Ruhrstadion

Bochumer Stadionsanierung: Teurer, länger und weniger Platz

Gemütlich ist es im Ruhrstadion nicht immer, das zeigte sich auch am frühen Montagmorgen. Eine steife Brise zog durch das Bochumer Fußball-Wohnzimmer, als Ralf Meyer und Walter Hellmich auf einer improvisierten Bühne den Vertrag zur Sanierung der traditionsreichen Spielstätte unterzeichneten. Meyer ist, etwas vereinfacht formuliert, der Stadionchef, und Hellmich der Inhaber des gleichnamigen Bauunternehmens, das ab sofort mit den Arbeiten am Stadion beauftragt ist. Insgesamt drei Jahre soll die Modernisierung dauern, die Oberbürgermeister Jörg Lukat als „unumgängliche Maßnahme“ bezeichnet. Viele Mängel sind längst bekannt, teilweise auch sichtbar und in Summe so groß, dass das vor bald 50 Jahren eingeweihte Stadion ohne eine zeitnahe Sanierung nicht mehr genutzt werden dürfte.

Dreijährige Umbauphase

Auch dieser Umstand dürfte ein Grund dafür sein, warum sich die Suche nach einem sogenannten Generalunternehmer verzögert hat. Eigentlich sollte dieser bereits im vergangenen Jahr präsentiert werden. Doch bis auf Hellmich gab es keinen passenden Bewerber. Das Risiko, eine Immobilie zu sanieren, in der möglicherweise böse Überraschungen lauern, war anderen Unternehmen offensichtlich zu groß. Hellmich, der früher mal Vorsitzender des MSV Duisburg war, indes bringt reichlich Erfahrung beim Stadionbau mit. Zuletzt war er unter anderem für die Modernisierung des Lohrheidestadions zuständig, parallel bauen seine Mitarbeiter das Preußenstadion in Münster aus. Dort gab es zuletzt Negativ-Schlagzeilen, weil der Zoll bei einem Sub-Unternehmen verschiedene Gesetzesverstöße festgestellt hatte.

Dazu wird es in Bochum hoffentlich nicht kommen. Gesprächs- und Diskussionsstoff dürfte das Projekt in den kommenden Jahren auch ohne Kapriolen schon genügend liefern. „Es wird eine Herausforderung für alle – für die, die bauen, aber natürlich auch für die Fans“, sagte Meyer am Montag und erhielt Zustimmung von allen Mitstreitern. Gestützt wird die These durch harte Fakten. So hat die Stadt als Eigentümerin die kalkulierten Kosten bereits von rund 70 auf mehr als 90 Millionen Euro nach oben korrigiert. Auch die Sanierungszeit wurde angepasst, von ursprünglich zwei Jahren auf drei. Wieso all das notwendig geworden ist, dazu gab es beim Pressetermin am Montagabend keine Informationen. Fragen waren nicht zugelassen. Erst am 28. April soll die Öffentlichkeit mehr erfahren.

Tribünenbereiche gesperrt

Wobei natürlich schon im Vorfeld erste Details durchsickern. Etwa die Vereinbarung zwischen der Stadt und der Baufirma, dass immer mindestens 18.000 Zuschauerplätze zur Verfügung stehen sollen. Auch deshalb musste die Bauzeit verlängert werden; die Alternativen wären noch weniger Plätze oder gar ein Umzug in ein anderes Stadion. Trotzdem ist es unumgänglich, dass während der Sanierungsphase Tribünenbereiche abschnittsweise gesperrt werden. Für den VfL wird das unmittelbare Folgen haben: Zum einen spürbar sinkende Einnahmen, zum anderen enttäuschte Anhänger. Selbst die mehr als 17.000 Dauerkarteninhaber werden während der Umbauzeit nicht alle immer einen Platz finden – ihren eigenen erst recht nicht. Schließlich stehen den Gästen nach wie vor 10 Prozent aller Karten zu.

Wie der VfL die Ticketvergabe regeln wird, ist noch offen. Klar ist nur: Beginnen wird die Sanierung mit der Haupttribüne, in die unter anderem ein neuer VIP-, Medien- und Kabinenbereich integriert wird. Anschließend soll die Gegengerade folgen, zum Schluss die Westseite. Die Osttribüne wird in der Saison 2026/27 noch komplett nutzbar sein; danach soll sie abschnittsweise renoviert werden. Parallel dazu wird das Umfeld aufgewertet, zum Beispiel durch neue Parkflächen, vor allem aber mit einer Plaza im Osten, die künftig als zentraler Eingangsbereich für fast alle Tribünen dienen wird. Dort werden die Veränderungen sichtbarer sein als im Stadion selbst, wo es insbesondere um eine Erneuerung der Technik, besseren Brandschutz, zusätzliche Verpflegungsbereiche und eine Ertüchtigung der sanitären Anlagen geht.

Kapazität steigt leicht

Immerhin: Mit Beendigung der Maßnahmen im Jahr 2029 sollen 2.000 Zuschauerplätze mehr zur Verfügung als bislang, in Summe 28.000. Die ersten Entwürfe beinhalteten unter anderem die Idee, die Osttribüne neu zu bauen, sodass die Kapazität auf rund 33.000 Plätze angestiegen wäre. Dies wurde aber mit der Sorge, den Bestandsschutz für das Stadion zu verlieren, zügig verworfen. Auch Neubaupläne wurden nicht konkret verfolgt, da sich Politik und Verein schnell einig waren: Die Castroper Straße als Fußballstandort ist unantastbar. „Das ist der Wille unserer Mitglieder“, behauptete VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig am Montag, ohne dass es je eine repräsentative Befragung gab. Die Beteiligten setzen darauf, dass eine Sanierung genügt, damit es im Bochumer Fußball-Wohnzimmer wieder gemütlicher wird.


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(Foto: VfL Bochum 1848)

Kolumne

Für mehr Mitbestimmung: Online-Wahlen beim VfL?

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Mitbestimmungsmöglichkeiten beim VfL Bochum.

Langweilig wird den Fanbeauftragten des VfL Bochum nie. Die Kritik an den Sondertrikots, der ständige Ärger mit Pyro und Raubüberfälle auf Gästefans haben hohe Wellen geschlagen und waren gewiss nicht die einzigen Themen. Die bevorstehende Stadionsanierung mit weniger Zuschauerplätzen birgt zudem neues Konfliktpotenzial. Entsprechend wichtig ist der Austausch zwischen dem Verein und der Basis.

In dieser Woche wurde turnusmäßig das Fangremium neu gewählt. Es besteht aus dem Fanvertreter im Präsidium, zwei Fanbeauftragten des Vereins, zwei Mitarbeitern des Fanprojekts sowie sieben gewählten Anhängern. Sie beraten den Klub in fanrelevanten Fragen und haben damit einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Entscheidungen und Entwicklungen. Dass der VfL die Meinungen seiner Anhänger ernst nimmt, haben nicht nur die vergangenen Wochen gezeigt. Allerdings: Warum waren bei der Wahl des Fangremiums dann nur rund ein Prozent der Wahlberechtigten anwesend? Wahlberechtigt sind alle Vereins- und Fanclubmitglieder. Anwesend waren nur 368 Anhänger. Immerhin: So viele waren es noch nie. Überwältigend ist die Zahl trotzdem nicht.

Sicher: Wer zu bequem ist, alle drei Jahre zur Wahl zu gehen oder selbst zu kandidieren, soll sich hinterher nicht zu laut beschweren. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob es nicht sinnvoll wäre, das Wahlprozedere zu ändern und eine ortsunabhängige Abstimmung zu ermöglichen, online oder Brief. Dies würde nicht nur Auswärtigen eine echte Partizipation ermöglichen. Gleiches gilt für die Mitgliederversammlung. Eine Erhebung des kicker hat jüngst gezeigt, dass bei allen Bundesligisten im Jahr 2024 nur 1,55 Prozent der Vereinsmitglieder an der Hauptversammlung ihres Klubs teilgenommen haben. Die Folge: Gruppen mit einem hohen Mobilisierungspotenzial hatten besonders viel Einfluss.

Aber noch einmal kurz zurück zum Fangremium. Weiter erhöhen lässt sich die Wahlbeteiligung künftig sicher auch, indem die gute Arbeit dieser Runde transparenter wird. Denn für den Durchschnittsfan war das Gremium den vergangenen Jahren leider weitgehend unsichtbar.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Podcast

Abwehr, Kapitän und mehr: Was den VfL im Abstiegskampf hält

Defensive Wackler, individuelle Fehler – nach dem Spiel gegen Holstein Kiel nehmen wir in unserer neuen Podcast-Folge die Problemzonen des VfL Bochum unter die Lupe. Daraus folgend sprechen wir über mögliche Maßnahmen, sowohl kurzfristig als auch mit Blick auf die neue Saison. Außerdem: Wir blicken auf die Neuwahl des Fangremiums und erzählen, was es Neues bei den Plänen zur Stadionsanierung gibt.


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(Foto: Marc Niemeyer)

2:3 gegen Kiel

Zu viele Gegentore: VfL geht mit Frust ins Saisonfinale

Die Lage beim VfL Bochum könnte eigentlich schon ziemlich entspannt sein. Mit einem Sieg am Sonntagnachmittag im Duell der Bundesliga-Absteiger wäre der Revierklub den Kielern mit elf Punkten mehr davongezogen. Doch das Leben im Konjunktiv wäre als Bochumer generell viel angenehmer. Die Realität sieht deutlich unerfreulicher aus: Mit der 2:3-Heimniederlage gegen die Störche bleibt die Abstiegszone gefährlich nahe. Die Kieler auf dem Relegationsplatz sind nur fünf Punkte entfernt. „Wir hätten einen großen Schritt machen können. Den haben wir verpasst“, ärgerte sich nicht nur Maximilian Wittek über den vermeidbaren Rückschlag. In der Offensive zeigte der VfL eine passable Leistung. In der Defensive hingegen zählte der Auftritt zu den schwächsten unter der Leitung von Trainer Uwe Rösler.

Das sah der Fußballlehrer ganz genauso: „Wir kassieren aktuell zu viele Gegentore. In dieser Hinsicht stehen wir wieder da, wo wir waren, als ich nach Bochum gekommen bin.“ Übersetzt heißt das: Rösler beobachtet Rückschritte. „Die Aufmerksamkeit in der Box fehlt gerade. Ich muss mir etwas einfallen lassen“, sagte Rösler vor der nun anstehenden Länderspielpause. Gänzlich neu sind die Defensivprobleme nicht, sie waren schon zuletzt mehrfach Thema. Mitunter wurden die Schwächen durch starke Torwartleistungen kaschiert. Torwart Timo Horn, der gegen Kiel bei allen drei Gegentreffern schuldlos war, hat unter der Woche einen neuen Vertrag bis 2028 unterschrieben. „Er hat uns in dieser Saison durch seine Leistungen schon sehr oft geholfen, Punkte einzufahren“, sagte Rösler anlässlich der Vertragsverlängerung.

Erneut schwache VfL-Abwehr

Horn ist unumstritten, seine Vorderleute sind es nicht, wobei die Außenverteidiger das geringere Problem sind. Links hat sich Wittek stabilisiert, rechts konkurrieren Oliver Olsen und Leandro Morgalla miteinander, wobei Morgallas erneuter Bankplatz durchaus verwunderte, war er über die gesamte Saison hinweg doch der stabilste und auch schnellste Bochumer Verteidiger. Vor allem im Zentrum fehlt ein Leistungsträger. Kevin Vogt verpasste das Spiel gegen Kiel nach einer ordentlichen Leistung in Berlin krankheitsbedingt, Noah Loosli musste nach zuletzt schwächeren Auftritten auf die Bank. Rösler schenkte Erhan Masovic und Philipp Strompf sein Vertrauen, wurde aber enttäuscht. Beide zeigten bekannte Schwächen, waren nicht immer aufmerksam und insbesondere am zweiten Gegentor entscheidend beteiligt.

Die drei Einschläge der effizienten Kieler nur an der Abwehr festzumachen, würde allerdings zu kurz greifen. Am 0:1 war Callum Marshall mit einer schlechten Ballablage beteiligt, am 2:3 infolge einer Ecke praktisch die gesamte Mannschaft. „Da pennen wir“, beschrieb Doppeltorschütze Philipp Hofmann die Szene betreffend. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der VfL nach einer berechtigten Ampelkarte gegen Matus Bero, der seiner Kapitänsrolle erneut nicht gerecht wurde, bereits in Unterzahl. In der Offensive überzeugten immerhin Koji Miyoshi und Hofmann, der zweimal den Ausgleich erzielte, was dennoch nicht reichte – und den VfL weiter zittern lässt. Der zehnte Tabellenplatz wirkt komfortabler als er ist. Nach einem durchwachsenen Monat März fallen die Würfel nun wohl im April. Der VfL trifft dann ausschließlich auf Mannschaften, die aktuell hinter ihm platziert sind.

Pause kommt eher ungelegen

Das bietet die Chance, diese Konkurrenten endlich zu distanzieren, birgt aber auch das Risiko, doch noch einmal in echte Abstiegsgefahr zu geraten. „Es ist jedes Jahr die gleiche Leier“, fasste Wittek nach dem Spiel gegen Kiel die Gesamtsituation treffend zusammen. Wirklich gelegen kommt das spielfreie Wochenende nicht, im Gegenteil. Neun Spieler, darunter viele Stammkräfte, befinden sich auf Länderspielreise, müssen zum Teil drei Partien in nur wenigen Tagen absolvieren, darunter der zuletzt angeschlagene Francis Onyeka. In ungewohnter Besetzung werden die Bochumer also am kommenden Freitag ihr Testspiel gegen Rot-Weiss Essen bestreiten, ehe die Vorbereitung auf das wegweisende Auswärtsspiel in Magdeburg beginnen. Die Vorzeichen sind ähnliche wie vor dem Duell gegen Holstein Kiel. Mit dem Unterschied, dass eine Niederlage gegen Magdeburg noch größere Folgen hätte.


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(Foto: Imago / Team 2)

1:1 in Berlin

Morgalla wie Schlotterbeck: Wende erst mit neuer Abwehr

Geschichte wiederholt sich. Vor fast drei Jahren erzielte Bochums Keven Schlotterbeck nach einer Ecke in der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich im Auswärtsspiel bei Hertha BSC. Bis auf den Torschützen waren der Ablauf und das Ergebnis am Samstagabend im Berliner Olympiastadion identisch. Diesmal war es der zur Pause eingewechselte Leandro Morgalla, der die mehr als 5.000 mitgereisten VfL-Fans kurz vor Schluss zum Jubeln brachte und nach einem schwachen Gesamtauftritt doch noch einen schönen Abend bescherte. Für Morgalla war es das erste Profitor seiner Karriere. „Eigentlich bin ich bei Standards als Absicherung eingeplant. Als ich dann das Signal vom Trainer gesehen habe, bin ich in den Strafraum gegangen“, berichtete der 21-Jährige, der die Bochumer Leistung damit deutlich aufgewertet hat.

Vogt feiert sein Comeback

Offensiv wie defensiv enttäuschte die Rösler-Elf vor allem in der ersten Halbzeit und war auch im zweiten Durchgang keineswegs in guter Verfassung. Bei eigenem Ballbesitz waren die Bochumer viel zu hektisch, auch gegen den Ball hatte der VfL erhebliche Schwierigkeiten. Oliver Olsen und der schwache Noah Loosli, der den Elfmeter zum 0:1 verschuldet hatte, blieben bereits zur Halbzeitpause in der Kabine. Im Laufe der zweiten Halbzeit musste auch der angeschlagene Philipp Strompf den Platz verlassen. Anderenfalls hätte Uwe Rösler diesen Wechsel auch leistungsbedingt erklären können. Von der ursprünglichen Abwehrreihe blieb nur noch Maximilian Wittek übrig – eine ungewöhnliche Konstellation. Kurzum: Die Bochumer Hintermannschaft präsentierte sich in keiner guten Form. Wobei das nur ein Teil der Wahrheit ist.

Die Abwehr des VfL spielt schon seit Wochen und Monaten an ihrem Leistingslimit, zumindest im Zentrum. In der Innenverteidigung mangelt es an Agilität und Ballfertigkeit. Loosli und Strompf haben im Rahmen ihrer Möglichkeit sogar ordentliche und teils gute Leistungen gezeigt; gegen schnellere und stärkere Gegenspieler aber stoßen sie an unübersehbare Grenzen. Hinzukommen deutliche Defizite im Spielaufbau. Dass der Kader Alternativen hergibt, hat Rösler im Laufe der Partie gezeigt. Zunächst feierte Kevin Vogt sein Comeback nach einer fast halbjährigen Pflichtspielpause, später kam auch Erhan Masovic dazu – und Morgalla sowieso. Mit der Hereinnahme von Vogt ging Rösler „ins Risiko“, wie er später erklärte. Schließlich habe der Routinier keinerlei Spielpraxis mitgebracht.

Das Tempo fehlt Vogt bekanntlich auch, am Ball allerdings wirkte der Routinier deutlich sicherer, was neben Rösler später auch Vogts Teamkollegen lobend erwähnten. Gut möglich also, dass das eigentlich gesetzte Innenverteidiger-Duo, bestehend aus Loosli und Strompf, im Saisonendspurt gesprengt wird und Rösler auf einen oder gar zwei ihrer Teamkollegen setzt. Auch auf der Rechtsverteidiger-Position ist das Duell zwischen Morgalla und Olsen offener denn je. Morgallas Gesamtpaket ist wahrscheinlich das etwas stärkere, allerdings fehlt bei ihm die Perspektive. Sein Leihvertrag läuft im Sommer aus, die Kaufoption galt nur für den Aufstiegsfall. Insofern könnte es Sinn ergeben, Olsen häufiger spielen zu lassen, damit sich der Däne weiter an das Spielniveau in Deutschland gewöhnt und bestens für die neue Saison vorbereitet ist.

Freude über Punktgewinn

Allerdings hat Morgalla nicht nur wegen seines Tores einige Argumente für eine Rückkehr in die Startelf gesammelt. Der rechte Außenverteidiger sicherte dem VfL übrigens bereits den siebten Punkt nach einem Rückstand allein in der Rückrunde. Zudem war es das sechste Unentschieden nach dem Jahreswechsel. Die Bochumer waren sich am späten Samstagabend einig: Diesmal ist es ein Punktgewinn – und damit ein weiterer Schritt zum Klassenerhalt. Auch das erinnert an 2023. Einziger Unterschied: Im Mai vor drei Jahren war die Saison schon fast vorbei, diesmal sind noch acht Spiele zu absolvieren. Die 40-Punkte-Marke ist jedoch nicht mehr allzu weit entfernt. Nur noch sieben Zähler fehlen. Vielleicht ein Vorteil: Die nächsten sechs Gegner sind in der Tabelle allesamt hinter dem VfL platziert. Und das soll auch so bleiben.

Hinweis in eigener Sache: Tief im Westen – Das VfL-Magazin legt eine kurze Verschnaufspause ein. Der nächste Text an dieser Stelle erscheint erst nach dem Heimspiel gegen Holstein Kiel.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Talkrunde

Podcast: Halbserie mit Rösler, Einzelkritik & neue U21-Liga

Unsere neue Podcast-Folge ist da! Unser Einstiegsthema: Die ersten 17 Spiele unter Uwe Rösler. Wir schauen zurück auf den Aufschwung, die Remis-Phase und den Befreiungsschlag gegen Kaiserslautern. Wie bewerten wir die bisherige Arbeit des Trainers? Außerdem sprechen wir über die individuellen Eindrücke einzelner Spieler in der Rückrunde, besonders der Winter-Neuzugänge Callum Marshall und Oliver Olsen – und darüber, was die geplante U21-Liga der DFL für den VfL Bochum und den deutschen Nachwuchsfußball bedeuten könnte. Viel Spaß beim Anschauen oder Zuhören!


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(Foto: Marc Niemeyer)

3:2 gegen Kaiserslautern

Bochumer Befreiungsschlag: Das Glas füllt sich wieder

Als passionierter Teetrinker greift Uwe Rösler vor und nach den Spielen im Bochumer Ruhrstadion meist zum einfachen Pappbecher. Gläser gibt es im Presseraum nicht, nur im übertragenen Sinne. In der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern hatte der Trainer auf Nachfrage eines Journalisten noch minutenlang darüber philosophiert, wie voll das Glas nach einem Sieg, sieben Unentschieden und der Niederlage in Düsseldorf nun sei. Die Quintessenz: Der Trend sei unerfreulich, aber noch nicht besorgniserregend – die Partie gegen die Pfälzer also wegweisend. Entsprechend groß war die Erleichterung am späten Samstagabend, als sich der VfL als verdienter Sieger in die Nacht verabschiedete. „Das kann man als Befreiungsschlag bezeichnen“, sagte Siegtorschütze Mats Pannewig.

Der Jubel an der Castroper Straße bei Abpfiff war so laut wie lange nicht mehr. Auch während des Spiels war die Unterstützung besser als zuletzt. „Die Zuschauer haben abgewartet, wie wir auf das Spiel in Düsseldorf reagieren. Wir haben es geschafft, sie schnell auf unsere Seite zu ziehen.“ Auch beim zwischenzeitlichen Rückstand wurde es nicht wesentlich leiser. „Weil sie gesehen haben, wie wir spielen“, stellte Rösler mit Stolz fest. „Ohne sie hätten wir das Spiel nicht gedreht.“ Trotz der frühen Bochumer Führung durch Philipp Hofmann sowie einer druckvollen Anfangsphase war der Heimsieg alles andere als selbstverständlich. Denn die Gäste nutzten ihre wenigen Chancen, um die Partie zeitweise auf den Kopf zu stellen. Ein Doppelschlag durch Callum Marshall und Pannewig brachte schließlich die Wende.

Marshall war angeschlagen

Dabei war der Einsatz von Joker Marshall lange fraglich. Rund eine Stunde vor dem Spiel testeten die Bochumer seine Einsatzfähigkeit, schickten den Nordiren bereits vor dem Aufwärmen auf den Platz. Marshall signalisierte, im Bedarfsfall spielen zu können, und erzielte nach einer feinen Vorarbeit des starken Koji Miyoshi den Ausgleich. Ein erneutes Remis hätte dem VfL aber nicht wirklich weitergeholfen. „Das hatten wir oft genug. Es tut gut, mal wieder zu gewinnen, gerade vor heimischer Kulisse. Wir haben uns ein bisschen freigeschwommen“, sagte Torwart Timo Horn, der seinen Kollegen nach dem Spiel in Düsseldorf noch eine „grottenschlechte Leistung“ attestiert hatte. Mit einer verbesserten Zweikampfführung und auch einer fußballerischen Steigerung gewann der VfL gegen die Pfälzer.

Einziges Manko mal wieder: Die Schwächen im Spielaufbau, insbesondere durch Philipp Strompf, der sich mehrfach haarsträubende Abspielfehler leistete und auch beim 1:1 unaufmerksam war. Die Abwehrzentrale blieb im Gegensatz zu anderen Mannschaftsteilen unverändert. Insgesamt fünf Wechsel nahm Rösler im Vergleich zur Düsseldorf-Pleite vor, wobei die Rückkehr von Maximilian Wittek und Francis Onyeka nur allzu logisch war. Oliver Olsen feierte sein Startelf-Debüt, Kapitän Matus Bero sein Comeback. Zum ersten Mal unter Rösler blieben Leandro Morgalla und Cajetan Lenz zunächst nur auf der Bank. „Sie brauchten eine Pause“, erklärte der Fußballlehrer am späten Abend, als er mal wieder einen Pappbecher in der Hand hielt: prallgefühlt, allerdings mit einem Kaltgetränk, das den Spielverlauf würdigte.

Pannewig ist gesperrt

Einen Wermutstropfen gab es am Ende aber dennoch: Pannewig sah seine fünfte Gelbe Karte und wird am kommenden Samstagabend beim Duell gegen die Hertha in Berlin fehlen, zu dem sich mal wieder mehrere tausend Bochumer auf den Weg machen werden. Der VfL könnte den Monat März nutzen, um den Klassenerhalt bereits weitestgehend einzutüten. Aktuell sind es sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Ein wachsender Abstand würde die Planungen erleichtern. Schließlich hat fast die Hälfte der gegen Kaiserslautern eingesetzten Spieler, nämlich sieben von 16, für die kommende Saison keinen Vertrag mehr mit dem VfL. Insbesondere Marshall und Onyeka würden fehlen. Letzterer wird wahrscheinlich nach Leverkusen zurückkehren. Die Werkself ließ ihn beim 3:2-Sieg erneut beobachten.

(Foto: Imago / Revierfoto)


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