Erste Runde gegen Fürth

Warum ein VfL-Sieg im Pokal wirtschaftlich wichtig wäre

Trier, Halle oder Lübeck – die Liste der sportlich wie touristisch attraktiven Reiseziele in der ersten Runde des DFB-Pokals ist lang. Doch Losglück hat der VfL bekanntlich selten. Zum dritten Mal in vier Jahren müssen die Bochumer zu Beginn der Pokalsaison gegen einen Zweit- oder Drittligisten antreten. 2023 und 2024 endeten beide Duelle mit einer Niederlage. Das soll in diesem Jahr nicht passieren. Allerdings hat der VfL mit dem Ligakonkurrenten Greuther Fürth den wahrscheinlich schwersten und undankbarsten Gegner erwischt, der sich in der Lostrommel befand. Aus sportlicher Sicht ist ein Spiel auf Augenhöhe zu erwarten. Auch aus Fansicht ist die Begegnung angesichts der weiten Reise an einen längst bekannten Ort maximal unattraktiv.

Einnahmen gesunken

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist auch die wirtschaftliche Bedeutung des Wettbewerbs. Im DFB-Pokal könnte der VfL zusätzliche Einnahmen erzielen, die den Handlungsspielraum erhöhen würden. Wegen des schweren Gegners ist im Etat momentan lediglich die Antrittsprämie für die erste Runde eingepreist. Ein Weiterkommen gegen Fürth würde rund 425.000 Euro zusätzlich in die Klubkasse spülen; Zuschauereinnahmen aus Pokalspiel Ende Oktober kämen noch hinzu, egal ob zu Hause oder auswärts. Mit jeder weiteren Runde bestünde die Chance, die Bonuseinnahmen zu erhöhen. In der vergangenen Saison hat der VfL im DFB-Pokal rund 1,5 Millionen Euro allein aus dem Fernsehtopf erhalten, bevor im Achtelfinale gegen Stuttgart Endstation war.

Der Saisonvergleich zeigt ohnehin, dass dem VfL bereits einige Einnahmen weggebrochen sind. Weil der Vertrag mit Stadionsponsor Vonovia seitens des Immobilienkonzerns nach zehn Jahren nicht verlängert wurde und noch kein Nachfolger in Sicht ist, fehlt nach jetzigem Stand ein hoher sechsstelliger Jahresbetrag. Zudem können während der Stadionsanierung nicht alle Zuschauerplätze genutzt werden; zeitweise könnten bis zu 8.000 pro Spiel weniger zur Verfügung stehen. Der VfL rechnet bis 2029 mit Einnahmeverlusten zwischen zwei und drei Millionen Euro. Noch bedeutender sind die Verschiebungen im TV-Ranking der Liga, die nach Auskunft von Geschäftsführer Ilja Kaenzig „rund sechs Millionen Euro“ ausmachen, die der VfL in diesem Jahr weniger erhält.

„Wir verlieren Plätze im TV-Geld-Ranking durch die drei Absteiger, dazu werden wir wohl deutlich weniger aus der Nachwuchssäule generieren“, erklärte Kaenzig jüngst im Interview. In der zurückliegenden Saison kamen beim VfL zahlreiche in Deutschland ausgebildete Nachwuchsspieler zum Einsatz, wofür die Liga einen Bonus zahlt. Das wird in dieser Saison wohl anders sein. Zuletzt schickten die Bochumer die älteste Startelf der Liga ins Rennen. Aufgefangen werden all diese Verluste vor allem durch den Verkauf von Cajetan Lenz, der rund zehn Millionen Euro eingebracht hat. Hinzukommen kleinere Ablösesummen sowie Ausbildungsentschädigungen, etwa für Tjark Ernst und Armel Bella Kotchap, die in Summe einen Betrag knapp über der Millionengrenze ergeben.

Geld für Transfers

Gleichzeitig ist der Lizenzspieleretat gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken, als der VfL mehr ausgegeben als eingenommen hat. Dennoch: Ein zentraler Mittelfeldspieler sowie ein linker Flügelstümer stehen in dieser Reihenfolge noch auf der Wunschliste, auch Leihen sind denkbar. Ob beide Transfers auch im Falle einer Pokalpleite realisiert werden würden, ist ungewiss. In jedem Fall wäre es hilfreich, wenn Ibrahim Sissoko einen neuen Verein finden würde. Der Angreifer zählt zu den Besserverdienenden und ist seit Vorbereitungsbeginn vom Mannschaftstraining freigestellt. Das wiederum könnte die Suche nach einem Abnehmer erschweren. Bei einem passenden Angebot wäre der VfL auch bei Philipp Strompf gesprächsbereit, der nur noch Innenverteidiger Nummer vier ist.

(Foto: Marc Niemeyer)

Erster Saisonsieg

Wunschelf mit reichlich Routine: VfL-Siegtor zur besten Zeit

Nicht wenige Fans des VfL Bochum schauen in Anlehnung an das angebliche Gründungsjahr um 18.48 Uhr besonders gern auf die Uhr. An diesem Freitagabend hatten sie dabei einen besonderen Grund zur Freude. Denn exakt zu dieser Zeit erzielte Philipp Hofmann beim Auswärtsspiel gegen Eintracht Braunschweig gegen den Führungstreffer zum 1:0, der zugleich auch der einzige in dieser Partie war. Auf den Tag genau 55 Jahre nach dem allerersten Bundesliga-Spiel des VfL Bochum, damals ebenfalls gegen Eintracht Braunschweig, trafen die beiden Klubs wieder aufeinander – und das Endergebnis war ebenfalls das gleiche. Nur hieß der Torschütze nicht Hans-Werner Hartl, sondern Hofmann. „Dieser Sieg“, betonte Trainer Uwe Rösler, „ist goldwert für die kommenden Wochen. Gerade nach der Auftaktniederlage.“

Starkes Abwehr-Duo

Der VfL steigerte sich gegenüber dem Auftritt gegen Hertha zumindest in kleinen Schritten. Der entscheidende: Vorne gelang das erste Saisontor. Ein schnell ausgeführter Freistoß von Berkan Taz landete über Koji Miyoshi bei Hofmann, der den Angriff souverän abschloss. Es war die erste Chance nach einer schwachen Anfangsphase, und gleichzeitig auch ein Brustlöser. Denn mit der Führung im Rücken übernahm der VfL bis zur Halbzeitpause die Spielkontrolle. Dass im zweiten Durchgang nichts mehr passierte, war der stabilen Defensive zu verdanken. Vor allem das neue Innenverteidiger-Duo, bestehend aus den Zugängen Michael Steinwender und Karol Mets, überzeugte mit einem klugen Stellungsspiel, einer abgeklärten Zweikampfführung und im Vergleich zur Vorsaison mit einem souveräneren Spielaufbau.  

„Dafür haben wir sie ja geholt“, kommentierte Rösler die Leistung zunächst sehr nüchtern, war dann aber voll des Lobes: „Mit ihnen haben wir mehr Ruhe am Ball und dadurch insgesamt mehr Ruhe im Spiel. Sie haben es sehr gut gemacht. Und sobald sie richtig eingespielt sind, können wir die Verteidigungslinie auch höher schieben.“ Generell tat es den Bochumern gut, dass mit Mets, Mats Pannewig und Gerrit Holtmann drei Stammkräfte wieder für mehr als eine Halbzeit zur Verfügung standen. Pannewig und Holtmann mussten zwar ausgewechselt werden, doch Rösler konnte zunächst auf seine momentane Wunschformation setzen – und damit auf reichlich Routine. Im Schnitt waren die Akteure in der Startelf 29,2 Jahre alt; fünf von ihnen sind jenseits der 30, einige andere nicht weit davon entfernt.

Noch zwei Transfers

Größer könnte der Kontrast im Vergleich zur vergangenen Saison kaum sein. Da schickte Rösler bei Anpfiff zeitweise fünf Spieler unter 21 ins Rennen, unter anderem beim Auswärtssieg in Braunschweig. Wobei Rösler angesichts der extremen Temperaturen und der frühen Wechsel darauf hinwies, dass nicht allein die Startelf den ersten Saisonsieg errungen hat: „Moderner Fußball funktioniert nicht mit nur elf Spielern. Die Eingewechselten haben auch einen wichtigen Teil beigetragen.“ Darunter waren mit Profidebütant Tom Meyer sowie Alessandro Crimaldi auch zwei vielversprechende Jungspunde. Rösler lobte sie für eine „reife Leistung“. Allerdings muss die Anmerkung erlaubt sein, dass die beiden womöglich auch nur deshalb zum Einsatz kamen, weil auf ihren Positionen noch nicht die von Rösler erhofften „Qualitätsspieler“ da sind.

Der Trainer geht davon aus, dass bis zum Transferschluss am 1. September noch ein zentraler Mittelfeldspieler für die Achter-Rolle sowie ein schneller linker Außenstürmer verpflichtet wird. Der jüngst eingekaufte Mansour Ouro-Tagba ist quasi eine Art Bonusspieler. Ihn sieht Rösler in erster Linie als Mittelstürmer, also als Ergänzung zu Hofmann und dem bislang schwachen Daniel Hanslik. Weil Ouro-Tagba Trainingsrückstand hat, ist er keine Soforthilfe. Der Plan mit ihm sei ein „mittel- bis langfristiger“, erklärte Rösler neulich. Aktuell setzt er lieber auf die arrivierten Kräfte. Perspektivisch aber muss er auch die Jüngeren einbauen. Denn das erklärte Ziel der Vereinsführung ist es, Jahr für Jahr Transfererlöse im mindestens hohen einstelligen Millionenbereich zu erzielen. Realistisch ist das nur mit Spielern, die den Großteil ihrer Laufbahn noch vor sich haben.

(Foto: Imago / HMB-Media)

Podcast

Nach der Auftaktniederlage: Woran der VfL arbeiten muss

Erneut ist der VfL Bochum ohne Punkte in die Saison gestartet. Im unserer neuen Podcast-Folge sprechen wir über die Gründe dafür, über Stärken und Schwachstellen des Kaders und blicken voraus: Wie groß ist der Erfolgsdruck bereits nach einer Niederlage? Viel Spaß beim Anschauen und Zuhören!

(Foto: Marc Niemeyer)

Zum Saisonstart

Interview: Kaenzig über Geld, Transfers und Stadionumbau

Zehn Jahre liegt der bislang letzte Auftaktsieg des VfL Bochum zurück. 2016 bejubelte der Zweitligist einen 2:1-Erfolg gegen Union Berlin. Zum Eröffnungsspiel in diesem Jahr empfängt der Revierklub wieder einen Verein aus der Hauptstadt. Hertha BSC ist zu Gast an der Castroper Straße. Was es braucht, um den Start erfolgreich zu gestalten, wie der VfL wirtschaftlich aufgestellt ist und welche Nachteile der Stadionumbau mit sich bringt, darüber spricht Geschäftsführer Ilja Kaenzig im Interview.

In den vergangenen Jahren hat der VfL stets einen Fehlstart hingelegt. Was muss in diesem Sommer anders laufen, damit sich Fußball-Bochum über einen gelungenen Auftakt freuen kann?

Erstens braucht es Resilienz gegenüber den im Bochum herrschenden Druckverhältnissen. Zweitens eine starke Mentalität in der Mannschaft. Und drittens einen Flow, der aus Teamgeist entsteht. Eine einfache und doch so schwere Formel!

Wie chancenreich und gefährlich die Liga ist, war in der vergangenen Saison nicht zu übersehen. Was kann der VfL von Paderborn und Elversberg im positiven und von Düsseldorf im negativen Sinne lernen?

 Dass der maximale Erfolg niemals allein durch Reden, Zielsetzungen oder Erhöhung des Drucks kommt. Es muss alles passen – dafür muss man präzise sein und sich auch noch das Glück erarbeiten. Beispielsweise beim Spielplan. Die Bayern sind die einzigen, die trotz permanentem Lärm, einer unverhandelbaren Erwartungshaltung und brutalstem öffentlichen Druck immer perfekt performen. Insofern sollten wir von ihnen zu lernen versuchen – von den Besten.

Die neue Saison wird für den VfL auch abseits des Rasens mächtig fordern. Das Ruhrstadion wird saniert. Ein Nachteil?

 Es werden drei harte Jahre, das steht jetzt schon fest und es soll niemand überrascht sein darüber. Aber: Das Motto des VfL heißt „Trotzdem“. Wenn die VfL-Familie nicht nur wie gewohnt zusammensteht, sondern noch einen Tick intensiver zusammenrückt, wird uns die Herausforderung der Modernisierung resilienter, stärker, innovativer machen.

Was bedeutet es – in Zahlen ausgedrückt – das Stadion drei Jahre lang nur teilweise nutzen zu können?

Rund zwei bis drei Millionen Euro weniger Einnahmen, die wir anders und anderswo reinholen müssen. Nach dem Umbau wird zudem die Stadionpacht neu berechnet. Das wissen wir heute schon und planen entsprechend.

Welche Abstriche muss der VfL machen, wo muss gespart werden? Und wo ergeben sich, auch abseits des Stadions, neue Einnahmefelder?

Der VfL muss nicht wegen der Modernisierung sparen. Er muss dies, weil er aktuell gerade wieder in der 2. Liga spielt. Es wird Einschnitte geben. Um diese nicht zu radikal ausfallen zu lassen, arbeiten wir entsprechend gleich intensiv an der Einnahmeseite. Kaderwertmanagement als Leuchtturmprojekt, inklusive des Übergangsbereich – das predigen wir permanent. Sowie ein massiv optimiertes Stadionerlebnis für „normale“ Zuschauer und im Hospitalitybereich.

Ist es ein Nachteil, dass ausgerechnet jetzt der Vertrag mit Vonovia für den Stadionnamen ausgelaufen ist? Dem VfL fehlt das Geld – und eine Baustelle ist aus Werbesicht sicher nicht allzu attraktiv, oder?

 Die Frage zeigt deutlich, welche Bedeutung Vonovia für den VfL Bochum besitzt. Wir müssen tagtäglich dankbar sein, einen solchen Partner an unserer Seite zu wissen. Dass sich ihr Vorstand Arnd Fittkau zudem – in seiner Freizeit, wohlgemerkt – im Präsidium sowie Wirtschaftsrat engagiert, ist nicht hoch genug anzurechnen. Ja, es ist viel Arbeit, einen neuen Namenspartner zu finden, doch diese geht unvermindert intensiv weiter. Dabei werden wir gerade vom neuen Wirtschaftsrat großartig begleitet. Und: Die Baustelle Ruhrstadion wird bundesweit für Interesse sorgen, ist also attraktiv. Schließlich wird hier ein ikonisches Stadion des deutschen Fußballs im laufenden Spielbetrieb modernisiert und immer wieder thematisiert werden, was für Sponsoren sogar einen deutlichen Mehrwert bieten kann.

Sinkende Einnahmen im Zusammenhang mit dem Stadion sind das eine, Verluste im TV-Ranking das andere. Können Sie beziffern, auf viele Millionen Euro der VfL im Vergleich zur vorherigen verzichten muss?

Rund sechs Millionen Euro. Wir verlieren Plätze im TV-Geld-Ranking durch die drei Absteiger, dazu werden wir wohl deutlich weniger aus der Nachwuchssäule generieren. Zweite Liga ist hartes finanzielles Brot!

Wie gelingt es Ihnen trotzdem, einen ambitionierten Etat für die anstehende Saison auf die Beine zu stellen?

Wir machen einen guten kommerziellen Job, dies bestätigen auch Vergleiche innerhalb der Liga und ähnlichen Clubs. Doch wir wissen genau, dass dies kein Selbstläufer ist. Darum wird es doppelte Anstrengungen brauchen, um das aktuelle Niveau in der Vermarktung zu steigern. Weiter wird es das Kaderwertmanagement sein. Ein Cajetan-Lenz-Transfer muss jedes Jahr zur Normalität werden. Plus weitere dazu. Weil die Konkurrenz eben sehr, sehr gut ist.

Wo bewegt sich mit der VfL mit diesem Etat im Ligavergleich?

Aktuell im obersten Drittel. Das entspricht der gespürten Erwartungshaltung beim VfL Bochum.

Wie wichtig ist die Etathöhe überhaupt im Hinblick auf die Erfolgsaussichten?

Genau darum geht es ja. Die Geldtabelle entspricht kaum der wahren Tabelle in der 2. Liga. Man kann mit wenig Lizenzetat aufsteigen. Man kann aber auch mit wenig absteigen. Vor allem kann man mit viel Lizenzetat nicht aufsteigen. Es sind andere Faktoren entscheidend. Mentalität schlägt Qualität, nicht nur in der 2. Liga, sondern wie wir sehen auch international, teilweise auch bei der WM. Und es braucht Teamgeist. Teamgeist entsteht, wenn möglichst viele Spieler in einem Kader sich am richtigen Ort zur richtigen Zeit sehen. Das wiederum ist die Kunst der Kaderplanung.

Das komplette Interview mit Ilja Kaenzig findet Ihr in der aktuellen Ausgabe von ‚100% VfL Bochum‘, das frisch im Bochumer 3satz-Verlag erschienen ist. Auf mehr als 100 Seiten bietet das Magazin zum Saisonstart mehrere Interviews, ausführliche Porträts und interessante Hintergrundgeschichten. Gedruckte Exemplare sind kostenlos an vielen Stellen im Bochumer Stadtgebiet oder direkt beim 3satz-Verlag (Alte Hattinger Str. 29) zu bekommen.

Kolumne

Kandidat für oben? Zwischen Zuversicht und Skepsis

Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Saisonprognose.

Schulterklopfer sind im Fußball nicht unüblich. Vor einer Saison aber sind sie an der Tagesordnung. Natürlich sind alle Neuzugänge Wunschkandidaten und deshalb auch echte Verstärkungen, und egal, wie die Vorbereitung verlief, die Mannschaft ist selbstverständlich startklar. Kritik ist in dieser Phase nicht gern gesehen und wird teils persönlich genommen.

So war es auch im Sommer 2025. Der damalige Trainer verwies gerne darauf, dass die Kritiker ja gar nicht vor Ort seien. Umso alarmierender, dass sie die Probleme trotzdem früher erkannt haben als die Verantwortlichen! Auch der Sportchef pries seine Neuverpflichtungen noch selbstbewusst bei Anhängern und Medien an; Stirnrunzeln auf der Gegenseite sorgte für Verwunderung.

Die aktuell zuständigen Personen mit ihren Vorgängern zu vergleichen, wäre nicht fair. Doch ein Muster bleibt: Sie sind genauso überzeugt von ihren Entscheidungen und verwundert über Skepsis. Zugegeben: Wenn es anders wäre, würde das auch irritieren. Vermutlich sogar noch mehr. Die entscheidende Frage lautet also: Ist ihr Optimismus berechtigt? Die Testspielauftritte in diesem Sommer waren überzeugender als im vergangenen Jahr. In punkto Routine und Mentalität hat der VfL definitiv zugelegt. Und ein guter Saisonstart kann vieles begünstigen.

Doch woher kommt der Glaube, dass diese Mannschaft gar um den Aufstieg mitspielen wird? Sicher: Die Innenverteidigung ist stabiler, die offensiven Außenpositionen sind vermutlich besser besetzt. Auf anderen Positionen wiederum – etwa rechts hinten und vor allem im zentralen Mittelfeld – fehlen Alternativen, fehlt Qualität. Sind mal drei, vier Spieler verletzt oder noch nicht richtig fit – und das war bei der Generalprobe gegen Sheffield United bereits der Fall – dann stellt sich das Team im Grunde von selbst auf.

Vor dem ersten Pflichtspiel gibt es bekanntlich viele Prognosen. Gerade in der 2. Liga sind viele davon schon nach wenigen Wochen überholt. Ich finde: Für den VfL wäre eine sorgenfreie Runde – gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre – ein erster wichtiger Schritt. Wenn am Ende dann noch eine bessere Platzierung steht als im Mai 2026, dann war die Saison ein Erfolg. Chancen im Aufstiegsrennen sehe ich keine. Sachlichen Widerspruch nehme ich jederzeit entgegen – Schulterklopfer müssen nicht sein.


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(Foto: Marc Niemeyer).

In eigener Sache

Saisonstart fürs VfL-Magazin: Was bleibt und was sich ändert

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn die Sonderhefte zum Saisonstart erscheinen, dann wissen wir alle: Der erste Spieltag ist nicht mehr fern. In den kommenden Tagen kommt sowohl das kicker-Sonderheft als auch „100 Prozent VfL Bochum“ aus dem Bochumer 3satz-Verlag auf den Markt. An beiden Ausgaben habe ich mitgewirkt.

Parallel ruhte natürlich auch das Tagesgeschäft nicht. Der kicker und die Ruhr Nachrichten wurden mit aktuellen Berichten versorgt. Auch mein Hauptjob beim WDR hat mich unverändert gefordert. Für Tief im Westen – Das VfL-Magazin blieb somit weniger Zeit als gewünscht. Aktuell schaffe ich es lediglich, im Schnitt alle fünf Tage einen neuen Bericht, eine Kolumne oder eine Podcast-Folge zu veröffentlichen. Weil größtmögliche Transparenz seit der Gründung vor mittlerweile sieben Jahren dazugehört, muss ich an dieser Stelle verkünden: Das wird auch so bleiben. Die Jobs und Aufträge, mit denen ich mein Geld verdiene, haben Vorrang.

Deshalb wird es an dieser Stelle in der neuen Saison auch nicht mehr standardmäßig zu jedem Spiel einen Text geben. Ziel bleibt es aber, dass zwischen zwei Veröffentlichungen im Normalfall höchstens fünf Tage liegen sollen. Es wird also auf eine, maximal zwei Neuerscheinungen pro Woche hinauslaufen. Das war in den vergangenen Monaten ohnehin schon oft der Fall, wird aber nun zur Regel.

Doch weniger ist manchmal mehr. Ich verspreche euch, dass mein Anspruch an alle Veröffentlichungen unverändert hoch bleibt: hintergründig, gut recherchiert, verständlich aufbereitet. Ich freue mich über jeden, der dieser Website treu bleibt und meine Berichterstattung auch in den genannten anderen Medien verfolgt. Ebenso danke ich all denen, die mit ihren monatlichen, jährlichen oder anlassbezogenen Unterstützungsbeiträgen die Fixkosten für Tief im Westen – Das VfL-Magazin decken, also für den Server, für Fotos und die Podcast-Plattform, die wir zur Aufnahme nutzen.

Ganz zum Schluss freue ich mich noch darüber, einen immer wieder geäußerten Wunsch erfüllen zu können: Mein VfL-Quiz im Sonnendeck, das ich vor Corona-Pandemie und noch zu westline-Zeiten mehrfach veranstaltet habe, feiert im Herbst sein Comeback. Weitere Informationen dazu folgen.

Auf eine spannende, sorgenfreie Saison – und ein herzliches Glück auf!

Euer Philipp Rentsch


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(Foto: Marc Niemeyer)

Saisonvorbereitung

Startelf, Talente und Transfers: Der große VfL-Kadercheck

In diesem Jahr waren alle zufrieden. Vom Trainingslager in Gais schwärmen viele Fans zwar noch heute, die Spieler jedoch weniger. In Scheffau passten die Bedingungen fürs Team, aber nicht für die Anhänger. Von Bramberg am Wildkogel sind sie dagegen alle begeistert. „Es ist nicht selbstverständlich, dass der Verein uns ein solches Trainingslager ermöglicht hat. Die Bedingungen waren super, vom Platz bis zum Hotel“, lobte Trainer Uwe Rösler die Organisatoren und war zugleich auch mit der sportlichen Entwicklung zufrieden. Die Startelf nimmt Formen an vor dem letzten Testspiel der Saisonvorbereitung. Ein Überblick zu allen Spielern – und Vakanzen.

Tor: Die Frage, wer zwischen den Bochumer Pfosten stehen wird, stellt sich gar nicht. Nach starken Leistungen in der vergangenen Saison ist Timo Horn natürlich gesetzt. Überdies ist er ein aussichtsreicher Kandidat fürs Kapitänsamt, das Rösler in dieser Woche vergeben wird. Nach dem Abgang von Niclas Thiede ist noch offen, wer die neue Nummer zwei wird. Die Verantwortlichen planen eigentlich mit Hugo Rölleke, doch beim Keeper der U21 wechseln Genie und Wahnsinn noch zu häufig. Alternativ stünde Neuzugang Tino Casali bereit.

Außenverteidigung rechts: In der Rückrunde der abgelaufenen Spielzeit lieferten sich Leandro Morgalla und Oliver Olsen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Platz in der Startelf. Weil Morgalla nicht mehr da ist, dürfte Olsen trotz Schwächen in den Testspielen vorerst gesetzt sein. Ein echter Herausforderer fehlt bislang. Rösler sieht Jean Manuel Mbom zwar vorrangig als Außenverteidiger, den Ex-Bremer braucht er im Mittelfeldzentrum aber dringender. Kacper Koscierski wiederum wartet noch auf seinen Durchbruch. Der Spieler soll mit seiner Situation nicht ganz glücklich sein, eine Leihe könnte sinnvoll sein. Im vergangenen Sommer noch hochgelobt, ist aktuell unklar, was der VfL seinem Eigengewächs und U19-Nationalspieler wirklich zutraut.

Außenverteidigung links: Nach mehreren Operationen am Oberschenkel ist Maximilian Wittek wieder einsatzfähig. Dass er den ersten Teil der Saisonvorbereitung verpasst hat und noch Spielpraxis fehlt, war im Trainingslager nicht zu übersehen. Nach einer überzeugenden Rückrunde dürfte Wittek beim Eröffnungsspiel gegen Hertha BSC am 7. August dennoch zur Startformation gehören. Auch er ist ein Kandidat für die Kapitänsbinde. Sollte er noch nicht durchhalten, stehen zwei vielversprechende Talente bereit. Zum einen Darnell Keumo, zum anderen Leon Sawas. Letztgenannter wurde eigentlich nur für die U21 verpflichtet, hat Trainer Rösler aber so begeistert, dass er ihn vorerst zu den Profis beordert hat. Offen ist noch, für wen der beiden sich Rösler entscheidet. Klar ist: Für Winterneuzugang Mikkel Rakneberg, der sich nach einer Verletzung in Aufbautraining befindet, wird es schwer. Ein vorzeitiger Abschied ist denkbar.

Innenverteidigung: Die personelle Konstellation im Abwehrzentrum hat sich stark verändert. Kevin Vogt hat seine Karriere beendet, Erhan Masovic und Noah Loosli haben den VfL ebenfalls verlassen und sind immer noch auf Vereinssuche. Neu dabei sind Michael Steinwender, Karol Mets und Yigit Karademir. Die beiden Erstgenannten sind derzeit Röslers Favoriten. Steinwender spielt unaufgeregt und soll den Part des rechten Innenverteidigers einnehmen, ist also der etwas schnellere und spielstärkere Nachfolger von Loosli, ohne allerdings in diesen Kategorien herausragend zu sein. Mets wiederum hat schon nach wenigen Tagen den oft wackligen und fußballerisch limitierten Philipp Strompf verdrängt. Mets‘ Problem ist die Spielfitness. Perspektivisch plant ihn Rösler aber als Führungskraft ein. Sollte er zum Start nicht mitwirken können, stünde Karademir bereit, der im Zentrum sowohl rechts als auch links spielen kann. Strompf, der bis Mai Stammkraft war, ist nur noch Innenverteidiger Nummer vier. Sollte er noch wechseln wollen, wären die Verantwortlichen gesprächsbereit.

Defensives Mittelfeld: Der Abgang von Cajetan Lenz hat die Vereinskasse aufgefüllt und trägt entscheidend dazu bei, dass der VfL seinen Etat annähernd halten konnte. Die entstandene sportliche Lücke soll Enis Cokaj füllen. Der Albaner fügt sich bislang gut in die Mannschaft ein, wirkt abgeklärt und bissig. Noch fehlt ihm aber Zweitliga-Erfahrung. Als Alternative stünde allenfalls Mbom bereit, der allerdings auch als rechter Außenverteidiger oder Achter spielen soll. Ein weiterer Mittelfeld-Stratege, der auch Cokaj vertreten könnte, würde dem Team gut zu Gesicht stehen.

Zentrales Mittelfeld: Mit Matus Bero, Kjell Wätjen und Francis Onyeka sind im Saisonvergleich gleich mehrere Optionen für die Achter-Rolle weggebrochen und bislang nicht ersetzt worden. Da Mats Pannewig große Teile der Vorbereitung verpasst hat, klafft hier die größte Lücke im Team des VfL. Mbom hat in dieser Rolle, die Laufstärke und auch Offensivqualitäten erfordert, noch nicht überzeugt. Tom Meyer und vor allem Lasse Isbruch haben zwar großes Potenzial, aber noch keinerlei Profierfahrung. Rösler hofft deshalb noch auf einen Neuzugang, der sofort helfen kann. Anderenfalls wird es zum Saisonstart auf eine Notlösung hinauslaufen – wahrscheinlich auf Mbom. Meyer könnte parallel auch in der U21 spielen, Isbruch sogar noch in der U19. Von Winterneuzugang Moritz Göttlicher spricht derzeit niemand mehr. 

Offensives Mittelfeld: In der vergangenen Saison hatte das Trainerteam die Qual der Wahl und bis zu vier unterschiedliche Optionen auf dieser Position. Aktuell hat Berkan Taz klar die Nase vorn. Die Neuverpflichtung vom SC Verl erinnert ein wenig an Zvjezdan Misimovic – technisch hoch veranlagt, aber nicht allzu schnell und mit Defiziten bei der Arbeit gegen den Ball. Mit gefährlichen Distanzschüssen, präzisen Standards und möglichst vielen Torvorlagen soll er der neue Spielmacher werden. In der Vorbereitung blitzte sein Können bereits auf. Als Alternative stünde Mittelfeldallrounder Koji Miyoshi bereit.

Rechte offensive Außenbahn: Die Entscheidung fällt schwer. Mit Miyoshi und Neuzugang Christian Rasmussen verfügt Trainer Rösler über zwei passende, wenngleich unterschiedliche Optionen für diese Aufgabe. Miyoshi, der in der Rückrunde überzeugt hat, in der Vorbereitung aber unauffällig blieb, ist kein klassischer Außenbahnspezialist, dafür sehr agil und souverän in der Ballbehandlung. Rasmussen wiederum ist kräftiger, schnell und technisch ebenfalls sehr gut ausgebildet. Sein Nachteil: Er ist noch nicht bei 100 Prozent. Alternativ stünde auch noch der pfeilschnelle Babis Drakas zur Verfügung. Samuel Bamba hingegen soll abgegeben werden, es gibt Interesse aus Portugal.

Linke offensive Außenbahn: Eigentlich befinden sich die Verantwortlichen noch auf der Suche nach einer zusätzlichen Alternative für diese Position. Doch womöglich wurde sie bereits im internen Kreis gefunden. Alessandro Crimaldi ist der große Gewinner der Saisonvorvereitung und darf sich dank guter Testspielleistungen berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Startelf machen. Körperlich und taktisch hat der Deutsch-Italiener zwar noch unübersehbare Defizite, fußballerisch aber kann der 18-Jährige problemlos mithalten. Als Joker und Teilzeitkraft steht der wiedergenesene, aber noch nicht gänzlich fitte Gerrit Holtmann bereit. Auch Miyoshi und Rasmussen könnten auf dem linken Flügel spielen. Fraglich also, ob der VfL sein knappes Geld ausgerechnet auf dieser Position investieren sollte.

Angriffszentrum: Niemand im Team das VfL ist erfahrener und hat mehr Zweitliga-Spiele absolviert als Philipp Hofmann. Kann er die gute Form der Rückrunde beibehalten, dann steht einer zweistelligen Zahl an Saisontoren kaum etwas im Wege. So oder so: Der kopfballstarke Mittelstürmer ist gesetzt. Dahinter, daneben oder als Alternative steht Neuzugang Daniel Hanslik zur Verfügung. Auch er kennt die Liga bestens, scheint aber Anlaufzeit zu benötigen. In den Testspielen tauchte er unter. Vorgänger Callum Marshall fügte sich schneller und besser ein. Ibrahim Sissoko, der nicht mehr am Mannschaftstraining teilnimmt, darf und soll den Klub nach wie vor verlassen. Unabhängig von dieser Personalie ist die Verpflichtung eines hybriden Angreifers, der innen wie außen spielen kann, nach wie vor eine Option.


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(Foto: Marc Niemeyer)