Trier, Halle oder Lübeck – die Liste der sportlich wie touristisch attraktiven Reiseziele in der ersten Runde des DFB-Pokals ist lang. Doch Losglück hat der VfL bekanntlich selten. Zum dritten Mal in vier Jahren müssen die Bochumer zu Beginn der Pokalsaison gegen einen Zweit- oder Drittligisten antreten. 2023 und 2024 endeten beide Duelle mit einer Niederlage. Das soll in diesem Jahr nicht passieren. Allerdings hat der VfL mit dem Ligakonkurrenten Greuther Fürth den wahrscheinlich schwersten und undankbarsten Gegner erwischt, der sich in der Lostrommel befand. Aus sportlicher Sicht ist ein Spiel auf Augenhöhe zu erwarten. Auch aus Fansicht ist die Begegnung angesichts der weiten Reise an einen längst bekannten Ort maximal unattraktiv.
Einnahmen gesunken
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist auch die wirtschaftliche Bedeutung des Wettbewerbs. Im DFB-Pokal könnte der VfL zusätzliche Einnahmen erzielen, die den Handlungsspielraum erhöhen würden. Wegen des schweren Gegners ist im Etat momentan lediglich die Antrittsprämie für die erste Runde eingepreist. Ein Weiterkommen gegen Fürth würde rund 425.000 Euro zusätzlich in die Klubkasse spülen; Zuschauereinnahmen aus Pokalspiel Ende Oktober kämen noch hinzu, egal ob zu Hause oder auswärts. Mit jeder weiteren Runde bestünde die Chance, die Bonuseinnahmen zu erhöhen. In der vergangenen Saison hat der VfL im DFB-Pokal rund 1,5 Millionen Euro allein aus dem Fernsehtopf erhalten, bevor im Achtelfinale gegen Stuttgart Endstation war.
Der Saisonvergleich zeigt ohnehin, dass dem VfL bereits einige Einnahmen weggebrochen sind. Weil der Vertrag mit Stadionsponsor Vonovia seitens des Immobilienkonzerns nach zehn Jahren nicht verlängert wurde und noch kein Nachfolger in Sicht ist, fehlt nach jetzigem Stand ein hoher sechsstelliger Jahresbetrag. Zudem können während der Stadionsanierung nicht alle Zuschauerplätze genutzt werden; zeitweise könnten bis zu 8.000 pro Spiel weniger zur Verfügung stehen. Der VfL rechnet bis 2029 mit Einnahmeverlusten zwischen zwei und drei Millionen Euro. Noch bedeutender sind die Verschiebungen im TV-Ranking der Liga, die nach Auskunft von Geschäftsführer Ilja Kaenzig „rund sechs Millionen Euro“ ausmachen, die der VfL in diesem Jahr weniger erhält.
„Wir verlieren Plätze im TV-Geld-Ranking durch die drei Absteiger, dazu werden wir wohl deutlich weniger aus der Nachwuchssäule generieren“, erklärte Kaenzig jüngst im Interview. In der zurückliegenden Saison kamen beim VfL zahlreiche in Deutschland ausgebildete Nachwuchsspieler zum Einsatz, wofür die Liga einen Bonus zahlt. Das wird in dieser Saison wohl anders sein. Zuletzt schickten die Bochumer die älteste Startelf der Liga ins Rennen. Aufgefangen werden all diese Verluste vor allem durch den Verkauf von Cajetan Lenz, der rund zehn Millionen Euro eingebracht hat. Hinzukommen kleinere Ablösesummen sowie Ausbildungsentschädigungen, etwa für Tjark Ernst und Armel Bella Kotchap, die in Summe einen Betrag knapp über der Millionengrenze ergeben.
Geld für Transfers
Gleichzeitig ist der Lizenzspieleretat gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken, als der VfL mehr ausgegeben als eingenommen hat. Dennoch: Ein zentraler Mittelfeldspieler sowie ein linker Flügelstümer stehen in dieser Reihenfolge noch auf der Wunschliste, auch Leihen sind denkbar. Ob beide Transfers auch im Falle einer Pokalpleite realisiert werden würden, ist ungewiss. In jedem Fall wäre es hilfreich, wenn Ibrahim Sissoko einen neuen Verein finden würde. Der Angreifer zählt zu den Besserverdienenden und ist seit Vorbereitungsbeginn vom Mannschaftstraining freigestellt. Das wiederum könnte die Suche nach einem Abnehmer erschweren. Bei einem passenden Angebot wäre der VfL auch bei Philipp Strompf gesprächsbereit, der nur noch Innenverteidiger Nummer vier ist.
(Foto: Marc Niemeyer)

