1:2-Niederlage in Köln

VfL taumelt Abstieg entgegen: Trainerwechsel zeichnet sich ab

Totgesagte leben länger. Der VfL und Torschütze Felix Passlack waren auf dem besten Weg, dies erneut unter Beweis zu stellen. Bis zur Nachspielzeit waren die kriselnden Bochumer beim Auswärtsspiel in Köln noch siegesgewiss, führten mit 1:0 und hätten sich vom FC praktisch uneinholbar distanzieren können. Zumindest der direkte Abstieg wäre damit kein Thema mehr gewesen. Dann aber passierte das, was Fußball-Bochum fassungslos macht und den Frustpegel auf einen vorübergehenden Höhepunkt steigen lässt. In weniger als zwei Minuten kassierte der VfL zwei Gegentreffer, aus einem dringend notwendigen Sieg wurde eine schmerzhafte Niederlage. „Es ist ein Albtraum“, sagte Verteidiger Bernardo. „Das kann nicht Realität sein.“

Ist es aber. Zum wiederholten Mal hat der VfL in der Schlussphase einen Sieg hergeschenkt und seine Krise damit deutlich verschärft. Der Vorsprung auf Mainz und den Relegationsplatz ist bis auf drei Punkte zusammengeschrumpft, selbst Köln ist bis auf vier Punkte herangerückt. „Die waren klinisch tot“, sagten Geschäftsführer Patrick Fabian und Sportdirektor Marc Lettau nach der Partie unisono. „Wir haben sie doppelt wiederbelebt: In diesem Spiel und in der Tabelle“, ergänzte Fabian, der wie alle Bochumer extrem niedergeschlagen war – deutlich sichtbarer als noch in den Wochen zuvor. „So zu verlieren, das ist mehr als nur eine Niederlage. Das nagt an uns.“ Doch was ist jetzt zu tun? Wie kann der VfL – der in dieser Verfassung dem Abstieg entgegentaumelt – wieder die Kurve kriegen und sich retten?

Letsch ohne Lösungen

Bislang war keine Idee die richtige, um die Mannschaft zu stabilisieren. Trainer Thomas Letsch, der normalerweise immer große Zuversicht ausstrahlt, wirkt ratlos. Seine Antworten nach der Niederlage in Köln fielen ziemlich knapp aus, zu einer echten Analyse setzte er gar nicht erst an. „Wenn alle Entscheidungen richtig gewesen wären, hätten wir nicht verloren“, sagte Letsch. Der 55-Jährige verfolgt längst keine klare Linie mehr und experimentiert zunehmend, wohlwissend, dass er sich mit vermeintlich innovativen Ideen schon mehrfach vercoacht hat. Vor allem während des Spiels findet er selten passende Lösungen.

In Köln verzichtete Letsch zum Beispiel auf beide Außenstürmer, spiegelte stattdessen mit einem kompakten Mittelfeld-Zentrum und einer Doppelspitze den Gegner. Das funktionierte in der Defensive gegen harmlose Kölner zwar lange Zeit recht gut, eigene Angriffe waren aber stets Zufallsprodukte. In der Schlussphase verlor der VfL nach einigen Wechseln komplett den Zugriff, sorgte nicht mehr für Entlastung und fing sich so die späten Gegentreffer. 21 Punkte hat der VfL nun schon nach eigener Führung verspielt, 14 Gegentore in der Schlussviertelstunde kassiert. „Wenn es so oft passiert, ist es kein Pech mehr“, betont Fabian. Einfach zu erklären ist dieses Phänomen trotzdem nicht.

Die Negativserie allein auf fehlende Kaderqualität zu schieben, würde zu kurz greifen, schließlich hat sich dieselbe Mannschaft bis Mitte Februar einen mehr als ordentlichen Abstand zu den Abstiegsrängen erarbeitet. Ihr fehlende Motivation nachzusagen, weil zahlreiche Spieler im Sommer wechseln werden, ist ein naheliegender Reflex, lässt sich aber nur schwer belegen. Was dagegen längst offensichtlich ist: Die Mannschaft hat ein Kopfproblem. Spätestens ab der Schlussviertelstunde agiert sie zunehmend konfus und verliert die Ordnung. Die Spieler wirken verunsichert, warten förmlich auf den nächsten Einschlag. Dass Letsch diese Haltung mit seinen oft defensiven Wechseln und taktischen Umstellungen erst auslöst, lässt sich nicht von der Hand weisen. Wobei positionsgetreue Wechsel in der Vergangenheit auch nicht immer erfolgversprechend waren.

Trainerwechsel wahrscheinlich

Wie auch immer: Letsch steht in der Verantwortung, die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen. Noch. Zwar betonte Fabian am Samstagabend, dass er „kein Freund von blindem Aktionismus“ sei, ein klares Bekenntnis zu Thomas Letsch vermied er allerdings: „Wir sind alle gefordert, auch das Trainerteam. Wir werden gemeinsam besprechen, wie die Lösungsansätze aussehen.“ Am Sonntag folgten mehrere Gespräche, nicht nur mit dem Trainer, auch mit dem Mannschaftsrat und in den Klubgremien. Die Tendenz: Letsch darf nicht weitermachen, weil den allermeisten Beteiligten der Glaube an eine gemeinsame Trendwende fehlt.

Klar ist auch: Von den Verantwortlichen will sich am Saisonende niemand vorwerfen lassen, nicht alles für den Klassenerhalt getan zu haben. Sechs Spiele stehen noch an, möglicherweise auch acht, falls der VfL am Ende auf Platz 16 und damit in der Relegation landet. Sollten Fabian und seine Mitstreiter in der Chefetage die Notwendigkeit für einen neuen Impuls sehen, dann wäre der jetzige Zeitpunkt vor dem Heimspiel gegen Heidenheim vermutlich der passendste – damit die totgesagten Bochumer in der Bundesliga überleben.

Dieser Text wurde am Samstagabend erstmals veröffentlicht und im Laufe des Sonntags aktualisiert.


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(Foto: Imago / Nordphoto)

Heimspiel gegen Darmstadt

VfL kassiert 2:2-Niederlage – und steht vor „harten Wochen“

Wenn nun auch Leistungsträger schwächeln oder patzen, dann könnte der VfL Bochum wirklich noch einmal in akute Abstiegsgefahr geraten. Einen eigentlich harmlosen und haltbaren Schuss lenkte Manuel Riemann am Ostersonntag ins eigene Tor – und sorgte dafür, dass seine Mannschaft im Kellerduell gegen Darmstadt 98 zwei eminent wichtige Punkte verlor. Selbst gegen einen eigentlich harmlosen Tabellenletzten genügte eine 2:0-Führung nicht, um als Sieger vom Platz zu gehen. Frohe Ostern? Von wegen! „Wir haben 2:2 verloren“, sagte VfL-Verteidiger Bernardo nach der Partie und fasste die Gefühlslage von Team und Fans damit treffend zusammen. Pfiffe gab es nach dem fünften sieglosen Spiel in Folge keine. Wohl aber sorgenvolle Blicke und mitunter auch Fassungslosigkeit. Die Anhänger reagierten vor allem mit Stille auf die nächste Enttäuschung.

Daheim schon viele Führungen verspielt

Zwar bleibt auch nach diesem Wochenende ein Polster von sechs Punkten auf den Relegationsrang – doch der Trend spricht mittlerweile klar gegen die Bochumer. Und wenn sie schon nicht zu Hause gegen das Bundesliga-Schlusslicht gewinnen, gegen wen dann? Das ist die Frage, die viele im Umfeld gerade umtreibt. Und auf die an der Castroper Straße gerade niemand eine verlässliche Antwort liefern kann. Denn die Mannschaft wirkt zunehmend verunsichert, vergibt vorne zu viele Chancen und wackelt hinten mitunter bedenklich, gerade in den Schlussphasen. Allein in den Heimspielen hat der VfL nach eigener Führung bereits 15 (!) Punkte verspielt, sechs davon gegen die unmittelbare Konkurrenz aus Mainz, Köln und nun auch Darmstadt. „Das zieht sich durch die Saison“, konstatierte Doppeltorschütze Philipp Hofmann am späten Sonntagabend. „Auch die Führung gegen Darmstadt hätten wir niemals herschenken dürfen.“ Mindestens eine Stunde lang war der VfL die bessere Mannschaft, ehe der Revierklub beste Chancen zum dritten Tor vergab – und die eigentlich schon ausgeknockten Darmstädter mit einem naiven Abwehrverhalten zurück ins Spiel holte.

Letsch sieht eine „gefährliche Situation“

Längst könnte der VfL entspannt die neue Saison planen und den sich abzeichnenden Kaderumbau weiter vorantreiben. Stattdessen macht sich im Umfeld Unruhe, stellenweise gar Panik breit. Die Verantwortlichen bleiben allerdings (noch) ziemlich entspannt. „Es war ein Spiel, das wir nach den 90 Minuten hätten gewinnen müssen. Sorgen müssen wir uns aber auf gar keinen Fall machen“, sagte Sportdirektor Marc Lettau und warnte davor, „jetzt in Hektik zu verfallen, die uns das letzte Selbstvertrauen nimmt.“ Thomas Letsch hingegen ordnete die Lage etwas anders ein. „Wir haben erneut einen großen Schritt verpasst. Das werden noch harte sieben Wochen bis zum Saisonende“, sagte der Trainer und machte deutlich: „Die Situation ist gefährlich.“ Schon neulich hatte Letsch davor gewarnt, dass der Vorsprung „trügerisch“ sein könne.

Auswärtsschwacher VfL zu Gast in Köln

Doch was macht jetzt noch Mut inmitten der Durststrecke? Vielleicht, dass mit Tim Oermann der letzte fehlende Stammspieler zurückkehren könnte, um die andauernden Experimente auf der rechten Abwehrseite zu beenden. Die zurückliegenden fünf Partien ist der VfL mit fünf verschiedenen Rechtsverteidigern angegangen – wobei Felix Passlack, der gegen Darmstadt die erste Chance seit September erhielt, zumindest nicht enttäuschte. Vielleicht macht auch Hoffnung, dass zumindest Philipp Hofmann einen Weg aus seinem persönlichen Formtief gefunden hat. Zum ersten Mal seit zwölf Monaten traf der Mittelstürmer mal wieder im eigenen Stadion – und dann gleich doppelt. Womöglich dient Hofmann damit als Vorbild für seine Teamkollegen, für die nun ein weiteres wegweisendes Duell unmittelbar bevorsteht. Am kommenden Samstag gastiert der VfL als auswärtsschwächste Mannschaft der Liga beim Vorletzten in Köln. Noch haben die Bochumer sieben Punkte Vorsprung auf die Domstädter. Verlieren sollte der VfL diese Partie allerdings besser nicht, zumal Mainz, der Drittletzte, parallel zu Hause gegen den Letzten aus Darmstadt spielt.


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(Foto: Imago / Sven Simon)

Debatte

Kolumne: Multiclub Ownerships erschweren die Arbeit beim VfL

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Immer zu Wochenbeginn gibt es einen kurzen Kommentar zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Eine wenig beachtete Entwicklung im Vereinsfußball.

Was eint den FC Augsburg mit Crystal Palace aus England? Hertha BSC mit Standard Lüttich aus Belgien und Girondins Bordeaux aus Frankreich? Oder den 1. FC Kaiserslautern mit dem FC Thun aus der Schweiz und dem Esbjerg fB aus Dänemark? Okay, machen wir es einfacher: Was hat RB Leipzig mit dem RB Salzburg gemein? Hier ist es offensichtlich: Die beiden Klubs sind eng miteinander verflochten. Bei den oben genannten Klubs ist es vielen Fans vermutlich gar nicht bekannt, doch auch da gibt es unleugbare Verbindungen. Der Fachbegriff für dieses Phänomen: Multiclub Ownership. Das bedeutet, dass ein Geldgeber (Mehrheits-)Anteile an gleich mehreren Klubs hält.

Es ist eine Entwicklung, die auch den VfL Bochum tangiert und die Arbeit gegenwärtig erschwert. Weil es den Wettbewerb um gute Spieler verändert und schlussendlich auch die Integrität des sportlichen Wettbewerbs gefährdet. Die zuständigen Verbände beobachten diesen Trend zwar, greifen aber (noch) nicht wirklich ein. Die Konsequenzen sind allerdings schon heute sichtbar: Klubs, die weiter unten in der konzerninternen Hierarchie stehen, kommen so an Spieler, für die sie sonst nicht attraktiv genug wären und dienen als Farmteam für die Spitzenmannschaften – und umgekehrt. Derartige Transferströme sind insbesondere im Ausland bereits zu beobachten, in Deutschland stellenweise aber auch.

Für den VfL bedeutet das: Interessante Spieler und insbesondere junge Talente werden immer teurer oder sind gar nicht erst zu bekommen, der Pool an potenziellen Neuzugängen wird somit kleiner. Zahlen verdeutlichen dieses Problem: Insgesamt sind 40 Prozent aller Vereine der Top-5-Ligen bereits Teil einer Multiclub-Ownership-Struktur, wobei deutsche Vereine dank der 50+1-Regel (noch) eher die Ausnahme sind. Oftmals bestehen die Netzwerke mit Mehrfachbeteiligungen aus fünf bis zehn Klubs. Weltweit binden diese Teams mehr als 6.000 Spieler. Der Trend: weiter steigend. Selbst der FC Bayern mischt neuerdings auf besondere Weise mit. Gemeinsam mit dem Los Angeles FC hält eine Tochtergesellschaft des Rekordmeisters Mehrheitsanteile an einem Verein in Uruguay.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Personalien

Abschied im Sommer: Nicht nur Soares wird Bochum verlassen

Im Sommer 2020 gelang dem VfL Bochum ein echter Coup. Wochenlang wurde über den bevorstehenden Abgang von Danilo Soares spekuliert. Der Brasilianer war seinerzeit einer der Leistungsträger beim Zweitligisten in Bochum. Ein Wechsel in die Bundesliga war naheliegend, zumal der Vertrag auslief. Dass es den Verantwortlichen um den damals zuständigen Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz dennoch gelang, Soares für vier weitere Jahre an den VfL zu binden, war die Meldung des Sommers. Zeitweise war der Trikotflock mit der Rückennummer drei und dem Namen Soares sogar der Verkaufsschlager im Shop des VfL.

Neuzugänge verdrängen Soares

Eine Fehlentscheidung hat Soares mit seiner Vertragsverlängerung gewiss nicht getroffen. Ein Jahr später stieg er mit Bochum in die Bundesliga auf. Der zweifache Familienvater, der auch aus privaten Gründen im Ruhrgebiet bleiben wollte, etablierte sich mit dem VfL in Deutschlands höchster Fußballklasse. Lange Zeit blieb Soares unumstrittene Stammkraft. Erst gegen Ende der vergangenen Saison veränderte sich die Lage. Der Linksverteidiger patzte mehrfach, Trainer Thomas Letsch bewies zunächst Geduld, setzte ihn im Saisonfinale schließlich doch auf die Bank. An dieser Situation hat sich seither wenig geändert.

Lediglich im Herbst des zurückliegenden Jahres rotierte Soares für drei Partien zurück in die Bochumer Startelf. Zuletzt aber saß der technisch starke Abwehrspieler sogar nur noch auf der Tribüne, erst verletzungsbedingt, dann aus taktischen und sportlichen Gründen. Im Kalenderjahr 2024 stand er keine einzige Minute auf einem Bundesliga-Rasen. Sein Landsmann Bernardo und Neuzugang Maximilian Wittek haben ihm den Rang abgelaufen. Man muss kein Prophet sein um vorherzusehen, dass die Beziehung zwischen dem VfL und Danilo Soares im (verflixten) siebten Jahr und mit Ablauf seines Vertrags in diesem Sommer enden wird.

Angebote aus dem Heimatland

2017 war der sympathische, professionelle, aber eher stille Defensivspezialist nach Bochum gewechselt und absolvierte in der Folge 189 Pflichtspiele für den Revierklub. Damit reiht er sich in der Liste der Rekordspieler vor illustren Namen wie Philipp Bönig und Martin Kree und nur knapp hinter Delron Buckley und Rein van Duijnhoven auf Platz 28 ein. Wo der 32-Jährige seine Karriere fortsetzen wird, ist noch offen. Bereits im vergangenen Sommer gab es Angebote aus seinem Heimatland Brasilien. Soares träumte vor einiger Zeit außerdem von einer Rückkehr zu Austria Lustenau nach Österreich, wo seine Profikarriere begann.

Auch ein Verbleib hierzulande und ein Wechsel innerhalb Deutschlands ist denkbar. Zuletzt hat sich Soares, der seit 2013 in der Bundesrepublik lebt, erfolgreich um die deutsche Staatsbürgerschaft bemüht. Klar ist nur: Er wird nicht der einzige Profi sein, von dem sich der VfL Bochum in wenigen Monaten verabschieden wird. Elf Spielerverträge laufen in diesem Sommer aus. Nicht mit allen Kandidaten möchten die Verantwortlichen verlängern, es gibt bereits klare Tendenzen. Neben Eigengewächs Moritz Römling stehen auch Mittelfeldspieler Philipp Förster und Angreifer Goncalo Paciencia vor einem Abschied aus Bochum.

Förster wechselt den Berater

In allen drei Fällen ist dies nur allzu logisch und wenig überraschend. Römling war nach zwei Leihgeschäften in die 3. Liga nie ein ernstzunehmender Kandidat für das Profiteam. Er steht bereits seit geraumer Zeit auf der Bochumer Streichliste. Auch Förster kommt in dieser Saison nicht über seine Reservistenrolle hinaus, gehörte wie Soares nur dreimal zur Startelf. Weder der Verein noch der Spieler sind aktuell zufrieden, zumal Förster zu den eher Besserverdienenden im Bochumer Kader gehört. Der Spieler hat bereits vor einigen Monaten einen neuen Berater damit beauftragt, Alternativen für ihn zu prüfen.

Die braucht auch Goncalo Paciencia. Der vom spanischen Erstligisten Celta Vigo ausgeliehene Portugiese ist nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin kein Kandidat für eine Weiterverpflichtung. Gemessen an seiner Einsatzzeit ist der 29-Jährige aktuell zwar der erfolgsreichste Angreifer im Kader des VfL, das Trainerteam ist mit seinen Leistungen aber nur bedingt zufrieden. Auch verschiedene Wehwechen und ein mäßiger Fitnesszustand haben dafür gesorgt, dass Paciencia lediglich in sechs Partien von Beginn an spielen durfte, zuletzt im Januar. Viele weitere werden wohl nicht mehr dazukommen.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Debatte

VfL-Kolumne: Parallele zu 2010? Das Umfeld wird nervös

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Immer zu Wochenbeginn gibt es einen kurzen Kommentar zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Situation im Abstiegskampf.

Das Umfeld wird nervös. Wenn die E-Mails und Nachrichten im Postfach des VfL-Magazins mehr werden, ist das ein sicherer Indikator dafür, dass der Klub gerade in einer (Form-)Krise steckt. Was die besorgten Anhänger eint: Sie haben ein Elefantengedächtnis. Zahlreiche Leser fühlen sich an die Saison 2009/10 erinnert, als sich der VfL im Februar einen ähnlich komfortablen Vorsprung erspielt und insgeheim schon für ein weiteres Erstligajahr geplant hatte, dann aber von Mitte Februar bis Anfang Mai kein einziges Spiel mehr gewann und schließlich doch noch abgestiegen ist.

Droht 14 Jahre später eine Wiederholung? Ausgeschlossen ist das nicht, aber ziemlich unwahrscheinlich. Ja, der Vorsprung (der immer noch sechs Punkte beträgt) schmilzt, der Trend ist negativ und die Abstiegsgefahr bei weitem noch nicht gebannt. Aktuell hat der VfL einen Punkt weniger auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison; sogar sieben weniger als 2022. Auch der schwachen Konkurrenz ist es zu verdanken, dass der VfL über dem Strich steht. Die Bochumer Offensive bleibt zu harmlos, der Spielansatz ist längst durchschaut, vieles vom Zufall oder Einzelaktionen abhängig. Auch die Defensive schwächelt nach einer Stabilisierungsphase wieder. Es mangelt vor allem an Konzentration und Handlungsschnelligkeit. Wenn dann noch Stammspieler fehlen und Leistungsträger außer Form sind, wird es kritisch.

Der große Unterschied zu 2010 ist: Seinerzeit beschäftigte der Klub einen Trainer, der mit seiner selbstherrlichen Art zunehmend die gesamte Mannschaft gegen sich aufbrachte. Das droht jetzt nicht. Thomas Letsch bleibt ein besonnener Moderator, dessen größte Stärke es ist, eine Gruppe zu führen und zusammenzuhalten. Hinzu kommt, dass das Bochumer Folgeprogramm mit Heimspielen gegen Darmstadt und Heidenheim sowie einem Auswärtsspiel in Köln niemanden vor Angst erstarren lassen sollte. Nur zur Erinnerung: Auch in der vergangenen Saison gab es im Februar und März vier Niederlagen in Folge – der Klassenerhalt gelang trotzdem. Schon das Duell gegen Darmstadt bietet die große Chance zur Wiederauferstehung. Pünktlich zum Osterfest. 


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(Foto: Imago / Beautiful Sports)

0:2-Niederlage in Mainz

Bochumer Abstiegssorgen: Zwischen Komfort und Krise 

Es hätte für den VfL Bochum ein recht entspannter Endspurt werden können. Mit einem Sieg beim direkten Konkurrenten in Mainz wäre der Revierklub fast uneinholbar enteilt. Bei zwölf Punkten Vorsprung auf den ersten direkten Abstiegsplatz hätten die Verantwortlichen schon für das vierte Bundesliga-Jahr in Folge planen können. Stattdessen sind die Abstiegssorgen nach der 0:2-Pleite in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wieder größer geworden – in erster Linie selbstverschuldet. Denn erneut war die Leistung nicht ausreichend für einen Punktgewinn. Der VfL ließ vor allem in der Offensive die Bundesliga-Reife vermissen. „Die Problematik ist nicht neu“, stellte Trainer Thomas Letsch hinterher fest. Nur äußerst selten kamen die Bochumer überhaupt in den Mainzer Strafraum, die biederen Gastgeber umgekehrt allerdings auch nicht. Dass sie trotzdem als Sieger vom Platz gingen, hatten sie einem höchst umstrittenen Elfmeter und einer schläfrig verteidigten Ecke zu verdanken.

Wieder Schiri-Ärger

Zum wiederholten Male echauffierten sich die Bochumer während und nach der Partie über die Entscheidungen des Unparteiischen. Sie fühlten sich benachteiligt. Matthias Jöllenbeck hatte nach einem Fußkontakt von Bernardo an Jae-sung Lee auf den Elfmeterpunkt gezeigt. Allerdings war Bochums Linksverteidiger mindestens gleichzeitig, vermutlich sogar etwas eher am Ball. „Es ist müßig, wieder darüber zu diskutieren“, sagte Sportdirektor Marc Lettau, der während des Spiels die gelbe Karte sah, weil er vehement einen Video-Check forderte. Der aber blieb aus, weil es aus Sicht des VAR keine klare Fehlentscheidung war. „Ich glaube, im Kölner Keller gab es um 15.30 Uhr Kaffee und Kuchen“, beschwerte sich VfL-Verteidiger Keven Schlotterbeck, der allerdings zugeben musste, dass die eigene Mannschaftsleistung (ebenso) unzureichend war. Im eminent wichtigen Kellerduell setzte es die vierte Niederlage in Folge. Der VfL steckt in einer Frühjahrskrise – und wieder mittendrin im Abstiegskampf.

Vorsprung schmilzt

Der Vorsprung auf Mainz und den Relegationsplatz ist auf sechs Punkte geschmolzen, die Ausgangsposition nur noch bedingt komfortabel. „Letzte Woche waren es noch neun, jetzt sind es sechs Punkte Abstand nach unten. Und wenn wir nicht aufpassen, sind es bald drei“, mahnt Bernardo zur erhöhten Wachsamkeit, während Trainer Letsch beruhigt: „Sechs Punkte Vorsprung zu diesem Zeitpunkt hätten vor der Saison vermutlich alle genommen.“ Geschäftsführer Patrick Fabian sieht das ähnlich: „Wir haben 25 Punkte, wir sind nicht kurz vor dem Abgrund. Aber wir müssen den Trend erkennen.“ Die nun anstehende Länderspielpause kommt jedenfalls zum richtigen Zeitpunkt, auch mit Blick auf die Verletztenliste. „Ein, zwei Spieler könnten gegen Darmstadt zurückkehren, die uns in der Offensive weiterhelfen“, stellt Lettau in Aussicht. Flügelstürmer Christopher Antwi-Adjei sollte bis dahin wieder fit sein, vielleicht auch Mittelfeldspieler Matus Bero und Defensivallrounder Tim Oermann.

Spieler außer Form

Ob das allerdings reicht? Die Startelf für das Spiel in Mainz kam der sonst üblichen Formation bereits ziemlich nahe. Das Problem: Auf einigen Positionen – speziell hinten rechts und im Angriff – fehlt merklich Qualität; erst recht, wenn Stammspieler fehlen. Hinzu kommt, dass Leistungsträger wie Takuma Asano, Kevin Stöger oder Ivan Ordets aktuell nicht in Form sind. Auch Trainer Thomas Letsch muss sich Kritik gefallen lassen. Das Bochumer Angriffsspiel konzentriert sich in dieser Saison sehr aufs Zentrum, die Flügel werden nur selten bespielt – dadurch ist der VfL leicht ausrechenbar. Großartige Änderungen sind knapp zwei Monate vor dem Saisonende nicht zu erwarten, Letsch setzt im Endspurt auf einfache Lösungen. Als Beispiel nennt der Fußballlehrer Standardsituationen, „die wir besser ausspielen müssen.“ Wenn auch das nicht klappt, „müssen wir hinten wenigstens die Null halten.“ Das ist dem VfL zuletzt im Januar gelungen. Seitdem wackelt auch die Defensive wieder.


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(Foto: Imago / Jan Huebner)

Debatte

VfL-Kolumne: Nicht zu sehr auf Schiri-Leistung fokussieren

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Immer zu Wochenbeginn gibt es einen kurzen Kommentar zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Schiedsrichter-Entscheidungen.

Thomas Letsch macht es genau richtig. Er ärgert sich zwar über mangelhafte Schiedsrichter-Leistungen, rückt aber die Fehler der eigenen Mannschaft in den Mittelpunkt. Das ist gleich doppelt sinnvoll. Zum einen, weil Letsch die Entscheidungen der Unparteiischen ohnehin nicht beeinflussen kann. Zum anderen, weil man oftmals eigene Versäumnisse übersieht, wenn man die Schuld nur bei anderen sucht. Eine leichtfertig vergebene Torchance oder eine verpasste Abwehraktion wiegen häufig ebenso schwer wie ein nicht gegebener Foulelfmeter.

Eine Verteidigungsrede für das deutsche Schiedsrichterwesen soll diese Kolumne allerdings nicht sein. Der VfL Bochum hatte in dieser Saison mehrmals Pech bei den Entscheidungen der Unparteiischen. Das ist selbst dann der Fall, wenn man nur die Szenen miteinbezieht, die auch ohne blau-weiße Brille als klare Fehlentscheidungen zu identifizieren sind. Hinzu kommen Situationen aus der Grauzone, die fast immer gegen den VfL entschieden wurden. Nur selten wurden die Bochumer zu Unrecht bevorteilt.

Das Problem beim DFB ist, dass die Schiedsrichter insbesondere bei Platzverweisen und Handspielen im Strafraum keine eindeutige Linie verfolgen, dass unklar bleibt, wann genau ein Video-Check auf dem Spielfeld erfolgt und dass sie ihre Entscheidungswege schlecht nach außen kommunizieren. Die Trainer sind nach den Spielen verpflichtet, den Auftritt ihrer Mannschaft zu erklären – die Schiedsrichter nicht. Warum eigentlich nicht?

So bleibt die Deutungshoheit bei den Vereinen. Dass sich die Bochumer Verantwortlichen auch nach dem Heimspiel gegen Freiburg nicht wutentbrannt vor die Kameras und Mikrofone gestellt haben, mag einige Fans enttäuscht haben, ist aber im Sinne des Sports. Macht der Schiedsrichter einen oder auch mehrere Fehler, ist er ohnehin schon tagelangen Schimpftiraden ausgesetzt. Da braucht es nicht noch zusätzliches Öl fürs Feuer. Sachliche Kritik genügt. Außerdem: Lautes Poltern und Jammern über die (vermeintlich) ungerechte Fußballwelt gehört nach München oder Dortmund – nicht nach Bochum.


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(Foto: Marc Niemeyer)