Podcast

Rasmussen da, Kwarteng weg: VfL-Kader weiter im Umbruch

Die Saisonvorbereitung des VfL Bochum läuft, doch der Kader ist noch längst nicht komplett. In unserer neuen Podcast-Folge sprechen wir über die Verpflichtung von Christian Rasmussen, den Abgang von Moritz Kwarteng und über noch vorhandene Schwachstellen. Außerdem Thema: die ersten Testspiele sowie die neue Trikot-Kollektion.


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(Foto: VfL Bochum 1848)

Testspiele

Warten auf Alternativen: Saisonvorbereitung mit Hürden

Erst stand Uwe Rösler auf, dann nahm er wieder Platz und bat drei seiner engsten Vertrauten zu sich. Zufrieden war der Trainer des VfL Bochum nach dem 3:2-Sieg im Testspiel gegen den Rot-Weiß Oberhausen nicht, das war deutlich zu erkennen. Noch auf der Trainerbank und nur wenige Minuten nach Abpfiff besprach Rösler gemeinsam mit seinem Co-Trainer, einem Videoanalysten und Direktor Simon Zoller die Darbietung gegen den Regionalligisten. Es war das zweite von insgesamt sieben Vorbereitungsspielen und bereits das letzte gegen einen unterklassigen Verein. Echte Lichtblicke gab es nur wenige. Philipp Hofmann traf in der ersten Halbzeit doppelt, Aurel Wagbe aus der U21 erzielte im zweiten Durchgang den Siegtreffer. Das Ergebnis passte, die Leistung eher nicht. „Wir hatten im Spiel mit und vor allem ohne Ball wenig Struktur und noch kein Spielverständnis miteinander. Auch wenn wir erst zehn Tage zusammen trainieren, hätte ich mir mehr Fortschritte gewünscht“, kritisierte Rösler, der sich dennoch optimistisch zeigte: „Wir werden das schon wieder hinbekommen.“ Spätestens am 7. August sollte das Zusammenspiel funktionieren. Dann eröffnet der VfL mit einem Heimspiel gegen Hertha BSC die neue Zweitliga-Saison. Es geht darum, endlich besser in die neue Saison zu starten als es in der Vergangenheit gelungen ist. Der letzte Auftaktsieg liegt bereits zehn Jahre zurück.

Schritt zurück

Immer wieder verpatzte der VfL den Start, weil das Zusammenspiel noch nicht funktionierte. Mal waren die taktischen Änderungen zu groß, mal die personellen; häufig auch beides zusammen. Insofern ist Rösler ganz glücklich darüber, dass er sieben Neuzugänge bereits an Bord hat. „Je eher sie hier sind, desto mehr können wir mit ihnen arbeiten“, betonte der Fußballlehrer kürzlich und dachte dabei auch an die lange Abgangsliste. Zahlreiche Stammspieler aus fast allen Mannschaftsteilen haben den VfL in diesem Sommer verlassen, nicht zur Freude des Trainers: „Es ist ratsam, nicht immer so viele Leute zu verlieren. Das war hier jetzt mehrere Jahre so. Wir wünschen uns alle mehr Kontinuität.“ Rösler steht deshalb vor einer großen Herausforderung in diesen Tagen. Eigentlich wollte er die Mannschaft weiterentwickeln, vor allem fußballerisch. Stattdessen muss er zunächst einen Schritt zurückgehen, weil vor allem die neuen Spieler seine Prinzipien noch nicht verinnerlicht haben. „Wir waren am Ende der vergangenen Saison weiter als wir es gerade sind“, sagte Rösler nach dem Test in Oberhausen. Die kommenden Wochen und vor allem das Trainingslager in Österreich will er nutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Doch bei der Suche nach einer möglichen Startelf sind einige Hürden aktuell unübersehbar, die Mannschaft kann sich kaum einspielen.

Einige Ausfälle

Mit Maximilian Wittek, Mats Pannewig und Gerrit Holtmann waren drei potenzielle Stammspieler und Leistungsträger länger verletzt und verpassen wichtige Phasen der Saisonvorbereitung. Gegen Oberhausen standen auch deshalb drei Spieler aus der U21 und fünf Jungprofis auf dem Platz. Erst im Trainingslager, das in gut zwei Wochen beginnt, könnte immerhin Wittek komplett ins Mannschaftstraining zurückkehren. Bei Pannewig und Holtmann plant Rösler einen strukturierten Aufbau. Schon jetzt ist klar, dass sie zum Saisonstart nicht in Bestform zur Verfügung stehen. Das Problem: Logische Alternativen gibt es das Trio aktuell keine. Hinten links fehlt auch Mikkel Rakneberg noch länger; bleiben noch Darnell Keumo und Leon Sawas, der eigentlich für die U21 verpflichtet wurde, sich gerade aber bei den Profis beweisen darf und von Rösler bereits ausdrücklich gelobt wurde. Auf der Achter-Position ist die Konstellation sehr ähnlich. Dort dürfen sich mit Lasse Isbruch und Tom Meyer ebenfalls Eigengewächse beweisen. Theoretisch kann auch Jean Manuel Mbom dort spielen, doch der Neuzugang wirkt für diese laufintensive Rolle bislang zu schwerfällig. Für die linke Außenbahn fehlt ebenfalls eine passende Alternative. Ob sich Alessandro Crimaldi angesichts körperlicher Defizite endlich durchsetzen kann, bleibt fraglich, auch wenn er fußballerisch selbst bei den Profis heraussticht.

Offene Plätze

Die Suche nach externen Verstärkungen ist angesichts all dieser Fragezeichen umso dringlicher. Ein spielstarker, schneller Abwehrchef soll ebenso noch kommen wie eine Soforthilfe für die Flügel. Im zentralen Mittelfeld sehen die Verantwortlichen indes keine Eile. Umgekehrt möchte Rösler, abgesehen von Ibrahim Sissoko und Samuel Bamba, keinen Spieler mehr abgeben. Dafür gibt es jedoch keine Garantie. Ersatztorwart Niclas Thiede ist ein Kandidat bei Fortuna Düsseldorf. Zudem ist aus Vereinskreisen zu hören, dass ein Verbleib von Moritz Kwarteng keineswegs sicher sei. Fitte Stammspieler, die schon länger für den VfL spielen, gibt es folglich nur wenige, im Grunde nur drei: Torwart Timo Horn, Offensivallrounder Koji Miyoshi und Angreifer Hofmann. Wer von den Neuzugängen eine echte Verstärkung darstellt, ist weiterhin offen. Berkan Taz hat seine fußballerischen Qualitäten zu Vorbereitungsbeginn bereits aufblitzen lassen. Auch Enis Cokaj und Michael Steinwender haben bislang einen ordentlichen Eindruck hinterlassen, wobei sie erst in den nächsten Testspielen ernsthaft gefordert werden. Anspruchsvolle Gegner gibt es in den Wochen reichlich. Der VfL testet ausschließlich gegen nominell stärkere Teams: Am kommenden Samstag gegen Royal Antwerpen, danach gegen Ajax Amsterdam, Swansea City, Werder Bremen und zum Abschluss gegen Sheffield United.


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(Foto: Imago / Team 2)

Kolumne

Bochumer Blautöne: Hummel bietet Chance zum Stilwechsel

Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Das neue Trikot.

Moers ist nicht als Fußball-Hochburg bekannt. Doch ein Laden für alte Fußballtrikots begeistert am westlichen Rand des Ruhrgebiet die Massen. Retroshirts aus einer Zeit, als Trikots noch keine Massenware waren, sind seit geraumer Zeit extrem beliebt und gehen wir teils horrende Preise über die Ladentheke.

Heute hingegen spülen die Klubs meist vier Trikots pro Saison auf den Markt, tausendfach produziert. Die Nachfrage ist groß, das Angebot entsprechend. Das ist beim VfL Bochum nicht anders. Am Dienstagabend hat der Klub das Heim- und Auswärtstrikot für die neue Saison präsentiert. Das Ausweichtrikot, das in einem schrillen Farbton daherkommen soll, wird in Kürze folgen.

Das Design und die Farbe des Heimtrikots überraschen derweil kaum. Zum siebten Mal in Folge trägt der VfL ein dunkelblaues Shirt. Das wirkt edel und sieht auch in diesem Jahr gut aus. Selbst das aufgedruckte Logo kommt verdunkelt daher. Im Aufstiegsjahr 2020/21 fing all das an. Der sportliche Erfolg begünstigte in der Folge eine rasante Entwicklung. Jahr für Jahr stellte der Klub neue Verkaufsrekorde auf, und auch nach dem Abstieg 2025 waren die Trikots keineswegs Ladenhüter. Die Verkaufszahlen geben den Designern und den VfL-Verantwortlichen aus diversen Abteilungen Recht.

Doch immer mehr Fans in den sozialen Netzwerken bezeichnen die Trikotwahl als „langweilig“ und fordern eine Rückkehr zum typischen VfL-Blau. Gemeint ist vermutlich der Blauton, der seit Jahrzehnten im offiziellen Vereinswappen steckt. Die Trikotfarben indes haben immer wieder einen Wandel durchlaufen. In den 80er-Jahren lief der VfL zum Beispiel in hellblau auf. In den 90er-Jahren wurde es wild und bunt. Was auffällt: Ein neuer Trikotstil hat stets eine neue Erfolgsepoche eingeläutet. Das war Mitte der Neunziger der Fall und 2020 ebenso.

Insofern wäre der finanziell lukrative Ausrüsterwechsel von Mizuno zum dänischen Hersteller Hummel im kommenden Sommer die Chance, etwas Neues zu wagen. Die Entscheidung dürfte bereits in diesen Tagen fallen. Branchenüblich ist es nämlich, dass ein neues Trikot bereits ein Jahr im Voraus bestellt wird.


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(Foto: VfL Bochum 1848)

Podcast

Trainingsstart, Transfers & Trikots: Das ist neu beim VfL

Was ist von den Neuzugängen zu erwarten? Welche Talente dürfen sich in der Saisonvorbereitung zeigen? Wer fehlt verletzt oder darf gehen? Und mit welchen Transfers ist noch zu rechnen? Frische Infos und Einschätzungen zum Trainingsauftakt beim VfL Bochum gibt es in unserer neuen Podcast-Folge. Bonus: Wir verkünden exklusiv, wer der neue Ausrüster ab 2027 und damit Nachfolger von Mizuno wird.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Trainingsstart

Wer ist eine Verstärkung? Sieben Neue und noch Lücken

Der Wettergott hätte etwas gnädiger sein können. Bei Außentemperaturen weit jenseits der 30 Grad trafen sich die Profis des VfL Bochum am Mittwochmorgen zur obligatorischen Leistungsdiagnostik samt Medizincheck. Einen Tag später bittet Trainer Uwe Rösler zur ersten Trainingseinheit auf dem Stadionrasen. Insgesamt sechseinhalb Wochen wird sich der VfL auf die neue Saison vorbereiten, mindestens sieben Testspiele sind in dieser Zeit geplant, unter anderem gegen Ajax Amsterdam, Werder Bremen und Sheffield United. Rösler will seine Spieler fördern und fordern, vor allem aber muss er eine neue Mannschaft formen. Zahlreiche Stammkräfte haben den Klub verlassen, zwölf Abgänge sind es in Summe, Noah Loosli bereits eingerechnet. Der Schweizer, dem die Bochumer bereits vor geraumer Zeit ein Vertragsangebot vorgelegt haben, hat sich die Tür mit seinem langen Zögern nun wohl selbst zugeschlagen.

Sieben Neuzugängen schon da

Denn mit Michael Steinwender haben die Verantwortlichen bereits einen Ersatz präsentiert. Der Österreicher hat zuletzt für den schottischen Vizemeister gespielt und ist einer von drei Innenverteidigern im neuen Bochumer Kader. Nach den Abgängen von Kevin Vogt, Erhan Masovic und eben Loosli war der Handlungsbedarf groß. Einzig Philipp Strompf bleibt dem VfL erhalten. Er tritt unter anderem mit Yigit Karademir in den internen Konkurrenzkampf. Der Mann vom VfL Osnabrück ist mit 22 Jahren der jüngste Bochumer Neuzugang, dicht gefolgt von Babis Drakas (23), dem neuen Flügelstürmer aus der Regionalliga-Mannschaft des BVB. Alle anderen Neuen – Steinwender (26), Jean Manuel Mbom (26), Berkan Taz (27), Enis Cokaj (27) und Daniel Hanslik (29) – befinden sich in etwa in der Mitte ihrer Laufbahn.

Weil sechs der fortgegangenen Spieler höchstens 21 Jahre alt waren, steigt der Altersschnitt der Mannschaft zunächst wieder an, wenngleich die zwischen Profis und Jugend pendelnden Talente noch nicht einberechnet sind. Mit Kacper Koscierski, Darnell Keumo, Gustav Schjott, Tom Meyer, Moritz Göttlicher, Lasse Isbruch, Alessandro Crimaldi und Luis Pick dürfen sich in der Saisonvorbereitung gleich acht Jungprofis beweisen. Die Hoffnung ist groß, dass sich der eine oder andere im Team von Uwe Rösler festspielt, aus sportlichen wie auch aus wirtschaftlichen Gründen. Angesichts dieser Dichte an Talenten wird sich für Rösler womöglich auch nicht jeder Transferwunsch erfüllen lassen; anderenfalls gerät der Kader aus den Fugen. Zählt man die Talente dazu, verfügt der VfL aktuell über 31 Spieler.

Ablösefrei und mit Spielpraxis

Eingerechnet sind dabei aber auch Ibrahim Sissoko, Mathis Clairicia, Samuel Bamba und Lirim Jashari. Sie sind nicht mehr für den Profikader eingeplant, beziehen aber weiterhin ein teils üppiges Salär. Kein Wunder also, dass von bis zu zehn möglichen Neuzugängen zum Trainingsstart erst sieben dabei sind. Wobei die Quote für Ende Juni und verglichen mit der Konkurrenz ziemlich gut ist. Was auffällt: Bis auf Steinwender hat der VfL nur ablösefreie Akteure verpflichtet. Leihspieler sind keine dabei, zudem sind fast alle Neuen der deutschen Sprache mächtig. Dass die Kaderplaner für Steinwender eine Ablöse von rund einer halben Million Euro gezahlt haben, spricht für ihre Überzeugung – woran sie natürlich auch gemessen werden. Fehlgriffe kann sich der Klub weder sportlich noch wirtschaftlich leisten.

Die Frage, welche Neuzugänge auch Verstärkungen sind, lässt sich noch nicht seriös beantworten. Auf Anhieb ist allerdings niemand dabei, bei dem die Wahrscheinlichkeit an Sicherheit grenzt. Zwar bringen quasi alle Neuen reichlich Spielpraxis und Selbstvertrauen aus der Vorsaison mit, bis auf Hanslik und mit Abstrichen Mbom verfügen sie aber über keine nennenswerte Zweitliga-Erfahrung. Aus den bisherigen Verpflichtungen ergeben sich durchaus einige Fragen, etwa: Wieso hat es Taz trotz seiner fußballerischen Genialität bislang nie über die 3. Liga hinaus geschafft? Wie schnell gewöhnt sich Schlüsselspieler Cokaj an die höhere Intensität und das Tempo in Deutschland? Ist Steinwender schneller und spielstärker als Loosli? Und ist Drakas, der schon in der 3. Liga Probleme hatte, wirklich gut genug?

Kader ist noch nicht komplett

Klar ist: Die Neuen müssen mindestens genauso gut sein wie die Abgänge, nach einer durchwachsenen Saison eigentlich noch besser. Auch deshalb haben sich die Verantwortlichen anspruchsvolle Testspielgegner ausgesucht, um mögliche Schwachstellen rechtzeitig zu identizieren. So oder so sollen aber noch mindestens zwei bis drei Neue dazukommen. Für die Abwehrzentrale benötigt der VfL einen weiteren potenziellen Stammspieler und Leistungsträger. Auch die offensiven Außenbahnen sind noch nicht ideal besetzt, zumal Gerrit Holtmann nach einer OP in der Sommerpause noch nicht fit ist. Auch auf der Achter-Position gibt es noch Handlungsbedarf, sofern Meyer oder Isbruch nicht plötzlich durchstarten. Dort ist der noch verletzte Mats Pannewig aktuell weitgehend konkurrenzlos.

Namen zu möglichen Neuzugängen, speziell für die Abwehr, kursieren derzeit zwar einige, in den meisten Fällen ist ein Transfer aber unrealistisch. Der Preis für das bosnische Top-Talent Ahmed Hadzimujovic ist in den vergangenen Wochen sprunghaft gestiegen und liegt mittlerweile im siebenstelligen Bereich; eine Summe, die der Klub wohl kaum investieren wird. Auch eine feste Verpflichtung von Sean Dulic, Innenverteidiger von 1860 München, war bereits zu dem Zeitpunkt, als er medial erstmals mit dem VfL in Verbindung gebracht wurde, nicht mehr realistisch. Er geht nun zur TSG Hoffenheim. Generell sind von den öffentlich gehandelten Kandidaten bislang nur wenige auch wirklich nach Bochum gewechselt. Bei vielen Neuverpflichtungen ist bis kurz vor der Unterschrift kaum etwas durchgesickert.


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(Foto: VfL Bochum 1848)

In eigener Sache

Tief im Westen – Das VfL-Magazin macht Sommerpause

Liebe Leserinnen und Leser,

nicht nur Spieler und Trainer brauchen nach einer ereignisreichen Saison ein bisschen Erholung, auch Journalisten: Deshalb verabschiedet sich Tief im Westen – Das VfL-Magazin in eine zweiwöchige Sommerpause. In der Woche des Trainingsauftaktes (25. Juni) geht es an dieser Stelle weiter.

Bis dahin eine gute Zeit und ein herzliches Glück auf!

Philipp Rentsch


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(Foto: Marc Niemeyer)

Transfers

Umbruch in vollem Gange: VfL legt Fokus auf Charakter

Bisweilen herrscht in der Branche und auch bei den eigenen Anhängern noch etwas Verwirrung. Wer ist beim VfL Bochum eigentlich für die Transfers zuständig? So ganz einfach ist diese Frage nicht zu beantworten, denn einen klassischen Sportchef gibt es nicht mehr. Stattdessen teilen sich Simon Zoller, Jonas Schlevogt und Markus Brunnschneider den Job, den üblicherweise ein Sportdirektor übernimmt. Ex-Profi Zoller ist nah dran an der Mannschaft, zuständig fürs Trainer- und Betreuerteam und der Kommunikator nach außen. Schlevogt ist als Jurist verantwortlich für die Verhandlungen und Vertragsgestaltung. Brunnschneider wiederum ist der Kaderplaner im eigentlichen Sinne. Er übernimmt das Scouting, trifft eine Vorauswahl und führt die ersten Gespräche.

Die bisherigen Transfers von Enis Cokaj, Berkan Taz, Daniel Hanslik und Jean Manuel Mbom gehen also auch auf sein Konto, wobei alle Entscheidungen im Team getroffen werden – inklusive Trainer. Das soll Fehleinschätzungen minimieren. Schließlich ist die Wunschliste in diesem Sommer ziemlich lang. Der Fokus liegt vor allem auf Verstärkungen für die Innenverteidigung und das zentrale Mittelfeld, aber auch für die Offensive. Neuzugänge sollen im Optimalfall mehr als nur eine Position abdecken, so wie beispielsweise Mbom. Der 26-Jährige hat zuletzt für den dänischen Erstligisten Viborg FF gespielt. Dort war der Deutsch-Kameruner, der bei Werder Bremen ausgebildet wurde und zum Profi reifte, Stammkraft als rechter Außenverteidiger. In Bochum soll er aber vor allem im Mittelfeld als Sechser oder Achter spielen.

Loosli zögert weiter

Polyvalenz, also Vielseitigkeit, ist das Zauberwort in diesem Transfersommer, wobei es mit Taz als Zehner und Cokaj als Sechser auch Spezialisten gibt. Als Allrounder für die Offensive hatten die Bochumer zeitweise auch Noah Weißhaupt im Blick, der zuletzt für Hannover 96 gespielt hat, aber noch dem SC Freiburg gehört. Finanziell wäre ein Transfer zwar sehr herausfordernd, aber wohl zu stemmen gewesen. Das Bochumer Transferkomitee hat nach zahlreichen Recherchen jedoch Abstand von einer Verpflichtung genommen – nicht aus sportlichen Gründen, sondern weil die Überzeugung fehlte, dass sich Weißhaupt mit dem Klub und der Aufgabe voll identifiziert. Zoller und seine Mitstreiter legen in diesem Sommer einen großen Wert auf die charakterliche Eignung potenzieller Neuzugänge.

Das belegt auch der Transfer von Daniel Hanslik vom 1. FC Kaiserslautern. Der flexibel einsetzbare Angreifer bringt nicht nur die Erfahrung aus 108 Zweitligaspielen mit, sondern war in der Pfalz auch Vize-Kapitän und Publikumsliebling mit einem engen Draht zu den Fans. Konkrete Auskünfte zu Hanslik konnte unter anderem VfL-Vorstandschef Andreas Luthe geben, der mit Hanslik noch selbst zusammengespielt hat. Das gilt übrigens auch für Noah Loosli, dessen Zukunft weiterhin ungeklärt ist, weil er das Vertragsangebot des VfL weder angenommen noch abgelehnt hat. Die Innenverteidigung ist aktuell die größte Baustelle im Bochumer Kader. Mit Philipp Strompf steht derzeit lediglich ein zentraler Abwehrspieler unter Vertrag. Drei weitere Planstellen sind noch zu besetzen. Trainingsauftakt ist am 25. Juni.

Fünf Abgangskandidaten

Wobei schon jetzt anzunehmen ist, dass der Kader bis dahin noch nicht komplett zusammengestellt ist; was in einem WM-Jahr und einer bis Anfang September laufenden Transferperiode mittlerweile branchenüblich ist. Zumal der VfL Bochum nach wie vor nicht mit exorbitanten Zweitliga-Gehälter locken kann. Auch Ablösesummen sollen die Ausnahne bleiben. Klubs wie Hertha BSC oder Hannover 96 sind mit mehr Zuschauern, Sponsoren und Gönnern im Hintergrund finanziell erneut stärker aufgestellt; der VfL Wolfsburg erst recht. Bei der Finanzierung von Transfers sollen deshalb auch noch weitere Abgänge helfen. Zwölf Spieler haben den Verein bereits verlassen, fünf weitere sollen folgen. Ibrahim Sissoko wird von Rösler nicht mehr berücksichtigt, ist überdies ein großer Kostenfaktor. Auch die vier Leihrückkehrer spielen weiter keine Rolle.

Das gilt für Mathis Clairicia, Samuel Bamba, Lirim Jashari und mit Einschränkungen auch für Colin Kleine-Bekel. Der Innenverteidiger könnte erneut zum FC St. Gallen verliehen werden und dort im besten Fall internationale Erfahrung sammeln. Anschließend könnte er zum VfL zurückkehren oder gewinnbringend verkauft werden. Dass die Bochumer Transfererlöse erzielen müssen, um im Branchenvergleich mithalten zu können, ist längst bekannt. Logische Verkaufskandidaten für den kommenden Sommer, die den Klub an die Zielmarke von acht bis zehn Millionen Euro bringen, zeichnen sich bis auf Mats Pannewig derzeit noch nicht ab. Die bisherigen Neuzugänge sind zwischen 26 und 29 Jahre alt und werden selbst bei optimaler Entwicklung keine außergewöhnlichen Ablösesummen generieren.

Vielversprechende Talente

Es braucht in den kommenden Wochen also auch noch jüngere Neuzugänge. Zusätzlich hoffen die Führungskräfte beim VfL darauf, dass es Trainer Uwe Rösler gelingt, eigene Talente zu fördern und einzubauen. Mit den beiden Verteidigern Kacper Koscierski, Gustav Schjott, Darnell Keumo, mit Lasse Isbruch, Tom Meyer und Moritz Göttlicher für das zentrale Mittelfeld sowie Alessandro Crimaldi und Luis Pick für die Offensive stehen zahlreiche Kandidaten bereit. Sie alle haben bereits einen Profivertrag unterschrieben, Koscierski und Keumo sogar schon erste Zweitliga-Einsätze auf dem Konto. Wer den Sprung zu den Profis nicht auf Anhieb schafft, soll im Regionalliga-Team Spielpraxis sammeln. Ob der VfL an der neu geschaffenen, zusätzlichen U21-Liga teilnimmt, hat der Klub immer noch nicht kommuniziert.


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(Foto: VfL Bochum 1848)