Podcast

Unnötige Spannung beim VfL: Die Probleme im Saisonfinale

Warum holt der VfL Bochum im Saisonendspurt kaum noch Punkte? In unserer neuen Podcast-Folge analysieren wir die Niederlage in Dresden und was sie über den aktuellen Zustand der Mannschaft aussagt. Wir diskutieren, welche Formation für den Rest der Saison die größten Erfolgsaussichten verspricht und wie viele Punkte der VfL für den Klassenerhalt noch braucht. Zum Abschluss werfen wir einen Blick nach vorne: Wo sollte die Kaderplanung für die kommende Saison ansetzen? Viel Spaß beim Zuschauen oder Anhören!


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(Foto: Marc Niemeyer)

Kolumne

Nächster Rückschlag: Können oder wollen sie nicht mehr?

Die VfL-Kolumne ist festes ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die 0:2-Niederlage in Dresden.

Dresden ist eine sehenswerte Stadt. Wenn sich die reisefreudigen VfL-Anhänger an diesem Samstagnachmittag hätten vergnügen wollen, dann wäre ein Besuch der historischen Altstadt oder eine Tour an der Elbe sicher die bessere Wahl gewesen. Der Besuch des Bochumer Auswärtsspiels bei der SG Dynamo hat jedenfalls keinen Spaß gemacht. Generell sind die Auftritte des VfL in der Fremde seit geraumer Zeit reine Geld- und Zeitverschwendung. Auch wenn die Äußerungen von Spielern und Trainer anderes ermuten lassen: In Dresden gab es zu keinem Zeitpunkt Hoffnung auf Punkte. Auch in Magdeburg, Berlin und Düsseldorf war die Rösler-Elf über weite Strecken klar unterlegen. Die Bilanz ist verheerend: Nur zwei von 15 Auswärtsspielen in dieser Saison endeten mit einem Sieg.

Die Frage ist: Kann oder will diese Truppe nicht mehr erreichen? Für Ersteres spricht, dass sie sich nach dem 30. Spieltag immer noch in Abstiegsgefahr befindet. Für Letzteres spricht, dass sie phasenweise schon deutlich besser gespielt haben. Die Niederlage gegen keineswegs überragende Dresdner war hingegen hochverdient, weil die Bochumer Defensive – insbesondere Oliver Olsen und Erhan Masovic – zweikampfscheu und die Offensive über weite Strecken unkreativ blieb. Wer sich eine wehrhafte Bochumer Mannschaft gewünscht hat, wurde enttäuscht. Das allein mit den drei kurzfristigen Ausfällen von Philipp Hofmann, Maximilian Wittek und Noah Loosli zu erklären, würde zu kurz greifen, auch wenn der formstarke Hofmann natürlich schmerzlich vermisst wurde.

Unabhängig vom eingesetzten Personal nehmen die frustrierenden Spielverläufe seit Februar deutlich zu und müssen bei der Saisonanalyse dringend Beachtung finden. Der Neuaufbau wird in jedem Fall herausfordernd. Aus dem jetzigen Team lässt sich lediglich mit Timo Horn, Maximilian Wittek, Mats Pannewig, Koji Miyoshi, Gerrit Holtmann und Hofmann ein solides Grundgerüst bilden; alle anderen sind Mitläufer oder bald bei einem anderen Klub. Doch bevor die Zukunftsplanung beginnt, muss die laufende Saison zunächst anständig beendet werden. Ein Heimsieg gegen Greuther Fürth am kommenden Sonntag wäre hilfreich und wohl gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt. Anderenfalls droht ein nervenaufreibendes Saisonfinale.


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(Foto: Imago / Team 2)

4:1 gegen Braunschweig

Bochum atmet auf: Hoffnung auf baldige Planungssicherheit

Das frühe Bochumer Führungstor durch Gerrit Holtmann im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig hatte Seltenheitswert. In den vergangenen acht Spielen geriet der VfL sechsmal in Rückstand und ging nie mit einer Pausenführung in die Kabine. „Das erste Tor fiel zu oft auf der falschen Seite“, monierte Trainer Uwe Rösler zuletzt. Auch an diesem Sonntagnachmittag hatte seine Mannschaft zunächst Anlaufschwierigkeiten. Dann aber erzielte der fast unersetzbare Holtmann bei seinem Startelfcomeback mit der ersten Torchance prompt die Führung. „Das war der Brustlöser. Wir sind schlecht ins Spiel gekommen, waren ein bisschen nervös. Das Tor von Gerrit hat uns Sicherheit gegeben“, sagte Philipp Hofmann, der mit zwei Vorlagen und seinem verwandelten Elfmeter in der Nachspielzeit zum Matchwinner avancierte und mittlerweile schon bei 18 Torbeteiligungen steht, elf davon in der Rückrunde.

Vier verschiedene Torschützen

Hofmann füllt endlich die Rolle aus, die ihm schon länger zugedacht war. Ligaweit stehen nur drei Spieler vor ihm in der Scorerliste. Ein weiteres Tor wurde nach einem überraschenden VAR-Eingriff aberkannt; das angebliche Foulspiel von Mats Pannewig im Vorfeld war jedoch lediglich die Folge eines Ausrutschers. Doch der VfL hatte auch Glück, dass der Schiedsrichter in der Anfangsphase keinen Strafstoß gegen Noah Loosli und nach dem Seitenwechsel keinen Platzverweis gegen Matus Bero verhängte. Viele strittige Entscheidungen prägten das Spiel, hatten aber keinen Einfluss auf den Ausgang. Denn Koji Miyoshi, der seit Wochen konstanteste Bochumer Feldspieler, erzielte noch vor dem Pausenpfiff das 2:0. Das war die Grundlage für den ersten Sieg seit Anfang März, der gleichbedeutend ist mit einem Befreiungsschlag im Abstiegskampf und große Erleichterung auf dem Feld und auf den Rängen auslöste.

Quasi in Bestbesetzung erzielte die Rösler-Elf zum ersten Mal in dieser Saison vier Tore. Auch der eingewechselte Farid Alfa-Ruprecht durfte jubeln. Das zwischenzeitliche 1:3 war lediglich Ergebniskosmetik und gefährdete den Heimsieg nicht mehr. Was auch gut so war aus Bochumer Sicht, denn der Druck nach zwei bitteren Pleiten gegen direkte Verfolger war groß. Im Falle einer Niederlage wäre der VfL in den Kreis der akut abstiegsbedrohten Klubs abgestürzt. Mit dem Heimsieg herrscht dagegen wieder Optimismus an der Castroper Straße. Sechs Punkte beträgt nun der Abstand auf Braunschweig und den Relegationsplatz. Frühzeitige Planungssicherheit würde dem Bundesliga-Absteiger zweifellos helfen, die Negativspirale der vergangenen Jahre endlich zu durchbrechen und die Kaderplanung voranzutreiben. Denn zahlreiche Entscheidungen personeller Art sind abhängig von der künftigen Ligazugehörigkeit.

Abgänge zeichnen sich ab

Insgesamt zehn Spielerverträge laufen am Saisonende aus. In den allermeisten Fällen gibt es zwar schon Tendenzen, aber noch keine definitive Klarheit. Auch mögliche Neuverpflichtungen befinden sich weiterhin im Wartestand. Vor allem in der Innenverteidigung besteht Handlungsbedarf, das haben die zurückliegenden Monate deutlich gezeigt. Ob Noah Loosli, dessen Vertrag ausläuft, trotzdem bleiben darf, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Durch den zu erwartenden Verkauf von Cajetan Lenz benötigt der VfL außerdem einen neuen Sechser. Generell könnte das zentrale Mittelfeld ab dem Sommer anders aussehen als bisher. Francis Onyeka ist nicht zu halten, mit ihm hat Leverkusen Größeres vor; zudem gibt es Interessenten aus der Premier League. Und auch bei Kjell Wätjen stehen die Zeichen nach derzeitigem Stand eher auf Abschied. Offen ist, wie es mit Kapitän Matus Bero weitergeht.

Bei den Fans steht er oft in der Kritik, bei Trainer Uwe Rösler ist er dagegen sehr beliebt. Auch bei Farid Alfa-Ruprecht und Callum Marshall ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Vor allem von Marshall sind die Verantwortlichen durchweg begeistert. Das Problem: Für einen Verbleib müsste ihn der VfL aus dessen Vertrag mit West Ham United herauskaufen, was nur mit großem Verhandlungsgeschick und einer für Bochum ungewöhnlichen Investitionsbereitschaft möglich wäre – und selbst dann noch nicht sicher wäre. Der neue Bochumer Kader soll tendenziell kleiner werden, was darauf hindeutet, das zum Beispiel der Platz von Leandro Morgalla intern neu besetzt wird. Für den Leihspieler gibt es Bewerber aus der Bundesliga. Nimmt man die quasi sicheren Abgänge von Erhan Masovic und Romario Rösch hinzu, dann steht dem VfL wohl der nächste Umbruch ins Haus.

Auswärts lange sieglos

Bevor dieser aber beginnen kann, benötigt die Rösler-Elf noch ein paar Zähler für den Klassenerhalt. Noch ist die ominöse 40-Punkte-Marke nicht erreicht. Spieler und Trainer sind sich einig, dass im Endspurt niemand nachlassen und sich zu sicher fühlen darf; zu eng ist die Tabellensituation nach wie vor. Nachdem sich die Bochumer unter der Woche in ruhrgebietstypischer Art intern die Meinung gegeigt und daraus wertvolle Schlussfolgerungen gezogen haben, sollte nun Klarheit für die kommenden Wochen herrschen. Für einen versöhnlichen Saisonabschluss und baldige Planungssicherheit „müssen wir eine solche Leistung aber auch mal auswärts auf den Platz bringen“, forderte Hofmann direkt nach dem Spiel gegen Braunschweig und dachte dabei an die bevorstehende Fahrt zum Tabellennachbarn nach Dresden. In der Fremde haben die Bochumer zuletzt im November gewonnen. Auch diese Serie soll noch reißen. 


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(Foto: Marc Niemeyer)

Interview

Podcast mit Gast: Eisfeld über den VfL, Verbeek & Verletzungen

Podcast-Folge Nummer 16 – und die zweite mit einem Gast: mit Thomas Eisfeld. Über sechs Jahre war er Spieler an der Castroper Straße. Der ehemalige Bochumer spricht über seinen Weg vom Talent zum Profi bei Arsenal, über seine Zeit in Bochum inklusive Bundesliga-Aufstieg und liefert spannende Anekdoten. Offen erzählt er auch von den schwierigen Seiten des Profifußballs: von Verletzungen, Rückschlägen und den Umgang damit. Viel Spaß beim Anschauen oder Zuhören!


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(Foto: Marc Niemeyer)

1:4 in Magdeburg

Alarmierende Parallelen: VfL-Trend ist besorgniserregend

Nach einer halben Stunde hatte Trainer Uwe Rösler einen Sündenbock auserkoren. Leandro Morgalla musste weichen, Oliver Olsen kam in die Partie. Rösler machte damit eine von fünf personellen Änderungen rückgängig, die er vor dem Spiel in Magdeburg im Vergleich zur Heimniederlage gegen Kiel vollzogen hatte. Sicher: Morgalla erwischte keinen guten Tag, war mitverantwortlich für den frühen Rückstand nach nur sieben Minuten. Doch prinzipiell hätte Rösler auch fast jeden anderen Spieler auswechseln können. Denn der VfL zeigte eine alarmierend schlechte Leistung, die in einem verdienten 0:2-Rückstand zur Halbzeitpause und einer ebenso verdienten 1:4-Pleite am Ende mündete. So hoch hat der VfL zuletzt am ersten Spieltag verloren – eine Parallele, die Anlass zur Besorgnis gibt.

Und nicht die einzige ist. Schon in den vergangenen beiden Jahren sahen sich die Bochumer im ersten Rückrundenabschnitt auf einem guten Weg zum Klassenerhalt. Zweimal schlug der VfL in der Bundesliga sogar Tabellenführer Bayern München – und jedes Mal folgte eine Negativ-Serie. In diesem Jahr läuft es eine Liga tiefer nicht anders. Nach dem Sieg gegen Schalke Ende Januar hatte kaum noch jemand Abstiegssorgen. Es folgten acht Spiele mit nur einem Sieg. In der Rückrundentabelle ist der VfL mittlerweile auf Platz 14 abgerutscht. Der zwischenzeitliche Aufschwung unter Uwe Rösler ist pünktlich zu Ostern fast vergessen. Die Leistung gegen Magdeburg erinnerte an die Auftritte vor seinem Amtsantritt: mutlos im Vorwärtsgang, anfällig in der Verteidigung.

Viel zu viele Gegentore

„Das, was wir hier in Magdeburg gezeigt haben, war für den Abstiegskampf viel zu wenig. 15 ordentliche Minuten rund um das 1:2 reichen einfach nicht“, sagte Maximilian Wittek kurz nach dem Abpfiff. Die beste Phase erwischte der VfL nach dem Seitenwechsel, als die Zurückhaltung endlich abgelegt war, Philipp Hofmann den schnellen Anschlusstreffer erzielte und sogar der Ausgleich in der Luft lag. Doch die Magdeburger konterten, trafen binnen weniger Minuten doppelt und sorgten so für die Entscheidung. Der bei allen vier Gegentreffern schuldlose Timo Horn im Bochumer Tor sah weiterhin eine völlig überforderte Abwehr. Vor dem Spiel hatte Trainer Rösler mehr Kompaktheit und weniger Gegentore gefordert. „Das hat nicht geklappt. Es sind sogar noch mehr geworden“, bestätigte Horn.

Röslers Appelle, auch nach dem verkorksten Testspiel gegen Rot-Weiss Essen mit ebenfalls vier Gegentoren, sind offensichtlich wirkungslos verhallt. Wobei der Fußballlehrer natürlich auch nicht ganz unschuldig ist. Er hat seiner Mannschaft in Magdeburg eine defensivere Spielweise verordert. Sie mündete allerdings in einer erschreckenden Passivität und einem wirkungslosen Alibi-Pressing. Immer wieder hatten die Magdeburger leichtes Spiel, weil die Bochumer nur halbherzig in Zweikämpfe und Laufduelle gingen. Mitunter reichte ein Spielzug, um die ganze Hintermannschaft auszuhebeln. „Wir waren teilweise schläfrig. Wir müssen einen Weg finden, das zu ändern“, mahnte Wittek an, wohlwissend, dass genau das schon die Zielsetzung nach der Niederlage gegen Kiel war.

Der Vorsprung schmilzt

Rösler, sein Trainerteam und seine Spieler lieferten stattdessen eine noch schlechtere Leistung ab. Das Problem: Der 57-Jährige muss es über taktisches Feintuning und die mentale Schiene lösen, weil personelle Alternativen eher rar sind. Insbesondere die jungen Spieler wirken ausgelaugt und sind teils mit der eigenen Karriereplanung beschäftigt. Dass Rösler im Vergleich zur Kiel-Niederlage vier Spieler neu aufgestellt hat, die lange auf Länderspielreise waren und nur zwei Tage in Bochum mittrainiert haben, war sicher nicht schlau, teilweise aber auch Ausfällen geschuldet, speziell im Mittelfeld. Auf anderen Positionen fehlen schlicht andere Optionen. Insbesondere in der Innenverteidigung haben zuletzt alle Akteure enttäuscht, außer Kevin Vogt. Doch der fällt mal wieder aus.

Trotz dieser Schwächen ist sich Kapitän Horn sicher, dass der VfL „genug Qualität“ für den Klassenerhalt hat. Die Mannschaft sei „intakter als im vergangenen Jahr“. Horns Wunsch: Aus den noch sechs übrigen Spielen „zwei Siege“ zu holen, womit der VfL die 40-Punkte-Marke fast erreicht hätte. Eigentlich machbar, nicht aber in dieser Verfassung. „So kann es nicht weitergehen“, betonte Horn, der natürlich auch sieht, dass der Vorsprung auf die Abstiegsplätze schrumpft und die gute Ausgangsposition fast verspielt ist, während der Erfolgsdruck immer größer wird. Nach zwei Niederlagen gegen die direkte Konkurrenz wartet am kommenden Sonntag mit Eintracht Braunschweig der nächste Tabellennachbar. Spätestens da sollte, eine Woche nach Ostern, die Wiederaufstehung gelingen…


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(Foto: Marc Niemeyer)

Ruhrstadion

Bochumer Stadionsanierung: Teurer, länger und weniger Platz

Gemütlich ist es im Ruhrstadion nicht immer, das zeigte sich auch am frühen Montagmorgen. Eine steife Brise zog durch das Bochumer Fußball-Wohnzimmer, als Ralf Meyer und Walter Hellmich auf einer improvisierten Bühne den Vertrag zur Sanierung der traditionsreichen Spielstätte unterzeichneten. Meyer ist, etwas vereinfacht formuliert, der Stadionchef, und Hellmich der Inhaber des gleichnamigen Bauunternehmens, das ab sofort mit den Arbeiten am Stadion beauftragt ist. Insgesamt drei Jahre soll die Modernisierung dauern, die Oberbürgermeister Jörg Lukat als „unumgängliche Maßnahme“ bezeichnet. Viele Mängel sind längst bekannt, teilweise auch sichtbar und in Summe so groß, dass das vor bald 50 Jahren eingeweihte Stadion ohne eine zeitnahe Sanierung nicht mehr genutzt werden dürfte.

Dreijährige Umbauphase

Auch dieser Umstand dürfte ein Grund dafür sein, warum sich die Suche nach einem sogenannten Generalunternehmer verzögert hat. Eigentlich sollte dieser bereits im vergangenen Jahr präsentiert werden. Doch bis auf Hellmich gab es keinen passenden Bewerber. Das Risiko, eine Immobilie zu sanieren, in der möglicherweise böse Überraschungen lauern, war anderen Unternehmen offensichtlich zu groß. Hellmich, der früher mal Vorsitzender des MSV Duisburg war, indes bringt reichlich Erfahrung beim Stadionbau mit. Zuletzt war er unter anderem für die Modernisierung des Lohrheidestadions zuständig, parallel bauen seine Mitarbeiter das Preußenstadion in Münster aus. Dort gab es zuletzt Negativ-Schlagzeilen, weil der Zoll bei einem Sub-Unternehmen verschiedene Gesetzesverstöße festgestellt hatte.

Dazu wird es in Bochum hoffentlich nicht kommen. Gesprächs- und Diskussionsstoff dürfte das Projekt in den kommenden Jahren auch ohne Kapriolen schon genügend liefern. „Es wird eine Herausforderung für alle – für die, die bauen, aber natürlich auch für die Fans“, sagte Meyer am Montag und erhielt Zustimmung von allen Mitstreitern. Gestützt wird die These durch harte Fakten. So hat die Stadt als Eigentümerin die kalkulierten Kosten bereits von rund 70 auf mehr als 90 Millionen Euro nach oben korrigiert. Auch die Sanierungszeit wurde angepasst, von ursprünglich zwei Jahren auf drei. Wieso all das notwendig geworden ist, dazu gab es beim Pressetermin am Montagabend keine Informationen. Fragen waren nicht zugelassen. Erst am 28. April soll die Öffentlichkeit mehr erfahren.

Tribünenbereiche gesperrt

Wobei natürlich schon im Vorfeld erste Details durchsickern. Etwa die Vereinbarung zwischen der Stadt und der Baufirma, dass immer mindestens 18.000 Zuschauerplätze zur Verfügung stehen sollen. Auch deshalb musste die Bauzeit verlängert werden; die Alternativen wären noch weniger Plätze oder gar ein Umzug in ein anderes Stadion. Trotzdem ist es unumgänglich, dass während der Sanierungsphase Tribünenbereiche abschnittsweise gesperrt werden. Für den VfL wird das unmittelbare Folgen haben: Zum einen spürbar sinkende Einnahmen, zum anderen enttäuschte Anhänger. Selbst die mehr als 17.000 Dauerkarteninhaber werden während der Umbauzeit nicht alle immer einen Platz finden – ihren eigenen erst recht nicht. Schließlich stehen den Gästen nach wie vor 10 Prozent aller Karten zu.

Wie der VfL die Ticketvergabe regeln wird, ist noch offen. Klar ist nur: Beginnen wird die Sanierung mit der Haupttribüne, in die unter anderem ein neuer VIP-, Medien- und Kabinenbereich integriert wird. Anschließend soll die Gegengerade folgen, zum Schluss die Westseite. Die Osttribüne wird in der Saison 2026/27 noch komplett nutzbar sein; danach soll sie abschnittsweise renoviert werden. Parallel dazu wird das Umfeld aufgewertet, zum Beispiel durch neue Parkflächen, vor allem aber mit einer Plaza im Osten, die künftig als zentraler Eingangsbereich für fast alle Tribünen dienen wird. Dort werden die Veränderungen sichtbarer sein als im Stadion selbst, wo es insbesondere um eine Erneuerung der Technik, besseren Brandschutz, zusätzliche Verpflegungsbereiche und eine Ertüchtigung der sanitären Anlagen geht.

Kapazität steigt leicht

Immerhin: Mit Beendigung der Maßnahmen im Jahr 2029 sollen 2.000 Zuschauerplätze mehr zur Verfügung als bislang, in Summe 28.000. Die ersten Entwürfe beinhalteten unter anderem die Idee, die Osttribüne neu zu bauen, sodass die Kapazität auf rund 33.000 Plätze angestiegen wäre. Dies wurde aber mit der Sorge, den Bestandsschutz für das Stadion zu verlieren, zügig verworfen. Auch Neubaupläne wurden nicht konkret verfolgt, da sich Politik und Verein schnell einig waren: Die Castroper Straße als Fußballstandort ist unantastbar. „Das ist der Wille unserer Mitglieder“, behauptete VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig am Montag, ohne dass es je eine repräsentative Befragung gab. Die Beteiligten setzen darauf, dass eine Sanierung genügt, damit es im Bochumer Fußball-Wohnzimmer wieder gemütlicher wird.


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(Foto: VfL Bochum 1848)

Kolumne

Für mehr Mitbestimmung: Online-Wahlen beim VfL?

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Langweilig wird den Fanbeauftragten des VfL Bochum nie. Die Kritik an den Sondertrikots, der ständige Ärger mit Pyro und Raubüberfälle auf Gästefans haben hohe Wellen geschlagen und waren gewiss nicht die einzigen Themen. Die bevorstehende Stadionsanierung mit weniger Zuschauerplätzen birgt zudem neues Konfliktpotenzial. Entsprechend wichtig ist der Austausch zwischen dem Verein und der Basis.

In dieser Woche wurde turnusmäßig das Fangremium neu gewählt. Es besteht aus dem Fanvertreter im Präsidium, zwei Fanbeauftragten des Vereins, zwei Mitarbeitern des Fanprojekts sowie sieben gewählten Anhängern. Sie beraten den Klub in fanrelevanten Fragen und haben damit einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Entscheidungen und Entwicklungen. Dass der VfL die Meinungen seiner Anhänger ernst nimmt, haben nicht nur die vergangenen Wochen gezeigt. Allerdings: Warum waren bei der Wahl des Fangremiums dann nur rund ein Prozent der Wahlberechtigten anwesend? Wahlberechtigt sind alle Vereins- und Fanclubmitglieder. Anwesend waren nur 368 Anhänger. Immerhin: So viele waren es noch nie. Überwältigend ist die Zahl trotzdem nicht.

Sicher: Wer zu bequem ist, alle drei Jahre zur Wahl zu gehen oder selbst zu kandidieren, soll sich hinterher nicht zu laut beschweren. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob es nicht sinnvoll wäre, das Wahlprozedere zu ändern und eine ortsunabhängige Abstimmung zu ermöglichen, online oder Brief. Dies würde nicht nur Auswärtigen eine echte Partizipation ermöglichen. Gleiches gilt für die Mitgliederversammlung. Eine Erhebung des kicker hat jüngst gezeigt, dass bei allen Bundesligisten im Jahr 2024 nur 1,55 Prozent der Vereinsmitglieder an der Hauptversammlung ihres Klubs teilgenommen haben. Die Folge: Gruppen mit einem hohen Mobilisierungspotenzial hatten besonders viel Einfluss.

Aber noch einmal kurz zurück zum Fangremium. Weiter erhöhen lässt sich die Wahlbeteiligung künftig sicher auch, indem die gute Arbeit dieser Runde transparenter wird. Denn für den Durchschnittsfan war das Gremium den vergangenen Jahren leider weitgehend unsichtbar.


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(Foto: Marc Niemeyer)