2:3 gegen Kiel

Zu viele Gegentore: VfL geht mit Frust ins Saisonfinale

Die Lage beim VfL Bochum könnte eigentlich schon ziemlich entspannt sein. Mit einem Sieg am Sonntagnachmittag im Duell der Bundesliga-Absteiger wäre der Revierklub den Kielern mit elf Punkten mehr davongezogen. Doch das Leben im Konjunktiv wäre als Bochumer generell viel angenehmer. Die Realität sieht deutlich unerfreulicher aus: Mit der 2:3-Heimniederlage gegen die Störche bleibt die Abstiegszone gefährlich nahe. Die Kieler auf dem Relegationsplatz sind nur fünf Punkte entfernt. „Wir hätten einen großen Schritt machen können. Den haben wir verpasst“, ärgerte sich nicht nur Maximilian Wittek über den vermeidbaren Rückschlag. In der Offensive zeigte der VfL eine passable Leistung. In der Defensive hingegen zählte der Auftritt zu den schwächsten unter der Leitung von Trainer Uwe Rösler.

Das sah der Fußballlehrer ganz genauso: „Wir kassieren aktuell zu viele Gegentore. In dieser Hinsicht stehen wir wieder da, wo wir waren, als ich nach Bochum gekommen bin.“ Übersetzt heißt das: Rösler beobachtet Rückschritte. „Die Aufmerksamkeit in der Box fehlt gerade. Ich muss mir etwas einfallen lassen“, sagte Rösler vor der nun anstehenden Länderspielpause. Gänzlich neu sind die Defensivprobleme nicht, sie waren schon zuletzt mehrfach Thema. Mitunter wurden die Schwächen durch starke Torwartleistungen kaschiert. Torwart Timo Horn, der gegen Kiel bei allen drei Gegentreffern schuldlos war, hat unter der Woche einen neuen Vertrag bis 2028 unterschrieben. „Er hat uns in dieser Saison durch seine Leistungen schon sehr oft geholfen, Punkte einzufahren“, sagte Rösler anlässlich der Vertragsverlängerung.

Erneut schwache VfL-Abwehr

Horn ist unumstritten, seine Vorderleute sind es nicht, wobei die Außenverteidiger das geringere Problem sind. Links hat sich Wittek stabilisiert, rechts konkurrieren Oliver Olsen und Leandro Morgalla miteinander, wobei Morgallas erneuter Bankplatz durchaus verwunderte, war er über die gesamte Saison hinweg doch der stabilste und auch schnellste Bochumer Verteidiger. Vor allem im Zentrum fehlt ein Leistungsträger. Kevin Vogt verpasste das Spiel gegen Kiel nach einer ordentlichen Leistung in Berlin krankheitsbedingt, Noah Loosli musste nach zuletzt schwächeren Auftritten auf die Bank. Rösler schenkte Erhan Masovic und Philipp Strompf sein Vertrauen, wurde aber enttäuscht. Beide zeigten bekannte Schwächen, waren nicht immer aufmerksam und insbesondere am zweiten Gegentor entscheidend beteiligt.

Die drei Einschläge der effizienten Kieler nur an der Abwehr festzumachen, würde allerdings zu kurz greifen. Am 0:1 war Callum Marshall mit einer schlechten Ballablage beteiligt, am 2:3 infolge einer Ecke praktisch die gesamte Mannschaft. „Da pennen wir“, beschrieb Doppeltorschütze Philipp Hofmann die Szene betreffend. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der VfL nach einer berechtigten Ampelkarte gegen Matus Bero, der seiner Kapitänsrolle erneut nicht gerecht wurde, bereits in Unterzahl. In der Offensive überzeugten immerhin Koji Miyoshi und Hofmann, der zweimal den Ausgleich erzielte, was dennoch nicht reichte – und den VfL weiter zittern lässt. Der zehnte Tabellenplatz wirkt komfortabler als er ist. Nach einem durchwachsenen Monat März fallen die Würfel nun wohl im April. Der VfL trifft dann ausschließlich auf Mannschaften, die aktuell hinter ihm platziert sind.

Pause kommt eher ungelegen

Das bietet die Chance, diese Konkurrenten endlich zu distanzieren, birgt aber auch das Risiko, doch noch einmal in echte Abstiegsgefahr zu geraten. „Es ist jedes Jahr die gleiche Leier“, fasste Wittek nach dem Spiel gegen Kiel die Gesamtsituation treffend zusammen. Wirklich gelegen kommt das spielfreie Wochenende nicht, im Gegenteil. Neun Spieler, darunter viele Stammkräfte, befinden sich auf Länderspielreise, müssen zum Teil drei Partien in nur wenigen Tagen absolvieren, darunter der zuletzt angeschlagene Francis Onyeka. In ungewohnter Besetzung werden die Bochumer also am kommenden Freitag ihr Testspiel gegen Rot-Weiss Essen bestreiten, ehe die Vorbereitung auf das wegweisende Auswärtsspiel in Magdeburg beginnen. Die Vorzeichen sind ähnliche wie vor dem Duell gegen Holstein Kiel. Mit dem Unterschied, dass eine Niederlage gegen Magdeburg noch größere Folgen hätte.


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(Foto: Imago / Team 2)

1:1 in Berlin

Morgalla wie Schlotterbeck: Wende erst mit neuer Abwehr

Geschichte wiederholt sich. Vor fast drei Jahren erzielte Bochums Keven Schlotterbeck nach einer Ecke in der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich im Auswärtsspiel bei Hertha BSC. Bis auf den Torschützen waren der Ablauf und das Ergebnis am Samstagabend im Berliner Olympiastadion identisch. Diesmal war es der zur Pause eingewechselte Leandro Morgalla, der die mehr als 5.000 mitgereisten VfL-Fans kurz vor Schluss zum Jubeln brachte und nach einem schwachen Gesamtauftritt doch noch einen schönen Abend bescherte. Für Morgalla war es das erste Profitor seiner Karriere. „Eigentlich bin ich bei Standards als Absicherung eingeplant. Als ich dann das Signal vom Trainer gesehen habe, bin ich in den Strafraum gegangen“, berichtete der 21-Jährige, der die Bochumer Leistung damit deutlich aufgewertet hat.

Vogt feiert sein Comeback

Offensiv wie defensiv enttäuschte die Rösler-Elf vor allem in der ersten Halbzeit und war auch im zweiten Durchgang keineswegs in guter Verfassung. Bei eigenem Ballbesitz waren die Bochumer viel zu hektisch, auch gegen den Ball hatte der VfL erhebliche Schwierigkeiten. Oliver Olsen und der schwache Noah Loosli, der den Elfmeter zum 0:1 verschuldet hatte, blieben bereits zur Halbzeitpause in der Kabine. Im Laufe der zweiten Halbzeit musste auch der angeschlagene Philipp Strompf den Platz verlassen. Anderenfalls hätte Uwe Rösler diesen Wechsel auch leistungsbedingt erklären können. Von der ursprünglichen Abwehrreihe blieb nur noch Maximilian Wittek übrig – eine ungewöhnliche Konstellation. Kurzum: Die Bochumer Hintermannschaft präsentierte sich in keiner guten Form. Wobei das nur ein Teil der Wahrheit ist.

Die Abwehr des VfL spielt schon seit Wochen und Monaten an ihrem Leistingslimit, zumindest im Zentrum. In der Innenverteidigung mangelt es an Agilität und Ballfertigkeit. Loosli und Strompf haben im Rahmen ihrer Möglichkeit sogar ordentliche und teils gute Leistungen gezeigt; gegen schnellere und stärkere Gegenspieler aber stoßen sie an unübersehbare Grenzen. Hinzukommen deutliche Defizite im Spielaufbau. Dass der Kader Alternativen hergibt, hat Rösler im Laufe der Partie gezeigt. Zunächst feierte Kevin Vogt sein Comeback nach einer fast halbjährigen Pflichtspielpause, später kam auch Erhan Masovic dazu – und Morgalla sowieso. Mit der Hereinnahme von Vogt ging Rösler „ins Risiko“, wie er später erklärte. Schließlich habe der Routinier keinerlei Spielpraxis mitgebracht.

Das Tempo fehlt Vogt bekanntlich auch, am Ball allerdings wirkte der Routinier deutlich sicherer, was neben Rösler später auch Vogts Teamkollegen lobend erwähnten. Gut möglich also, dass das eigentlich gesetzte Innenverteidiger-Duo, bestehend aus Loosli und Strompf, im Saisonendspurt gesprengt wird und Rösler auf einen oder gar zwei ihrer Teamkollegen setzt. Auch auf der Rechtsverteidiger-Position ist das Duell zwischen Morgalla und Olsen offener denn je. Morgallas Gesamtpaket ist wahrscheinlich das etwas stärkere, allerdings fehlt bei ihm die Perspektive. Sein Leihvertrag läuft im Sommer aus, die Kaufoption galt nur für den Aufstiegsfall. Insofern könnte es Sinn ergeben, Olsen häufiger spielen zu lassen, damit sich der Däne weiter an das Spielniveau in Deutschland gewöhnt und bestens für die neue Saison vorbereitet ist.

Freude über Punktgewinn

Allerdings hat Morgalla nicht nur wegen seines Tores einige Argumente für eine Rückkehr in die Startelf gesammelt. Der rechte Außenverteidiger sicherte dem VfL übrigens bereits den siebten Punkt nach einem Rückstand allein in der Rückrunde. Zudem war es das sechste Unentschieden nach dem Jahreswechsel. Die Bochumer waren sich am späten Samstagabend einig: Diesmal ist es ein Punktgewinn – und damit ein weiterer Schritt zum Klassenerhalt. Auch das erinnert an 2023. Einziger Unterschied: Im Mai vor drei Jahren war die Saison schon fast vorbei, diesmal sind noch acht Spiele zu absolvieren. Die 40-Punkte-Marke ist jedoch nicht mehr allzu weit entfernt. Nur noch sieben Zähler fehlen. Vielleicht ein Vorteil: Die nächsten sechs Gegner sind in der Tabelle allesamt hinter dem VfL platziert. Und das soll auch so bleiben.

Hinweis in eigener Sache: Tief im Westen – Das VfL-Magazin legt eine kurze Verschnaufspause ein. Der nächste Text an dieser Stelle erscheint erst nach dem Heimspiel gegen Holstein Kiel.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Talkrunde

Podcast: Halbserie mit Rösler, Einzelkritik & neue U21-Liga

Unsere neue Podcast-Folge ist da! Unser Einstiegsthema: Die ersten 17 Spiele unter Uwe Rösler. Wir schauen zurück auf den Aufschwung, die Remis-Phase und den Befreiungsschlag gegen Kaiserslautern. Wie bewerten wir die bisherige Arbeit des Trainers? Außerdem sprechen wir über die individuellen Eindrücke einzelner Spieler in der Rückrunde, besonders der Winter-Neuzugänge Callum Marshall und Oliver Olsen – und darüber, was die geplante U21-Liga der DFL für den VfL Bochum und den deutschen Nachwuchsfußball bedeuten könnte. Viel Spaß beim Anschauen oder Zuhören!


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(Foto: Marc Niemeyer)

3:2 gegen Kaiserslautern

Bochumer Befreiungsschlag: Das Glas füllt sich wieder

Als passionierter Teetrinker greift Uwe Rösler vor und nach den Spielen im Bochumer Ruhrstadion meist zum einfachen Pappbecher. Gläser gibt es im Presseraum nicht, nur im übertragenen Sinne. In der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern hatte der Trainer auf Nachfrage eines Journalisten noch minutenlang darüber philosophiert, wie voll das Glas nach einem Sieg, sieben Unentschieden und der Niederlage in Düsseldorf nun sei. Die Quintessenz: Der Trend sei unerfreulich, aber noch nicht besorgniserregend – die Partie gegen die Pfälzer also wegweisend. Entsprechend groß war die Erleichterung am späten Samstagabend, als sich der VfL als verdienter Sieger in die Nacht verabschiedete. „Das kann man als Befreiungsschlag bezeichnen“, sagte Siegtorschütze Mats Pannewig.

Der Jubel an der Castroper Straße bei Abpfiff war so laut wie lange nicht mehr. Auch während des Spiels war die Unterstützung besser als zuletzt. „Die Zuschauer haben abgewartet, wie wir auf das Spiel in Düsseldorf reagieren. Wir haben es geschafft, sie schnell auf unsere Seite zu ziehen.“ Auch beim zwischenzeitlichen Rückstand wurde es nicht wesentlich leiser. „Weil sie gesehen haben, wie wir spielen“, stellte Rösler mit Stolz fest. „Ohne sie hätten wir das Spiel nicht gedreht.“ Trotz der frühen Bochumer Führung durch Philipp Hofmann sowie einer druckvollen Anfangsphase war der Heimsieg alles andere als selbstverständlich. Denn die Gäste nutzten ihre wenigen Chancen, um die Partie zeitweise auf den Kopf zu stellen. Ein Doppelschlag durch Callum Marshall und Pannewig brachte schließlich die Wende.

Marshall war angeschlagen

Dabei war der Einsatz von Joker Marshall lange fraglich. Rund eine Stunde vor dem Spiel testeten die Bochumer seine Einsatzfähigkeit, schickten den Nordiren bereits vor dem Aufwärmen auf den Platz. Marshall signalisierte, im Bedarfsfall spielen zu können, und erzielte nach einer feinen Vorarbeit des starken Koji Miyoshi den Ausgleich. Ein erneutes Remis hätte dem VfL aber nicht wirklich weitergeholfen. „Das hatten wir oft genug. Es tut gut, mal wieder zu gewinnen, gerade vor heimischer Kulisse. Wir haben uns ein bisschen freigeschwommen“, sagte Torwart Timo Horn, der seinen Kollegen nach dem Spiel in Düsseldorf noch eine „grottenschlechte Leistung“ attestiert hatte. Mit einer verbesserten Zweikampfführung und auch einer fußballerischen Steigerung gewann der VfL gegen die Pfälzer.

Einziges Manko mal wieder: Die Schwächen im Spielaufbau, insbesondere durch Philipp Strompf, der sich mehrfach haarsträubende Abspielfehler leistete und auch beim 1:1 unaufmerksam war. Die Abwehrzentrale blieb im Gegensatz zu anderen Mannschaftsteilen unverändert. Insgesamt fünf Wechsel nahm Rösler im Vergleich zur Düsseldorf-Pleite vor, wobei die Rückkehr von Maximilian Wittek und Francis Onyeka nur allzu logisch war. Oliver Olsen feierte sein Startelf-Debüt, Kapitän Matus Bero sein Comeback. Zum ersten Mal unter Rösler blieben Leandro Morgalla und Cajetan Lenz zunächst nur auf der Bank. „Sie brauchten eine Pause“, erklärte der Fußballlehrer am späten Abend, als er mal wieder einen Pappbecher in der Hand hielt: prallgefühlt, allerdings mit einem Kaltgetränk, das den Spielverlauf würdigte.

Pannewig ist gesperrt

Einen Wermutstropfen gab es am Ende aber dennoch: Pannewig sah seine fünfte Gelbe Karte und wird am kommenden Samstagabend beim Duell gegen die Hertha in Berlin fehlen, zu dem sich mal wieder mehrere tausend Bochumer auf den Weg machen werden. Der VfL könnte den Monat März nutzen, um den Klassenerhalt bereits weitestgehend einzutüten. Aktuell sind es sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Ein wachsender Abstand würde die Planungen erleichtern. Schließlich hat fast die Hälfte der gegen Kaiserslautern eingesetzten Spieler, nämlich sieben von 16, für die kommende Saison keinen Vertrag mehr mit dem VfL. Insbesondere Marshall und Onyeka würden fehlen. Letzterer wird wahrscheinlich nach Leverkusen zurückkehren. Die Werkself ließ ihn beim 3:2-Sieg erneut beobachten.

(Foto: Imago / Revierfoto)


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Kolumne

Bochumer Formschwäche? Der März ist entscheidend!

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die aktuelle Verfassung des VfL Bochum.

Es hätte ein ruhiger Frühlingsbeginn an der Castroper Straße werden können. Mit einigen Punkten mehr auf dem Konto könnte der VfL recht entspannt auf die Tabelle blicken. Weil die Bochumer im Monat Februar allerdings keinen einzigen Sieg eingefahren haben, sind die Abstiegsränge nicht mehr allzu weit entfernt. Doch gibt es wirklich Grund zur Besorgnis?

Vieles hängt von den Ergebnissen in diesem Monat ab. Zunächst empfängt die Rösler-Elf den 1. FC Kaiserslautern, reist anschließend zu Hertha BSC und spielt vor der Länderspielpause noch zu Hause gegen Holstein Kiel. Einfach ist dieses Programm nicht, in allen drei Mannschaften schlummert Potenzial. Die Rechnung ist relativ simpel: Gelingen zwei Siege, kann der VfL die Planungen für die kommende Zweitliga-Saison vorantreiben. Im Falle von deutlich weniger Punkten droht eine Zitterpartie bis zum Schluss, inklusive aufkeimender Unruhe im Umfeld. Die Stunden nach der Niederlage in Düsseldorf haben einen Vorgeschmack darauf geliefert. Wie schnell die grundsätzlich positive Entwicklung der vergangenen Monate stellenweise zerredet wurde, war erschreckend. Zur Erinnerung: Die Spiele in Elversberg und Hannover waren ähnlich schlecht, nur mit dem Unterschied, dass am Ende dennoch eine Punkteteilung gelang.

Im Grunde ist es ähnlich wie immer: Der März läutet die entscheidende Saisonphase ein, und die Ergebnisse haben Auswirkungen weit darüber hinaus. Denn Klassenerhalt ist nicht gleich Klassenerhalt. Zum einen monetär: Landet der VfL auf den hinteren Tabellenplätzen, könnte er im TV-Ranking kurz- wie mittelfristig wichtige Einnahmen verlieren. Zum anderen sportlich: Je später die Kaderplanung für die kommende Spielzeit konkretisiert werden kann, desto schwieriger wird der Wettstreit um die bestmöglichen Spieler auf dem Transfermarkt. Schon heute ist klar: Der Umbruch im Sommer wird kein kleiner sein. Zehn Spielverträge laufen aus.

Für einen erfolgreichen Saisonendspurt braucht es selbstverständlich auch den Zusammenhalt der Anhänger. Die zunehmenden Auseinandersetzungen und Machtdemonstrationen innerhalb der Fangemeinde sind Gift für alle. Niemand ist größer als der Verein.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Podcast

Interview: Zoller über Ziele und seinen neuen VfL-Job

Unsere neue, mittlerweile 13. Podcast-Folge ist online! Zum ersten Mal haben Claudio Gentile und ich einen Gast dabei: Simon Zoller, Direktor Lizenzfußball beim VfL Bochum. Mit ihm sprechen wir unter anderem über seine neue Rolle als Funktionär, die Aufgabenverteilung im Team und über Kriterien bei der Spielersuche. Viel Spaß beim Anschauen oder Zuhören!

Hinweis: Die Aufnahme erfolgte bereits vor dem Spiel in Düsseldorf.


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(Foto: Marc Niemeyer)

1:2 in Düsseldorf

„So eine Grütze“: VfL mit alarmierender Februar-Bilanz

So schnell wendet sich das Blatt. Vor dem Duell gegen Fortuna Düsseldorf war der VfL seit neun Ligaspielen ungeschlagen. Von Abstiegskampf sprach an der Castroper Straße kaum noch jemand, auch wenn Trainer Uwe Rösler und erfahrene Spieler wie Philipp Hofmann in steter Regelmäßigkeit von einer trügerischen Sicherheit sprachen und an die Tabellensituation erinnerten. Geschönt wurde die Bilanz von zahlreichen Punkteteilungen. Und nun? Nach der hochverdienten 1:2-Niederlage schaut die Statistik nicht mehr ganz so erfreulich aus, die Remis-Serie verliert an Bedeutung. Die Bochumer haben nur eines von sieben Pflichtspielen in diesem Kalenderjahr gewonnen. Vor allem die Februar-Bilanz schafft Sorgenfalten: Aus vier Spielen holte der VfL nur drei Punkte und erzielte lediglich zwei Tore.

Rösler entschuldigt sich bei Fans

Gewiss: Einige Punkteteilungen zuletzt waren unglücklich. Gegen Münster und erst recht gegen Paderborn hätte der VfL den Sieg verdient gehabt. Auf reichlich Pech folgte nun aber nicht der Befreiungsschlag, sondern die zweite Pleite unter Rösler. Kein Spieler bis auf Torwart Timo Horn präsentierte sich gegen Düsseldorf in Normalform – obwohl die Bochumer mit Ausnahme des gelbgesperrten Maximilian Wittek in Bestbesetzung antraten. Gerrit Holtmann, Koji Miyoshi und Philipp Strompf kehrten ins Team zurück, außerdem feierte Winter-Neuzugang Mikkel Rakneberg sein Startelfdebüt. Sogar Top-Torschütze Francis Onyeka blieb wegen der großen Auswahl auf der Bank. Doch keiner der Genannten konnte die Niederlage verhindern. Alle trugen zur schlechtesten Leistung unter der Leitung von Rösler bei.

Als „mutlos“ und „energielos“ bezeichnete der Fußballlehrer den Auftritt und dachte dabei auch an die gut 10.000 mitgereisten VfL-Fans, so viele wie noch nie bei einem Zweitliga-Auswärtsspiel der Bochumer: „Ich muss mich das erste Mal, seitdem ich beim VfL bin, bei den Fans entschuldigen.“ Diejenigen, die auf dem Platz besonders enttäuscht haben, durften wieder mal nicht sprechen; vorgeschickt wurde abermals Keeper Horn. Der wiederum war in der Position, kein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen. „Gerade die erste Halbzeit war grottenschlecht. Da fahren so viele Fans mit und wir spielen so eine Grütze. Es tut mir leid.“ Horn sah das, was alle sahen: Eine passive Bochumer Mannschaft, die hinten nur zusah und sich vorne viele Ungenauigkeiten erlaubte. „Das war von allem zu wenig“, bekräftigte Horn.

Der erfahrene Schlussmann wirkte ratlos: „Ich kann es nicht nachvollziehen. Wir waren eigentlich auf einem sehr guten Weg und hätten mit einem Sieg einen großen Schritt machen können. Den haben wir verpasst.“ Für den 32-Jährigen ist klar: „Wir müssen uns schleunigst straffen. Vielleicht war es ein Dämpfer zur richtigen Zeit.“ Klar ist: In dieser Verfassung wird es gegen keine Mannschaft in der Liga reichen. Was Zuversicht gibt: Die Leistungsschwankungen waren in den vergangenen Monaten nicht allzu groß. Ein Ausrutscher wie dieser sollte im Saisonendspurt allerdings die Ausnahme bleiben, zumal ab Ende März überwiegend Gegner aus unteren Tabellendrittel warten, die derzeit – und zwar nur knapp – hinter dem VfL platziert sind. Die Remis-Serie zeigt, dass im Abstiegskampf nur Siege wirklich weiterhelfen.

Plätze werden neu vergeben

Damit diese wieder gelingen, hat Rösler für Samstag eine längere Videositzung angesetzt, in der sich die Spieler erklären sollen. Schon vorher verkündete er: „Der Bonus ist jetzt aufgebraucht, die Karten werden neu gemischt.“ Bis auf Horn und Wittek, der für den überforderten Rakneberg ins Team zurückkehren wird, ist für das wegweisende Heimspiel gegen Kaiserslautern am kommenden Samstag wohl kein Platz fest vergeben. Eigentlich ist Rösler ein Freund davon, möglichst wenige Änderungen vorzunehmen. Nun aber scheint er ins Grübeln zu kommen und Konsequenzen ziehen zu wollen. „Ich habe meine Mannschaft nicht wiedererkannt“, sagte Rösler am späten Freitagabend. Nachdem er zuletzt auch öffentlich viel Lob verteilt hat, muss er allerdings aufpassen, aus Enttäuschung nicht in Aktionismus zu verfallen.


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(Foto: Imago / Revierfoto)