Mehr Personal

VfL Bochum stellt sich im Scouting neu auf

Verpflichtet der VfL Bochum einen neuen Spieler, gibt es in der Regel eine Pressemitteilung, ein paar Fotos und ein Vorstellungsvideo. Wird dagegen jemand unter Vertrag genommen, der diese Spieler künftig aussuchen soll, bleibt das eher geheim und von der Öffentlichkeit lange Zeit unbemerkt. Interessant: Schon zu Beginn des Jahres hat der VfL Bochum einen neuen „Leiter Scouting“ engagiert. Sein Name: Carsten Schüpmann-Haase. Der gebürtige Münsterländer war zuvor im Scouting für den 1. FC Nürnberg und den niederländischen Erstligisten Twente Enschede tätig. Auch für den 1. FC Köln hat Schüpmann-Haase schon gearbeitet.

Scouting war schon länger Thema

Der VfL Bochum stellt sich im sportlichen Bereich damit breiter und professioneller auf. Das hatte Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz bereits vor einem Jahr angekündigt, als er in der Mitgliederversammlung auf Nachfrage von Anhängern erklärte, der VfL wolle unter anderem ins Scouting investieren. Das bekräftigte Schindzielorz bereits Ende 2019 in einem ‚Tief im Westen‘-Interview: „Wir wollen die Abteilung personell stärken. Ein gutes Konzept, die richtigen Leute und die Finanzen: Das sind die drei Kernkomponenten, um die es geht.“ Schüpmann-Haase soll das Scouting nun entscheidend weiterentwickeln, inhaltlich wie personell.

Fabian nah bei der Mannschaft

Die Position des Chefscouts war seit der Beförderung von Schindzielorz zum Geschäftsführer Sport nicht besetzt. Zuvor war der Ex-Profi Chefscout und Assistent der Geschäftsführung in Personalunion. Nun wurden die Aufgaben neu verteilt. Carsten Schüpmann-Haase ist Leiter Scouting, Patrick Fabian Assistent der Geschäftsführung. Beide arbeiten Schindzielorz damit zu. Schüpmann-Haase agiert vor allem im Hintergrund, während Fabian eng bei der Mannschaft ist. Neben Schüpmann-Haase bleiben Christos Orkas und Uwe Leifeld im Scouting-Team. Die Nachwuchsabteilung hat mit Christopher Fischer ebenfalls einen neuen Chefscout. Er tritt die Nachfolge von Ex-Spieler Daniel Engelbrecht an.

(Foto: Firo Sportphoto)

Kapitän auf Rekordjagd

Legende Losilla? Auf den Spuren von Ata und Wosz

Thomas Reis muss seinen Kapitän auch im fortgeschritten Fußballeralter manchmal noch bremsen. Mit mehr als 35 Jahren ist Anthony Losilla nicht nur der älteste Bochumer, sondern auch der fleißigste. In der Laufstatistik landete er schon in der 2. Liga stets auf einem Spitzenplatz. Auch eine Klasse höher gehört der Franzose zu den umtriebigsten Akteuren auf dem Feld. Dafür hat Trainer Reis auch eine einfache Erklärung: „Ich kann mich an keine Trainingseinheit erinnern, in der er nicht ans Limit gegangen ist. Das macht sich natürlich bezahlt.“ Wobei der Fußballlehrer einschränkt: „Toto muss nicht immer überall sein.“ Manchmal sei es wichtiger, die Position zu halten.

Premierentor in Fürth

Im Fall von Losilla bedeutet das: Im defensiven Mittelfeld zu bleiben. Auf den Familienvater ist grundsätzlich aber Verlass. Seit seinem Wechsel von Dynamo Dresden im Jahr 2014 trägt er das Trikot des VfL Bochum, ist auf und neben dem Platz ein Vorbild, ganz besonders für jüngere Spieler. 246 Pflichtspiele hat er für den Ruhrgebietsklub bereits absolviert. Was auffällt: Unter sechs verschiedenen Trainern hat Losilla schon gearbeitet, doch niemand wollte freiwillig auf seine Dienste verzichten. Wenn der Publikumsliebling gefehlt hat, dann meist, weil er gesperrt war. Vom großen Verletzungspech ist Losilla zum Glück verschont geblieben.

Immer mehr arbeitet er jetzt auch an seinem Legendenstatus, denn am vergangenen Samstag hat Losilla sein erstes Bundesliga-Tor erzielt. Ausgerechnet beim so wichtigen 1:0-Auswärtssieg in Fürth, im Duell der beiden Aufsteiger, war der ‚Oldie‘ für den einzigen Treffer des Tages verantwortlich. Per Kopf war er in der Schlussphase nach einem Freistoß von Eduard Löwen zur Stelle, der Jubel war riesengroß. Bemerkenswert: Kein Bochumer war bei seinem Premierentor in Deutschlands Eliteklasse älter; in der gesamten Bundesliga waren es nur acht Spieler, unter anderem Hans Schäfer und Max Morlock, also zwei Weltmeister von 1954.

Vertrag läuft aus

Fast schon logisch, dass Dauerläufer Losilla, der im März des kommenden Jahres 36 wird, nun weitere Rekordmarken ins Visier nehmen kann. Klubikone Dariusz Wosz spielte noch mit 37 in der Bundesliga, Ata Lameck sogar mit 38. Den Rekord hält Wolfgang Kleff mit 39, doch der war Torhüter und kein Feldspieler. Damit Losilla auch in diesen illustren Kreis aufsteigt, müsste der VfL aber die Klasse halten und der Franzose ein neues Arbeitspapier unterschreiben. Eine Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrags ist jedoch gar nicht so unwahrscheinlich. Losilla denkt jedenfalls noch nicht daran, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen.

Ein abruptes Karriereende ist auch kaum vorstellbar, sofern Losilla bis zum Saisonende fit und erste Wahl bleibt. Denn die Situation im defensiven Mittelfeld wird im kommenden Sommer, unabhängig vom sportlichen Ausgang der Saison, kompliziert bleiben. Auch Robert Tesche befindet sich im Herbst seiner Karriere und hat den Sprung in die Bundesliga nicht so gut gemeistert wie Losilla. Elvis Rexhbecaj und Eduard Löwen sind außerdem nur ausgeliehen, eine Kaufoption gibt es in beiden Fällen nicht. Losilla wäre also die einzige Konstante vor der Abwehr; vielleicht nicht mehr als unangefochtene Stammkraft, wohl aber als Vorbild fürs gesamte Team.

(Foto: Imago / Sven Simon)

Dauerkarten werden verschickt

VfL lockert und freut sich über Millionen-Einnahme

Der VfL Bochum hat noch Steigerungspotenzial. Nicht nur sportlich, sondern auch, wenn es um die Zuschauerzahl geht. 12.500 waren es beim ersten Bundesliga-Heimspiel gegen Mainz 05, 14.000 gegen Hertha BSC und 15.000 gegen den VfB Stuttgart. Ende Oktober, wenn der VfL zunächst Eintracht Frankfurt in der Liga und nur drei Tage später den FC Augsburg im Pokal empfängt, dürfen bis zu 20.000 Besucher ins Ruhrstadion – so viele wie noch nie seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Die aktuelle Corona-Schutzverordnung des Landes erlaubt es, alle Sitzplätze zu belegen und mehr als die Hälfte der Stehplätze. Für den VfL ist das ein weiterer Schritt in Richtung Normalität.

Dauerkarten werden verschickt

Freuen dürfen sich ganz besonders die rund 15.500 Dauerkarteninhaber. Denn ab sofort müssen keine Einzeltickets mehr erworben werden, außer für Pokalspiele. Stattdessen ist der vor der Saison gebuchte Platz automatisch reserviert. Der VfL wird in den kommenden Tagen alle Dauerkarten verschicken und somit auch in Rechnung stellen. Abgebucht wird der Einzelpreis für insgesamt 12 Spiele, zwei Partien sind gratis. Noch einfacher wird es für vollständig geimpfte Dauerkarteninhaber. Bislang mussten sie ihren Impfnachweis bei jedem Spiel neu vorzeigen. Das fällt bald weg: Nach einmaliger Überprüfung kann die Dauerkarte nun auch als Impfnachweis eingesetzt werden. Wie genau das funktionieren soll, will der Verein noch mitteilen.

Für ungeimpfte Anhänger wird es derweil komplizierter. Der VfL Bochum bleibt zwar bei der 3G-Regel, doch seit dieser Woche sind Schnelltests bundesweit nicht mehr kostenlos. Das heißt: Wer nicht vollständig geimpft ist und ein Heimspiel des VfL besuchen möchte, muss sich am Spieltag oder am Tag davor testen lassen und für die Kosten selbst aufkommen. Bei einigen Auswärtsspielen, zum Beispiel jetzt in Fürth, wird es noch deutlich teurer. Während Schnelltests je nach Anbieter zwischen 10 und 20 Euro kosten, wird zum Beispiel in Bayern sogar ein PCR-Test verlangt. Der kostet wesentlich mehr, oft zwischen 70 und 80 Euro.

Viel Geld fließt aufs Vereinskonto

Mit ganz anderen Zahlen, und zwar auf Einnahmenseite, dürfen sich die Verantwortlichen des VfL bald auseinandersetzen. Denn die Tatsache, dass nun alle Dauerkarten freigegeben werden, beschert dem Aufsteiger einen warmen Geldregen. Bei mehr als 14.000 Dauerkarten im ‚Public-Bereich‘ (also ohne VIP) kommt ein Millionenbetrag zusammen. Ursprünglich hatte die Vereinsführung ohne Ticketeinnahmen für die gesamte Hinrunde kalkuliert. Auch für die Rückrunde wurde nur eine geringe Zuschauerkapazität in die Planungen einberechnet. Was das für den Klub genau bedeutet, dürfte Ende des Monats Thema werden. Am 25. Oktober, also zwischen den Heimspielen gegen Frankfurt und Augsburg, findet die diesjährige Mitgliederversammlung statt – noch nicht in Präsenz, sondern digital.

(Foto: Imago / Revierfoto)

1:0 in Fürth gewonnen

VfL-Sieg dank Standardtor: „Vielleicht häufiger einüben“

Die Fans des VfL Bochum jubelten, ohne dass es einen Anlass dafür gab. Der eingewechselte Takuma Asano setzte den Ball aus guter Position nur ans Außennetz. Der Japaner hatte nach 68 Minuten die bis dato größte Chance im Duell der beiden Aufsteiger. Kurze Zeit später konnten die Bochumer ihren Emotionen dann auch wirklich freien Lauf lassen. Nach einem Freistoß von Eduard Löwen war Kapitän Anthony Losilla mit dem Kopf zur Stelle und erzielte das erste Bundesliga-Tor seiner Karriere, das dem VfL einen 1:0-Auswärtssieg bescherte.

Endlich wieder ein Tor

Drei Spiele lang und die ersten 80 Minuten gegen Fürth war der VfL ohne einen eigenen Treffer geblieben. Noch länger mussten die Bochumer auf ihren zweiten Saisonsieg warten, den letzten Dreier gab es im August. „Es war ein Spiel mit extrem viel Druck für beide Mannschaften“, sagte Manager Sebastian Schindzielorz nach der Partie, die womöglich wegweisenden Charakter hat. Der VfL ist mit sieben Punkten nach acht Spielen wieder fast im Soll, hat Kontakt zur unmittelbaren Konkurrenz. Die Spielvereinigung bleibt dagegen Letzter mit nur einem Punkt; der Klassenerhalt käme wohl einem Wunder gleich.

Dass sich beide Mannschaften in der neuen Liga schwer tun, war speziell in der ersten Halbzeit nicht zu übersehen. Ohne das Etikett ‚Bundesliga‘ hätte wohl kaum ein Zuschauer vermutet, dass sich gerade zwei Erstligisten gegenüberstehen, so sehr fehlte diesem Spiel das Niveau. Immerhin: Der VfL, der in der Innenverteidigung überraschend mit dem Duo Masovic/Lampropoulos antrat, ließ in der ersten Hälfte keine echte Torchance zu. Auch nach dem Seitenwechsel brannte wenig an, obwohl die Fürther den Druck etwas erhöhten.

Mit Raute im Mittelfeld

Defensiv half dem VfL auch eine Systemumstellung. Trainer Thomas Reis spiegelte die Mittelfeldraute der Gastgeber, setzte im Mittelfeld deshalb unter anderem auf Milos Pantovic in zentraler Position. Was hinten funktionierte, wurde vorne aber zum Problem. Die Flügel waren kaum besetzt, speziell die rechte Angriffsseite lange Zeit nicht existent. Erst als Thomas Reis – für seine Verhältnisse recht früh – wechselte, wurde es besser. Er rüttelte nicht groß am System, brachte mit Takuma Asano und Danny Blum aber zusätzliches Tempo und mehr Qualität ins Spiel. Der VfL wurde endlich mutiger, die Gefahr nach vorne spürbar größer. Dafür wurden die Gäste schließlich auch belohnt.

Ausgerechnet eine Standardsituation brachte den Siegtreffer. „Unter der Woche haben wir Standards trainiert, auch darüber kann man Spiele gewinnen. Heute hat es direkt geklappt“, freute sich Angreifer Sebastian Polter über die drei Punkte und fügte – halb ernsthaft, halb lachend – hinzu: „Vielleicht sollten wir öfter Dinge einstudieren.“ Gerade für einen Aufsteiger und speziell in engen Duellen können ruhende Bälle entscheidend sein, vor allem dann, wenn gelungene Spielzüge und Strafraumaktionen ansonsten eher Mangelware sind. 

Drei Spiele Ende Oktober

Ansätze, was Reis, Polter und Co. in der neuen Trainingswoche einstudieren und verbessern können, gibt es noch einige, speziell in der Offensive. Und so wird die Freude über den späten und glücklichen, aber nicht unverdienten und vor allem wichtigen Auswärtssieg in Fürth schon bald der kritischen Aufarbeitung weichen. Denn der Rest vom Oktober hält für den VfL noch drei Pflichtspiele bereit: Kommenden Sonntag zu Hause gegen Eintracht Frankfurt, eine Woche später auswärts bei Borussia Mönchengladbach. Zwischen den beiden Ligaspielen steht das Pokalduell gegen den FC Augsburg im eigenen Stadion an.

(Foto: Firo Sportphoto)

Hoffnung auf mehr

Bochums Neuzugänge sind noch keine Leistungsträger

Der Mannschaft zusätzliche Qualität zuzuführen – das ist die Kunst eines jeden Aufsteigers, die gelingen muss, um am Ende der Saison den Klassenerhalt zu feiern. Mit seinem Team hat der VfL Bochum zum Start der Bundesliga-Saison zwar nicht vollends enttäuscht, aber auch nicht positiv überraschen können. Die Ausbeute ist eher mager: Vier Punkte aus sieben Partien. In vielen Bereichen sucht der VfL noch nach Stabilität. Vor allem personell gibt es weiter Baustellen.

Löwen noch kein Stammspieler

Das liegt auch daran, dass sich die Neuzugänge noch nicht zu Leistungsträgern entwickelt haben. Acht Spieler hat der VfL Bochum im Sommer verpflichtet, größtenteils ablösefrei, drei von ihnen auf Leihbasis. In den ersten sieben Partien waren sie aber noch nicht der ganz große Faktor. Was auffällt: Nur einer von ihnen, nämlich Elvis Rexhbecaj, gehörte in allen Spielen zur Startformation. Er zeigte gute Ansätze als neues Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, ist im Schnitt laufstärkster Spieler beim VfL. Doch herausragend waren seine Leistungen noch nicht.

Das gilt für viele seiner Teamkollegen ebenso, die aus unterschiedlichen Gründen Anlaufschwierigkeiten haben oder hatten, Eduard Löwen zum Beispiel. Er war zwar pünktlich zum Trainingsauftakt in Bochum, flog aber schon zwei Wochen später weiter nach Tokio, um mit dem deutschen Team an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Er kam angeschlagen wieder, feierte sein Startelfdebüt in einem Pflichtspiel des VfL erst Mitte September gegen Hertha BSC; gegen den Klub also, von dem er für ein Jahr ausgeliehen ist. Löwen überzeugte nicht, saß gegen die Bayern also auf der Bank, spielte gegen Stuttgart wieder von Beginn an und musste gegen Leipzig erneut lange zuschauen.

Kurzum: Zu einer prägenden Figur im Bochumer Mittelfeld hat er sich noch nicht entwickelt. Weil er grundsätzlich aber ein guter Standardschütze ist, defensiv wie offensiv Stärken hat und bereits Bundesliga-Erfahrung aus drei Vereinen mitbringt, bleibt er ein Hoffnungsträger. Ganz ungewöhnlich sind Anlaufschwierigkeiten ohnehin nicht. Für ein generelles Urteil über die Qualität der Neuzugänge ist es noch zu früh, lediglich eine erste Zwischenbilanz ist schon möglich. Das zeigt die Vergangenheit: Auch spätere Leistungsträger wie Robert Zulj oder Simon Zoller haben in ihren ersten Wochen und Monaten beim VfL noch keine Bäume ausgerissen – was sich mit der Zeit aber ändern sollte.

Hoffnungen ruhen auf Polter

Insofern besteht in vielen Fällen die Hoffnung, dass die Sommerneuzugänge ihr vorhandenes Potenzial konstant abrufen. Das gilt auch für Takuma Asano, der zum Start gegen Wolfsburg und zuletzt in Leipzig zur Startformation gehörte, aber durch einen Muskelfaserriss zwischenzeitlich aus der Bahn geworfen wurde und durch Länderspielreisen eine zusätzliche Belastung hat. Aktuell ist er wieder unterwegs, ebenso wie Außenverteidiger Konstantinos Stafylidis, der ebenfalls zweimal von Beginn an spielen durfte, ehe ihn Trainer Thomas Reis wieder aus dem Team nahm.

In Bochum geblieben ist dagegen Christopher Antwi-Adjei, der den umgekehrten Weg gegangen ist. Wochenlang war der schnelle Offensivmann nur Joker, gegen Stuttgart und Leipzig gehörte er dann aber zur Anfangsformation. Seine Auftritte waren absolut vorzeigbar, vor allem sein Tempo eine Bereicherung. Auch Sebastian Polter gehört grundsätzlich zum Kreis der Stammspieler, nur in Leipzig blieb er erstmals nach seiner Verpflichtung auf der Bank, weil er in den Spielen zuvor nur teilweise überzeugt hat. Auf ihm ruhen weiter große Hoffnungen, wenn es um die dringend benötigte Torgefahr geht. Wie eingangs erwähnt, hat der VfL erst vier Treffer erzielt, zwei davon gehen auf das Konto des verletzten Simon Zoller. Polter ist Stand jetzt der einzige Bochumer Neuzugang, der schon getroffen hat.

Viel Lob für Osterhage

Perspektivisch könnte auch Patrick Osterhage mehr Einsatzzeit erhalten. Der Youngster unter den Neuzugängen, der aus der U23 des BVB nach Bochum gekommen ist, entwickelt sich prächtig. Unübersehbar sind seine fußballerischen Anlagen, gegen Leipzig feierte er sein Bundesliga-Debüt. An ihm werden die Bochumer noch viel Freude haben, sagt Thomas Reis immer wieder. Osterhage wird am Donnerstag beim Testspiel gegen den niederländischen Erstligisten NEC Nijmegen ebenso dabei sein wie Ersatztorhüter Michael Esser, der achte und erfahrenste Neuzugang im Bunde. Weil Manuel Riemann gute Leistungen zeigt, bleibt dem Rückkehrer vorerst nur die Zuschauerrolle.

Von welchem Neuzugang erwartet Ihr in den kommenden Wochen und Monaten am meisten?

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(Foto: Imago / RHR-Foto)

Neuer Hoffnungsträger

„Ist eine Waffe“: Mit Blum gegen die Torflaute

Bei den Champions-League-Teilnehmern in München, Leipzig und Wolfsburg hatte der VfL Bochum wenig zu verlieren. Als klarer Außenseiter geriet der Aufsteiger bei den Bayern unter die Räder, in den anderen beiden Partien hielt er zumindest phasenweise ordentlich mit. Punkte gab es jeweils keine. Auch in Köln verlor der VfL am Ende verdient. Die Auswärtsbilanz ist also ausbaufähig. Da kommt das Gastspiel bei der Spielvereinigung Greuther Fürth fast schon gelegen. Oder? Will der VfL nicht auf den letzten Tabellenplatz abstürzen, muss er am Samstag beim Mitaufsteiger punkten, am besten dreifach.

Damit dieses Vorhaben gelingt, wird es personell wohl erneut einige Änderungen geben. Es deutet sich an, dass Sebastian Polter und Eduard Löwen ins Team zurückkehren, Takuma Asano und Robert Tesche, die gegen Leipzig nicht überzeugt haben, müssten dann weichen. Und weil Herbert Bockhorn mit einem Muskelfaserriss wohl den ganzen Monat fehlen wird, ist Cristian Gamboa schneller als geplant wieder gefragt. Nach seiner Arm-OP im August ist er zwar einsatzfähig, aber noch nicht ganz bei 100 Prozent. Zur Startelf wird er gegen Fürth wohl trotzdem gehören. Anderenfalls müsste Thomas Reis wieder experimentieren, einen weiteren Rechtsverteidiger hat er schließlich nicht.

Startelf wird erneut umgebaut

Auch ein vierter Wechsel im Vergleich zum Spiel in Leipzig vor der Länderspielpause ist denkbar. Um die Torflaute zu beenden, könnte Danny Blum erstmals nach seiner langen Pause von Beginn an auf dem Platz stehen. Der Linksfuß hatte sich im April verletzt, war im August ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, feierte gegen Stuttgart Ende September sein Comeback und ist nun auch wieder Option für die Anfangsformation. „Wir wissen, welche Qualitäten er hat. Wenn er fit ist, dann ist er eine Waffe“, sagt Trainer Thomas Reis über den 30-Jährigen, der für einen Einsatz bereit stünde. Blum war schon am vergangenen Donnerstag beim Testspiel gegen NEC Nijmegen über 90 Minuten dabei und erzielte beim 5:4-Sieg auch ein Tor. „Ich fühle mich körperlich immer besser, komme von Woche zu Woche besser in Tritt“, erklärte Blum nach der Partie.

Er könnte Christopher Antwi-Adjei verdrängen, der gegen Stuttgart und Leipzig zwar sein Tempo gut ausgespielt hat, aber die Bochumer Torgefahr nicht merklich erhöhen konnte. „Danny hat Schärfe in seinen Bällen“, lobt Reis. Blum könnte diese Stärke auch bei Standardsituationen ausspielen, die der VfL in dieser Saison noch nicht für sich nutzen konnte. Sollte Gerrit Holtmann im Team bleiben und Danny Blum neu dazukommen, ist eine Rotation ähnlich wie in der Aufstiegssaison denkbar. Die beiden Flügelspieler tauschten da regelmäßig ihre Position, auch während des Spiels. Eigentlich kommen beide am liebsten über die linke Seite, was Blum zuletzt noch einmal bekräftigt hat: „Da kann ich meine Fähigkeiten am besten einsetzen: Im Eins-gegen-Eins, mit meiner Schnelligkeit und dem Blick für den freien Mann.“

Reis ist von Blum überzeugt

Blum ist aber nicht nur als Vorbereiter bekannt, sondern sucht auch selbst den Abschluss. Die Bilanz bisher: In 52 Pflichtspielen für den VfL war er an 30 Toren beteiligt, 13 davon erzielte er selbst. Thomas Reis ist davon überzeugt, dass Blum eine Klasse höher ähnlich erfolgreich sein wird: „Danny hat erst 19 Bundesligaspiele absolviert. Eigentlich müssten es 100 mehr sein, mindestens. An mir scheitert es aber nicht, wenn jetzt weitere dazukommen sollen…“

(Foto: Firo Sportphoto)

Sehnsucht nach Bochum

Zulj denkt an VfL-Rückkehr: Was Reis dazu sagt

Geld allein macht nicht glücklich. Knapp vier Monate nach seinem Wechsel in die Wüste kokettiert Robert Zulj offen mit einer Rückkehr nach Deutschland, am liebsten schon im Januar, wenn das Transferfenster öffnet. Besonders gern würde er wieder für den VfL Bochum spielen, erzählte er der Bild-Zeitung in einem großen Interview, das am Donnerstag erschienen ist. Das sportliche Niveau in den Emiraten sei niedriger als erwartet. 

Reis steht in Kontakt mit Zulj

VfL-Coach Thomas Reis reagierte mit einem Schmunzeln auf die Aussagen des einstiegen Top-Scorers, der einen großen Anteil am Aufstieg hatte. „Dann kann ich als Trainer ja so schlimm nicht sein“, sagte er nach dem 5:4-Sieg im Test gegen NEC Nijmegen – und schloss eine Rückkehr des Spielmachers nicht aus: „Mit seiner Art fehlt er uns. Er ist ein Führungsspieler. Ich habe immer noch ein gutes Verhältnis zu ihm, der Kontakt ist nicht abgerissen.“

Gleichwohl betont Reis, dass er nicht weiß, in welcher körperlichen Verfassung sich Zulj befindet, zumal er ein Spieler ist, der sich nicht gerne quält: „Er ist nicht unbedingt ein Trainingsweltmeister. Der Weg zurück kann sehr schwer sein, auch wenn man nur ein halbes Jahr weg ist.“ Wenn Zulj monatelang nicht auf höchstem Niveau gespielt und trainiert hat, könnte genau das zum Problem werden. Wenn er zurückkäme, müsste er dem VfL sofort weiterhelfen.

Kaderlücke noch nicht geschlossen

Zulj hatte schon Anfang 2019 nach seinem Wechsel von der TSG Hoffenheim zum VfL Bochum körperliche Defizite, war zunächst keine Verstärkung. Erst mit etwas Verspätung und dank der Corona-Pause hat sich der heute 29-Jährige zum Leistungsträger entwickelt. 15 Tore und 15 Vorlagen gelangen ihm in der Vorsaison. Dann nutzte Zulj eine Ausstiegsklausel, um zu Ittihad Kalba in die Vereinigten Arabischen Emirate zu wechseln.

Die Lücke, die durch seinen Weggang entstanden ist, konnte der VfL noch nicht schließen. Zulj ist ein typischer Zehner, ein Ballverteiler und Standardschütze. Nur: Sein Tempodefizit würde in der Bundesliga noch stärker ins Gewicht gefallen. Auch kämen mehr Defensivaufgaben auf ihn zu; ebenfalls nicht die Stärke des Österreichers. Außerdem ist fraglich, ob ihn alle Fans wieder mit offenen Armen empfangen würden.

Wie würden die Fans reagieren?

Denn bei seinem Abgang im Sommer gab es neben Dankbarkeit für gute Leistungen auch viel Kritik, Zulj wurde als Söldner beschimpft. In der Kabine genießt er dagegen einen guten Ruf. Offen wäre außerdem noch die Finanzierung eines Transfers. Zulj verdient in den Emiraten deutlich besser als zuvor beim VfL, er müsste deutliche Abstriche machen. Wenn ihn die Bochumer überhaupt zurückholen möchten…

Sollte sich der VfL Bochum um eine Rückkehr von Robert Zulj bemühen?

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(Foto: Imago / Eibner)