Kaderplanung

Zehn Winterwechsel: VfL mit neuer Transferstrategie

Sammler sind im Vorteil. Wenn der dänische Neuzugang Oliver Olsen vom Randers FC das erste Mal im VfL-Trikot aufläuft, sind sie bestens ausgestattet. Vor etwas mehr als 20 Jahren haben die Bochumer für Sören Colding, Peter Madsen und Tommy Bechmann einen Schal mit Vereinslogo und dänischer Flagge unter dem Motto „Danish Dynamite“ verkauft. An diese Tradition soll der fünfte Winterneuzugang nach Möglichkeit anknüpfen. Dass ihm die Verantwortlichen einiges zutrauen, unterstreicht die Vertragslaufzeit bis 2030. Für die Verpflichtung des rechten Außenverteidigers haben sie eine niedrige sechsstellige Summe locker gemacht, die allerdings ausgeglichen wird durch den Verkauf von Felix Passlack zu Hibernain Edinburgh nach Schottland. Olsen nimmt zwar dessen Kaderplatz ein, soll perspektivisch aber eine andere Rolle spielen als sein Vorgänger in den vergangenen Monaten. Ohnehin ist der 25-Jährige ein anderer Spielertyp. Er ist deutlich größer und damit kopfballstärker als Passlack, zudem ist Olsen ein gelernter Defensivspieler. Parallelen zu Leandro Morgalla sind durchaus vorhanden, was nur allzu logisch ist.

Blick nach Skandinavien

Olsen soll dem deutschen U21-Nationalspieler zunächst Druck machen und spätestens im Sommer dessen Stammplatz übernehmen, weil ein Verbleib von Morgalla nahezu ausgeschlossen ist. Die Verpflichtung von Olsen ist somit ein Vorgriff auf den Sommer. Generell steht die Personalie exemplarisch für die Neuausrichtung der Kaderplanung. Die neue Geschäftsleitung Sport, der unter anderem Markus Brunnschneider, Simon Zoller und Jonas Schlevogt angehören, legt mehr Wert auf Langfristigkeit und hat dafür neue Märkte ins Auge gefasst. Olsen ist der erste dänische Neuzugang seit Ken Ilsö im Jahr 2013, Mikkel Rakneberg der erste Transfer aus Norwegen überhaupt. Dass der VfL in den skandinavischen Ligen fündig geworden ist, überrascht allerdings kaum. Zum einen enden dort einige Spielerverträge nicht erst im Sommer, sondern mit dem Kalenderjahr. Zum anderen hat Trainer Uwe Rösler mehr als zehn Jahre dort gearbeitet, kennt die Ligen also bestens. Gleiches gilt für Kaderplaner Brunnschneider, der vor seinem Wechsel zum VfL für Holstein Kiel tätig war und allein aus geografischen Gründen verstärkt im Norden Neuzugänge gesucht hat.

Fünf Spieler sind gegangen

Viel wichtiger aber: Das übergeordnete Ziel von Trainer Rösler, personell stärker aus der Transferperiode herauskommen als man hineingegangen ist, dürfte erfüllt sein. Insgesamt zehn Transferbewegungen stehen in der Bilanz, was für einen Winter ungewöhnlich viel ist. Von einem größeren Kaderumbruch kann dennoch keine Rede sein, denn der Substanzverlust war gering. Einzig Ibrahima Sissoko zählte zum Kreis der Stammspieler. Die übrigen Abgänge waren ganz im Sinne des Klubs. Passlack war zuletzt lediglich Einwechselspieler; Mathis Clairicia, Colin Kleine-Bekel und Michael Obafemi nicht einmal das. Ibrahim Sissoko und Romario Rösch sind mangels Interessenten in Bochum geblieben. Ein Personalwechsel in der Innenverteidigung war zwischenzeitlich ebenfalls denkbar, Erhan Masovic hat allerdings keinen passenden Verein gefunden. Umgekehrt hat der VfL die offensichtlichen Kaderlücken links in der Abwehr und zentral im Angriff zügig geschlossen. Auch ein Ersatz für Ibrahima Sissoko war schnell verpflichtet, wenngleich der zuvor vereinslose Marcel Sobottka als günstige und unkomplizierte Übergangslösung zu sehen ist.

VfL setzt weiter auf Talente

Perspektivisch planen die Bochumer dort vor allem mit jungen Talenten. Aus dem eigenen Nachwuchs sind Tom Meyer und Lasse Isbruch längerfristig an den Klub gebunden, nun kommt auch noch Moritz Göttlicher hinzu. Den erst 17-Jährigen haben die Bochumer aus der Jugend des FC Bayern verpflichtet und mit einem Vertrag über fünfeinhalb Jahre ausgestattet. Der zentrale Mittelfeldspieler, der vorrangig als sogenannter Achter, aber auch als Sechser oder Zehner spielen kann, soll in den kommenden Monaten behutsam an den Zweitligakader herangeführt werden. Aktuell ist Göttlicher verletzt, anschließend soll er für die U19 oder U21 spielen und bei Rösler mittrainieren. Die Zielsetzung ist klar: Eines Tages soll er für die Profis spielen – und bestenfalls auch Einnahmen durch einen Verkauf generieren. Leihgeschäfte ohne Option wie bei Morgalla, Francis Onyeka, Kjell Wätjen oder Farid Alfa-Ruprecht sollen in Zukunft die Ausnahme bilden, wenngleich sie aktuell einen positiven Effekt über die Saison hinaus haben. Denn junge Talente sehen, dass es beim VfL Bochum sehr realistisch ist, auch in jungen Jahren schon auf Einsatzzeiten zu kommen.

Charakterliche Eignung

So haben die Verantwortlichen nicht nur Göttlicher, sondern auch Callum Marshall von einem Wechsel an die Castroper Straße überzeugen können. Der Nordire ist ebenfalls nur ausgeliehen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren war es das Ziel, den Kaderplatz lieber frühzeitig zum Rückrundenstart zu besetzen als auf vermeintlich bessere Optionen zu warten, die sich im Transferendspurt eventuell doch nicht mehr ergeben. Die bisherigen Eindrücke geben der Klubführung recht: Marshall ist eine Soforthilfe und weiß mit seiner unkonventionellen, einsatzfreudigen Spielweise zu gefallen. Auch die charakterliche Eignung der Spieler war Thema bei der Kaderplanung. In der jüngeren Vergangenheit hatte es insbesondere bei Spielern aus dem französisch-afrikanischen Raum Integrations- und Einstellungsprobleme gegeben. Derartige Schwierigkeiten sind bei Rakneberg oder Olsen nicht zu erwarten. Generell haben die Bochumer mit Skandinaviern in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht, auf dem Fußballplatz genauso wie daneben. Nicht anders ist es zu erklären, dass sich ein VfL-Schal mit Dänemark-Flagge im Besitz vieler Bochumer Fans befindet.


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(Foto: VfL Bochum 1848)

2:0 gegen Schalke

Derbysieg mit historischem Wert: VfL flitzt S04 davon

Das Muster war identisch. Gerrit Holtmann flitzte unaufhaltsam über die linke Seite, blickte in den Strafraum, zeigte den gewünschten Laufweg an und schlug eine scharfe Hereingabe zwischen die Schalker Innenverteidiger. Erst war Koji Miyoshi zur Stelle und brachte den VfL früh in Führung, kurz vor der Halbzeitpause erhöhte Philipp Hofmann den Vorsprung. Diese beiden Szenen waren die entscheidenden Zutaten für einen Derbysieg mit historischem Wert. Denn das 2:0 war der erste Erfolg gegen den Reviernachbarn seit knapp 17 Jahren, damals noch in der Bundesliga. Für die Neuauflage waren viele Akteure verantwortlich. Einzelne Spieler nach diesem Sieg herauszustellen, würde dem Verlauf nicht gerecht werden. Logisch, Holtmann war an fast allen Offensivaktionen beteiligt, rannte den Schalkern ständig davon und avancierte in nur 45 Minuten zum Mann des Tages, bevor er völlig ausgepowert in der Kabine blieb. Doch der VfL überzeugte vor allem mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung.

Aufstellungsidee geht auf

Somit trugen auch Holtmanns Teamkollegen zu einem verdienten Heimsieg bei – inklusive Uwe Rösler und dessen Trainerteam. Gemeinsam haben sie sich für die bislang offensivste Aufstellung seit seinem Amtsantritt entschieden – mit Callum Marshall als zweite Spitze und mit Francis Onyeka vor der Abwehr anstelle des erkrankten Mats Pannewig. Diese Idee ging zügig auf, der VfL erzielte sein schnellstes Tor seit Dezember 2018. Bereits nach 43 Sekunden zappelte der Ball im Schalker Tornetz, als genau das Trio zuschlug, das Rösler neu ins Team gebracht hatte. Der umtriebige und robuste Marshall schickte Holtmann auf die Reise, der anschließend Miyoshi bediente. Mit konsequenten Balleroberungen, mit Tiefe und Tempo stellte der VfL den Tabellenführer eine Halbzeit lang vor unlösbare Probleme.

„Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Sie hat die vielleicht beste Halbzeit gezeigt, seitdem ich hier bin“, lobte Rösler seine Truppe, die mit dem frühen Führungstreffer Schalke zur Spielgestaltung zwang. Damit aber können die Knappen, die vor dem Spiel gemeinsam mit dem VfL die geringsten Ballbesitzraten der Liga verzeichneten, nur wenig anfangen. Wie ein Aufsteiger spielten die Gelsenkirchener jedenfalls nicht, auch wenn sie in der zweiten Halbzeit doppelt trafen. Doch Schiedsrichter Michael Bacher nahm beide Tore zurück – das erste nach einem grenzwertigen Armeinsatz gegen Timo Horn, das zweite wegen eines Handspiels von Edin Dzeko vor der Torerzielung. „In dieser Phase hatten wir etwas Glück“, stellte Rösler später fest. Der VfL konnte das hohe Tempo der ersten Hälfte nicht halten.

Das lag auch daran, dass Holtmann zur Pause signalisiert hatte, nicht mehr weiterspielen zu können. „Die Entscheidung kam von Gerrit. Ich habe ihn gefragt, ob es noch geht, und er sagte ‚Nein‘. Diese Ehrlichkeit weiß ich zu schätzen“, berichtete Rösler und lobte seinen Schützling weiter: „Gerrit hat sich verausgabt, hat sensationell gespielt. Er wusste um die Bedeutung dieses Derbys.“ Der Publikumsliebling absolvierte sein erstes Spiel nach einer knapp zweimonatigen Verletzungspause samt Knie-OP. Während Schalkes Trainer Miron Muslic Holtmanns Gegenspieler Timo Becker Anlaufschwierigkeiten nach einer vergleichbaren Ausfallzeit bescheinigte, war Holtmann sofort wieder in Form. Mit der Hereinnahme von Farid Alfa-Ruprecht sank das Leistungsniveau auf der linken Seite allerdings deutlich.

Erster in der Rösler-Tabelle

Das ist nach diesem Spiel jedoch allenfalls eine Randnotiz wert. Was bleibt, das ist der sechste Sieg im zwölften Spiel unter Rösler, eine Serie mit sieben Partien ohne Niederlage und Gedanken daran, was vielleicht möglich gewesen wäre, wenn der 57-Jährige die Bochumer bereits zu Saisonbeginn trainiert hätte. Denn mit einem Schnitt von fast zwei Punkten pro Spiel rangiert der VfL in der sogenannten Rösler-Tabelle wieder auf Platz eins. Zum ersten Mal ist es nun auch gelungen, ein Spitzenteam zu schlagen. „Das gibt uns weiter Auftrieb“, ist sich Torschütze Hofmann sicher, der deswegen aber nicht den Boden der Tatsachen verlässt: „Es bleibt unten in der Tabelle weiter sehr eng.“ Feiern kann der VfL den prestigeträchtigen Sieg gegen Schalke 04 natürlich trotzdem. „Ich weiß, wie viel es den Menschen hier bedeutet“, bekräftigte Hofmann und gab die Marschroute für den Samstagabend vor: „Wir sollten den Sieg genießen.“ Trainer Rösler folgte dieser Aufforderung und feierte das 2:0 gemeinsam mit den Fans in der Ritterburg.


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(Foto: Marc Niemeyer)

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bonamic – IT aus Bochum, die verbindet

Die Digitalisierung gehört längst zum privaten und beruflichen Alltag. Doch eine verlässliche IT bleibt für viele Unternehmen eine Herausforderung. In Bochum hat sich ein junges Unternehmen diesem Problem angenommen: die bonamic GmbH. Seit 2019 entwickelt das Team Lösungen für kleine wie große Kunden, darunter zahlreiche Partner aus der Sozialwirtschaft. Das bonamic-Team verfügt dabei dank der tiefen Verwurzelung am Unternehmensstandort über ein gutes Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Aus dieser Mischung ist ein IT-Partner entstanden, der im Ruhrgebiet zunehmend an Bedeutung gewinnt – nicht nur wegen seiner Expertise, sondern auch wegen seines Engagements für die Region.

Auffällig ist dabei der klare Fokus auf Menschlichkeit. Es geht den Expertinnen und Experten nicht nur um funktionierende Technik, sondern um verlässliche Partnerschaften, die den Alltag erleichtern. Statt einer unpersönlichen Hotline gibt es feste Ansprechpersonen, schnelle Reaktionszeiten und einen Service, der darauf ausgerichtet ist, dass einfach alles läuft: die IT, Business-Mobilfunk, Cloud-Telefonie und IoT-Lösungen, ganz gleich, ob im Büro, im Homeoffice oder unterwegs. bonamic schafft die technische Basis, damit Teams produktiv arbeiten können, ohne sich um Systeme und Störungen kümmern zu müssen. Die persönliche Begleitung, von der ersten Bedarfsanalyse bis zur langfristigen Betreuung, ist dabei ein zentraler Teil der Unternehmensphilosophie. „Im Ruhrgebiet zählt nicht, wie groß du bist, sondern wie du mit Menschen umgehst. Darum bauen wir auf feste Ansprechpartner, klare Worte und Lösungen, die wirklich helfen“, erklärt bonamic-Geschäftsführer und Gründer Tobias Dörk.

Diese Haltung zeigt sich nicht nur im Umgang mit Kunden, sondern auch im Engagement für die Region. Viele Partner stammen aus der Sozialwirtschaft; ein Bereich, in dem Verlässlichkeit und pragmatische Lösungen besonders gefragt sind. Hier zeigt sich, wie stark bonamic Technik und Haltung miteinander verbindet: modern, lösungsorientiert und auf Augenhöhe. bonamic unterstützt beispielsweise die Bochumer Ehrenamtsagentur BEA, fördert lokale Projekte und setzt mit dem Seniorencafé – einem Azubi-Projekt zum Austausch der Generationen – ein Zeichen für digitale Teilhabe. Hier helfen Auszubildende älteren Menschen im Umgang mit Tablet und Smartphone, beantworten Fragen und schaffen Räume für Begegnung.

Auch im Sport zeigt das Unternehmen Flagge. Als Sponsor und IT-Partner des VfL Bochum 1848 sowie als Partner der VfL-Frauen unterstreicht bonamic seine Verwurzelung in der Stadt. Die Zusammenarbeit ist mehr als ein klassisches Sponsoring: Sie spiegelt den Anspruch wider, Verantwortung zu übernehmen, Gleichberechtigung zu fördern und die Region dort zu unterstützen, wo Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft entsteht. „Wir entwickeln moderne IT für eine Region, die sich ständig wandelt und wir begleiten die Menschen dabei. Für mich als Bochumer Junge ist genau das der Kern unserer Arbeit: Nähe, Ehrlichkeit und echte Partnerschaft“, bekräftigt Dörk.

bonamic versteht sich nicht als reiner Dienstleister, sondern als Partner für moderne IT und Konnektivität, der begleitet, unterstützt und vorausdenkt. Im Kern geht es bei bonamic um das, was im Ruhrgebiet seit jeher zählt: Zusammenhalt und Verlässlichkeit. Technik ist dabei das Werkzeug – aber die Menschen sind der Antrieb.

(Foto: bonamic)

Podcast

Bochum gegen Schalke: Derbysieg nach Remis-Serie?

Unsere neue, mittlerweile elfte Podcast-Folge ist da! Claudio Gentile und ich sprechen vor dem Derby oder Nachbarschaftsduell gegen Schalke über die Bochumer Startelf, Schwachstellen im Kader sowie über das Mittelfeld-Duo Cajetan Lenz und Mats Pannewig. Viel Spaß beim Anschauen oder Zuhören!


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(Foto: Marc Niemeyer)

Kolumne

VfL im Sondertrikot: Kommerz statt Nachhaltigkeit

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Gedankenanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Sondertrikots.

Die Bundesliga hat der VfL Bochum vor einem Jahr verlassen. Dennoch gibt es zahlreiche Abteilungen in diesem Klub, die weiterhin erstklassig arbeiten. Zum Beispiel das Team um Direktor Matthias Mühlen. Regelmäßig wird die Abteilung für Nachhaltigkeit mit Preisen bedacht. Innerhalb der Fußballszene genießt sie dank innovativer Ideen einen ausgezeichneten Ruf. Was viele nicht wissen: Die Erst- und Zweitligisten sind im Rahmen der jährlichen Lizenzierung sogar dazu verpflichtet, eine Nachhaltigkeitsstrategie samt Umweltmaßnahmen (Energie, Wasser, Abfall) und sozialen Kriterien (Diversität, Inklusion) nachzuweisen.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Ökologisch und sozial nachhaltiges Handeln endet meist da, wo der kommerzielle Erfolg gefährdet ist. Der neueste Branchentrend, und zwar bundesweit, ist das alljährliche Sondertrikot. Der Anlass kann noch so konstruiert sein – im Zweifel dient beim VfL irgendeine Liedzeile aus Grönemeyers Bochum-Hymne als Vorlage – einmal pro Saison gibt es ein zusätzliches Trikot. Nach dem Maiabendtrikot im April 2025 laufen die Bochumer beim Derby gegen Schalke 04 an diesem Samstag nun in schwarzen Jerseys auf. Sie sollen an die Bergbauhistorie der Stadt erinnern. Dass die Kampagne dazu unter dem Slogan „Pulsschlag aus Stahl“ steht, ist zwar nicht ganz passend, aber nur eine Randnotiz wert.

Wie auch immer: Im kaufmännischen Sinne ist nichts daran verwerflich, ein Sondertrikot auf den Markt zu bringen. Es wäre sogar fahrlässig, wenn der VfL die Sammelleidenschaft und Zahlungsbereitschaft seiner Fans nicht nutzen würde. Zumal: Jeder Anhänger kann frei entscheiden, ob er diese Idee unterstützt oder nicht. Dennoch zeigen die Vereine damit zweierlei: Dass die Anhängerschaft zunehmend als Kundschaft und Konsumgruppe betrachtet wird. Und dass die Nachhaltigkeitskriterien der DFL womöglich zu lasch sind. Denn ein Trikot zu produzieren, das nur in einem Spiel getragen wird, ist alles andere als nachhaltig, auch wenn das Bochumer Shirt aus recyceltem Material besteht. So oder so: Für derart viel Kommerz hätten die Kumpel im Schacht früher sicher wenig Verständnis gehabt.


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(Foto: Marc Niemeyer)

1:1 gegen Elversberg

Eichhörnchen-Taktik und ein Sonderlob für Pannewig

Die Sorgen waren unbegründet. Sechs Bochumer Spieler sind mit je vier Gelben Karten in das Duell gegen die SV Elversberg gegangen. Mehr als der halben Startelf drohte ausgerechnet vor dem prestigeträchtigen Derby gegen Schalke 04 eine Sperre. Trainer Uwe Rösler hatte im Vorfeld angekündigt, darauf bei seiner Personalauswahl keine Rücksicht zu nehmen und ließ die Vorbelasteten allesamt von Beginn an spielen: Philipp Hofmann und Mats Pannewig, Maximilian Wittek und Philipp Strompf, Kjell Wätjen und Farid Alfa-Ruprecht. Doch keiner von ihnen kassierte die fünfte Verwarnung. Ansonsten war die Bochumer Darbietung alles andere als souverän, der Punktgewinn beim 1:1 äußerst schmeichelhaft. Die Gastgeber waren eine Stunde lang klar überlegen.

Vor allem in der ersten Halbzeit ließen die Bochumer trotz eigener Führung zu viele Torchancen zu und hatten keine längeren Ballbesitzphasen – ein Manko, das mit wenigen Ausnahmen schon länger besteht. Fünf Elversberger Ecken nach elf Minuten sowie zwei Lattenkracher stehen exemplarisch für die Überlegenheit der Saarländer. Als Mats Pannewig ausgerechnet in dieser Drangphase mit der ersten Bochumer Torchance das 1:0 erzielte, war der Spielverlauf auf den Kopf gestellt. Auch eine Systemumstellung stabilisierte den VfL zu Beginn der zweiten Halbzeit zunächst nicht, der Ausgleichstreffer zum 1:1 war schließlich  hochverdient. Erst danach entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, das die Rösler-Elf am Ende sogar hätte gewinnen können. Das aber wäre zu viel des Guten gewesen.

Vier Remis in Folge

Die Bochumer Remis-Serie setzt sich damit fort. Vier Spiele in Folge haben sie das Feld weder als Gewinner noch als Verlierer verlassen. In der Fremde ist der VfL unter Trainer Rösler noch ungeschlagen, hat generell erst eine von elf Partie verloren. So richtig vom Fleck kommt der Bundesliga-Absteiger mit seiner Eichhörchen-Taktik derzeit allerdings nicht. Der Vorsprung auf die Abstiegsränge bleibt gering, beträgt aktuell drei Punkte. „Um den nächsten Schritt zu machen, müssen wir auch mal eine Spitzenmannschaft schlagen“, weiß Trainer Uwe Rösler, der gegen Schalke die nächste Chance dazu erhält. Während die Gelsenkirchener ihren Kader mit prominenten Zu- und Abgängen weiter umbauen, wird sich bei den Bochumern wahrscheinlich nicht mehr so viel tun.

Nach drei Neuverpflichtungen (Rakneberg, Marshall, Sobottka) und vier Abgängen (Kleine-Bekel, Sissoko, Clairicia, Obafemi) ist der Kaderumbau weitestgehend abgeschlossen, auch weil Trainer Uwe Rösler mit dem zur Verfügung stehenden Personal zufrieden ist. Offen ist lediglich, ob Felix Passlack noch den Verein verlässt. Dem Außenverteidiger, der in Elversberg zur Pause eingewechselt wurde, sich in die neu formierte Fünferkette einfügte und am Gegentreffer nicht unbeteiligt war, liegt ein Angebot von Hibernain Edinburgh aus Schottland vor, das er gerne annehmen würde. Weil Rösler den Ex-Dortmunder aber schätzt und Eigengewächs Kacper Koscierski noch Zeit geben möchte, darf Passlack erst gehen, wenn für ihn ein passender Ersatz gefunden ist.

Erstes Pannewig-Tor

Im Mittelfeld indes vertraut Rösler mehr denn je zwei Talenten aus dem eigenen Stall. Sowohl Cajetan Lenz als auch Mats Pannewig zählen längst zum Stammpersonal und gehörten in Elversberg zusammen mit Leandro Morgalla zu den wenigen Lichtblicken. Pannewig belohnte sich nach zahlreichen Anläufen mit seinem ersten Profitor – technisch anspruchsvoll und sogar mit seinem schwächeren Fuß. „Seitdem ich hier bin, ist er unser bester Mittelfeldspieler“, lobte ihn Rösler bereits vor dem Spiel. Der Fußballlehrer geriet regelrecht ins Schwärmen: „Er ist fleißig und mutig und in beiden Strafräumen eine Waffe. An dem Jungen werden wir noch viel Freude haben.“ Vielleicht ja auch gegen Pannewigs Ex-Klub Schalke. Bei den Königsblauen wurde er einst aussortiert.


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Kolumne

Neuer Vertrag? Der VfL steckt im Loosli-Dilemma

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Gedankenanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Noah Loosli und die Innenverteidigung.

Die Namen Losilla und Loosli klingen nicht nur sehr ähnlich, die dahinterstehenden Personen verbindet auch einiges. Der langjährige VfL-Kapitän war ein Musterprofi, der aktuell gesetzte Innenverteidiger ist ebenso einer. Beide investieren auf vorbildliche Art in ihre Leistungsfähigkeit, stellen sich in den Dienst der Mannschaft und identifizieren sich in besonderer Weise mit dem Klub.

Das Kapitel Anthony Losilla ist seit dem vergangenen Sommer geschlossen, zumindest die Karriere als Profifußballer beendet. Für Noah Loosli hingegen ist die dritte Saison im VfL-Trikot bislang die erfolgreichste. In 14 von 21 Pflichtspielen gehörte er zur Startelf und ist seit Anfang November in der Abwehrzentrale praktisch gesetzt. Der Vertrag des Schweizers läuft am Saisonende allerdings aus. Gibt es für ihn eine Zukunft beim VfL?

Mit ordentlichen Leistungen – nicht mehr und nicht weniger – hat sich der seit heute 29-Jährige in den vergangenen Wochen für eine Vertragsverlängerung beworben. Mit seinem Engagement und seiner aufmerksamen Spielweise, seiner Ausdauer und Kopfballstärke wäre Loosli auch über den Sommer hinaus ein Gewinn für diese Mannschaft. Jedoch: Seine Defizite hinsichtlich Technik und Tempo sowie wiederkehrende Stellungsfehler sind ebenso unübersehbar. Kurzum: Mit Loosli als Stammspieler zu planen, wäre riskant. Als zuverlässiger Back-Up wäre er dagegen die Optimallösung.

Das Dilemma ist: Mit Kevin Vogt, Philipp Strompf und Colin Kleine-Bekel stehen bereits drei ähnliche Innenverteidiger für die neue Saison unter Vertrag. Sie alle passen mit ihrer fehlenden Agilität nur eingeschränkt zum Spielstil von Trainer Uwe Rösler. Den Vertrag mit Loosli zu verlängern, würde bedeuten, dass ein weiterer Kaderplatz für die kommende Saison bereits besetzt wäre. Wenn der VfL um den Aufstieg mitspielen möchte, bräuchte es mindestens einen, eigentlich zwei neue (Stamm-)Innenverteidiger auf gehobenem Zweitliga-Niveau. Weil insgesamt sechs zentrale Abwehrspieler aber zu viele wären, wird es in mindestens einem Fall auf eine Trennung hinauslaufen müssen. Am einfachsten wäre sie – leider – bei Noah Loosli. Am sinnvollsten eher bei anderen.


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(Foto: Marc Niemeyer)