1:1 gegen Münster

Trotz Ballbesitz-Paradoxon: Bochum auswärts makellos

Die Geschichte zum Bochumer Auswärtsspiel in Münster hätte sich fast von selbst geschrieben, wenn ausgerechnet Neuzugang Oliver Olsen in den Schlussminuten den Bochumer Siegtreffer erzielt hätte. Doch sein Schuss wurde im letzten Moment geblockt. Es wäre vier Tage nach seinem Wechsel zum VfL der perfekte Einstand gewesen. Zumal er als rechter Außenverteidiger nicht unbedingt für die entscheidenden Tore verpflichtet wurde. Deshalb war Trainer Uwe Rösler mit dem Auftritt des Debütanten trotz der vergebenen Chance auch zufrieden: „Dafür, dass er noch gar nicht richtig im Match-Modus ist, sehe ich seine Leistung positiv. Er gibt uns Ruhe am Ball und ist kopfballstark.“ Geplant war die Einwechslung des Dänen nicht. Doch Leandro Morgalla musste das Spielfeld nach einem Schlag auf die Achillessehne vorzeitig verlassen.

Sieben Gelbsperren drohen

Auf die Breite des Bochumer Kaders wird es in den kommenden Wochen ohnehin ankommen. Aktuell stehen sieben Spieler unmittelbar vor einer Gelbsperre, darunter vier Profis, die beim 1:1 gegen Preußen Münster zur Bochumer Startelf gehörten. „Ich richte ein Kompliment an unsere Bank. Wir haben gute Wechseloptionen und einen starken Konkurrenzkampf“, lobte Rösler sein Team, das in Münster einen so hohen Ballbesitzanteil hatte wie noch nie unter seiner Leitung – nämlich 60 Prozent. „Das gegen diese Preußen zu schaffen, ist eine Sensation“, meinte der Fußballlehrer, der im Vorfeld des Spiels eigentlich vom Gegenteil ausgegangen war. Dass die Bochumer ausgerechnet die drei Spiele nicht gewonnen haben, in denen sie häufiger am Ball waren als der Gegner, klingt paradox, möchte Rösler aber nicht überbewerten. Denn in allen drei Fällen scheiterte der VfL vor allem an seiner Chancenverwertung.

Miyoshi trifft, Abwehr wankt

Bereits früh beim ersten Bochumer Ligaspiel im Preußenstadion seit 50 Jahren vergab Koji Miyoshi die erste gute Gelegenheit zur Führung. Der Japaner machte es später aber besser und erzielte in der zweiten Halbzeit den hochverdienten Ausgleich. Der Japaner hatte bereits gegen Schalke getroffen. Mit Darbietungen wie diesen dürfte er seinen Platz im Team vorerst sicher haben – es sei denn, er sieht die fünfte Gelbe Karte. Ansonsten gibt es für Trainer Rösler derzeit kaum einen Grund, an der funktionierenden Startformation zu rütteln. Neuzugang Callum Marshall hatte auch gegen Münster wieder gute Momente und bereichert damit das Bochumer Angriffsspiel. Einzig in der Innenverteidigung zeigt die Formkurve teils nach unten. Noah Loosli und Philipp Strompf wirkten nicht ganz sicher und leisteten sich immer wieder Flüchtigkeitsfehler.

Nun zwei Heimspiele in Folge

Strompf war auch maßgeblich an der Entstehung des Gegentreffers beteiligt, was ein grundsätzliches Problem offenbart: Befindet sich der Ball häufiger in den Reihen der Bochumer, stehen die eigenen Verteidiger meist höher – was sie nicht selten vor Probleme stellt. Gegen mehr Ballbesitz will sich Rösler deshalb aber nicht wehren, im Gegenteil: „Wir wollen uns weiterentwickeln und das geht nur über fußballerische Ansätze. Die Balance zwischen Abwehr und Angriff war gegen Münster schon besser als in anderen Spielen.“ Die Auswärtsbilanz bleibt damit makellos. Insgesamt sieben Mal haben die Bochumer mit Rösler in der Fremde gespielt und kein einziges Mal verloren. Nun aber folgen zwei Heimspiele: erst gegen Paderborn, dann gegen Nürnberg.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Kaderplanung

Zehn Winterwechsel: VfL mit neuer Transferstrategie

Sammler sind im Vorteil. Wenn der dänische Neuzugang Oliver Olsen vom Randers FC das erste Mal im VfL-Trikot aufläuft, sind sie bestens ausgestattet. Vor etwas mehr als 20 Jahren haben die Bochumer für Sören Colding, Peter Madsen und Tommy Bechmann einen Schal mit Vereinslogo und dänischer Flagge unter dem Motto „Danish Dynamite“ verkauft. An diese Tradition soll der fünfte Winterneuzugang nach Möglichkeit anknüpfen. Dass ihm die Verantwortlichen einiges zutrauen, unterstreicht die Vertragslaufzeit bis 2030. Für die Verpflichtung des rechten Außenverteidigers haben sie eine niedrige sechsstellige Summe locker gemacht, die allerdings ausgeglichen wird durch den Verkauf von Felix Passlack zu Hibernain Edinburgh nach Schottland. Olsen nimmt zwar dessen Kaderplatz ein, soll perspektivisch aber eine andere Rolle spielen als sein Vorgänger in den vergangenen Monaten. Ohnehin ist der 25-Jährige ein anderer Spielertyp. Er ist deutlich größer und damit kopfballstärker als Passlack, zudem ist Olsen ein gelernter Defensivspieler. Parallelen zu Leandro Morgalla sind durchaus vorhanden, was nur allzu logisch ist.

Blick nach Skandinavien

Olsen soll dem deutschen U21-Nationalspieler zunächst Druck machen und spätestens im Sommer dessen Stammplatz übernehmen, weil ein Verbleib von Morgalla nahezu ausgeschlossen ist. Die Verpflichtung von Olsen ist somit ein Vorgriff auf den Sommer. Generell steht die Personalie exemplarisch für die Neuausrichtung der Kaderplanung. Die neue Geschäftsleitung Sport, der unter anderem Markus Brunnschneider, Simon Zoller und Jonas Schlevogt angehören, legt mehr Wert auf Langfristigkeit und hat dafür neue Märkte ins Auge gefasst. Olsen ist der erste dänische Neuzugang seit Ken Ilsö im Jahr 2013, Mikkel Rakneberg der erste Transfer aus Norwegen überhaupt. Dass der VfL in den skandinavischen Ligen fündig geworden ist, überrascht allerdings kaum. Zum einen enden dort einige Spielerverträge nicht erst im Sommer, sondern mit dem Kalenderjahr. Zum anderen hat Trainer Uwe Rösler mehr als zehn Jahre dort gearbeitet, kennt die Ligen also bestens. Gleiches gilt für Kaderplaner Brunnschneider, der vor seinem Wechsel zum VfL für Holstein Kiel tätig war und allein aus geografischen Gründen verstärkt im Norden Neuzugänge gesucht hat.

Fünf Spieler sind gegangen

Viel wichtiger aber: Das übergeordnete Ziel von Trainer Rösler, personell stärker aus der Transferperiode herauskommen als man hineingegangen ist, dürfte erfüllt sein. Insgesamt zehn Transferbewegungen stehen in der Bilanz, was für einen Winter ungewöhnlich viel ist. Von einem größeren Kaderumbruch kann dennoch keine Rede sein, denn der Substanzverlust war gering. Einzig Ibrahima Sissoko zählte zum Kreis der Stammspieler. Die übrigen Abgänge waren ganz im Sinne des Klubs. Passlack war zuletzt lediglich Einwechselspieler; Mathis Clairicia, Colin Kleine-Bekel und Michael Obafemi nicht einmal das. Ibrahim Sissoko und Romario Rösch sind mangels Interessenten in Bochum geblieben. Ein Personalwechsel in der Innenverteidigung war zwischenzeitlich ebenfalls denkbar, Erhan Masovic hat allerdings keinen passenden Verein gefunden. Umgekehrt hat der VfL die offensichtlichen Kaderlücken links in der Abwehr und zentral im Angriff zügig geschlossen. Auch ein Ersatz für Ibrahima Sissoko war schnell verpflichtet, wenngleich der zuvor vereinslose Marcel Sobottka als günstige und unkomplizierte Übergangslösung zu sehen ist.

VfL setzt weiter auf Talente

Perspektivisch planen die Bochumer dort vor allem mit jungen Talenten. Aus dem eigenen Nachwuchs sind Tom Meyer und Lasse Isbruch längerfristig an den Klub gebunden, nun kommt auch noch Moritz Göttlicher hinzu. Den erst 17-Jährigen haben die Bochumer aus der Jugend des FC Bayern verpflichtet und mit einem Vertrag über fünfeinhalb Jahre ausgestattet. Der zentrale Mittelfeldspieler, der vorrangig als sogenannter Achter, aber auch als Sechser oder Zehner spielen kann, soll in den kommenden Monaten behutsam an den Zweitligakader herangeführt werden. Aktuell ist Göttlicher verletzt, anschließend soll er für die U19 oder U21 spielen und bei Rösler mittrainieren. Die Zielsetzung ist klar: Eines Tages soll er für die Profis spielen – und bestenfalls auch Einnahmen durch einen Verkauf generieren. Leihgeschäfte ohne Option wie bei Morgalla, Francis Onyeka, Kjell Wätjen oder Farid Alfa-Ruprecht sollen in Zukunft die Ausnahme bilden, wenngleich sie aktuell einen positiven Effekt über die Saison hinaus haben. Denn junge Talente sehen, dass es beim VfL Bochum sehr realistisch ist, auch in jungen Jahren schon auf Einsatzzeiten zu kommen.

Charakterliche Eignung

So haben die Verantwortlichen nicht nur Göttlicher, sondern auch Callum Marshall von einem Wechsel an die Castroper Straße überzeugen können. Der Nordire ist ebenfalls nur ausgeliehen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren war es das Ziel, den Kaderplatz lieber frühzeitig zum Rückrundenstart zu besetzen als auf vermeintlich bessere Optionen zu warten, die sich im Transferendspurt eventuell doch nicht mehr ergeben. Die bisherigen Eindrücke geben der Klubführung recht: Marshall ist eine Soforthilfe und weiß mit seiner unkonventionellen, einsatzfreudigen Spielweise zu gefallen. Auch die charakterliche Eignung der Spieler war Thema bei der Kaderplanung. In der jüngeren Vergangenheit hatte es insbesondere bei Spielern aus dem französisch-afrikanischen Raum Integrations- und Einstellungsprobleme gegeben. Derartige Schwierigkeiten sind bei Rakneberg oder Olsen nicht zu erwarten. Generell haben die Bochumer mit Skandinaviern in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht, auf dem Fußballplatz genauso wie daneben. Nicht anders ist es zu erklären, dass sich ein VfL-Schal mit Dänemark-Flagge im Besitz vieler Bochumer Fans befindet.


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(Foto: VfL Bochum 1848)

Kolumne

VfL darf auch die leisen Fans nicht vergessen

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Gedankenanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Konflikte zwischen Verein und Fans.

Wirklich inhaltsreich war die Pressemitteilung des VfL am Dienstag nicht. Immerhin, die Kernbotschaft ist angekommen: Der Verein möchte seine Anhänger bei fanrelevanten Themen künftig noch stärker einbinden und informieren. Konkreter ist es bislang nicht. Dabei gilt schon jetzt: Kaum ein anderer Klub hört seinen Fans so gut zu wie die Bochumer.

Zwei aktuelle Vorgänge zeigen, in welch großem Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen sich der Klub bewegt. Klar ist: Es wird nie gelingen, es allen recht zu machen. Beispiel Sondertrikot: Fast alle Exemplare hat der VfL verkauft. Gleichzeitig regte sich Widerstand. Ausgerechnet gegen Schalke in schwarzen Trikots aufzulaufen, sei inakzeptabel. Zahlreiche Fanclubs – und nicht nur die Ultras – trugen ihren Protest in die Öffentlichkeit. Das Sondertrikot wird nun erst gegen Paderborn getragen. Klingt nach einem faulen Kompromiss, aber: Auf das Trikot gänzlich zu verzichten, hätte für Ärger mit den Käufern gesorgt.

Generell sollte der VfL darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, als würden die Interessen von eher lauten, organisierten Gruppen mehr Beachtung finden als die der eher leisen, unorganisierten Masse. Weiteres Beispiel: Hauptsponsor Vonovia hatte für das Spiel gegen Schalke Fähnchen auf der Südtribüne verteilt. Teile der Ultraszene waren damit nicht einverstanden, kletterten über den Zaun und sammelten sie ein. Dieser Vorfall darf nicht folgenlos bleiben – sonst macht im Stadion bald jeder, was er will. Das Problem ist ja ein grundsätzliches und lässt sich auch auf die endlose Pyro-Debatte übertragen. Der VfL muss aufpassen, dass er nicht diejenigen verärgert, die einfach nur in Ruhe ein Fußballspiel sehen wollen – wovon es ziemlich viele gibt. Im Fall der Fähnchen ist es aus Klubsicht sogar noch komplizierter. Denn Vonovia wird sicher nicht begeistert gewesen sein, dass die Ultras ihre Werbeaktion torpediert haben.

Im Grunde ist die Lösung so nah und doch so fern: Wenn ausnahmslos alle Stadionbesucher akzeptieren würden, dass auch andere Ansichten ihre Berechtigung haben, eigene Interessen nicht höher zu gewichten sind und deshalb nicht rücksichtslos durchgesetzt werden, wäre viel gewonnen.


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(Foto: Marc Niemeyer)

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bonamic – IT aus Bochum, die verbindet

Die Digitalisierung gehört längst zum privaten und beruflichen Alltag. Doch eine verlässliche IT bleibt für viele Unternehmen eine Herausforderung. In Bochum hat sich ein junges Unternehmen diesem Problem angenommen: die bonamic GmbH. Seit 2019 entwickelt das Team Lösungen für kleine wie große Kunden, darunter zahlreiche Partner aus der Sozialwirtschaft. Das bonamic-Team verfügt dabei dank der tiefen Verwurzelung am Unternehmensstandort über ein gutes Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Aus dieser Mischung ist ein IT-Partner entstanden, der im Ruhrgebiet zunehmend an Bedeutung gewinnt – nicht nur wegen seiner Expertise, sondern auch wegen seines Engagements für die Region.

Auffällig ist dabei der klare Fokus auf Menschlichkeit. Es geht den Expertinnen und Experten nicht nur um funktionierende Technik, sondern um verlässliche Partnerschaften, die den Alltag erleichtern. Statt einer unpersönlichen Hotline gibt es feste Ansprechpersonen, schnelle Reaktionszeiten und einen Service, der darauf ausgerichtet ist, dass einfach alles läuft: die IT, Business-Mobilfunk, Cloud-Telefonie und IoT-Lösungen, ganz gleich, ob im Büro, im Homeoffice oder unterwegs. bonamic schafft die technische Basis, damit Teams produktiv arbeiten können, ohne sich um Systeme und Störungen kümmern zu müssen. Die persönliche Begleitung, von der ersten Bedarfsanalyse bis zur langfristigen Betreuung, ist dabei ein zentraler Teil der Unternehmensphilosophie. „Im Ruhrgebiet zählt nicht, wie groß du bist, sondern wie du mit Menschen umgehst. Darum bauen wir auf feste Ansprechpartner, klare Worte und Lösungen, die wirklich helfen“, erklärt bonamic-Geschäftsführer und Gründer Tobias Dörk.

Diese Haltung zeigt sich nicht nur im Umgang mit Kunden, sondern auch im Engagement für die Region. Viele Partner stammen aus der Sozialwirtschaft; ein Bereich, in dem Verlässlichkeit und pragmatische Lösungen besonders gefragt sind. Hier zeigt sich, wie stark bonamic Technik und Haltung miteinander verbindet: modern, lösungsorientiert und auf Augenhöhe. bonamic unterstützt beispielsweise die Bochumer Ehrenamtsagentur BEA, fördert lokale Projekte und setzt mit dem Seniorencafé – einem Azubi-Projekt zum Austausch der Generationen – ein Zeichen für digitale Teilhabe. Hier helfen Auszubildende älteren Menschen im Umgang mit Tablet und Smartphone, beantworten Fragen und schaffen Räume für Begegnung.

Auch im Sport zeigt das Unternehmen Flagge. Als Sponsor und IT-Partner des VfL Bochum 1848 sowie als Partner der VfL-Frauen unterstreicht bonamic seine Verwurzelung in der Stadt. Die Zusammenarbeit ist mehr als ein klassisches Sponsoring: Sie spiegelt den Anspruch wider, Verantwortung zu übernehmen, Gleichberechtigung zu fördern und die Region dort zu unterstützen, wo Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft entsteht. „Wir entwickeln moderne IT für eine Region, die sich ständig wandelt und wir begleiten die Menschen dabei. Für mich als Bochumer Junge ist genau das der Kern unserer Arbeit: Nähe, Ehrlichkeit und echte Partnerschaft“, bekräftigt Dörk.

bonamic versteht sich nicht als reiner Dienstleister, sondern als Partner für moderne IT und Konnektivität, der begleitet, unterstützt und vorausdenkt. Im Kern geht es bei bonamic um das, was im Ruhrgebiet seit jeher zählt: Zusammenhalt und Verlässlichkeit. Technik ist dabei das Werkzeug – aber die Menschen sind der Antrieb.

(Foto: bonamic)

2:0 gegen Schalke

Derbysieg mit historischem Wert: VfL flitzt S04 davon

Das Muster war identisch. Gerrit Holtmann flitzte unaufhaltsam über die linke Seite, blickte in den Strafraum, zeigte den gewünschten Laufweg an und schlug eine scharfe Hereingabe zwischen die Schalker Innenverteidiger. Erst war Koji Miyoshi zur Stelle und brachte den VfL früh in Führung, kurz vor der Halbzeitpause erhöhte Philipp Hofmann den Vorsprung. Diese beiden Szenen waren die entscheidenden Zutaten für einen Derbysieg mit historischem Wert. Denn das 2:0 war der erste Erfolg gegen den Reviernachbarn seit knapp 17 Jahren, damals noch in der Bundesliga. Für die Neuauflage waren viele Akteure verantwortlich. Einzelne Spieler nach diesem Sieg herauszustellen, würde dem Verlauf nicht gerecht werden. Logisch, Holtmann war an fast allen Offensivaktionen beteiligt, rannte den Schalkern ständig davon und avancierte in nur 45 Minuten zum Mann des Tages, bevor er völlig ausgepowert in der Kabine blieb. Doch der VfL überzeugte vor allem mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung.

Aufstellungsidee geht auf

Somit trugen auch Holtmanns Teamkollegen zu einem verdienten Heimsieg bei – inklusive Uwe Rösler und dessen Trainerteam. Gemeinsam haben sie sich für die bislang offensivste Aufstellung seit seinem Amtsantritt entschieden – mit Callum Marshall als zweite Spitze und mit Francis Onyeka vor der Abwehr anstelle des erkrankten Mats Pannewig. Diese Idee ging zügig auf, der VfL erzielte sein schnellstes Tor seit Dezember 2018. Bereits nach 43 Sekunden zappelte der Ball im Schalker Tornetz, als genau das Trio zuschlug, das Rösler neu ins Team gebracht hatte. Der umtriebige und robuste Marshall schickte Holtmann auf die Reise, der anschließend Miyoshi bediente. Mit konsequenten Balleroberungen, mit Tiefe und Tempo stellte der VfL den Tabellenführer eine Halbzeit lang vor unlösbare Probleme.

„Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Sie hat die vielleicht beste Halbzeit gezeigt, seitdem ich hier bin“, lobte Rösler seine Truppe, die mit dem frühen Führungstreffer Schalke zur Spielgestaltung zwang. Damit aber können die Knappen, die vor dem Spiel gemeinsam mit dem VfL die geringsten Ballbesitzraten der Liga verzeichneten, nur wenig anfangen. Wie ein Aufsteiger spielten die Gelsenkirchener jedenfalls nicht, auch wenn sie in der zweiten Halbzeit doppelt trafen. Doch Schiedsrichter Michael Bacher nahm beide Tore zurück – das erste nach einem grenzwertigen Armeinsatz gegen Timo Horn, das zweite wegen eines Handspiels von Edin Dzeko vor der Torerzielung. „In dieser Phase hatten wir etwas Glück“, stellte Rösler später fest. Der VfL konnte das hohe Tempo der ersten Hälfte nicht halten.

Das lag auch daran, dass Holtmann zur Pause signalisiert hatte, nicht mehr weiterspielen zu können. „Die Entscheidung kam von Gerrit. Ich habe ihn gefragt, ob es noch geht, und er sagte ‚Nein‘. Diese Ehrlichkeit weiß ich zu schätzen“, berichtete Rösler und lobte seinen Schützling weiter: „Gerrit hat sich verausgabt, hat sensationell gespielt. Er wusste um die Bedeutung dieses Derbys.“ Der Publikumsliebling absolvierte sein erstes Spiel nach einer knapp zweimonatigen Verletzungspause samt Knie-OP. Während Schalkes Trainer Miron Muslic Holtmanns Gegenspieler Timo Becker Anlaufschwierigkeiten nach einer vergleichbaren Ausfallzeit bescheinigte, war Holtmann sofort wieder in Form. Mit der Hereinnahme von Farid Alfa-Ruprecht sank das Leistungsniveau auf der linken Seite allerdings deutlich.

Erster in der Rösler-Tabelle

Das ist nach diesem Spiel jedoch allenfalls eine Randnotiz wert. Was bleibt, das ist der sechste Sieg im zwölften Spiel unter Rösler, eine Serie mit sieben Partien ohne Niederlage und Gedanken daran, was vielleicht möglich gewesen wäre, wenn der 57-Jährige die Bochumer bereits zu Saisonbeginn trainiert hätte. Denn mit einem Schnitt von fast zwei Punkten pro Spiel rangiert der VfL in der sogenannten Rösler-Tabelle wieder auf Platz eins. Zum ersten Mal ist es nun auch gelungen, ein Spitzenteam zu schlagen. „Das gibt uns weiter Auftrieb“, ist sich Torschütze Hofmann sicher, der deswegen aber nicht den Boden der Tatsachen verlässt: „Es bleibt unten in der Tabelle weiter sehr eng.“ Feiern kann der VfL den prestigeträchtigen Sieg gegen Schalke 04 natürlich trotzdem. „Ich weiß, wie viel es den Menschen hier bedeutet“, bekräftigte Hofmann und gab die Marschroute für den Samstagabend vor: „Wir sollten den Sieg genießen.“ Trainer Rösler folgte dieser Aufforderung und feierte das 2:0 gemeinsam mit den Fans in der Ritterburg.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Podcast

Bochum gegen Schalke: Derbysieg nach Remis-Serie?

Unsere neue, mittlerweile elfte Podcast-Folge ist da! Claudio Gentile und ich sprechen vor dem Derby oder Nachbarschaftsduell gegen Schalke über die Bochumer Startelf, Schwachstellen im Kader sowie über das Mittelfeld-Duo Cajetan Lenz und Mats Pannewig. Viel Spaß beim Anschauen oder Zuhören!


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(Foto: Marc Niemeyer)

Kolumne

VfL im Sondertrikot: Kommerz statt Nachhaltigkeit

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Gedankenanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Sondertrikots.

Die Bundesliga hat der VfL Bochum vor einem Jahr verlassen. Dennoch gibt es zahlreiche Abteilungen in diesem Klub, die weiterhin erstklassig arbeiten. Zum Beispiel das Team um Direktor Matthias Mühlen. Regelmäßig wird die Abteilung für Nachhaltigkeit mit Preisen bedacht. Innerhalb der Fußballszene genießt sie dank innovativer Ideen einen ausgezeichneten Ruf. Was viele nicht wissen: Die Erst- und Zweitligisten sind im Rahmen der jährlichen Lizenzierung sogar dazu verpflichtet, eine Nachhaltigkeitsstrategie samt Umweltmaßnahmen (Energie, Wasser, Abfall) und sozialen Kriterien (Diversität, Inklusion) nachzuweisen.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Ökologisch und sozial nachhaltiges Handeln endet meist da, wo der kommerzielle Erfolg gefährdet ist. Der neueste Branchentrend, und zwar bundesweit, ist das alljährliche Sondertrikot. Der Anlass kann noch so konstruiert sein – im Zweifel dient beim VfL irgendeine Liedzeile aus Grönemeyers Bochum-Hymne als Vorlage – einmal pro Saison gibt es ein zusätzliches Trikot. Nach dem Maiabendtrikot im April 2025 laufen die Bochumer beim Derby gegen Schalke 04 an diesem Samstag nun in schwarzen Jerseys auf. Sie sollen an die Bergbauhistorie der Stadt erinnern. Dass die Kampagne dazu unter dem Slogan „Pulsschlag aus Stahl“ steht, ist zwar nicht ganz passend, aber nur eine Randnotiz wert.

Wie auch immer: Im kaufmännischen Sinne ist nichts daran verwerflich, ein Sondertrikot auf den Markt zu bringen. Es wäre sogar fahrlässig, wenn der VfL die Sammelleidenschaft und Zahlungsbereitschaft seiner Fans nicht nutzen würde. Zumal: Jeder Anhänger kann frei entscheiden, ob er diese Idee unterstützt oder nicht. Dennoch zeigen die Vereine damit zweierlei: Dass die Anhängerschaft zunehmend als Kundschaft und Konsumgruppe betrachtet wird. Und dass die Nachhaltigkeitskriterien der DFL womöglich zu lasch sind. Denn ein Trikot zu produzieren, das nur in einem Spiel getragen wird, ist alles andere als nachhaltig, auch wenn das Bochumer Shirt aus recyceltem Material besteht. So oder so: Für derart viel Kommerz hätten die Kumpel im Schacht früher sicher wenig Verständnis gehabt.


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