Kolumne

VfL im Sondertrikot: Kommerz statt Nachhaltigkeit

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Gedankenanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Sondertrikots.

Die Bundesliga hat der VfL Bochum vor einem Jahr verlassen. Dennoch gibt es zahlreiche Abteilungen in diesem Klub, die weiterhin erstklassig arbeiten. Zum Beispiel das Team um Direktor Matthias Mühlen. Regelmäßig wird die Abteilung für Nachhaltigkeit mit Preisen bedacht. Innerhalb der Fußballszene genießt sie dank innovativer Ideen einen ausgezeichneten Ruf. Was viele nicht wissen: Die Erst- und Zweitligisten sind im Rahmen der jährlichen Lizenzierung sogar dazu verpflichtet, eine Nachhaltigkeitsstrategie samt Umweltmaßnahmen (Energie, Wasser, Abfall) und sozialen Kriterien (Diversität, Inklusion) nachzuweisen.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Ökologisch und sozial nachhaltiges Handeln endet meist da, wo der kommerzielle Erfolg gefährdet ist. Der neueste Branchentrend, und zwar bundesweit, ist das alljährliche Sondertrikot. Der Anlass kann noch so konstruiert sein – im Zweifel dient beim VfL irgendeine Liedzeile aus Grönemeyers Bochum-Hymne als Vorlage – einmal pro Saison gibt es ein zusätzliches Trikot. Nach dem Maiabendtrikot im April 2025 laufen die Bochumer beim Derby gegen Schalke 04 an diesem Samstag nun in schwarzen Jerseys auf. Sie sollen an die Bergbauhistorie der Stadt erinnern. Dass die Kampagne dazu unter dem Slogan „Pulsschlag aus Stahl“ steht, ist zwar nicht ganz passend, aber nur eine Randnotiz wert.

Wie auch immer: Im kaufmännischen Sinne ist nichts daran verwerflich, ein Sondertrikot auf den Markt zu bringen. Es wäre sogar fahrlässig, wenn der VfL die Sammelleidenschaft und Zahlungsbereitschaft seiner Fans nicht nutzen würde. Zumal: Jeder Anhänger kann frei entscheiden, ob er diese Idee unterstützt oder nicht. Dennoch zeigen die Vereine damit zweierlei: Dass die Anhängerschaft zunehmend als Kundschaft und Konsumgruppe betrachtet wird. Und dass die Nachhaltigkeitskriterien der DFL womöglich zu lasch sind. Denn ein Trikot zu produzieren, das nur in einem Spiel getragen wird, ist alles andere als nachhaltig, auch wenn das Bochumer Shirt aus recyceltem Material besteht. So oder so: Für derart viel Kommerz hätten die Kumpel im Schacht früher sicher wenig Verständnis gehabt.


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(Foto: Marc Niemeyer)

1:1 gegen Elversberg

Eichhörnchen-Taktik und ein Sonderlob für Pannewig

Die Sorgen waren unbegründet. Sechs Bochumer Spieler sind mit je vier Gelben Karten in das Duell gegen die SV Elversberg gegangen. Mehr als der halben Startelf drohte ausgerechnet vor dem prestigeträchtigen Derby gegen Schalke 04 eine Sperre. Trainer Uwe Rösler hatte im Vorfeld angekündigt, darauf bei seiner Personalauswahl keine Rücksicht zu nehmen und ließ die Vorbelasteten allesamt von Beginn an spielen: Philipp Hofmann und Mats Pannewig, Maximilian Wittek und Philipp Strompf, Kjell Wätjen und Farid Alfa-Ruprecht. Doch keiner von ihnen kassierte die fünfte Verwarnung. Ansonsten war die Bochumer Darbietung alles andere als souverän, der Punktgewinn beim 1:1 äußerst schmeichelhaft. Die Gastgeber waren eine Stunde lang klar überlegen.

Vor allem in der ersten Halbzeit ließen die Bochumer trotz eigener Führung zu viele Torchancen zu und hatten keine längeren Ballbesitzphasen – ein Manko, das mit wenigen Ausnahmen schon länger besteht. Fünf Elversberger Ecken nach elf Minuten sowie zwei Lattenkracher stehen exemplarisch für die Überlegenheit der Saarländer. Als Mats Pannewig ausgerechnet in dieser Drangphase mit der ersten Bochumer Torchance das 1:0 erzielte, war der Spielverlauf auf den Kopf gestellt. Auch eine Systemumstellung stabilisierte den VfL zu Beginn der zweiten Halbzeit zunächst nicht, der Ausgleichstreffer zum 1:1 war schließlich  hochverdient. Erst danach entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, das die Rösler-Elf am Ende sogar hätte gewinnen können. Das aber wäre zu viel des Guten gewesen.

Vier Remis in Folge

Die Bochumer Remis-Serie setzt sich damit fort. Vier Spiele in Folge haben sie das Feld weder als Gewinner noch als Verlierer verlassen. In der Fremde ist der VfL unter Trainer Rösler noch ungeschlagen, hat generell erst eine von elf Partie verloren. So richtig vom Fleck kommt der Bundesliga-Absteiger mit seiner Eichhörchen-Taktik derzeit allerdings nicht. Der Vorsprung auf die Abstiegsränge bleibt gering, beträgt aktuell drei Punkte. „Um den nächsten Schritt zu machen, müssen wir auch mal eine Spitzenmannschaft schlagen“, weiß Trainer Uwe Rösler, der gegen Schalke die nächste Chance dazu erhält. Während die Gelsenkirchener ihren Kader mit prominenten Zu- und Abgängen weiter umbauen, wird sich bei den Bochumern wahrscheinlich nicht mehr so viel tun.

Nach drei Neuverpflichtungen (Rakneberg, Marshall, Sobottka) und vier Abgängen (Kleine-Bekel, Sissoko, Clairicia, Obafemi) ist der Kaderumbau weitestgehend abgeschlossen, auch weil Trainer Uwe Rösler mit dem zur Verfügung stehenden Personal zufrieden ist. Offen ist lediglich, ob Felix Passlack noch den Verein verlässt. Dem Außenverteidiger, der in Elversberg zur Pause eingewechselt wurde, sich in die neu formierte Fünferkette einfügte und am Gegentreffer nicht unbeteiligt war, liegt ein Angebot von Hibernain Edinburgh aus Schottland vor, das er gerne annehmen würde. Weil Rösler den Ex-Dortmunder aber schätzt und Eigengewächs Kacper Koscierski noch Zeit geben möchte, darf Passlack erst gehen, wenn für ihn ein passender Ersatz gefunden ist.

Erstes Pannewig-Tor

Im Mittelfeld indes vertraut Rösler mehr denn je zwei Talenten aus dem eigenen Stall. Sowohl Cajetan Lenz als auch Mats Pannewig zählen längst zum Stammpersonal und gehörten in Elversberg zusammen mit Leandro Morgalla zu den wenigen Lichtblicken. Pannewig belohnte sich nach zahlreichen Anläufen mit seinem ersten Profitor – technisch anspruchsvoll und sogar mit seinem schwächeren Fuß. „Seitdem ich hier bin, ist er unser bester Mittelfeldspieler“, lobte ihn Rösler bereits vor dem Spiel. Der Fußballlehrer geriet regelrecht ins Schwärmen: „Er ist fleißig und mutig und in beiden Strafräumen eine Waffe. An dem Jungen werden wir noch viel Freude haben.“ Vielleicht ja auch gegen Pannewigs Ex-Klub Schalke. Bei den Königsblauen wurde er einst aussortiert.


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bonamic – IT aus Bochum, die verbindet

Die Digitalisierung gehört längst zum privaten und beruflichen Alltag. Doch eine verlässliche IT bleibt für viele Unternehmen eine Herausforderung. In Bochum hat sich ein junges Unternehmen diesem Problem angenommen: die bonamic GmbH. Seit 2019 entwickelt das Team Lösungen für kleine wie große Kunden, darunter zahlreiche Partner aus der Sozialwirtschaft. Das bonamic-Team verfügt dabei dank der tiefen Verwurzelung am Unternehmensstandort über ein gutes Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Aus dieser Mischung ist ein IT-Partner entstanden, der im Ruhrgebiet zunehmend an Bedeutung gewinnt – nicht nur wegen seiner Expertise, sondern auch wegen seines Engagements für die Region.

Auffällig ist dabei der klare Fokus auf Menschlichkeit. Es geht den Expertinnen und Experten nicht nur um funktionierende Technik, sondern um verlässliche Partnerschaften, die den Alltag erleichtern. Statt einer unpersönlichen Hotline gibt es feste Ansprechpersonen, schnelle Reaktionszeiten und einen Service, der darauf ausgerichtet ist, dass einfach alles läuft: die IT, Business-Mobilfunk, Cloud-Telefonie und IoT-Lösungen, ganz gleich, ob im Büro, im Homeoffice oder unterwegs. bonamic schafft die technische Basis, damit Teams produktiv arbeiten können, ohne sich um Systeme und Störungen kümmern zu müssen. Die persönliche Begleitung, von der ersten Bedarfsanalyse bis zur langfristigen Betreuung, ist dabei ein zentraler Teil der Unternehmensphilosophie. „Im Ruhrgebiet zählt nicht, wie groß du bist, sondern wie du mit Menschen umgehst. Darum bauen wir auf feste Ansprechpartner, klare Worte und Lösungen, die wirklich helfen“, erklärt bonamic-Geschäftsführer und Gründer Tobias Dörk.

Diese Haltung zeigt sich nicht nur im Umgang mit Kunden, sondern auch im Engagement für die Region. Viele Partner stammen aus der Sozialwirtschaft; ein Bereich, in dem Verlässlichkeit und pragmatische Lösungen besonders gefragt sind. Hier zeigt sich, wie stark bonamic Technik und Haltung miteinander verbindet: modern, lösungsorientiert und auf Augenhöhe. bonamic unterstützt beispielsweise die Bochumer Ehrenamtsagentur BEA, fördert lokale Projekte und setzt mit dem Seniorencafé – einem Azubi-Projekt zum Austausch der Generationen – ein Zeichen für digitale Teilhabe. Hier helfen Auszubildende älteren Menschen im Umgang mit Tablet und Smartphone, beantworten Fragen und schaffen Räume für Begegnung.

Auch im Sport zeigt das Unternehmen Flagge. Als Sponsor und IT-Partner des VfL Bochum 1848 sowie als Partner der VfL-Frauen unterstreicht bonamic seine Verwurzelung in der Stadt. Die Zusammenarbeit ist mehr als ein klassisches Sponsoring: Sie spiegelt den Anspruch wider, Verantwortung zu übernehmen, Gleichberechtigung zu fördern und die Region dort zu unterstützen, wo Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft entsteht. „Wir entwickeln moderne IT für eine Region, die sich ständig wandelt und wir begleiten die Menschen dabei. Für mich als Bochumer Junge ist genau das der Kern unserer Arbeit: Nähe, Ehrlichkeit und echte Partnerschaft“, bekräftigt Dörk.

bonamic versteht sich nicht als reiner Dienstleister, sondern als Partner für moderne IT und Konnektivität, der begleitet, unterstützt und vorausdenkt. Im Kern geht es bei bonamic um das, was im Ruhrgebiet seit jeher zählt: Zusammenhalt und Verlässlichkeit. Technik ist dabei das Werkzeug – aber die Menschen sind der Antrieb.

(Foto: bonamic)

Kolumne

Neuer Vertrag? Der VfL steckt im Loosli-Dilemma

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Gedankenanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Noah Loosli und die Innenverteidigung.

Die Namen Losilla und Loosli klingen nicht nur sehr ähnlich, die dahinterstehenden Personen verbindet auch einiges. Der langjährige VfL-Kapitän war ein Musterprofi, der aktuell gesetzte Innenverteidiger ist ebenso einer. Beide investieren auf vorbildliche Art in ihre Leistungsfähigkeit, stellen sich in den Dienst der Mannschaft und identifizieren sich in besonderer Weise mit dem Klub.

Das Kapitel Anthony Losilla ist seit dem vergangenen Sommer geschlossen, zumindest die Karriere als Profifußballer beendet. Für Noah Loosli hingegen ist die dritte Saison im VfL-Trikot bislang die erfolgreichste. In 14 von 21 Pflichtspielen gehörte er zur Startelf und ist seit Anfang November in der Abwehrzentrale praktisch gesetzt. Der Vertrag des Schweizers läuft am Saisonende allerdings aus. Gibt es für ihn eine Zukunft beim VfL?

Mit ordentlichen Leistungen – nicht mehr und nicht weniger – hat sich der seit heute 29-Jährige in den vergangenen Wochen für eine Vertragsverlängerung beworben. Mit seinem Engagement und seiner aufmerksamen Spielweise, seiner Ausdauer und Kopfballstärke wäre Loosli auch über den Sommer hinaus ein Gewinn für diese Mannschaft. Jedoch: Seine Defizite hinsichtlich Technik und Tempo sowie wiederkehrende Stellungsfehler sind ebenso unübersehbar. Kurzum: Mit Loosli als Stammspieler zu planen, wäre riskant. Als zuverlässiger Back-Up wäre er dagegen die Optimallösung.

Das Dilemma ist: Mit Kevin Vogt, Philipp Strompf und Colin Kleine-Bekel stehen bereits drei ähnliche Innenverteidiger für die neue Saison unter Vertrag. Sie alle passen mit ihrer fehlenden Agilität nur eingeschränkt zum Spielstil von Trainer Uwe Rösler. Den Vertrag mit Loosli zu verlängern, würde bedeuten, dass ein weiterer Kaderplatz für die kommende Saison bereits besetzt wäre. Wenn der VfL um den Aufstieg mitspielen möchte, bräuchte es mindestens einen, eigentlich zwei neue (Stamm-)Innenverteidiger auf gehobenem Zweitliga-Niveau. Weil insgesamt sechs zentrale Abwehrspieler aber zu viele wären, wird es in mindestens einem Fall auf eine Trennung hinauslaufen müssen. Am einfachsten wäre sie – leider – bei Noah Loosli. Am sinnvollsten eher bei anderen.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Geschäftsführer

Interview: Kaenzig über den Etat, Rösler und Vonovia

Seit fast acht Jahren verantwortet Ilja Kaenzig die Geschäfte des VfL Bochum. Im exklusiven Interview spricht er über die laufende Saison, die wirtschaftliche Situation des Klubs und wichtige Einnahmequellen.

Herr Kaenzig, das Jahr 2025 war geprägt von Krisen. Erst ist der VfL Bochum aus der Bundesliga abgestiegen, dann im Abstiegskampf der 2. Liga gelandet. Gab es dennoch Positives, was Sie aus den vergangenen zwölf Monaten mitnehmen?

Zum einen, dass der VfL dank kontinuierlicher Aufbauarbeit ein anderer Klub ist als beim letzten Abstieg. Gewachsen, mit einem stabilen strukturellen Fundament und zuletzt fast 100 Millionen Umsatz. 100 Millionen! Und es ist nicht das Ende der Fahnenstange in der Bundesliga. Zum anderen, dass wir die Lehren gezogen haben und im Sport die entsprechenden Veränderungen sowie neuen Projekte – Stichworte Struktur, Kaderwertmanagement und Übergangsbereich – konsequent fortsetzen.

Im Sommer war die Hoffnung innerhalb und außerhalb des Vereins groß, dass der Wiederaufstieg gelingen könnte. Das wird nach der Hinrundenbilanz wohl kaum gelingen. Was ist zu Saisonbeginn schiefgelaufen?

Die Jungen haben Zeit gebraucht, genauso wie die Neuen. Und jene, die schon da waren, hatten das Siegen verlernt. Es fehlte auch das Schlachtenglück, wie beim Spiel auf Schalke. So kam in einer schwierigen und extrem ausgeglichenen Liga zu viel zusammen. Hätte man es verhindern können? Mit Maßnahmen konträr zur einheitlichen Meinung vor dem Saisonstart? Dieter Hecking hat es zuletzt richtig gesagt: Uwe Rösler passt perfekt zum VfL – und vorher kann trotzdem nicht alles schlecht gewesen sein.

Sie sind für diesen Kader sogar ins finanzielle Risiko gegangen. Ein Fehler? Oder wird es sich noch verspätet auszahlen?

Ins finanzielle Risiko gehen ist bei allen ambitionierten Klubs in der 2. Liga ein Dauerzustand. Diese neue Herausforderung nehmen wir an. Der VfL muss und wird erfolgreich sein wollen. Dies bedingt eines progressiven Finanzmanagements. Darüber haben wir mit unserem Gremium gesprochen und sind uns einig – wir wollen mutig, aber nicht naiv sein.

Ist Uwe Rösler ein Glücksfall für den VfL?

Grundsätzlich: Timing ist im Fußball alles. Der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Dann ist es ein Glücksfall. Das ist leider nicht jedem vergönnt. Uwes Profil bestätigt sich jedoch immer mehr. Er ist furchtlos und gibt uns tagtäglich enorme Energie. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Der Mann hat in seinem Leben schon ganz andere Herausforderungen bewältigt.

Was unterscheidet ihn von seinen Vorgängern, was macht er anders?

Ich sehe Parallelen zu Dieter Hecking. Erfahrung, Menschenführung, Kommunikation. Uwe lernt uns wieder das Siegen, auch, weil er in die Köpfe der Spieler gelangt ist.

Auch die Sportliche Leitung ist neu. Es gibt keinen klaren Sportchef mehr, sondern ein Kompetenzteam mit fünf Fachexperten. Wie ist diese Idee entstanden?

Außerhalb Deutschlands gibt es den Trend weg von Namen hin zu Aufgaben und Kompetenzen schon länger. Das Präsidium fordert uns im absolut positiven Sinn heraus, die Dinge anders zu denken. So ist dieses Modell gemeinschaftlich entstanden.

Welche Rolle nehmen Sie aktuell und künftig ein, speziell im sportlichen Bereich? Sie sind ja nun wieder alleiniger Geschäftsführer.

Es geht beim VfL immer nur gemeinschaftlich, das ist keine neue Erkenntnis. So sind der Vorstand und Jupp Tenhagen im Sport ständig involviert und zusammen mit unserer Geschäftsleitung Sport helfen mehrere Blickwinkel, die Wahrscheinlichkeit von Fehlern zu verringern. Ich bringe meine Erfahrung ein und sorge dafür, dass der Motor läuft.

Der kaufmännische Bereich bleibt ebenfalls von großer Bedeutung. Der VfL plant für die laufende Saison mit einem Minus in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro. Wie wollen Sie es schaffen, dass die Bilanz wieder ausgeglichen ist, obwohl ein Rückfall im TV-Ranking droht?

Das Kaderwertmanagement spielt bei der Fortsetzung des Wachstums des VfL eine große Rolle. Deshalb haben wir es schon 2024 zum Leuchtturmprojekt gemacht. Wir standen in der Bundesliga im kommerziellen Bereich vor unseren Konkurrenten, hatten aber bei den Transfererlösen einen riesigen Rückstand. Die Konkurrenz hat verkauft und war sportlich erfolgreich. Man sieht: Mittel generieren, Spieler länger halten können und den Ligaerhalt schaffen, oder sich sogar für Europa qualifizieren – das geht.

Können Sie den jetzigen Etat mittelfristig aufrechterhalten?

Wir sind uns intern einig, dass dies der Fall sein muss. Auch durch innovative Finanzierungsmodelle, welche uns unabhängig von Transfererlösen machen. Dann werden wir auch beim Lizenzetat sogar noch weiterwachsen können.

Wie wichtig ist dabei die Unterstützung von Haupt- und Stadionsponsor Vonovia? Zuletzt hat es teils sehr persönliche und anonym geäußerte Kritik an Vonovia-Vorstandsmitglied Arnd Fittkau gegeben, der beim VfL im Wirtschaftsrat sitzt. Fürchten Sie einen Rückzug?

Absolut. Der VfL ist froh und stolz, dass wir diese Unterstützung durch ein in Bochum ansässiges DAX-Unternehmen bekommen. Darum beneiden uns andere Klubs! Arnd Fittkau ist ein VfLer durch und durch. Und dazu ein Botschafter. Das Statement gegen Hetze und unberechtigte Kritik war klar und eindeutig. Wir arbeiten miteinander, nicht gegeneinander in der VfL-Familie!

Wo sehen Sie trotz Zweitklassigkeit Wachstumspotenziale?

Die Potenziale sind vorhanden und identifiziert. Die Vision 100 wäre nach Wiederaufstieg eher eine Vision 120. Und in der 2. Liga ist es die Vision 70. Es gilt die kommerziellen Bereiche weiter zu optimieren. Mehr Sponsoring, mehr Merchandising, mehr Mitglieder, besserer Service. Man darf nicht vergessen, dass wir einen Rückstand von elf Jahren zweite Liga haben gegenüber vielen Konkurrenten. Nach Abschluss der Arbeiten wird der Stadionumbau uns zudem neue Möglichkeiten eröffnen.

Sie haben im Rahmen der Mitgliederversammlung über alternative Finanzierungsmethoden gesprochen, die einen klassischen Investor möglicherweise ersetzen könnten. Was ist hierbei konkret angedacht – und was nicht?

Darüber werden wir zu gegebener Zeit berichten, die Ideen werden im Hintergrund diskutiert. Es geht darum, dem VfL Wachstumskapital bereitzustellen, um die Entwicklung auf und neben dem Platz zu beschleunigen. Dieses Kapital würde einen Investor ersetzen und keine Mitsprache haben wie ein solcher.

In welchen Bereichen wird der VfL sparen müssen?

Nicht beim Sport, das steht fest. Wobei wir im Rahmen eines Benchmarkings bereits erkennen: Wir bewegen uns außerhalb des Platzes im Rahmen vergleichbarer Klubs. Es gibt bei uns keinen Bundesliga-Luxus. Auch in der 2. Liga hat der VfL Dimensionen, die – bis auf das TV-Geld – der 1. Bundesliga entsprechen. Es bedarf also einer gewissen Organisationsgröße. 100 Millionen Umsatz erzielen mit einem Personalbestand, wie damals mit 30 Millionen, das ist schwer. Zwar haben wir von Anfang immer auf Effizienz geachtet und diese Grundeinstellung wird weiter gepflegt – doch die Organisation muss mitwachsen dürfen.

Ein Hebel sind Transfererlöse. Lassen sich diese zuverlässig planen? Oder sind es Sondereffekte?

Im heutigen Fußball gehören diese zum Geschäftsmodell – ob in Leverkusen, Frankfurt oder bei Chelsea. Teilweise sind die Erlöse in diesem Bereich sogar deutlich höher als aus dem TV-Geld. Und als Ausbildungsklub, was der VfL sein muss, können sie nicht bloß Sondereffekte sein. Das Monster Fußball ist leider sehr gefräßig, auch wenn das Spiel bei halbierten Gehältern nicht schlechter wäre.

Schon jetzt wird medial und im Umfeld viel über einen möglichen Verkauf von Cajetan Lenz diskutiert. Muss er womöglich schon in diesem Sommer verkauft werden, weil sonst Transfererlöse fehlen könnten?

Transfers sind Salz und Pfeffer der öffentlichen Diskussionen im Fußball. Aber daran beteiligen sich die direkten Akteure nicht. Wir sind, was Zu- und Abgänge angeht, intern immer abgestimmt. Das ist, was zählt.

Als Fußballromantiker: Ist es nicht eine bedenkliche Entwicklung, dass selbst Fans nach ein paar guten Spielen von Eigengewächsen schon an einen Verkauf denken?

Erstmal: Es gehören immer vier zu einem Transfer. Abgebender Klub, aufnehmender Klub, Spieler und Berater. Manchmal sind die Planungen identisch, manchmal nicht. Aber Namen wie Caspar Jander, Finn Jeltsch, Can Uzun oder Ibrahim Maza zeigen, dass der Markt ein unfassbares Tempo hat und gerade die großen Vereine heiß auf immer jüngere Talente sind. Das ist der Lamine-Yamal-Effekt. Immer jüngere Spieler sind gefragt, also wechseln sie auch immer früher.

Abschließend eine Frage abseits des Sports: Im Jahr 2026 sollen die ersten Maßnahmen im Zuge der Stadion-Sanierung beginnen. Worauf müssen sich die Fans in der ersten Jahreshälfte einstellen?

Wir planen mit einer umfassenden Kommunikation im Frühjahr, sobald der Ausschreibungsprozess sowie die danach folgende Planung abgeschlossen sind. Baumaßnahmen wird es in der laufenden Saison keine geben.

Dieses Interview wurde bereits im Dezember geführt und ist zuerst in der aktuellen Ausgabe von „100 Prozent VfL Bochum“ des 3satz-Verlags erschienen. Auf mehr als 80 Seiten bietet das Magazin weitere Interviews, ausführliche Portraits und interessante Hintergrundgeschichten. Gedruckte Exemplare der aktuellen Ausgabe sind kostenlos an knapp 300 Stellen im Bochumer Stadtgebiet oder direkt beim 3satz-Verlag (Alte Hattinger Str. 29) zu bekommen. Nachfolgend gibt es auch eine Download-Option.

(Foto: Marc Niemeyer)

3:3 gegen Darmstadt

Stürmer stark, Abwehr am Limit: Obacht statt Träumerei

Der Plan von Trainer Uwe Rösler ging zügig auf. Nur acht Minuten war Debütant Callum Marshall nach seiner Einwechslung auf dem Feld, als er den verdienten Ausgleich zum 3:3 im Heimspiel gegen Darmstadt 98 erzielte. Damit sorgte der Winter-Neuzugang für einen zufriedenstellenden Jahresstart, wenngleich die Tabellensituation gefährlich bleibt. Der Abstand des VfL auf den Relegationsplatz ist geschrumpft und beträgt nur drei Punkte. Allen Anhängern, die zu Beginn der Rückrunde noch auf eine furiose Aufholjagd samt Bundesliga-Rückkehr gehofft haben, gab Rösler am Sonntag eine klare Botschaft mit auf den Heimweg: „Wir dürfen nicht träumen, sondern müssen so schnell wie möglich 40 Punkte für den Klassenerhalt holen.“ Nicht nur Rösler weiß: Der Weg wird steinig, Obacht ist angeraten.

Denn das Bochumer Auftaktprogramm hat es in sich. Kommenden Sonntag geht zum Zweitplatzierten nach Elversberg, danach kommt Tabellenführer Schalke an die Castroper Straße. „Das sind starke Gegner, aber die Leistung gegen Darmstadt stimmt mich optimistisch“, sagte Rösler nach einem wilden Ritt und einer äußerst unterhaltsamen Partie mit mehreren Führungswechseln, hohem Tempo und zahlreichen Torchancen. Der VfL war einem Sieg am Ende sogar näher. „Alle Daten sprechen für uns“, berichtete Rösler und verwies unter anderem auf die Torschussstatistik. Auch lobte er die eingewechselten Spieler, darunter Neuzugang Marshall und Felix Passlack. Die ebenfalls frisch verpflichteten Mikkel Rakneberg und Marcel Sobottka gehörten zwar zum Spieltagskader, blieben aber auf der Bank.

Hofmann überzeugt, Loosli schwächelt

Von dort aus sahen sie einen offenen Schlagabtausch mit vier Toren in der ersten und zwei Treffern in der zweiten Halbzeit. Rösler hatte seiner Mannschaft eine offensivere Gangart verordnet, sie stand höher, lief aggressiver an und hatte mehr Ballbesitz. Vor allem das 1:1 und das 2:1 waren auf die verfeinerte Herangehensweise zurückzuführen. In beiden Fällen zwangen die Bochumer die Gäste zu Fehlern, der Weg zum Tor war daraufhin frei. Insbesondere Philipp Hofmann trat als Torschütze und Wegbereiter positiv in Erscheinung. Aber auch Farid Alfa-Ruprecht, der erstmals auf der linken Seite begann, fiel positiv auf, zumindest in der Offensive. „Er hat uns mehr Tiefe gegeben, ähnlich wie Gerrit. Das brauchen wir. Farid war ein konstanter Unruheherd. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung“, betonte Rösler.

Defensiv allerdings hatte die Leverkusen-Leihgabe Probleme. So auch vor dem 0:1, als Alfa-Ruprecht in einem entscheidenden Zweikampf zurückzog, weil er bereits früh in der Partie mit Gelb verwarnt wurde. Generell waren die Bochumer gegen den Ball zu zaghaft und nicht gut sortiert. Oft benötigten die Darmstädter nur wenige Stationen, um zum Torerfolg zu kommen. Beim 2:3 genügte ein langer Ball, um die komplette Hintermannschaft auszuhebeln. „Da schlafen wir brutal. Darüber müssen wir sprechen“, kritisierte Rösler, der im Abwehrzentrum erneut Noah Loosli und Philipp Strompf sein Vertrauen schenkte. Das war nach ordentlichen Leistungen vor dem Jahreswechsel nur allzu logisch. Gegen Darmstadt aber war Loosli an zwei Gegentoren beteiligt. Ebenso wie Strompf spielt er längst am Limit.

Rösler kritisiert Buhrufe gegen Passlack

Ohne Timo Horn wären wohl auch in der Hinrunde schon mehr Gegentore gefallen. Das Dilemma ist: Mit Kevin Vogt und Erhan Masovic stehen zwar erfahrene Innenverteidiger bereit, wirklich stark waren sie in der Hinrunde aber nicht. Vogt gehörte nach längerer Verletzungspause gegen Darmstadt noch nicht zum Kader, macht allerdings Fortschritte. „Kevin ist sehr schlau und weiß, was ich verlange“, lobt Rösler. Auch Masovic wartet seit mittlerweile zweieinhalb Monaten auf den nächsten Einsatz. „Er ist nicht so weit weg von der Startelf“, meint Rösler, der aber noch nicht fest mit dem Serben planen kann. Der Defensivallrounder prüft Wechseloptionen. Gleiches gilt für Passlack, den Rösler nach dem Spiel aber vehement verteidigte. Der Fußballlehrer hatte bei der Einwechslung „Buhrufe“ vernommen, die er scharf verurteilte.


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Podcast

Zuversicht und Zweifel: VfL gerüstet für die Rückrunde?

Unsere neue, mittlerweile zehnte Podcast-Folge ist da! Claudio Gentile und ich sprechen vor dem Rückrundenstart am Wochenende über den Kaderumbau in diesem Winter mit drei Neuzugängen, den Abgang von Ibrahima Sissoko und das schwierige Auftaktprogramm. Viel Spaß beim Anschauen oder Zuhören!


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(Foto: Marc Niemeyer)