Schwierige Aufgabe für Reis

VfL-Kommentar: Zaubern kann keiner

Sollte Thomas Reis in den sozialen Netzwerken aktiv sein, dann sei ihm dieser Tage dazu geraten, besser nicht in die Kommentarspalten zu schauen. Denn die Mehrheit reagiert mit großer Ablehnung auf seine Verpflichtung als Chefcoach der VfL-Profis.

Vermutlich sind diese Reaktionen auch weniger der Personalie Thomas Reis, sondern viel mehr der schwierigen Gesamtlage geschuldet: dem verpatzten Saisonstart, der verkorksten Transferpolitik und dem drohenden Abstiegskampf in dieser Saison. Reis bekommt also das ab, was an Sebastian Schindzielorz oder das Präsidium gerichtet ist. Obendrein entsteht der Eindruck, als habe sich die Vereinsführung die Trainerwahl ziemlich leicht gemacht. Nicht zum ersten Mal wird eine Lösung bevorzugt, die irgendwie naheliegend und einfach ist.

Reis muss einen Draht zur Mannschaft entwickeln

Diese Kritik darf aber auch nicht die positiven Aspekte außer Acht lassen. Denn Thomas Reis hat sich entwickelt, erst in Bochum, zuletzt in Wolfsburg – und hat stets gute Arbeit geleistet. Er ist ein Teamplayer, der ehrgeizig ist und für diesen Klub brennt, er beherrscht Zuckerbrot und Peitsche – ein wichtiger Punkt, wenn man die Strömungen innerhalb der Kabine verfolgt. Seine fehlende Erfahrung kann, muss aber kein Nachteil sein. Entscheidend ist, dass sich Reis schnell Respekt verschafft, das Fachliche steht erst an zweiter Stelle.

Grundsätzliche Probleme wird nämlich auch er nicht so schnell lösen können. Reis muss mit einer Mannschaft arbeiten, die ohne durchdachten Plan zusammengestellt wurde. Deshalb hilft es auch nicht, den neuen Cheftrainer unter Druck zu setzen und nach der nächsten Niederlage völlig durchzudrehen. Zaubern kann keiner, egal, wen der VfL jetzt verpflichtet hätte.

(Foto: Fabian Budde)

Bochum gegen Bayern

Pokaltickets fast weg: Wenig Ärger, viel Vorfreude

Viel war vom großen Ansturm gar nicht mehr zu sehen, nicht einmal eine kleine Warteschlange. Am späten Mittwochnachmittag standen nur noch wenige VfL-Fans am Schalter an, um Eintrittskarten für das Pokal-Heimspiel gegen Bayern München zu erwerben. Und am Ende gingen auch sie zufrieden nach Hause: Zumindest Stehplatzkarten, etwa 1.000 um genau zu sein, waren gegen 17 Uhr noch zu haben – nur für Vereinsmitglieder oder Dauerkarteninhaber, maximal zwei pro Person.

Online oder analog?

Genau diese Einschränkungen und weitere Maßnahmen haben dazu geführt, dass die Verantwortlichen schon jetzt ein positives Fazit ziehen können. „Vom Ablauf her hat alles reibungslos funktioniert“, sagt Knut Keymer, Cheforganisator beim VfL. Den Verkauf hat der Klub vorwiegend über den eigenen Online-Shop bewältigt. So sollte verhindert werden, dass Fans stundenlang anstehen müssen. Trotzdem traf der erste Fan nach eigener Auskunft schon gegen 2.30 Uhr ein, fünfeinhalb Stunden später öffnete der Fanshop. Ein kleines Kontingent wurde extra für den analogen Verkauf zurückgehalten.

Während diese Sitzplatzkarten erst am Nachmittag vergriffen waren, ging es im Online-Shop deutlich schneller. Schon nach wenigen Minuten waren fast alle Tickets ausverkauft. Nur Stehplatzkarten sind immer noch verfügbar – was auch dem Trend entspricht, den der Verein schon länger verzeichnet: Bei stark nachgefragten Spielen werden zuerst die Sitzplätze gebucht. Rund 15.500 gibt es davon im Bochumer Ruhrstadion, weitere 12.000 Besucher dürfen stehen. Aus Sicherheitsgründen lässt der VfL zum Pokalspiel aber nur 26.600 Zuschauer in sein Schmuckkästchen.

Mitglied oder Dauerkarte?

Theoretisch könnte der VfL weit mehr als das Doppelte an Tickets verkaufen, so viele Kartenwünsche haben den Klub zuletzt erreicht. Um die treuen Fans zu belohnen, gehen Tickets aber ausschließlich an Vereinsmitglieder oder Dauerkarteninhaber. Ein freier Verkauf ist gar nicht erst geplant. Gästefans haben über den FC Bayern die Möglichkeit, das Spiel live zu verfolgen. Knapp 3.400 Tickets schickt der VfL gen Süden – doch auch dort übersteigt die Nachfrage das Angebot. Presse- und Sponsorenkarten sowie ein weiterer VIP-Bereich in der Rundsporthalle verkleinern das Kontingent zusätzlich.

„Bei einer Nachfrage, die die Stadionkapazität bei weitem übersteigt, ist es kaum möglich, alle zufrieden zu stellen“, weiß auch Knut Keymer. Sein Team hat deshalb nach einer möglichst fairen Lösung gesucht. Dazu gab es allerhand Hinweise, damit jeder Käufer wusste, was zu tun war. Das hat sich offensichtlich gelohnt: In den sozialen Netzwerken loben die allermeisten Fans die Vorgehensweise des Klubs. Es gibt wenig Ärger, dafür viel Vorfreude auf das Spiel am 29. Oktober.

Jahresurlaub oder Pokalspiel?

Zuspruch gibt es dieser Tage auch für die Ankündigung, konsequent gegen Tickethändler auf dem Schwarzmarkt vorzugehen. Hierfür hat der Zweitligist sogar eigens eine Anwaltskanzlei aus Dortmund beauftragt, die darauf spezialisiert ist, gegen den Weiterverkauf von Tickets zu überhöhten Preisen vorzugehen. Dies ist in den Geschäftsbedingungen des Vereins ausdrücklich untersagt. Der VfL behält sich zudem vor, die Mitgliedschaft zu kündigen oder das Vorkaufsrecht zu entziehen.

Offensichtlich hat das eine abschreckende Wirkung. Auf „Ebay“ zum Beispiel waren am Mittwochabend fast keine Kleinanzeigen oder Auktionsangebote zu finden. Auf „Viagogo“ dagegen werden Haupttribünenkarten für rund 1.300 (!) Euro angeboten. Es soll Menschen geben, die für weniger Geld ihren Jahresurlaub bestreiten.

(Foto: Fabian Budde)

Neuer Trainer

Darum hat sich der VfL für Reis entschieden

Viel Verhandlungsstärke und Überzeugungskraft musste die Bochumer Vereinsführung nicht beweisen, um zu dieser Entscheidung zu gelangen. Und das ist völlig wertfrei gemeint. Seit Freitagabend ist jedenfalls klar: Thomas Reis wird Nachfolger von Robin Dutt und damit neuer Cheftrainer des VfL Bochum. Der 45-Jährige kehrt damit in seine Heimat und zu seinem Herzensverein zurück.

Die Hintergründe zum Deal:

Wie kam der Wechsel zustande? Einziger Knackpunkt war der noch laufende Vertrag von Thomas Reis beim VfL Wolfsburg. Dort hat er bis zuletzt die U19 trainiert. Doch der Bundesligist hat den Wechsel nicht blockiert. Gegen eine kleine Ablöse konnte Reis sofort gehen. Ansonsten beruht dieser Deal vor allem auf guten Kontakten: Manager Schindzielorz und Reis kennen sich seit knapp 20 Jahren. Und auch der Draht zwischen dem Präsidium und dem neuen Chefcoach ist nie abgerissen. Reis war bei der Anfrage vor wenigen Tagen sofort Feuer und Flamme. Über seine Vertragslaufzeit macht der Klub bislang keine Angaben. Angeblich soll Reis bis zum Sommer 2021 unterschrieben haben.

Was war mit den anderen Kandidaten? Viele Namen wurden zuletzt genannt – von Hannes Wolf über Jens Keller bis Markus Kauczinski. Aber: In allen Fällen waren es reine Spekulationen. Zu diesen Kandidaten soll es nicht einmal eine Kontaktaufnahme gegeben haben. Reis galt nach internen Beratungen schnell als Wunschkandidat. Die wichtigsten Kriterien: Ein offensiver Spielansatz, durchsetzungsstark und kooperativ, Erfahrung mit jungen Spielern und Identifikation mit dem Verein.

Wie hat sich Reis zuletzt entwickelt? Acht Jahre war er Spieler in Bochum und zählte 1997 zu den UEFA-Cup-Helden, später war er Trainer in verschiedenen Positionen: Bei der U19 und U23, Co-Trainer der Profis, sogar die Damenmannschaft hat er betreut. 2016 ging es dann zum VfL Wolfsburg. Dort zog er zweimal in die Endrunde um die A-Junioren-Meisterschaft ein. Darauf wurde Holstein Kiel aufmerksam. Verhandlungen über einen Wechsel im Sommer scheiterten allerdings. Jetzt, wenige Monate später, hat er sein Ziel erreicht: Reis wird zum ersten Mal Chef einer Profimannschaft. Ob das ein Nachteil ist, muss sich noch herausstellen.

Wofür steht Thomas Reis? In Wolfsburg variierte er sein System immer wieder, der Denkansatz blieb aber der gleiche: Reis bevorzugt einen aktiven Spielstil. Dazu setzt er auf konsequente Mannschaftsführung, fordert bedingungslosen Einsatz. Der Fußballlehrer gilt außerdem als Teamplayer, was für Schindzielorz ein wichtiges Kriterium war. Reis bringt keine eigene Crew mit, arbeitet stattdessen mit Assistenten zusammen, die er zum Teil schon kennt – etwa Co-Trainer Heiko Butscher, Torwart-Trainer Peter Greiber oder die medizinische Abteilung.

Welche Verbindungen gibt es noch? Reis war nach seinem Weggang regelmäßig zu Besuch im Revier, auch aus privaten Gründen – denn seine Familie wohnt immer noch in Bochum. Er kennt den Klub und seine Strukturen bestens, das Umfeld genauso wie den Profi- und den Nachwuchsbereich. Spieler wie Maxim Leitsch oder Görkem Saglam hat er in der U19 noch selbst trainiert. Auch Patrick Fabian, Thomas Eisfeld, Anthony Losilla und Stefano Celozzi hat er als Co-Trainer schon begleitet. Am Montag um 11 Uhr leitet Reis übrigens die erste Einheit in neuer Funktion. Zuvor wird er in einer Pressekonferenz offiziell vorgestellt.

Rückkehr ins Team

Fall Celozzi: Schindzielorz in der Bredouille

Jeder Trainerwechsel sei ein Neustart, speziell für die Mannschaft, sagte Thomas Reis in seiner ersten Pressekonferenz am Montag. Vor allem Ex-Kapitän Stefano Celozzi wird sich darüber freuen. Der 30-Jährige dürfe sich sportlich neu beweisen, erklärte Reis. Im Mai war Celozzi nach einer maximal mäßigen Saison vom damaligen Trainer Robin Dutt, von Manager Sebastian Schindzielorz und mit Kenntnisnahme des Präsidiums trotz eines laufenden Vertrags aussortiert worden. Das Gehalt floss natürlich weiter, Celozzi trainierte auch unverändert mit. Doch eine Chance, noch einmal das VfL-Trikot zu tragen, bekam der Rechtsverteidiger nicht mehr.

Celozzi hofft auf Reis

Dass ihm Thomas Reis jetzt die Türe wieder öffnet, ist naheliegend. Der Fußballlehrer möchte zu Beginn seiner Amtszeit sicher keinen Streit befeuern. Auch kann er das Leistungsprinzip nicht außer Kraft setzen. Insofern war das, was Reis zu Dienstbeginn am Montag sagte, einleuchtend: Celozzi wird spielen, wenn er sportlich überzeugt, und er wird nicht spielen, wenn er nicht überzeugt. Allerdings bringt Reis damit seinen direkten Vorgesetzten in die Bredouille. Denn Schindzielorz hat die Entscheidung der Ausbootung von Celozzi nicht nur mitgetragen, sondern auch selbst verkündet. Die Rolle rückwärts kratzt nun auch an der Glaubwürdigkeit des Managers.

Ohnehin ist Schindzielorz an der misslichen Lage gleich doppelt beteiligt. Denn dass über Celozzi so intensiv diskutiert wird, liegt auch daran, dass der Manager sportlich nicht für bessere Alternativen gesorgt hat. Arsenal-Leihgabe Jordi Osei-Tutu erfüllt nicht die Anforderungen, die der VfL an einen Zweitliga-Verteidiger stellen muss. Die Defizite im Defensivbereich sind so gravierend, dass sogar hinterfragt werden muss, wie intensiv die Verantwortlichen den Spieler zuvor unter die Lupe genommen haben. Auch das Experiment, Dominik Baumgartner zum Außenverteidiger zu machen, ging schief. Sogar so sehr, dass der junge Österreicher jetzt wieder in seine Heimat verliehen wurde.

Schindzielorz setzt auf Gamboa

Wie stark Cristian Gamboa, ein Last-Minute-Transfer von Schindzielorz, wirklich ist, muss sich noch herausstellen. Für ihn spricht die internationale Erfahrung, sogar in der Champions League und bei Weltmeisterschaften hat der 29-Jährige mitgewirkt. Dass Gamboa seit Juli vereinslos war und sein Berater wochenlang vergeblich nach einem neuen Arbeitgeber gesucht hat, ist aber auch kein Argument für ihn. Intern verriet Bochums Manager jedenfalls, dass der Nationalspieler aus Costa Rica live gesichtet wurde und nicht erst kurzfristig auf dem Radar des Klubs erschienen ist. Ein Panikeinkauf dürfte Gamboa also nicht sein. Ob es reicht, um auch Celozzi hinter sich zu lassen, entscheidet jetzt der neue Trainer.

(Foto: Pressefoto Eibner)

Neuer Angreifer

Wintzheimer zum VfL: Mehr als ein Paniktransfer?

Fast bis zum letzten Moment haben sich die Verantwortlichen Zeit gelassen, jetzt haben sie ihren neuen Angreifer endlich gefunden: Manuel Wintzheimer kommt auf Leihbasis vom Hamburger SV nach Bochum. Mittlerweile ist der Wechsel auch offiziell bestätigt. Eine Kaufoption soll es nicht geben, der HSV hält noch große Stücke auf den Jungprofi.

Wintzheimer nach Bochum

Trotzdem war der 20-Jährige, ausgebildet beim FC Bayern, beim Ligakonkurrenten nur noch dritte Wahl. Ein Grund dafür: Lukas Hinterseer, im Sommer vom VfL gekommen, hat ihn verdrängt. An der Castroper Straße soll Wintzheimer jetzt mindestens die Jokerrolle einnehmen. Eine Alternative zu Stammspieler Silvere Ganvoula wurde zuletzt dringend benötigt. Wobei Bochums Neuzugang ein etwas anderer Spielertyp ist. Wintzheimer ist kein großgewachsener, wuchtiger Mittelstürmer, sondern eher eine angreifende Allzweckwaffe, der zentral, aber auch außen zum Einsatz kommen kann.

Ob dies dem Anforderungsprofil entsprach oder angesichts der Zeit gar keine andere Option mehr übrig blieb, ist eine berechtigte Frage. Klar ist nämlich: Der Bedarf im Angriff wurde schon frühzeitig erkannt, immer wieder gab es Gespräche mit Kandidaten und Agenten. Zum Abschluss kam es aber nie. Waren die Ansprüche des Klubs zu hoch, die Mittel begrenzt oder die Argumente nicht überzeugend? Stürmer der Preisklasse Wintzheimer, zu dessen Berater es traditionell gute Kontakte gibt, dürfte es durchaus schon früher gegeben haben. Dass der 20-Jährige also die absolute Wunschlösung war, die erst jetzt auf den Markt gekommen ist, darf zumimdest bezweifelt werden.

Baumgartner nach Wolfsberg

Der Wow-Effekt bleibt deshalb aus, auch weil der VfL im Falle einer positiven Entwicklung keinen Zugriff auf den Spieler hätte. Doch Wintzheimer bringt zweifellos auch Qualitäten mit. In der Bayern-Jugend entwickelte er sich zum Torjäger, knipste in der U19 nach Belieben und wurde vom DFB zum drittbesten Spieler seines Jahrganges gekürt. Anschließend, nämlich im Sommer 2018, wechselte er an die Elbe. Dort setzte sich der Stürmer am Ende der vergangenen Saison erstmals durch und traf in sieben Zweitligapartien dreimal.

Nicht mehr zusammenspielen wird Wintzheimer übrigens mit Dominik Baumgartner. Denn Bochums Innenverteidiger wird für ein Jahr in sein Heimatland Österreich ausgeliehen. Dort soll er Spielpraxis beim Europa-League-Teilnehmer Wolfsberger AC sammeln. Ob es an diesem Montag, dem letzten Tag der Transferperiode, noch weitere Wechsel geben wird, bleibt abzuwarten.

(Foto: VfL Bochum 1848)

VfL legt Protest ein

Fall Jatta: VfL nimmt Einspruch zurück

UPDATE: Der VfL Bochum hat sich am Dienstagnachmittag abschließend zum Fall Bakery Jatta geäußert. Nachdem das Bezirksamt Hamburg-Mitte die Ermittlungen zu Zweifeln an der Identität des HSV-Profis eingestellt hat, zieht der Revierklub seinen Protest zurück. Der VfL hatte aufgrund von Verdachtsmomenten Einspruch gegen die Wertung des Auswärtsspiels beim Hamburger SV eingelegt. Jatta war in dieser Partie eingesetzt worden.

„Mit der Entscheidung der zuständigen Behörde hat sich die sportjuristische Frage für den VfL Bochum geklärt und wir sehen keine Veranlassung, den Einspruch aufrecht zu erhalten“, heißt es von Vereinsseite. Und weiter: „Der VfL hat eine verdiente Niederlage hinnehmen müssen. Durch die veränderte Indizienlage […] besteht kein Grund mehr, die Rechtmäßigkeit der Spielberechtigung zu hinterfragen.“

Der ursprüngliche Bericht vom 19.08.2019:

In der Geschäftsstelle des VfL Bochum herrschte am Montag emsiges Treiben. Der erste Grund: Am Sonntagabend bescherte Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder dem Zweitligisten ein besonderes Pokallos. Ende Oktober empfängt der Zweitligist den FC Bayern München. Schon jetzt stapeln sich die Ticketanfragen – obwohl der Verein darum bittet, den offiziellen Verkaufsstart abzuwarten. „Das ist das attraktive Los, das man ziehen kann“, freut sich Manager Sebastian Schindzielorz über das Pokalduell.

Der zweite Grund für die rege Betriebsamkeit ist dieser: Im Fall Bakery Jatta legt der VfL Bochum Einspruch gegen die Wertung der 0:1-Niederlage beim Hamburger SV ein. Medienberichten zufolge bestehen Zweifel daran, dass der Spieler des HSV bei seiner Einreise nach Deutschland richtige Angaben zu seiner Person gemacht hat. Das könnte bedeuten, dass der Einsatz von Jatta gegen Bochum nicht zulässig war, weil er unter falscher Identität gespielt hätte. Denn die Spielerlaubnis ist namentlich auf Bakery Jatta ausgestellt; nur so ist sie auch gültig. „Zur Fristwahrung und in Wahrnehmung seiner Verantwortung für die Mannschaft und das Vereinswohl“ – so die Formulierung in einer Pressemitteilung – greift der VfL deshalb auf rechtliche Mittel zurück.

Das Problem: Diese Wortwahl hilft offensichtlich nicht dabei, dass alle Fans den Vorgang nachvollziehen können. Zu abstrakt und ohne Hintergründe hat der VfL seine Entscheidung kommuniziert. Allein auf Facebook gibt es unter dem Statement des VfL schon mehr als 1.500 Kommentare. Viele von ihnen bezeichnen den VfL als schlechten Verlierer. Dabei war ein Einspruch vor der Partie noch gar nicht möglich. Ohnehin ist die Entscheidung der Vereinsführung in der Sache durchaus nachvollziehbar. „Wir müssen die menschliche Komponente von der rechtlichen trennen“, sagt Christof Wieschemann, Anwalt für Sportrecht aus Bochum.

Wieschemann erklärt die Thematik wie folgt: „Der Einspruch ist absolut sinnvoll, weil er fristgebunden erfolgen muss. Das heißt, der VfL kann nicht warten, bis die Hamburger Ausländerbehörde eine Entscheidung darüber getroffen hat, ob Bakery Jatta möglicherweise falsche Angaben gemacht hat und die Spielgenehmigung nicht gültig wäre. Die Verantwortlichen sichern sich und den Verein lediglich ab, weil sie noch nicht wissen, wie es weitergeht.“ Auch der 1. FC Nürnberg, Hamburgs Gegner am Spieltag zuvor, hat Einspruch eingelegt. Bis dato gab es nur eine Vorermittlung und Anhörung des Spielers durch den DFB-Kontrollausschuss.

Wie der Fall ausgehen wird, ist deshalb noch völlig ungewiss. „Wir wissen nicht, ob sich die Vorwürfe erhärten. Es gilt die Unschuldsvermutung“, sagt Rechtsanwalt Wieschemann. „Klar ist aber auch: Bei der Erteilung einer Spielerlaubnis haftet der Verein für die Richtigkeit der Angaben. Das ist der DFB-Spielordnung so festgelegt.“ Möglicherweise habe der HSV mit Bekanntwerden der Vorwürfe sogar böswillig gehandelt, weil Bakery Jatta weiter eingesetzt wurde. „Die Anschuldigungen sind in der Welt. Die Hamburger sind somit nicht mehr gutgläubig“, ergänzt Wieschemann für den Fall, dass Jatta tatsächlich unter falscher Identität spielt. Welchen Einfluss dies auf die Spielwertung des VfL hätte, ist trotzdem offen und müsste in einem möglichen Verfahren vor dem DFB-Sportgericht geklärt werden.

(Foto: Imago / Sven Simon)

1:2-Niederlage in Stuttgart

VfL verliert: Tag der zerplatzten Hoffnungen

Die erste Hoffnung zerschlug sich für die Fans des VfL Bochum schon am frühen Montagabend. Nach der Last-Minute-Leihe von Manuel Wintzheimer war gegen Mittag über einen weiteren, durchaus spektakulären Neuzugang spekuliert worden. Hoffenheims Offensivallrounder Robert Zulj galt in einigen Medien als Kandidat, doch viel mehr als heiße Luft blieb am Ende nicht übrig. Gespräche mit ihm seien – zumindest im Endspurt der Transferperiode – auch gar nicht mehr geführt worden, hieß es später von der Bochumer Geschäftsführung.

Butscher ohne Vorwurf

Die Zuversicht auf den ersten Saisonsieg am fünften Spieltag war zu diesem Zeitpunkt aber noch vorhanden. Und für ein Duell beim hochgehandelten VfB Stuttgart verschwand sie relativ spät. Erst in der 80. Minute, als der umtriebige Silvere Ganvoula seine letzte große Tormöglichkeit vergab, war der Sieg endgültig in weite Ferne gerückt. Eine Punkteteilung wäre dem Chancenverhältnis aber durchaus gerecht geworden. Schon im ersten Durchgang hatte der VfL zahlreiche Umschaltaktionen, genutzt wurden sie nicht. Ganvoula traf nach einer Ecke zum zwischenzeitlichen 1:1. Mit mehr Qualität und Cleverness machten die Stuttgarter den 2:1-Heimsieg perfekt.

„Wir haben alles reingeworfen“, lobte VfL-Interimstrainer Heiko Butscher sein Team. Es war das erste Spiel nach der Beurlaubung von Chefcoach Robin Dutt. „Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte Butscher. Einzig die Anfangsphase verschlief sein Team fast vollständig, die Defensive fand nicht zu ihrer Ordnung. Als Schwachpunkt hatten die Hausherren speziell die rechte Bochumer Abwehrseite ausgemacht. Bei Neuzugang Cristian Gamboa und Jordi Osei-Tutu fehlte immer wieder die Abstimmung, auch das Stellungsspiel passte nicht. Genau das begünstigste schließlich die Führung des VfB nach knapp 20 Minuten.

Ganvoula ohne Ruhe

Bochum kam zurück und spielte mit Herz, aber nicht immer klarem Kopf. Ganvoula erkämpfte sich immer wieder Chancen, vergab sie jedoch leichtfertig. Einzig beim Tor stimmte die Präzision. Trotz seiner Schwächen war Ganvoula der Dreh- und Angelpunkt im Bochumer Angriffsspiel. Das lag aber auch daran, dass Danny Blum oft untertauchte, Sebastian Maier angeschlagen raus musste und Osei-Tutu zwar fußballerisch ordentlich, aber taktisch erneut überfordert war. Ein weiteres Problem: Alternativen von der Bank waren praktisch kaum vorhanden. Auf die 2:1-Führung der Gastgeber konnte Übungsleiter Butscher kaum noch reagieren.

Denn neben drei Verletzten war auch HSV-Leihgabe Manuel Wintzheimer für das Spiel in Stuttgart noch keine Option. Den Deal machte der VfL erst kurz vor der Ende der Transferperiode perfekt. Der 20-Jährige soll den stark ausgedünnten Bochumer Angriff verstärken. Dass es bei diesem Transfer im Spieler-Schlussverkauf blieb, hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Das Budget sei ausgereizt, hieß es Montag, für weitere, eigentlich notwendige Optionen fehlte das Geld. Und so überträgt sich die verbliebene Hoffnung vor allem auf den neuen Trainer, der den VfL aus der Krise führen muss. Spätestens in der nächsten Woche soll der Auserwählte vorgestellt werden.

(Foto: Imago / Eibner)