VfL in Hamburg

Personalien bestimmen die Vorbereitung aufs HSV-Spiel

Bundesweit hat der Fall Bakery Jatta zuletzt für Aufregung gesorgt. Hat der Offensivspieler des Hamburger SV womöglich falsche Angaben bei seiner Flucht nach Deutschland gemacht? Darüber berichteten die „Sport Bild“ und der „Spiegel“. Demnach soll Jatta eigentlich Bakery Daffeh heißen und schon zweieinhalb Jahre älter sein als bei seiner Einreise angegeben. 

Deshalb stellt sich die Frage, ob Jattas Spielberechtigung überhaupt gültig ist. Mit Bekanntwerden der Vorwürfe legte der 1. FC Nürnberg Einspruch gegen die Spielbewertung ein. Die Franken haben am zweiten Spieltag mit 0:4 gegen den HSV verloren, Jatta gehörte zur Startformation. Darmstadt 98 und der Chemnitzer FC, die anderen beiden Pflichtspielgegner in dieser Saison, verzichteten dagegen auf rechtliche Mittel. An diesem Freitag gastiert nun der VfL Bochum in Hamburg. Wie geht der Revierklub mit der Angelegenheit um? 

Diskussion um HSV-Spieler

Sebastian Schindzielorz, Geschäftsführer Sport beim VfL, hat die Diskussion natürlich verfolgt. „Aber für eine Bewertung sind andere Stellen verantwortlich, nicht der VfL“, sagt der Manager auf Nachfrage. Von einem möglichen Einspruch spricht er nicht, er schließt ihn aber auch nicht aus. Es sei noch gar nicht klar, wie der DFB den Fall bewerten würde, erklärt Schindzielorz. Der Kontrollausschuss des Fußballbundes hat dem Spieler am Donnerstag die Möglichkeit, sich zu äußern. Bis zu einem möglichen Verfahren bestehen keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Spielerlaubnis. „Wir konzentrieren uns deshalb auf die Partie gegen den HSV, der außer Bakery Jatta noch viele andere sehr gute Spieler hat“, lenkt Schindzielorz den Fokus auf das Wesentliche.

Zwei Profis der Norddeutschen kennt er besonders gut. Mit Angreifer Lukas Hinterseer und Verteidiger Jan Gyamerah sind im Sommer gleich zwei Bochumer ablösefrei nach Hamburg gewechselt. Beim Aufstiegsfavoriten zählen sie schon zum Stammpersonal. Trainer Robin Dutt freut sich auf das Wiedersehen, weiß aber auch um die Qualitäten der beiden. Vor allem Torjäger Hinterseer gilt es zu bändigen. „Das müssen wir hinbekommen. Und zugleich wollen wir auch Jan und seine Abwehrkollegen vor Probleme stellen“, fordert Dutt.

Decarli und Blum sind fit

Wer dafür verantwortlich sein soll, ist noch offen. Ganz vorne wird Silvere Ganvoula stürmen, zentral spielt Sebastian Maier, dahinter Anthony Losilla und Vitaly Janelt. Auf den Flügeln drängen Tom Weilandt und der wiedergenesene Danny Blum in die Startelf. Auch Milos Pantovic und Chung Yong Lee stünden bereit. Simon Zoller wird dagegen pausieren müssen. Der Offensivallrounder hatte sich im Pokalspiel in Baunatal leicht verletzt. Wieder fit und damit gesetzt ist Abwehrchef Saulo Decarli. Passende Nebenleute werden noch gesucht. Mit einer stabilen Defensive soll der erste Saisonsieg in der Liga endlich gelingen. 

(Foto: Imago / Sven Simon)

Abwehrprobleme

Zu viele Gegentore: Riemann schlägt Alarm

Den absoluten Fehlstart hat der VfL Bochum mit einem knappen 3:2-Erfolg beim Fünftligisten KSV Baunatal abwenden können. Doch das mühsame Weiterkommen im DFB-Pokal, ein Unentschieden und eine Niederlage in der Liga stellen die Verantwortlichen keineswegs zufrieden. 

„Das ist einfach zu wenig. Gerade wenn man sieht, welch große Unterstützung wir erfahren“, sagt Robin Dutt. Knapp 2.500 VfL-Fans waren mit nach Baunatal gereist. „Das ist nicht selbstverständlich“, weiß der Bochumer Chefcoach, dass dies im weiteren im Saisonverlauf oft abhängig vom sportlichen Erfolg ist. 

Riemann kritisiert Defensivarbeit

Damit die Anhänger ihre Freude beibehalten, muss sich die gesamte Mannschaft deutlich verbessern, ganz besonders die Defensive. In 270 Pflichtspielminuten kassierte der VfL acht Gegentreffer: jeweils drei gegen Regensburg und Bielefeld, zwei weitere gegen Baunatal. Vor allem bei langen und hohen Bällen, aus dem Spiel heraus oder bei Standardsituationen, war die Viererkette oft mühelos zu überwinden. Klar ist: An der Körpergröße ist es nicht festzumachen: Die meisten Verteidiger haben Gardemaß. 

Doch woran liegt es dann? Torhüter Manuel Riemann schlägt Alarm: „Wenn ich wüsste, was die Ursache ist, würde ich das sagen. Ich sehe nur, dass die Absicherung nicht passt. Wir stehen schlecht, unterschätzen die Bälle oder nehmen sie zu locker. Das ist brutal. Wir müssen konzentrierter sein. Die Gegentore fallen zu einfach“, sagt der 30-Jährige, der seine Teamkollegen während des Spiels gerne korrigiert. Bislang vergeblich.

„Ich brülle nichts Wildes, sondern versuche das Spiel zu lesen und Hilfestellungen zu geben“, erklärt der Schlussmann, der in Bochum nicht unumstritten ist. In der noch jungen Saison lag die Fehlerquelle aber woanders. „Wir müssen uns schnellstmöglich etwas überlegen, vor allem bei langen Bällen“, appelliert der Keeper. „Denn wir können nicht ständig vier oder fünf Tore erzielen, um ein Spiel zu gewinnen.“ 

Umbruch in der Abwehr

Dass Riemann noch etwas Geduld mitbringen muss, bis sich die Defensive stabilisiert hat, liegt auf der Hand. Denn in der Abwehr wurde im Sommer ein großer Umbruch vollzogen. Bis auf Linksverteidiger Danilo Soares und Abwehrchef Saulo Decarli, der gegen Bielefeld angeschlagen raus musste und in Baunatal fehlte, setzt der VfL in der Abwehr auf junges, talentiertes, aber unerfahrenes Personal. Zuletzt bildeten der 22-jährige Simon Lorenz und der erst 17-jährige Armel Bella Kotchap das Innenverteidigerduo. Und deren Entwicklung braucht offensichtlich Zeit.

Dass dies ein Balanceakt zwischen kurzfristigen Ansprüchen und langfristiger Planung ist, zeigt sich auch bei den Rechtsverteidigern. Arsenal-Leihgabe Jordi Osei-Tutu schwächelte in den ersten beiden Saisonspielen so sehr, dass er im Pokal nur noch auf der Bank Platz nehmen durfte. Innenverteidiger Dominik Baumgartner, der einspringen musste, löste es nicht besser. Auch wenn es von den Verantwortlichen niemand offensiv sagt: Ergibt sich bis zum Transferschluss am 2. September eine externe Lösung, soll noch ein gelernter Außenverteidiger verpflichtet werden.

(Foto: Sportfoto Gerd Krause)

Bochumer Probleme

VfL-Kommentar: Nur eingeschränkt betriebsbereit

  • Der VfL müht sich in die nächste Pokalrunde
  • Für unsouveränes Auftreten gibt es Gründe
  • Kaderlücken immer noch nicht geschlossen

Die einzigen, die beim VfL Bochum früh in der Saison Bestform erreichen, sind die Fans. Schon vor dem Start knackten sie Rekorde beim Trikot- und Dauerkartenverkauf. Auch die Tickets für das Pokalspiel in Baunatal waren nach wenigen Minuten ausverkauft, die Stimmung war hervorragend. Das ist nur mit bedingungsloser Vereinsliebe erklärbar, nicht mit den Darbietungen der Mannschaft. Denn die ist auch nach drei Pflichtspielen nur eingeschränkt betriebsbereit.

Dabei kam der Fehlstart mit nur einem Punkt in der Liga und einem schmeichelhaften Pokalerfolg durchaus mit Ansage. Das liegt sicher auch an der zu kurz geratenen Vorbereitung. Robin Dutt sieht das anders, aber: Nur fünf Wochen reichten nicht aus, um die Mannschaft spielerisch und taktisch auf Kurs zu bringen und echtes Team zu formen. Weder das Defensivverhalten noch das Aufbauspiel funktionieren bislang. Wer für die Entwicklung stets Zeit einfordert – und das völlig zurecht – muss sie bei der Saisonplanung auch selbst berücksichtigen.

Fehler in der Kaderplanung

Den Trainer deshalb aber in den Mittelpunkt der Kritik zu stellen, ist weder fair noch richtig. Vieles steht und fällt mit der Kaderplanung – und die ist bislang unvollständig. Mit dem erhofften Umbruch wurden mehr Baustellen geschaffen als geschlossen.

An dieser Stelle kommt die Vorbereitung erneut ins Spiel: Kaderlücken in der Abwehr und im Angriff sind seit Wochen bekannt und mehr als offensichtlich. Auch die Probleme im nominell eigentlich überbesetzten Mittelfeld überraschen keineswegs. Bis auf Neuzugang Danny Blum wurde dieser Mannschaftsteil in keinster Weise verändert. Besonders tragisch: Der VfL beschäftigt gleich vier Spieler, deren Stärken im zentralen offensiven Mittelfeld liegen. Doch niemand von ihnen ist in der Lage, das Spiel zu beschleunigen, es mangelt an Tempo und Dynamik.

Auch wenn Last-Minute-Transfers wahrscheinlich sind, ihre Integration wird ebenfalls Zeit in Anspruch nehmen. Dann ist Herbst und der VfL rennt, so denn kein Wunder geschieht, der Musik schon wieder hinterher…

(Foto: Fabian Budde)

Pokalglück in Baunatal

Ganvoula rettet Bochum – und finanziert Verstärkung

  • VfL zittert sich in die nächste Pokalrunde
  • 3:2-Erfolg beim Oberligisten KSV Baunatal
  • Bochum unsouverän und ohne Spielkultur

Nicht einmal die Blaskapelle, die der KSV Baunatal vor dem Spiel bestellt hatte, konnte die Bochumer Mannschaft rechtzeitig wecken. 45 Minuten lang trabten elf Spieler in dunkelblauen Trikots über den Rasen und ließen Trainer wie Fans ratlos zurück. Mit einem 1:2-Rückstand ging es in die Kabine – und mit einem schmeichelhaften 3:2-Erfolg später auf die Heimreise. Die nächste Pokalblamage hat der Zweitligist gerade noch abwenden können.

Trotz des Weiterkommens war die Leistung der Dutt-Elf über weite Strecken enttäuschend und nach dem verpatzten Ligastart erneut alarmierend. „Heute waren nur zwei Dinge erfreulich: Die Gastfreundschaft der Baunataler und die Unterstützung unserer Fans. Das war es schon“, sagte Robin Dutt nach der Partie. Bochums Trainer war ziemlich frustriert und so gar nicht einverstanden mit der Darbietung seiner Mannschaft. „Vorne haben wir keinen Druck entwickelt und hinten war jeder Angriff eine Gefahr“, analysierte der Coach. 

In allen Belangen enttäuschend

Folgerichtig war deshalb auch der Halbzeitstand. Ein Elfmeter, den Silvere Ganvoula sicher verwandelte, war lange Zeit die einzig nennenswerte Torchance. Ungeordnet und unkonzentriert agierte die Defensive, ohne Tempo, Gier und Spielkultur die Offensive. Wütend lief Robin Dutt an der Seitenlinie auf und ab und wurde auch nicht ruhiger, als die mutigen Gastgeber dem Bochumer Tor immer näher kamen – und schließlich auch trafen. Nach einer Standardsituation fiel der Ausgleich, kurze Zeit später sogar das 1:2. Baunatals Angreifer, im Hauptberuf Grundschullehrer, ließ den VfL zeitweise zittern. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, sangen die Anhänger auf den Stehrängen.

Knapp 2.500 Bochumer waren nach Baunatal gereist, euphorisch und gut gelaunt. Mit ihrer lautstarken Unterstützung kam später auch die Wende. Nach dem Kabinengang – und einer deutlichen Ansage von Robin Dutt – waren die Bemühungen endlich erkennbar. Einer stach besonders hervor: Silvere Ganvoula. Der Mittelstürmer traf zum zweiten und dritten Mal und war der einzige, der sich wirklich freuen konnte. Verhalten war der Torjubel bei den Teamkollegen, das Trainerteam mahnte zur Konzentration. Nicht ohne Grund: Denn die Bochumer Abwehrreihe blieb eine Gefahrenquelle, nur mit Geduld und Glück brachte der VfL den knappen Sieg am Ende über die Zeit.

Prämie hilft auf dem Transfermarkt

Und so wird Robin Dutt bei der Suche nach dem Positiven tatsächlich nur neben dem Platz fündig. Erfreulich ist vor allem diese Erkenntnis: Für dem Einzug in die zweite Pokalrunde gibt es eine Prämie von 350.000 Euro. Geld, das der VfL für Verstärkungen dringend benötigt. Ob es für alle Positionen reicht, auf denen Handlungsbedarf besteht, ist unwahrscheinlich. Die Hintermannschaft wackelt bedenklich, acht Gegentreffer in drei Partien sprechen für sich. Schwächen gibt es auch im Mittelfeld. Viele Spieler rufen ihr vermeintliches Potenzial nicht ab, das Tempodefizit ist immer noch nicht behoben. Und im Angriff fehlt ein Ersatz für Silvere Ganvoula – wobei er den mit seinem Dreierpack vielleicht selbst finanziert hat.

(Foto: Sportfoto Gerd Krause)

Vertragsauflösung

Einigung: Hoogland verlässt den VfL Bochum

  • Spieler und Verein lösen Vertrag auf
  • Hoogland spielte keine Rolle mehr
  • Causa Celozzi ist weiter ungelöst

Knapp zweieinhalb Monate hat es gedauert, bis der VfL Bochum und Abwehrspieler Tim Hoogland eine Lösung gefunden haben. Seit Freitagabend steht fest: Der 34-Jährige und sein Arbeitgeber, für den er 125 Pflichtspiele absolviert hat, gehen endgültig getrennte Wege. Beide Seiten verständigten sich auf eine Vertragsauflösung, nach Vereinsangaben sogar „einvernehmlich“.

Es liegt jedoch auf der Hand, dass dieser Vereinbarung eine finanzielle Einigung vorausgegangen ist. Bedeutet: Dafür, dass Hoogland nun fast ein Jahr vor seinem Vertragsende aufhören soll, wird der VfL wohl löhnen müssen, eine Abfindung ist wahrscheinlich. Denn über einen neuen Verein, bei dem Hoogland anheuern könnte, ist bislang nichts bekannt. Genau darauf hatten die Bochumer ursprünglich gehofft, als sie ihren Defensivallrounder am Ende der vergangenen Saison aussortiert haben.

Hoogland fällt dem Umbruch zum Opfer

Die Erklärung dafür war bei den Fans, aber auch innerhalb der Mannschaft durchaus umstritten. Um die Teamhierarchie zu verändern und die Defensive zu verjüngen, wurde Hoogland mitgeteilt, dass er sich einen neuen Verein suchen soll. Doch daraus wurde nichts: Der Ex-Schalker erschien zum Trainingsauftakt Ende Juni wieder in Bochum, fuhr mit ins Trainingslager und absolvierte das übliche Programm. Nur in den Test- und Pflichtspielen wurde er nicht mehr eingesetzt. Für das Teamklima war das freilich nicht optimal. Denn Hoogland hatte sich in vier Jahren beim VfL den Status als Führungsspieler erarbeitet, er war intern einer der Wortführer.

Dass der Routinier, der stets Stammspieler war, erst im Januar 2019 einen neuen Vertrag erhalten hat, hatte übrigens einen ganz anderen Grund, als vom Verein kommuniziert wurde. So wurde durch eine bestimmte Anzahl von Einsätzen eine Klausel aktiv, mit der sich das Arbeitsverhältnis automatisch um ein weiteres Jahr verlängert hat. Der VfL hatte die Verlängerung hingegen so dargestellt, als ob sich Hoogland und die Verantwortlichen explizit auf eine weitere Zusammenarbeit geeinigt hätten. Ob Hoogland seine Karriere überhaupt fortsetzen wird, ist nicht bekannt. Eigentlich hatte er stets betont, zumindest in Deutschland für keinen anderen Verein mehr spielen zu wollen.

Ähnlicher Fall ist noch ungelöst

Ob das auch für Stefano Celozzi gilt, bleibt weiter offen. Dem Ex-Kapitän wurde im Mai ebenfalls mitgeteilt, dass er den Verein verlassen soll. Mit ihm wurde bislang noch keine einvernehmliche Lösung gefunden.

(Foto: P. Rentsch)

Pokalspiel in Baunatal

Torwartwechsel? Dutt verspricht die „beste Mannschaft“

  • Bochumer Pflichtaufgabe im DFB-Pokal
  • Samstag zu Gast beim KSV Baunatal
  • Robin Dutt verzichtet auf Experimente

„Wir werden mit der besten Mannschaft antreten“, verspricht VfL-Coach Robin Dutt vor dem Erstrundenmatch im DFB-Pokal beim KSV Baunatal. Wobei der 54-Jährige ergänzt: „Wir sollten dort in jeder Besetzung gewinnen.“

Blamagepotenzial beim Oberligisten

Die Marschroute vor dem Duell am Samstag (Anstoß 18.30 Uhr) ist also klar. Alles andere als ein Sieg wäre eine Blamage, ähnlich wie im Vorjahr, als der VfL mit 0:1 bei Weiche Flensburg verlor und die Segel schon nach der ersten Runde streichen musste. Auch davor sind die Bochumer schon als Favorit ausgeschieden, 2016 beim Regionalligisten Astoria Walldorf.

Das soll in diesem Jahr anders werden. Auch, weil Baunatal noch eine Klasse tiefer spielt als Flensburg oder Walldorf. Zuletzt belegte der Kultur- und Sportverein den siebten Tabellenplatz in der Oberliga, im Hessenpokal ging es bis ins Finale (1:8-Niederlage gegen Zweitligist Wiesbaden) und somit in den DFB-Pokal. Dort war der Klub zuletzt vor 32 Jahren vertreten. Ausgetragen wird das Spiel gegen Bochum im eigenen Parkstadion, eine Anlage mit 7.500 Plätzen. Möglich macht es unter anderem VW. Der Automobilhersteller betreibt in Baunatal ein Werk mit knapp 17.000 Mitarbeitern, ein Wirtschaftsmotor für die ganze Region.

Zusatzeinnahme fürs Weiterkommen

Eine Prämie vom Konzern aus Wolfsburg, zumindest indirekt, könnte auch der VfL einstreichen, so er denn die nächste Runde erreicht. Volkswagen ist schließlich Hauptsponsor des Wettbewerbs, neben den TV-Anstalten der wichtigste Geldgeber. Rund 350.000 Euro winken als Garantiesumme für die zweite Runde – Einnahmen, auf die in Bochum niemand verzichten möchte. Und damit die Buchhaltung auch wirklich einen Zahlungseingang verzeichnet, wagt Trainer Robin Dutt keine Experimente.

Verzichten muss er lediglich auf die Neuzugänge Danny Blum (Stauchung im Knöchel) und Saulo Decarli (Hüftprobleme), auch mit Maxim Leitsch ist derzeit nicht zu rechnen. Dient das Training am Donnerstagnachmittag als Maßstab, nehmen Simon Zoller und Armel Bella Kotchap die freien Plätze in der Startelf ein. Gute Chancen auf einen Wettkampfeinsatz hat auch Dominik Baumgartner. Der Österreicher könnte den zuletzt unsicheren Jordi Osei-Tutu verdrängen.

Möglicher Torwartwechsel

Offen ist noch, ob es eine Torwartrotation geben wird. Im Vorjahr erhielt Ersatzkeeper Felix Dornebusch die einzige Chance sich zu zeigen, nun hofft Patrick Drewes auf seinen ersten Einsatz im VfL-Trikot. Im Training verteidigte der Pokalsieger von 2015 (damals mit Wolfsburg) hinter der Stammdefensive. Eine Nachfrage bei Robin Dutt lässt jedoch vermuten, dass Manuel Riemann das Tor hüten wird. Wie dem auch sei, die Vorgabe zum Weiterkommen gilt so oder so…

(Foto: P. Rentsch)

Startprobleme bei Osei-Tutu

VfL Bochum sucht stabilen Rechtsverteidiger

  • Neuzugang Jordi Osei-Tutu noch instabil
  • Kein erfahrener Back-Up in der Hinterhand
  • Comeback von Stefano Celozzi ausgeschlossen

In der vergangenen Saison sprach Robin Dutt noch von einem „Luxusproblem“ – denn auf der Rechtsverteidiger-Position hatte er die Qual der Wahl: Mit Jan Gyamerah und Stefano Celozzi standen gleich zwei zuverlässige Kandidaten bereit. Der eine, nämlich Gyamerah, war offensiv stärker, der andere, also Celozzi, war als Leader und Kapitän gefragt.

Doch der Luxus ist seit dieser Saison Geschichte, geblieben ist das Problem: Gyamerah ging zum Hamburger SV, Celozzi wurde aussortiert, um die Mannschaft zu verjüngen und eine neue Hierarchie aufzubauen. Dass der VfL zum Saisonstart sechs Gegentore in nur zwei Partien kassierte, war nicht nur, aber in drei Fällen auch der rechten Abwehrseite zuzuschreiben.

Osei-Tutu muss noch einiges lernen

Ein Grund dafür: Arsenal-Leihgabe Jordi Osei-Tutu, im Sommer zu einer Art Wunschlösung auserkoren, zeigt größere Anlaufschwierigkeiten als erhofft. Schon in der Vorbereitung war erkennbar, dass der Engländer offensiv zwar alles mitbringt, um dem VfL zu helfen, doch defensiv offenbart er noch große Schwächen. Regensburg und Bielefeld nutzten sein schlechtes Stellungsspiel und fehlende Robustheit in den Zweikämpfen immer wieder aus, viele Angriffe liefen über die rechte Verteidigungsseite.  

Dass der 20-Jährige noch Zeit benötigt – und fairerweise auch bekommen müsste – ist unbestritten. Ein neues Land und eine neue Sprache erschweren die Eingewöhnung zusätzlich. Nur: Osei-Tutu ist lediglich bis zum kommenden Sommer ausgeliehen, über eine Kaufoption ist nichts bekannt. Nach dem Abgang von Jan Gyamerah und der Ausmusterung von Stefano Celozzi benötigt der VfL aber eigentlich eine Soforthilfe – und keinen Auszubildenden.

Problematisch sind die Anlaufschwierigkeiten von Osei-Tutu auch deshalb, weil sein Ersatzmann ebenso unerfahren und nicht einmal ein gelernter Außenverteidiger ist. Zwar kann Dominik Baumgartner durchaus auf dieser Position spielen, seine bevorzugte Position ist aber eigentlich die Innenverteidigung. Genau dafür wurde er im Winter von Wacker Innsbruck verpflichtet und in Bochum vorgestellt.

Celozzi wäre eigentlich noch da

Zumindest theoretisch wäre Stefano Celozzi immer noch verfügbar. Denn der Ex-Kapitän steht beim VfL nach wie vor unter Vertrag, wird bezahlt und trainiert auch weiter mit der Mannschaft. Ein solides Zweitliganiveau würde er vermutlich immer noch garantieren – doch ein Einsatz ist praktisch ausgeschlossen, selbst dann nicht, wenn es sportlich naheliegend wäre. Eine Rolle rückwärts plant von den Verantwortlichen keiner, es würde ihre Glaubwürdigkeit auch nachhaltig erschüttern.

Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist bislang nicht in Sicht. Optimal wäre aber diese Lösung: Celozzi findet bis zum 2. September doch noch einen neuen Verein, womöglich unterstützt vom VfL. Das würde zugleich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Bochum auf dem Transfermarkt noch einmal nachlegen kann – und aus der Situation hinten rechts wieder ein Luxusproblem wird.

(Foto: Sportfoto Gerd Krause)