Die VfL-Kolumne ist festes ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Stadion-Sanierung.
Viele VfL-Fans sind schon aufgeregt. Am kommenden Dienstag (28.4.) präsentieren der Verein und die Stadt Details zur Stadionsanierung, die im Sommer 2026 beginnt und erst 2029 enden soll. Die zentrale Frage viele Anhänger lautet: Was passiert mit meinem Platz? Klar ist: Jeder Dauerkarteninhaber wird mindestens zeitweise betroffen sein – andere sogar für immer. Denn mehrere Blöcke werden neu sortiert. Aus Sitzplätzen werden Stehplätze und umgekehrt. Die Zahl der Sitzplätze sinkt sogar. Die Fans des VfL haben klare Antworten und faire Lösungen verdient.
Gewiss: Es ist schön, dass das Schmuckkästchen an der Castroper Straße erhalten bleibt. Aber es geht jetzt auch um eine ehrliche Einordnung: Für den VfL Bochum wird sich – abgesehen vom Komfort – nach drei Jahren Bauzeit mit geringerer Zuschauerkapazität nur wenig verbessern. Wer nur den offiziellen Verlautbarungen glaubt, könnte indes anderes vermuten. Ein Beispiel: Als die Stadt- und Vereinsspitze kurz vor Ostern die Modernisierung des Bochumer Ruhrstadions endgültig auf den Weg gebracht haben, versprach Oberbürgermeister Jörg Lukat ein „bundesligataugliches Stadion für Jahrzehnte“.
Lukats Aussage passt leider ins Bild. Die Macher verkaufen das Projekt als großen Wurf. Das aber ist Augenwischerei. Die Fakten sind ernüchternd: Die Stadt steckt – Stand heute – mehr als 90 Millionen Euro in das Stadion, ohne dass sich die Wettbewerbsfähigkeit für den VfL dadurch erhöht oder deutlich mehr Zuschauer zu einem Heimspiel kommen können. Wenn die Baumaßnahmen 2029 abgeschlossen sind, dann verfügt das Stadion über lediglich 2.000 Plätze mehr als heute, in Summe also 28.000. Nimmt man die Spielstätten aller Erst- bis Drittligisten als Maßstab, landet der VfL anschließend auf Platz 25, bezogen auf die Stadionkapazität. Das ist Zweitliga-Mittelmaß.
Unstrittig ist, dass das Ruhrstadion sanierungsbedürftig ist. Ohne Maßnahmen hätte der VfL in wenigen Jahren keine nutzbare Spielstätte mehr. Nichts zu tun, ist keine Option. Aber die teure Sanierung nun als großen Wurf darzustellen, hilft keinem – vor allem nicht dem VfL Bochum.
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(Foto: Marc Niemeyer)
