich von Belang war: Kommt am letzten Transfer-Tag noch ein neuer Spieler oder nicht?

Verkünden konnte Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz um kurz nach Zwölf noch nichts. Aber er machte den wartenden Fans Hoffnung: „Wir sind uns mit zwei Spielern einig: Einer für die Defensive, ein anderer für die Offensive“, sagte der Manager auf Nachfrage und ergänzte: „Der Ball liegt aber nicht mehr in unserer Spielhälfte. Die abgebenden Vereine müssen entscheiden, ob sie unser Angebot annehmen oder nicht.“

Lampropoulos auf Leihbasis

Und sie haben sich wenige Stunden später entschieden. Die Hoffnung, noch einen Offensivspieler zu verpflichten, hat sich zerschlagen. Doch einen Innenverteidiger hat der VfL Bochum vor Ablauf der Wechselfrist gefunden. Vasilios Lampropoulos wechselt aus der zweiten spanischen Liga von Deportivo La Coruna an die Castroper Straße. Der 29-Jährige wird für ein halbes Jahr ausgeliehen.

Die erste Wahl ist Lampropoulos allerdings nicht. Anthony Jung, Wunschkandidat von Bröndby IF, war nicht zu bekommen. Mit dem Spieler waren sich die Verantwortlichen zwar einig, doch die Dänen wollten den Spieler nicht abgeben. Auch Lasse Sobiech vom 1. FC Köln hat sich anders entschieden. Er spielt künftig in Belgien.

Gespräche mit Ziereis

Update: Wie am Wochenende aus sicherer Quelle zu erfahren war, gab es mindestens einen weiteren Spieler, den Manager Schindzielorz gerne zum VfL geholt hätte. Auch mit Innenverteidiger Philipp Ziereis gab es schon eine Einigung. Doch der FC St. Pauli, bei dem der 26-Jährige noch bis 2022 unter Vertrag steht, wollte den Defensivspezialisten nicht ziehen lassen.

(Foto: Pressefoto Eibner)

Kurze Vorschau

VfL gegen HSV: Mit Drewes, Leitsch und Tannenbaum?

Die Zahlen lassen eine große Vorfreude vermuten. Mehr als 20.000 Karten hat der VfL Bochum für das Heimspiel am Montag gegen den Hamburger SV bereits verkauft. Doch die Stimmung an der Castroper Straße könnte wahrlich besser sein. Die 0:2-Niederlage in Bielefeld hat nicht nur den Fans klargemacht, dass es in dieser Saison einzig um den Klassenerhalt gehen kann. Durch die Ergebnisse am Wochenende ist der VfL sogar auf den Relegationsplatz abgerutscht. Der Druck zu punkten steigt also.

Zulj im Kader

Ob Trainer Thomas Reis wieder eine offensivere Variante wählen wird als zuletzt, ist eher unwahrscheinlich. Gegen Bielefeld hatte er sieben nominelle Defensivspieler aufgeboten. Die Folge: Keine einzige Torchance. Spekuliert wurde, ob Winterneuzugang Robert Zulj in die Startelf rücken wird. Im Abschlusstraining am Sonntag gehörte er aber nur zur B-Elf. Stattdessen probierte es Reis mit Simon Zoller (für Blum), Tom Weilandt (für Lee) und Silvere Ganvoula im Angriff – ein sogenanntes Tannenbaum-System, also eine 4-3-2-1-Formation, wäre möglich.

Lampropoulos noch keine Option

Überraschender wäre allerdings diese Veränderung: Im Training verteidigte Maxim Leitsch für Patrick Fabian in der Viererkette. Der Linksfuß war lange verletzt und hat sein bislang letztes Pflichtspiel im September 2018 absolviert. Sicher ist, dass Patrick Drewes den gesperrten Manuel Riemann im Tor ersetzen wird. Noch keine Option ist Vasilios Lampropoulos. Bochums neuer Innenverteidiger stand am Sonntag zwar zum ersten Mal auf dem Trainingsplatz, muss aber erst noch in die Mannschaft integriert werden.

(Foto: P. Rentsch)

Kommentar

VfL im Existenzkampf: Schlichtweg überfordert

Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, da setzte VfL-Urgestein Patrick Fabian zu einer echten Grundsatzrede an. Damals, übrigens auch nach einer Niederlage gegen Bielefeld, versuchte er zu retten, was noch zu retten war. Das Chaos hinter den Kulissen hatte ihn derart zur Weißglut getrieben, dass Fabian offen aussprach, was er dachte. Das hätte in dieser Form kein anderer Profi gewagt. Knapp eine Woche später übernahm ein neues Führungsduo. 

Damit ist jetzt nicht zu rechnen, es würde die Probleme auch nicht lösen, zumindest nicht kurzfristig. Aber auch nach der 0:2-Auftaktpleite gegen die Arminia in diesem Jahr analysierte Fabian nicht nur das Spiel, sondern das große Ganze. Kein Wunder also, dass er im Interview das Gefühl hatte, sich „irgendwie im Kreis zu drehen.“ Denn Fakt ist: Erneut befindet sich der VfL Bochum in akuter Abstiegsgefahr. 

Keine Einheit

Doch die Lage scheint in dieser Saison deutlich komplizierter zu sein als in der Vergangenheit. Der Hauptgrund: Der VfL verfügt über keine stabile, gefestigte Mannschaft. Zu viele Profis sind überfordert, wirken nicht bereit für den Abstiegskampf, sie bilden keine Einheit. Es wäre unfair, sich einzelne Spieler herauszupicken. Aber es gibt zu wenige Charaktere, die für diese Situation geeignet sind.

Zu groß ist etwa die Gruppe der stillen Mitläufer. Sie sind nicht in der Lage, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, sondern versinken darin. Zu groß ist auch die Gruppe derer, die zweifellos über Qualität verfügt, aber nicht immer bereit ist, über Grenzen hinauszugehen – vielleicht auch, weil ihnen der Verein schlichtweg egal ist. Und zu groß ist ebenso die Gruppe derer, die mehr leisten will, aber es einfach nicht besser kann. 

Große Zweifel

In der Vergangenheit ist es schon oft eng geworden und trotzdem immer gut ausgegangen. Zweifel daran, ob es in diesem Jahr wieder so laufen wird, sind mehr als berechtigt. Gründe dafür sind auch auf verantwortlicher Ebene zu suchen. Dort ist Überforderung ebenfalls das richtige Stichwort. Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz hat es nicht geschafft, die Mannschaft rechtzeitig zum Start zu verstärken – weder im Sommer noch im Winter.

Trainer Thomas Reis wiederum ist bislang nicht als Taktikguru in Erscheinung getreten, der diese Schwächen durch kluge Entscheidungen ausgleichen kann. In der Winterpause hat er sich für ein Konzept entschieden, das in dieser Form nicht funktionieren kann. Er gibt die Freiheit der eigentlich starken Offensive auf, um die Sicherheit der Defensive zu gewinnen. In Bielefeld hat er am Ende beides verloren. 

(Foto: Imago / Sven Simon)

0:2-Pleite in Bielefeld

Im wahrsten Sinne des Wortes: VfL chancenlos

Die Suche endete erfolglos. Auch bei näherer Betrachtung ließ sich keine Szene mehr finden. Tatsächlich kreierte der VfL Bochum am Dienstagabend in Bielefeld nicht ein einziges Mal echte Torgefahr – und blieb damit im wahrsten Sinne des Wortes chancenlos. Die Harmlosigkeit in der Offensive war am Ende auch der Hauptgrund dafür, weshalb das Fußballjahr 2020 mit einer 0:2-Niederlage begann. 

Defensiv stabiler, offensiv harmlos

Nicht erst seit diesem Spiel ist klar: Der VfL ist akut abstiegsgefährdet. Wer in der Winterpause an ein Wunder geglaubt hat, daran, dass verborgene Qualitäten plötzlich zum Vorschein kommen, wurde auf der Bielefelder Alm bitter enttäuscht. Zumindest in der Verteidigung präsentierte sich der VfL im ersten Durchgang relativ stabil. Mit sieben nominellen Defensivspielern hat Trainer Thomas Reis aber auch alles dafür getan, die löchrige Hintermannschaft zu stärken. Doch das Angriffsspiel, das in der Hinrunde oft gut funktioniert hat, war mit der Umstellung auf ein 4-3-1-2-System völlig lahmgelegt. Vor allem im Mittelfeld fehlten Passsicherheit und Handlungsschnelligkeit. Und echte Flügelspieler gibt es in der neuen Formation auch nicht mehr.

Selbst nach der Halbzeitansprache spielte der VfL nicht kreativer und druckvoller. „Uns fehlte die Durchschlagskraft“, benannte Thomas Reis hinterher das offensichtlichste Problem. Doch eine zündende Idee, das zu ändern, hatte er auch nicht. Wie so oft reagierte der Fußballlehrer recht spät, nämlich erst nach einer Stunde. Doch auch mit neuem Personal blieb der VfL bei eigenem Ballbesitz ideenlos, körperlich oft unterlegen und durchgängig harmlos. Spitzenreiter Bielefeld wiederum spielte nicht überragend, nutzte den einzigen Bochumer Abwehrfehler im ersten Durchgang aber gnadenlos aus. Die VfL-Abwehr war bei einem Freistoß von Marcel Hartel nicht sortiert, Andreas Voglsammer schaltete am schnellsten und wuchtete den zweiten Ball zum 1:0 in die Maschen.

Riemann fliegt, Janelt ersetzt ihn

Nach dem Seitenwechsel erarbeiteten sich die Gastgeber schließlich ein klares Chancenplus, ehe sie in der Nachspielzeit für die Entscheidung sorgten. Zu diesem Zeitpunkt war der VfL nur noch zu zehnt auf dem Feld. Keeper Manuel Riemann wurde vom Unparteiischen zunächst wegen Meckerns verwarnt, doch als der Schlussmann auch noch hämisch klatschte, durfte er schon nach 81 Minuten unter die Dusche. Weil die Bochumer bereits dreimal gewechselt hatten, musste mit Vitaly Janelt ein Feldspieler ins Tor. Doch dieses Kuriosum ist bei der Gesamtleistung nur eine Randnotiz wert. Eher stellt sich die Frage, wie der VfL all die Probleme, die in Bielefeld zu erkennen waren, schnellstmöglich abstellen kann.

Offensichtlich ist, dass die Balance zwischen Defensive und Offensive nicht stimmt. Routinier Patrick Fabian, der in Bielefeld sein Saisondebüt feierte, lobte nach der Partie zwar die neue Kompaktheit, sieht aber in allen Mannschaftsteilen Steigerungsbedarf. „Ich hatte nach der Vorbereitung eigentlich ein gutes Gefühl. Aber wir brauchen noch mehr Präsenz und den unbedingten Willen. Wir müssen extrem viel investieren, der Erfolg kommt nicht von alleine.“ Dass die aktuelle Lage des VfL immer bedrohlicher wird, betrachtet Fabian mit großer Sorge: „Es ist ständig ein Kampf und Krampf, nicht erst seit dieser Saison. Wir drehen uns irgendwie im Kreis.“ Besserung versprach der Start ins neue Fußballjahr jedenfalls noch nicht.

(Foto: Pressefoto Eibner)

Bochumer Transfergerücht

Ganvoula-Verkauf: Nur der Zeitpunkt ist offen

Gerüchte über mögliche Transfers in die Welt zu setzen, ist heute einfacher denn je. Ein Internetportal, das bislang nicht für Insiderwissen zum Revierklub bekannt war, lancierte Mitte der Woche die Information, dass der VfB Stuttgart fünf Millionen Euro für VfL-Angreifer Silvere Ganvoula geboten haben soll. Auch vermeintlich seriöse Medien nutzten diese Meldung, um ihrerseits Klicks zu generieren.

Kein Angebot aus Stuttgart

Zeit, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen, blieb da nicht mehr – wohlwissend, dass viele Fans auf jede Meldung anspringen, mag die Quelle noch so dubios erscheinen. Trainer Thomas Reis konnte darüber am Freitag nur schmunzeln: „Solche Gerüchte können wir nicht verhindern und sie werden uns auch nicht ablenken. Wir sollten stolz darauf sein, Spieler zu haben, die offensichtlich so interessant sind.“

Bochums Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz sah sich auf Nachfrage trotzdem dazu gezwungen, der Berichterstattung zu widerzusprechen. Ein Angebot des Ligakonkurrenten aus Stuttgart sei beim VfL nicht eingegangen. Und selbst wenn: „Der Verkauf unseres Top-Stürmers in diesem Winter ist ausgeschlossen“, erklärte der 41-Jährige unmissverständlich. Zu hoch ist der sportliche Wert für die anstehende Rückrunde.

Der Manager beschränkte sich bei seiner Stellungnahme allerdings auf die laufende Transferperiode. Die Frage ist also nicht, ob Ganvoula Bochum einiges Tages verlassen wird, sondern wann. Denn dass ein Torjäger, der bei 16 Saisoneinsätzen zehnmal trifft, von anderen Vereinen beobachtet wird, ist selbsterklärend. Schon in den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Berichte über ein angebliches Interesse anderer Klubs gegeben.

Lange Vertragslaufzeit

Hinzu kommt, dass auch Schindzielorz weiß, wie wichtig Transfereinnahmen für den Klub sind: „Deshalb ist es gut, Spieler mit einem gewissen Marktwert zu haben.“ Großen Druck, Silvere Ganvoula schnellstmöglich verkaufen zu müssen, gibt es aber nicht. Denn der VfL hält alle Trümpfe in der Hand. Schließlich läuft der Vertrag des wuchtigen, schnellen Angreifers noch bis 2023. Er war erst vor einem halben Jahr fest vom RSC Anderlecht verpflichtet worden.

Außerdem befindet sich Ganvoula mit erst 23 Jahren in einem entwicklungsfähigen Alter. Kann er auch in der Rückrunde überzeugen, sind die kolportierten fünf Millionen Euro sicher eine gute Verhandlungsbasis. Zumal der VfL nicht unendlich viele Spieler hat, bei denen sich ein lukratives Transfergeschäft andeutet. Lediglich dann, wenn sich das Potenzial von Innenverteidiger Armel Bella Kotchap voll entfaltet, könnte der VfL wirtschaftlich profitieren.

Auch zu seiner Person kursieren seit dieser Woche übrigens die ersten Gerüchte. Ob das italienische Portal, das ihn seit Freitag mit dem Serie-A-Klub US Lecce in Verbindung bringt, allerdings verlässlicher ist als die deutsche Quelle bei Silvere Ganvoula, ist nicht bekannt. Klar ist nur, dass sein Vierjahresvertrag, den er jüngst unterschrieben hat, keine Ausstiegsklausel beinhaltet. Auch in diesem Fall können sich die Verantwortlichen entspannt zurücklehnen.

(Foto: Imago / DeFodi)

VfL startet in Bielefeld

Platzhalter für Neuzugang: Mit Fabian in die Rückrunde

Das Warten geht weiter. Auch wenige Tage vor dem Transferschluss am 31. Januar hat der VfL Bochum noch keinen neuen Innenverteidiger verpflichtet. Dabei sind sich nicht nur Fans und Beobachter einig, dass Verstärkung benötigt wird, um die Chance auf den Klassenerhalt zu erhöhen. Auch intern haben sich die Verantwortlichen darauf verständigt, die anfällige Defensive verstärken zu wollen. Geld dafür steht bereit, wenn auch in begrenzter Form. Ob dieses ausreicht, ist fraglich.

Verhandlungen laufen

Dabei haben Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz und Cheftrainer Thomas Reis schon im Herbst die wohl größte Schwachstelle des Kaders erkannt – und eine Kandidatenliste erstellt. Die wurde zwar abgearbeitet, aber noch kein Deal finalisiert. Ein Verteidiger aus dem Ausland habe zugesagt, berichtet Reviersport, doch der abgebende Verein ziert sich noch, weil die gebotene Ablöse zu niedrig sei. Bedeutet: Entweder gibt es bis zum Freitag eine Einigung – oder der VfL setzt die Saison ohne einen neuen Defensivspieler fort.

Wobei es durchaus Alternativen gibt. Auch der Kölner Lasse Sobiech wird nach wie vor als Kandidat gehandelt. Doch ein mögliches Leihgeschäft ist ebenfalls noch nicht zustande gekommen, weil auch andere Vereine um die Dienste des 29-Jährigen buhlen. Die Hoffnung hat der VfL aber auch in diesem Fall noch nicht aufgegeben. Doch wertvolle Zeit ist in jedem Fall schon verloren gegangen. Die Auftaktpartie in Bielefeld steht unmittelbar bevor, die Vorbereitung als Integrationsphase ist abgeschlossen.

Als Platzhalter für einen möglichen Neuzugang, aber vielleicht auch als Dauerlösung, haben die Verantwortlichen nun vorerst VfL-Urgestein Patrick Fabian auserkoren. Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen spielte er in der Hinrunde keine Rolle. Eigentlich wollte der Routinier seine Karriere auch langsam ausklingen lassen. Doch am Dienstag wird er in der Viererkette wohl sein Saisondebüt feiern. Vor ihm verteidigen drei defensive Mittelfeldspieler. Auch das ist neu. Insgesamt ist die Ausrichtung defensiver als noch in der Hinrunde.

Leitsch tastet sich heran

Perspektivisch hoffen Reis und Schindzielorz auch noch auf einen internen Neuzugang. Maxim Leitsch, der sein letztes Pflichtspiel im September 2018 absolviert hat, ist ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. Die Vorbereitung hat er ohne Probleme gemeistert. Bleibt er schmerzfrei und holt seinen Trainingsrückstand auf, wäre er nicht nur eine Alternative für die Innenverteidigung. Auch links hinten gibt es weiter Bedarf. Denn für Danilo Soares, aktuell unangefochtener Stammspieler, fehlt ebenfalls ein Ersatz.

(Foto: Pressefoto Eibner)

Talent verlässt Bochum

Saglam geht: Durchbruch beim VfL wird seltener

Sein Wechsel war absehbar. Vor einigen Jahren galt Görkem Saglam noch als größtes Talent des Vereins. Schon seit der F-Jugend wurde er beim VfL Bochum ausgebildet. Die Verbundenheit war groß, der Ehrgeiz, den Durchbruch bei den Profis zu schaffen, ebenso. Doch gereicht hat es nicht. Saglam und der VfL gehen ab sofort getrennte Wege. Der Mittelfeldspieler, der immerhin auf 30 Zweitligaeinsätze kommt, hat am Montag beim niederländischen Erstligisten Willem II Tilburg unterschrieben.

Kaum Spielpraxis

Für den Moment schmerzt sein Abgang wohl kaum. Nicht erst seit der Verpflichtung von Robert Zulj gibt es im Zentrum ein personelles Überangebot. „Görkem hat in dieser Saison noch keine Einsatzzeit erhalten und ist daher mit seinem Wechselwunsch auf uns zugekommen“, erklärt Manager Sebastian Schindzielorz den Transfer, denn: „Sein Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen und so haben wir eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden.“ Dabei ist der 21-Jährige nicht das erste Bochumer Eigengewächs, das mangels Perspektive die Biege macht. Sind die Talente etwa nicht gut genug? Oder erkennt der VfL ihre Qualitäten nicht?

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Denn selbst hochgelobte Nachwuchsspieler – wie zum Beispiel Tom Baack oder Gökhan Gül – haben trotz eines Vereinswechsels bislang nicht den Durchbruch geschafft. Sie gehören bei Ligakonkurrenten des VfL nur zum Ersatzpersonal. Auffällig ist allerdings, dass sie ihrem Ausbildungsklub im Seniorenbereich recht früh den Rücken gekehrt haben. Ein möglicher Grund: Eine fehlende U23. Der Unterbau wurde im Jahr 2015 aus Kostengründen abgeschafft – seinerzeit eine nachvollziehbare Entscheidung. Doch wer bei den Profis des VfL nicht zum Einsatz kommt, hat keine Chance mehr, Spielpraxis zu erhalten.

Für die These, dass einigen Nachwuchsspielern schlicht das Potenzial fehlt, gibt es derzeit weitere Beispiele. Jan Wellers und Maxwell Gyamfi, die vor der Saison einen Profivertrag erhalten haben, dürfen im Winter schon wieder gehen. Beide haben zuletzt ein Probetraining absolviert – Wellers in der Regionalliga, Gyamfi in Bulgarien. Zu einem Vertragsabschluss kam es nicht. Immerhin ist Baris Ekincier bereits im Juli auf Leihbasis gewechselt. Er kickt für Austria Klagenfurt in der zweiten Liga Österreichs. Die magere Zwischenbilanz: Acht Kurzeinsätze. Dass der Offensivspieler dem VfL eines Tages helfen kann, darf zumindest bezweifelt werden.

Bochumer Hoffnungsträger

Nimmt man die letzten fünf Jahre – also seit der Abschaffung der U23 – ist die Ausbildungsbilanz des oft hochgelobten Bochumer Talentwerks nicht mehr herausragend. Mit Armel Bella Kotchap und Maxim Leitsch sind in dieser Zeit lediglich zwei Spieler der eigenen Jugend entwachsen, die bei den Profis überhaupt eine Rolle spielen. Perspektivisch könnten auch Moritz Römling, Paul Grave oder Lars Holtkamp hinzukommen – sicher ist das aber nicht. Was sich der VfL jedenfalls nicht mehr erlauben kann, sind Fehlentscheidungen wie diese: Atakan Karazor, bis 2015 A-Junior in Bochum und jetzt Stammspieler beim VfB Stuttgart, wurde nicht einmal ein Profivertrag angeboten.

Auch die Trennung von Evangelos Pavlidis dürfte mittlerweile schmerzen. In Tilburg hat sich der Angreifer in nur wenigen Monaten zum griechischen Nationalspieler entwickelt, ist drittbester Torschütze der niederländischen Eredivisie und hat seinen Marktwert längst vervielfacht. Den VfL durfte er für mickrige 250.000 Euro verlassen, weil diese Kaufoption so im Vertrag stand. Saglam durfte nun ablösefrei gehen, doch bei einem weiteren Verkauf klingelt die Kasse. Ob er allerdings den gleichen Weg gehen wird wie Pavlidis, bleibt offen. Immerhin spielen sie jetzt wieder beim selben Verein.

(Foto: Imago / Laci Perenyi)