Kolumne

Ruhrstadion im Jahr 2026: Umbau und neuer Name

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Gedankenanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Der Stadionname.

Neulich ist es wieder passiert. Mein Stuhl auf der Pressetribüne ist abgestürzt. Einer von vier Stuhlbeinen durchbrach die poröse Fuge zwischen den Betonteilen, blieb stecken und musste herausgezogen werden. Dieser Vorfall ist nichtig, steht aber sinnbildlich für den Zustand des Bochumer Ruhrstadions. Nur mit viel Mühe und anderthalb zugedrückten Augen, so formulierte es mal ein hochrangiger Vertreter der Stadt, könne der Spielbetrieb überhaupt fortgesetzt werden.

Eine Investitionssumme von 70 Millionen Euro hat die Stadt für die Stadionertüchtigung und für die Erweiterung des Nachwuchszentrums im aktuellen Haushaltsplan ausgewiesen. Ein beträchtlicher Teil „versickert“ in reine Mängelbehebung. Ein nennenswerter Gewinn sind lediglich die moderate Kapazitätserweiterung auf 28.000 Zuschauerplätze, der größere VIP-Bereich und die Plaza vor der Osttribüne. Weitere Details will der VfL im Frühjahr bekanntgeben, insbesondere zum Ablauf.

Bis dahin könnte es auch neue Entwicklungen beim Stadionnamen geben. Der Vertrag mit Vonovia, der 2016 erstmals aufgesetzt wurde, endet in diesem Sommer und wird sehr wahrscheinlich nicht verlängert. Die Vermarktungsabteilung des VfL und der neue Wirtschaftsrat prüfen längst Alternativen. Das wird kein leichtes Unterfangen, zumal die Bochumer ein hehres Ziel verfolgen: Sie wollen, dass das „Ruhrstadion“ in Kombination mit einem Firmennamen Bestandteil des Namens bleibt. Klar ist: Traditionalisten wie Verantwortliche werden gleichermaßen Kompromisse eingehen müssen. Denn ganz ohne Namensgeber aus der Wirtschaft wird es nicht gehen, sonst verliert der Klub seine Konkurrenzfähigkeit. Aktuell kassiert der VfL als Zweitligist fast eine Million Euro pro Jahr für den Stadionnamen.

Immerhin: Vonovia bliebe trotzdem noch der größte Geldgeber. Denn der Vertrag als Haupt- und Trikotsponsor endet erst 2028. Generell gilt: Den einzigen DAX-Konzern der Stadt bei der Stange zu halten, wäre in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wichtiger denn je. Dafür sind auch die Fans mitverantwortlich. Diffamierende Plakataktionen wie jüngst gegen Vonovia-Vorstand Arnd Fittkau sind kontraproduktiv.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Tief im Westen

VfL-Podcast: Rückblick 2025 – und was uns 2026 erwartet

Unsere neue, mittlerweile neunte Podcast-Folge ist da! Claudio Gentile und ich sprechen über Highlights und Enttäuschungen im Jahr 2025 und wagen einen Ausblick auf 2026. Viel Spaß beim Anschauen oder Zuhören!


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(Foto: Marc Niemeyer)

Debatte

VfL-Kolumne: Sind die doof? 0 Euro für Sissoko!

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Zweimal im Monat gibt es einen kurzen Kommentar zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Der angebliche Verkauf von Ibrahima Sissoko.

Entweder war es reiner Zufall oder die Social-Media-Abteilung des VfL Bochum hat Humor bewiesen, als sie an diesem Dienstag zur Mittagszeit ein Foto von Ibrahima Sissoko gepostet hat. Es ging um dessen Teilnahme am Afrika-Cup und den Einzug in die nächste Runde.

Viele VfL-Fans dachten indes, der Verein würde einen Abgang des Spielers verkünden. Am Vormittag hatte die L’Equipe, immerhin Frankreichs größte Sportzeitung, vermeldet, dass Sissoko angeblich kurz vor einem Wechsel zum FC Nantes stehen würde. Die Klubs hätten sich auf eine Ablöse von rund zwei Millionen Euro geeinigt. Die Empörung im Bochumer Fanlager war groß, denn die Summe sei viel zu klein. „Sind die doof?“, fragt ein User auf Instagram. Ein anderer beschwert sich darüber, dass sich die Verantwortlichen des VfL Bochum „schön wieder über den Tisch ziehen lassen“, während ein weiterer Nutzer zustimmend feststellt: „2 Millionen? Lächerlich. Alles wie immer.“

Nun, es kommt sogar noch schlimmer. Die Bochumer kassieren keinen einzigen Euro für Ibrahima Sissoko. Denn: Beim VfL liegt zur Stunde (Stand: Dienstag, 30.12., 15 Uhr) überhaupt kein Angebot für den Mittelfeldspieler vor. Es gibt dementsprechend auch keine Einigung über einen Transfer, obwohl diverse Medien die Meldung aus Frankreich ungeprüft übernommen haben – von Transfermarkt über RevierSport bis hin zu verschiedenen Fanseiten auf Instagram. Es ist ein generelles Problem unserer Zeit: Es geht nicht mehr um die Wahrheit, sondern in erster Linie um Schnelligkeit – ganz egal, ob der Inhalt stimmt oder nicht. Im Zweifel kann man ja zurückrudern und mit einer „irren Wende“ erneut Aufmerksamkeit und Klicks generieren. Dafür sind Produzenten wie Rezipienten gleichermaßen verantwortlich!

Gewiss: Als Journalist freue ich mich immer, wenn meinen Recherchen ohne Widerspruch Glauben geschenkt wird. Gleichzeitig wünsche ich mir eine gewisse Grundskepsis auch bei journalistischen Produkten. Nicht jeder Bericht entspricht der Wahrheit, gerade im Transfergeschäft. Deshalb ist es schier der Wahnsinn, wie die Verantwortlichen des VfL auf einigen Plattformen schon für ihre „Unfähigkeit“ beschimpft wurden. Ich bin gespannt, wer Größe zeigt und sich für ein vorschnelles Urteil entschuldigt.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Danke für eure Treue in 2025: Frohe Weihnachten!

Liebe Leserin, lieber Leser,

gemeinsam haben wir erneut ein ereignisreiches Jahr mit dem VfL Bochum erlebt, das leider viele Enttäuschungen, aber auch gelegentliche Highlights und einen mutmachenden Aufwärtstrend am Ende bereithielt. All das war an dieser Stelle Thema und ich hoffe, die Entwicklungen stets zu eurer Zufriedenheit abgebildet zu haben, auch wenn mir manchmal leider die Zeit für eine noch umfangreichere Berichterstattung gefehlt hat.

Möglich war und ist die Existenz von Tief im Westen – Das VfL-Magazin nur dank zahlreicher Leserinnen und Lesern, die in den zurückliegenden zwölf Monaten erneut zur Finanzierung dieser Seite beigetragen haben. Dafür einen ganz herzlichen Dank! 

Die fußballfreie Zeit zwischen den Jahren bietet die wunderbare Gelegenheit, einmal durchzuschnaufen. Mit der Ausnahme unseres Podcasts, der noch vor Silvester veröffentlicht wird, geht es an dieser Stelle erst im Januar weiter. Bis dahin wünsche ich euch ein frohes Weihnachtsfest, hoffentlich erholsame Feiertage sowie einen guten, glücklichen und vor allem gesunden Start ins (Fußball-)Jahr 2026!

Glück auf und herzlichen Dank für eure Treue!

Philipp Rentsch


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(Foto: Marc Niemeyer)

2:2 gegen Karlsruhe

Tabelle und Träumerei: Gemischte Gefühle beim VfL

Auf den Tribünen wurde am Samstagmittag fleißig gerechnet. Nicht wenige Fans des VfL Bochum schauten vor dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC auf die Tabelle, um die verbliebenen Aufstiegschancen zu bewerten. Die Hoffnung war groß, mit einem Sieg zum Jahresabschluss die Grundlage für eine Aufholjagd in der Rückrunde zu legen. Doch dazu wird es sehr wahrscheinlich nicht mehr kommen. Denn mit dem späten, aber leistungsgerechten 2:2-Unentschieden nach zweimaliger Führung ist der obere Relegationsrang satte zwölf Punkte entfernt, während es auf Platz 16 nur vier magere Zähler sind. Dementsprechend behält genau das seine Gültigkeit, was Trainer Uwe Rösler bereits vor gut zwei Wochen gesagt hatte: „Wir befinden uns nach wie vor im Abstiegskampf. Daran wird sich nichts ändern, bevor wir 40 Punkte erreicht haben. Wer andere Träume hat, ist hier falsch.“

Francis Onyeka trifft doppelt

Zumal nicht nur das Resultat, sondern auch die Leistung gegen Karlsruhe keineswegs aufstiegsreif war, sondern eher dem aktuellen Tabellenstand entsprach. Die Kombination aus clever und fein herausgespielten Toren, aber auch aus taktischen Fehlern, unsauberen Zuspielen und defensiven Zuordnungsproblemen ergab einen eher mittelklassigen Zweitligafußball. „Wir haben Sachen gemacht, die nie in dieser Form besprochen waren. Und wir bekommen Probleme, wenn wir offensiv zu wenig Druck machen“, bemängelte Rösler nach der Partie. Erneut – wie fast immer in dieser Saison – hatte Bochums Gegner die längeren Ballbesitzphasen; ligaweit war in der Hinrunde nur Tabellenführer Schalke noch seltener am Ball. Dennoch verzeichneten die Gastgeber auch gegen Karlsruhe ein halbes Dutzend nennenswerter Torchancen. Besonders gefährlich: Die Kombinationen zwischen Flankengeber Maximilian Wittek, dem robusten und kopfballstarken Philipp Hofmann und dem eigentlich unauffälligen, aber effizienten Doppelpacker Francis Onyeka. Der 1:0-Führung ging eine neue Eckenvariante heraus, dem 2:1 ein gelungener Spielzug über mehrere Stationen.

Zwei ähnliche Gegentreffer

Defensiv indes agierte der VfL gegen spielstarke Gäste teils konfus. Bei beiden Gegentreffern ließen die Bochumer ausgerechnet den kleinsten Karlsruher ungehindert ziehen und zum Kopfball kommen. Beim zweiten Mal traf der agile Shio Fukuda höchstselbst und entwischte Philipp Strompf, beim 1:1 nutzte Marvin Wanitzek den Abpraller, weil Noah Loosli gleich zweimal zu spät kam. „Wenn man bis kurz vor Schluss führt, sollte man das auch über die Zeit bekommen. Wir standen insgesamt nicht so kompakt, wie wir es eigentlich haben wollten“, stellte auch Doppeltorschütze Onyeka fest, der die Hereingabe vor dem 2:2 nicht verhindern konnte. Allzu sehr hadern wollte der 18-Jährige mit dem Ergebnis aber nicht. Denn: „Wir haben uns über die letzten Monate als Mannschaft gefunden und gute Ergebnisse erzielt.“ Im Schnitt sind es exakt zwei Punkte pro Spiel unter Rösler mit nur einer Niederlage nach neun Begegnungen. „Dass wir über dieses Remis enttäuscht sind, zeigt, wie weit wir gekommen sind“, offenbarte Rösler gemischte Gefühle und erinnerte abermals an den Tabellenstand vor gut zwei Monaten – und daran, dass seine junge Mannschaft so kurz vor dem Weihnachtsfest „auf der letzten Rille“ unterwegs war.

Knapp zwei Wochen Urlaub

Onyeka, Cajetan Lenz und Leandro Morgalla hätten sich mangels Alternativen angeschlagen durch den Dezember geschleppt; Farid Alfa-Ruprecht blieb in der Startelf, obwohl er seit Wochen keine guten Leistungen zeigt. „Die Energie, die wir anfangs hatten, ist gerade nicht mehr da. Deshalb kommt die Winterpause zum richtigen Zeitpunkt“, betonte Rösler. Unmittelbar nach dem Spiel gegen Karlsruhe verabschiedete er seine Spieler in den Urlaub. Das erste Training im neuen Jahr findet am 2. Januar statt. Es folgen zwei Testspiele gegen die eigene U21 (6.1.) und gegen Eintracht Braunschweig (10.1.), bevor die Rückrunde am 18. Januar mit einem anspruchsvollen Programm startet. Denn die ersten drei Gegner des VfL, Darmstadt, Elversberg und Schalke, sind die aktuell Bestplatzierten in der Zweitliga-Tabelle. Wahrscheinlich möchten sich einige VfL-Fans auch deshalb noch nicht von ihren kühnen Aufstiegsträumen verabschieden.


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0:0 in Hannover

Mehr Fackeln als Fußball: Rösler genervt von den Ultras

Zum Glück war es nicht so kalt wie im Dezember 2009. Beim bislang letzten Auswärtssieg des VfL in Hannover zeigte das Thermometer zwischenzeitlich minus 19 Grad Celsius an. Wäre das auch an diesem Samstagabend der Fall gewesen, dann wären wohl so einige der mehr als 4.000 mitgereisten Bochumer im Stadion festgefroren. Das lag zum einen an den zahlreichen Spielunterbrechungen, die in Summe 17 Minuten Nachspielzeit zur Folge hatten. Und zum anderen war der Auftritt der Rösler-Elf alles andere als herzerwärmend. Mit reichlich Spielglück erkämpfte sich der Bundesliga-Absteiger einen Punkt. Erneut avancierte Torwart Timo Horn mit zahlreichen Paraden zum Matchwinner. Mehrfach bewahrte er sein Team vor einem Rückstand und damit vor der ersten Auswärtsniederlage unter Uwe Rösler.

Horn in glänzender Form

Entsprechend fiel auch das Fazit des Trainers aus: „Wir müssen uns bei Timo bedanken, dass er uns den Punkt festhält. Hannover war die klar bessere Mannschaft. Seitdem ich hier bin, haben wir mit dem Ball unser schwächstes Spiel gezeigt.“ Zwar hatte der VfL einige brauchbare Torchancen, ansonsten gelang in der Offensive nicht viel. Das Spiel der Gäste war von Ungenauigkeiten geprägt, und defensiv ebenso wacklig. Horn vereitelte mehrere Großchancen, hielt zudem einen Elfmeter. Vor allem auf der linken Abwehrseite gab es immer wieder Lücken; Normalform erreichte einzig Leandro Morgalla. Ibrahima Sissoko und Matus Bero, die in die Startelf gerückt waren, trugen nicht zur Stabilität bei. Für Sissoko war es bereits das letzte Ligaspiel in diesem Jahr. Er spielt in den kommenden Wochen beim Afrika-Cup.

Rösler wird seine Anfangsformation also erneut umbauen müssen, und es deutet sich an, dass es vor dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC zum Jahresabschluss weitere personelle Veränderungen geben wird. „Man merkt, dass wir viele junge Spieler haben, denen gerade die Luft ausgeht. Sie haben Sachen vergessen, wirkten mental und körperlich nicht frisch.“ Für Spieler wie Francis Onyeka oder Farid Alfa-Ruprecht ist es die erste Saison im Profi-Bereich, hinzu kommen regelmäßige Länderspieleinsätze. In der Offensive gab der Kader allerdings kaum Optionen her. Gerrit Holtmann ist verletzt, Moritz Kwarteng, der eigentlich gute Startelfchancen hatte, fehlte erkrankt. Michael Obafemi findet mangels Fitness keine Beachtung mehr, bei Ibrahim Sissoko und Mathis Clairicia ist es fehlende Qualität.

Pyro-Show mit Raketen

Immerhin: Mit Philipp Hofmann, Koji Miyoshi und Mats Pannewig hat Rösler für den Jahresendspurt noch drei Alternativen in der Hinterhand. „Wir müssen uns fußballerisch deutlich verbessern“, kündigte der Fußballlehrer bereits am Samstagabend einen Schwerpunkt für die neue Trainingswoche an, ohne den Blick für das große Ganze zu verlieren: „Im Schnitt liegen wir bei über zwei Punkten pro Spiel. Das ist sehr gut. Wir wissen, wo wir herkommen.“ Schon jetzt ist klar, dass der VfL auf einem Nicht-Abstiegsplatz überwintern wird, mit einem Sieg gegen den KSC ließe sich dieser sogar überholen. Rösler hofft übrigens darauf, dieses Spiel ohne eine längere Unterbrechung beenden zu können. Die Pyro-Show der Bochumer und Hannoveraner Ultras nach gut 15 Spielminuten gefiel ihm gar nicht, Rösler wirkte genervt.

„Wir alle kommen ins Stadion, um Fußball zu sehen. Ich weiß nicht, was sich diese Leute dabei denken“, kritisierte er die Verursacher. „Die Spieler sind das Wichtigste – und sonst niemand.“ Im Bochumer Block brannten zahlreiche Fackeln, begleitet von Raketen, die zum Teil sogar bei den eigenen Anhängern im darunter liegenden Block landeten. Der Rauch zog aufs Spielfeld. Mit Fußball hatte die Aktion jedenfalls nichts zu tun. Szenekenner vermuten, dass die Ultra-Gruppen den 13.12. nutzen wollten, um ihre Abneigung gegenüber der Polizei zur Schau zu stellen. Dort gilt die Ziffernfolge 1312 als Code für „All Cops are Bastards (=ACAB)“. Für die große Mehrheit der Stadionbesucher war indes eine andere Zahlenkombination wichtiger: 0:0 lautete das Endergebnis der Partie zwischen Hannover 96 und dem VfL Bochum.


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Defensive

Dank Horn und Viererkette: VfL spielt häufiger zu Null

Schon an seinem ersten Arbeitstag hatte Uwe Rösler mit Nachdruck erwähnt, in welchen Bereichen sich die Bochumer Mannschaft verbessern müsse. „Fast zwei Gegentore pro Spiel – das müssen wir abstellen. Die Abwehr ist das Fundament“, erklärte Rösler. Nach gut zwei Monaten ist der erste Arbeitsnachweis beeindruckend: In fünf von neun Pflichtspielen, darunter zwei Pokalpartien gegen Bundesligisten, blieb der VfL ohne Gegentor. Insgesamt verzeichnete der Bundesliga-Absteiger in sieben Liga-Duellen unter Rösler nur fünf Einschläge ins eigene Netz. Zwar spielte der VfL zuletzt vorzugsweise gegen Abstiegskandidaten, das allein begründet die neu gewonne Stabilität aber nicht. Rösler ist es gelungen, eine größere Kompaktheit herzustellen. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind geringer geworden, das Pressing erfolgt situativer. Der VfL verzeichnet eher geringe Ballbesitzraten, verteidigt lieber und schaltet schnell um als selbst das Spiel zu gestalten. Auch eine Systemumstellung hat zur neuen Stabilität beigetragen. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern bevorzugt Rösler eine Viererkette, obwohl er ein bekennender Freund der Dreierkette ist. Vorgänger Dieter Hecking hatte stets behauptet, eine Viererkette würde nicht zur Mannschaft passen.

Starker Rückhalt im Bochumer Tor

Das wiederlegt der VfL gerade eindrucksvoll, wenngleich der stärkste Bochumer Defensivakteur in der Systemdebatte keine Rolle spielt, weil er zwischen den Pfosten steht. Dort ist der 32-Jährige ein wichtiger Rückhalt und Garant für den aktuellen Aufwärtstrend, spielt praktisch eine fehlerfreie Hinrunde. Zu Saisonbeginn bewahrte Horn seine Mannschaft vor noch höheren Niederlagen, nun sichert er mit starken Paraden die Punkte. Vor der Länderspielpause blieb Horn drei Pflichtspiele hintereinander ohne Gegentor – das schaffte der VfL zuletzt im Juni 2020. Auch in den vergangenen beiden Ligaspielen hielt der erfahrene Schlussmann den Kasten sauber. „Seitdem ich da bin, hat Timo in jedem Spiel eine herausragende Leistung gezeigt“, lobt Trainer Uwe Rösler seinen Keeper. „Damit und mit seiner Persönlichkeit hat er der Mannschaft und mir sehr geholfen. Er ist der klare Leader auf dem Platz und in der Kabine. Ich kann mir immer Feedback bei ihm holen.“ Für Horn neigt sich das Kalenderjahr somit unter ganz anderen Voraussetzungen dem Ende entgegen als es begonnen hatte. Der langjährige Bundesliga-Torwart des 1. FC Köln war im Sommer 2024 von RB Salzburg zum VfL gewechselt. In Bochum war Horn aber zunächst nur die Nummer zwei.

Horn trägt sogar die Kapitänsbinde

201 Bundesliga-Spiele absolvierte der gebürtige Kölner für seinen Ausbildungsverein, bevor er vorübergehend von der großen Fußball-Bühne verschwand. Nur fünf Pflichtspiele absolvierte Horn zwischen November 2021 und Februar 2025; zwischenzeitlich war er sogar ein halbes Jahr vereinslos. Mit etwas Glück folgte das eindrucksvolle Comeback: Als Stammkeeper Patrick Drewes ausgerechnet vor dem Derby gegen Dortmund ausfiel, rückte Horn zwischen die Bochumer Pfosten und überzeugte das damalige Trainerteam von einem Torwartwechsel. Seither ist er die unumstrittene Nummer eins beim VfL, weil er auf der Linie glänzend hält und auch in hektischen Spielphasen Ruhe ausstrahlt. „Ich wurde als Nummer zwei verpflichtet, habe mir den Platz im Tor erkämpft und bin dann nach und nach zu einem Spieler mit Führungsverantwortung gereift. Da habe ich auch persönlich eine Entwicklung durchlaufen“, blickt Horn auf die vergangenen Monate zurück. Weil Matus Bero zuletzt gefehlt oder nur auf der Bank gesessen hat, trug Horn sogar die Kapitänsbinde. In dieser Funktion lobt er die gesamte Teamleistung. „Wir verteidigen disziplinierter, stehen stabiler“, analysiert Horn und betont: „Auch als Torwart habe ich dadurch ein besseres Gefühl.“

Rösler-Lob für Musterprofi Loosli

Das liegt vor allem an einer mittlerweile einspielten und stabilen Abwehrreihe. Rechts verteidigt Leandro Morgalla, links Maximilian Wittek, zentral Noah Loosli und Philipp Strompf. Morgalla gehörte bereits zu Saisonbeginn zu den ganz wenigen Leistungsträgern beim VfL. Wittek wiederum profitiert deutlich von der Systemumstellung, weil er sich auf Defensivaufgaben konzentrieren kann und nicht mehr die gesamte Außenbahn beackern muss. In der Mitte überzeugt insbesondere Noah Loosli. In der Bundesliga war der Schweizer mangels Schnelligkeit allenfalls Ersatzspieler. Eine Liga tiefer gehört der Innenverteidiger mittlerweile zum Stammpersonal. Beim 1:0-Heimsieg gegen Bielefeld war Loosli sogar einer der besten Bochumer auf dem Feld. Für Rösler ist dessen Formanstieg keine Überraschung. Kürzlich lobte er den 28-Jährigen in den höchsten Tönen: „Noah ist ein echter Profi, wie er sich auf jedes Training oder Spiel vorbereitet und auch in schwierigen Phasen dranbleibt.“ Ähnliche Worte fanden schon Dieter Hecking oder Thomas Letsch, die Loosli stets als Musterprofi bezeichneten. „Er investiert viel in seinen Beruf und jetzt bekommt er es zurückgezahlt“, betont Rösler. „Solche Spieler brauchen wir, um eine Kultur in der Mannschaft zu entwickeln.“

Vogt zurück, Masovic unzufrieden

Weil Nebenmann Strompf trotz fußballerischer Mängel und einer unkonventionellen Spielweise in Summe solide agiert, gibt es für Rösler vorerst keinen Grund, die eingespielte und erfolgreiche Abwehrreihe zu verändern. Das bedeutet auch, dass sich der wieder genesene Kevin Vogt zunächst hinten anstellen muss. Wegen einer Knie-OP hat der 34-Jährige bislang noch kein Spiel unter Rösler absolviert. Wie der Fußballlehrer den Routinier einschätzt, wird sich wahrscheinlich erst im neuen Jahr zeigen. Vogt ist fußballerisch deutlich besser als Strompf, aber ähnlich langsam wie Loosli. Hinzu kommt, dass Vogt zu Saisonbeginn fast nie überzeugt hat, obwohl ihn die ehemaligen Verantwortlichen im Sommer als Abwehrchef verpflichtet und eingeplant hatten. Auch Erhan Masovic und Colin Kleine-Bekel haben es derzeit schwer. Masovic ist mit seiner Reservistenrolle besonders unglücklich, weshalb er sich mit einem Wechsel im Winter beschäftigt. Spätestens im kommenden Sommer, wenn sein Vertrag ausläuft, dürfte er den VfL ohnehin verlassen. Kleine-Bekel ist ebenfalls ein Abgangskandidat, zumindest auf Leihbasis. Der Neuzugang aus Kiel gehörte bei Rösler noch kein einziges Mal zum Spieltagskader und kommt ausschließlich bei der U21 in der Regionalliga zum Einsatz.


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Unsere neue, mittlerweile achte Podcast-Folge ist da! Claudio Gentile und Philipp Rentsch sprechen über den anhaltenden sportlichen Aufwärtstrend sowie über verschiedene Fan-Themen, darunter Pyrotechnik und den Top-Zuschlag auf Eintrittskarten.

(Foto: Imago / Team 2)