Kein Team, keine Disziplin

Kommentar: Intern liegt beim VfL vieles im Argen

Wie kann es eigentlich sein, dass im Profifußball immer wieder eine Diskussion über Einstellung oder Mentalität aufkeimt? Nicht einmal von Fans oder Journalisten losgetreten, sondern – wie derzeit in Bochum – direkt von Teilen der Mannschaft? Nicht anders ist es zu verstehen, wenn etablierte Spieler wie Saulo Decarli und Anthony Losilla öffentlich die „Bereitschaft“ bemängeln, über 90 Minuten konzentriert zu bleiben und alles zu geben.

Bleibt es bei dieser Haltung, bei zu wenig Gier und schneller Selbstzufriedenheit, dann könnte diese Saison böse enden. Denn der VfL schickt derzeit kein funktionierendes Team, keine Einheit ins Rennen. Nur, weil jeder an sich denkt, ist nicht automatisch an alle gedacht. Erste Indizien dafür gab es schon in der Saisonvorbereitung, speziell im Trainingslager. Und es verstärkt sich von Mal zu Mal, wenn man Verhaltensweisen im Kabinentrakt oder auf dem Platz beobachtet, wenn sich Spieler gegenseitig die Schuld zuschieben.

Wenig Zusammenhalt

Die Probleme, die Torhüter Manuel Riemann schon nach dem vierten Spieltag öffentlich gemacht hat, sind bis heute nicht gelöst. Mehr als deutlich hatte er schon Ende August die Einstellung einiger Mitspieler kritisiert. Genau diese Nachlässigkeiten sind es, die dem VfL Woche für Woche wichtige Punkte kosten. Auch Trainer Thomas Reis ist es bislang nicht gelungen, altbekannte Muster zu durchbrechen, die schon Vorgänger Robin Dutt deutlich kritisiert hatte.

Beim VfL liegt vieles im Argen. Diese Mannschaft wurde nicht nur sportlich schlecht zusammengestellt, es fehlen auch passende Charaktere – Führungsspieler, die intern Gehör finden und nicht belächelt werden, Mentalitätsspieler, die auf dem Platz vorangehen und andere in ihren Bann ziehen. Bis auf Kapitän Anthony Losilla, vom Wesen her aber kein Lautsprecher, und Torhüter Manuel Riemann, der den Bogen gerne mal überspannt, ist kaum noch jemand da.

Hinzu kommt, dass es speziell jüngere Spieler gibt, denen eine professionelle Spielvorbereitung nicht so wichtig ist. Es sind Kleinigkeiten, die zeigen, dass sie keine Disziplin an den Tag legen. Wenn sogenannte Profis meinen, am Vorabend eines Pflichtspiels Grenzen austesten zu müssen, indem sie Bestellungen auf ihr Zimmer tätigen, die der Trainer aus guten Gründen abfangen muss – und so einen Vorfall hat es in dieser Saison schon gegeben – dann ist das nur der erste Teil der Geschichte.

Der zweite Teil ist nämlich, dass der erhöhte Betreuungsbedarf von den Verantwortlichen offensichtlich nicht erkannt wurde. Tatsächlich ist es so, dass die Spieler den Nachmittag und Abend vor dem Heimspiel gegen Karlsruhe nicht etwa gemeinsam im Hotel verbracht haben, sondern ganz individuell. Das führt dann zum Beispiel dazu, dass ein Jungprofi, der am nächsten Tag zum Bochumer Kader gehört, am Vorabend in einem Fanblock bei Borussia Dortmund steht – und ein Video vom Torjubel auf Instagram postet. In anderen Städten würde das medial ein mittelschweres Erdbeben auslösen.

Kaum Professionalität

Um es deutlich zu sagen: Da hilft auch kein Social-Media-Kurs, das ist eine Frage der inneren Haltung. Mit Profis, die so ticken, wird der VfL nicht erfolgreich sein. Die Krönung des Ganzen ist ja, dass genau dieser Akteur sogar aus dem eigenen Nachwuchs stammt und über die Vereinsmedien als „Spieler Bochumer Prägung“ angepriesen wird. Doch wer soll sich mit solchen Spielern identifizieren? Und warum gibt es niemanden im Verein, der endlich an maximaler Professionalität und Disziplin arbeitet? All das muss von oben vorgelebt werden.

Einzelfälle gibt es in jedem Klub. Doch beim VfL kommt es viel zu oft vor, dass Spieler am längeren Hebel sitzen. Wenn einer von ihnen davon erzählt, dass er in seinem ersten Jahr in Bochum gar keinen Sprachkurs besucht hat, dieser aber auch nicht verpflichtend war, und es Teamkollegen gibt, die sich das Spiel ihrer Mannschaft gar nicht anschauen, wenn sie nicht selbst zum Kader gehören, lässt das ziemlich tief blicken. Auf den ersten Blick sind es nur Kleinigkeiten. Aber genau diese Einstellung hat Einfluss auf den sportlichen Erfolg. Ändert sich daran nichts, ist mit dem Schlimmsten zu rechnen.

(Foto: Imago / Team 2)

3:3 gegen Karlsruhe

Viel Frust beim VfL: Reis kritisiert die „Bereitschaft“

Vor dem Heimspiel gegen Karlsruher SC stellte der VfL seine neue Umweltkampagne vor. Und er könnte Unterstützung durch die heimischen Journalisten erhalten. Nach dem 3:3 gegen Karlsruhe überlegten einige Berichterstatter scherzhaft, ob sie ihre Texte aus den vergangenen Wochen nicht einfach recyceln könnten. Denn der Spielverlauf an diesem Sonntag kam nicht nur ihnen bekannt vor und wurde in ähnlicher Form schon mehrfach niedergeschrieben.

Verhalten auf dem Platz

Auch Fans und Verantwortlichen können längst die Uhr danach stellen, dass in den Schlussminuten ziemlich sicher noch ein Gegentreffer fällt. Schon zum vierten Mal hat der VfL in dieser Saison einen Sieg spät aus der Hand gegeben. Und das kam – wie so oft – mit Ansage. 75 Minuten lang spielte Bochum in Überzahl, doch im Duell gegen leidenschaftliche Karlsruher war davon wenig zu sehen. Nach der 3:2-Pausenführung schalteten die Hausherren wieder einmal in den Verwaltungsmodus, ohne Struktur im Angriffsspiel, ohne Ruhe und Souveränität und wenig Gier auf das vierte, vielleicht entscheidende Tor.

Doch das fünfte Unentschieden im fünften Heimspiel liegt ganz sicher nicht in der Offensivleistung begründet. Ligaweit stellt der VfL sogar den drittbesten Sturm, nur Hamburg und Bielefeld treffen häufiger. Eher sind es eklatante Mängel in der Defensive, die in dieser Saison immer wieder Punkte kosten. Gegen Karlsruhe waren es Nachlässigkeiten bei Standardsituationen, Umschaltaktionen und zum Schluss bei einem langen Ball aus der gegnerischen Hälfte. „Wir können doch nicht jedes Spiel drei Tore erzielen, um dann nur einen Punkt mitzunehmen“, stellte Torschütze Danny Blum im Kabinentrakt fest.

Teamkollege Saulo Decarli, der ebenfalls traf, wurde noch deutlicher. „Was wir machen, ist doch der Wahnsinn“, sagte der Innenverteidiger und nahm kein Blatt vor den Mund. „Das hat alles mit unserer Bereitschaft zu tun. Wenn wir nicht bereit sind, von Anfang bis Ende alles zu geben, dann werden wir eben bestraft.“ Auch Trainer Thomas Reis bemängelte in der Pressekonferenz die „Bereitschaft“, etwa in Umschaltsituation. Die Botschaft ist klar: Seine Spieler setzen Vorgaben nicht um und haben möglicherweise ein Mentalitätsproblem.

Verhalten vor der Kurve

Diese Erkenntnis ist umso besorgniserregender, weil die nominell beste Mannschaft ja schon längst auf dem Platz steht. Kein Leistungsträger fehlt verletzt, die sportlichen Probleme sind hausgemacht. Nicht einmal die gütige Mithilfe des Schiedsrichters kann der VfL dankend annehmen. Sowohl beim frühen Platzverweis gegen Karlsruhes Lukas Fröde, der vom Unparteiischen wohl missverstanden wurde, als auch beim Elfmeter zum 2:2, dem eigentlich eine Abseitsposition vorausging, hatten die Bochumer Spielglück.

Wer solche Geschenke nicht für sich nutzt, landet zwangsläufig im Abstiegskampf. Und so ist es nicht verwunderlich, dass das Bochumer Publikum, das sich trotz der bedrohlichen Lage lange sehr nachsichtig zeigte, nach diesem Wochenende ziemlich frustriert ist. Mit dem Schlusspfiff gab es viele Pfiffe. Dass einige Spieler schnell in den Katakomben verschwanden, ohne sich für die Unterstützung bis zum späten Ausgleich zu bedanken, passte zum Auftritt zuvor.

Anthony Losilla war nach der Partie einer der wenigen, der die Situation erfasste und sich entschuldigte. „Wer jede Woche gefühlt das gleiche Spiel sieht, verliert irgendwann die Geduld“, zeigte der Kapitän Verständnis für die Reaktionen der Fans. „Aber auch dann müssen wir alle vor die Kurve. Das gehört sich einfach so.“ Nicht nur sportlich muss der VfL seine Verhaltensweisen offensichtlich noch einmal überdenken.

(Foto: Imago / eu-images)

Bochum empfängt Karlsruhe

Fünf VfL-Spiele in 20 Tagen: Die Bayern sind nur Beiwerk

Die Erfolgsformel von Trainer Thomas Reis klingt simpel: Vorne weiter treffen – und hinten besser aufpassen. So lautet seine Devise für das Zweitliga-Heimspiel des VfL Bochum am Sonntag gegen den Karlsruher SC. Ein erstes, wenn auch kleines Etappenziel hat seine Mannschaft bereits vor dem zuletzt spielfreien Wochenende erreicht: In Heidenheim gelang im neunten Anlauf der erste Saisonsieg.

Karlsruhe ganz nah

Jetzt sollen auch die Fans im eigenen Stadion mit drei Punkten belohnt werden. „Wir wollen nachlegen und im Flow bleiben“, sagt der Chefcoach. Der VfL steht nur knapp auf einem Nicht-Abstiegsplatz, die Lage ist immer noch brenzlig, auch wenn zuletzt der Eindruck entstand, sie habe sich schon deutlich verbessert. Denn will der Revierklub ins Mittelfeld der Tabelle klettern, muss sich insbesondere die Abwehrarbeit verbessern. Mit einem Schnitt von mehr als zwei Gegentreffern pro Spiel zählt der VfL zu den anfälligsten Mannschaften der Liga. Bislang haben es die Bochumer noch in keinem Duell geschafft, die Null auf der richtigen Seite zu halten. Auch Thomas Reis konnte die Defensive noch nicht stabilisieren.

Die bisherigen Punktgewinne sind vor allem auf eine starke Offensive zurückzuführen. Mit Silvere Ganvoula und Danny Blum stellt der VfL sogar das beste Angriffsduo der Liga. Zusammen haben sie schon elf Treffer erzielt. Und die Abteilung Attacke könnte noch stärker werden. Denn mit Tom Weilandt und Chung Yong Lee sind zwei potenzielle Leistungsträger wieder fit. „Im Training sieht man ihre Qualität. Sie werden in jedem Fall zum Kader gehören“, sagt Thomas Reis vor dem Spiel gegen den KSC. Zunächst werden die beiden aber auf der Bank Platz nehmen. Sein Siegerteam aus Heidenheim wird der Trainer wohl nicht verändern.

Bayern weit weg

Genügend Optionen und Wechselmöglichkeiten werden in den kommenden Wochen aber sicher noch benötigt. Denn die Partie gegen Karlsruhe ist nur der Startpunkt für intensive Herbst-Wochen. Beginnend am Sonntag absolviert der VfL fünf Pflichtspiele in nur 20 Tagen. Dass sich das mediale Interesse schon jetzt auf das Pokalspiel gegen den FC Bayern in knapp anderthalb Wochen konzentriert, ist Thomas Reis gar nicht so recht. „Wir haben zunächst zwei wichtigere Spiele vor der Brust“, sagt er mit Blick auf die Zweitliga-Tabelle. Die Begegnung mit dem Favoriten aus München sei sicher ein Highlight, ist aber eigentlich nur Beiwerk.

(Foto: Pressefoto Eibner)

Fans im Ruhrstadion

Statistik zeigt: Ostkurve ist beim VfL ein echter Faktor

Wenn es um Fußball geht, dann bleibt längst nichts mehr im Verborgenen. Jede Partie, und vor allem die Leistung eines jeden Spielers, wird bis ins kleinste Detail erfasst. Ob Laufwege, Zweikämpfe oder Torschüsse – die Datenbanken werden immer größer. Doch trotzdem gibt es noch Informationen, die selbst die besten Dienstleister nicht im Angebot haben. Dabei geht es allerdings eher um einen eher psychologischen Effekt – eine Auffälligkeit, die tatsächlich unterstreicht, wie wichtig die Unterstützung der eigenen Anhängerschaft ist.

Ungewöhnliche Zahlen bei Heimspielen

Denn wer die vier Heimspiele des VfL Bochum in dieser Saison noch einmal Revue passieren lässt, stellt Erstaunliches fest: Alle 10 Tore fielen vor den eigenen Fans auf der Osttribüne – kein einziger Treffer dagegen auf der Westseite. Das kann, muss aber kein kurioser Zufall sein. Denn auch in der vergangenen Saison war die Bochumer Mannschaft erfolgreicher, wenn sie ihre Anhänger direkt vor sich hatte. Dabei ist es übrigens zweitrangig, ob die Spieler schon in der ersten oder – wie so oft – erst im zweiten Durchgang auf das Tor vor der Osttribüne anrennen dürfen.

Welche Schlüsse Kapitän Anthony Losilla daraus für die nächste Seitenwahl ziehen muss, bleibt jedoch offen. Schließlich muss auf jedes Tor einmal gespielt werden, so sehr die Mannschaft das Gehäuse vor der Osttribüne auch bevorzugt. Fakt ist dennoch, dass die Fans bei den Heimspielen ein echter Faktor sind. Das zeigen auch andere Statistiken: Seit Februar, also seit neun Spielen, ist der VfL im Ruhrstadion ungeschlagen – 18 von 25 Punkten holte die Mannschaft in diesem Kalenderjahr vor eigenem Publikum. Nur fehlt in dieser Saison noch der erste Heimsieg.

Das soll sich gegen den Karlsruher SC am kommenden Sonntag natürlich ändern. Der leichte Aufwärtstrend, der unter Trainer Thomas Reis zu verzeichnen ist, soll fortgesetzt werden. Personell schaut es gut aus: Alle Leistungsträger, auch Tom Weilandt und Chung Yong Lee, sind wieder an Bord. Zumindest in der Offensive ist die Auswahl wieder groß. Kehrt Vitaly Janelt gesund von der U21-Nationalmannschaft zurück, wird Bochums Chefcoach aber wohl exakt die Formation ins Rennen schicken, die schon in Heidenheim erfolgreich war.

Außergewöhnlicher Zuspruch bei Dauerkarten

Offen bleibt lediglich, wie viele Zuschauer den Weg an die Castroper Straße finden werden. Mit knapp 16.750 Fans lag der Schnitt in den ersten vier Partien leicht unter der Planzahl – und die Wintermonate kommen erst noch. Die Verantwortlichen kalkulieren in dieser Saison mit rund 17.100 Besuchern pro Heimspiel. Immerhin gibt es mit 6.900 Dauerkarten einen neuen Rekordwert. So viele hat der VfL als Zweitligist noch nie verkauft. Die Grundlage für eine gute Heimbilanz ist damit gelegt – fehlen vielleicht nur noch Fans, die ihrem Team auch von der Westtribüne zujubeln.  

(Foto: Fabian Budde)

Bochumer Eigengewächs

Neuer Berater, neuer Klub? Saglam in der Sackgasse

In Zivilkleidung saß Görkem Saglam auf der Ersatzbank. Beim Testspiel gegen den KFC Uerdingen am vergangenen Donnerstag gab es für viele Reservisten des VfL Bochum wichtige Spielpraxis. Doch Saglam, der in dieser Saison noch keine Minute in einem Pflichtspiel auf dem Rasen stand, durfte nur zuschauen. Eine Fußprellung machte einen Einsatz unmöglich. Dies habe schon eine Kadernominierung für das Auswärtsspiel in Heidenheim verhindert, erklärte Trainer Thomas Reis später. Ob der 21-Jährige dort im gesunden Zustand allerdings eine nennenswerte Rolle gespielt hätte, bleibt zweifelhaft.

Wenig Spielpraxis

Denn eine Woche zuvor saß der Spielgestalter gegen Darmstadt nur auf der Tribüne, obwohl er fit war. Dabei darf das Trainerteam in dieser Saison zwei zusätzliche Ersatzspieler nominieren. Aktuell scheint es so, als habe sich die Lage für Saglam mit dem Übungsleiter-Wechsel von Robin Dutt zu Thomas Reis noch nicht verbessert – auch wenn sich die beiden schon seit der U19 kennen. Saglam war damals Leistungsträger im Team von Fußballlehrer Reis und erhielt als erster Spieler die Werner-Altegoer-Medaille, eine Auszeichnung für die besten Jugendspielers des Vereins.

Doch seither zeigt die Leistungskurve nicht mehr so steil nach oben wie erhofft. Saglam, der seit der F-Jugend beim VfL spielt, debütierte im Mai 2016 bei den Profis und absolvierte insgesamt 15 Spiele unter der Leitung von Gertjan Verbeek. Dessen Nachfolger setzten den Deutsch-Türken aber nicht mehr so häufig ein. Bei Robin Dutt musste Saglam neun Monate auf seinen ersten Einsatz warten. Erst am Ende der vergangenen Saison, als die Personalnot groß war, durfte sich Saglam erneut beweisen – ohne sich im Team festzuspielen. Er überzeugte mit seiner Technik und Schussstärke, zeigte aber auch bekannte Schwächen in der Zweikampfführung.

Viel Konkurrenz

Ein Grund für Saglams Außenseiterrolle ist auch dem Überangebot im zentralen Mittelfeld geschuldet: Dort konkurrieren mit Chung Yong Lee, Sebastian Maier, Thomas Eisfeld und Milos Pantovic vier weitere Spieler um einen Platz in der Startelf. Für Saglam ist das doppelt problematisch, weil er mangels Tempo keine Option für die Außenbahn ist, sondern auf die „Zehn“ festgelegt ist. Auf seiner Stammposition weiterentwickeln kann er sich aber nicht, weil ihm Wettkampfpraxis fehlt. Eine U23 gibt es nicht, und ein Leihgeschäft ist in der Vergangenheit nicht zustande gekommen.

Dass Saglams Vertrag am Saisonende ausläuft, wirft automatisch die Frage nach seiner Zukunft auf. Auffällig ist: In den letzten zwei Jahren hat er in kurzen Abständen immer wieder neue Berater beschäftigt. Von Reza Fazeli, der schon viele Spieler des VfL betreut hat, ging es zu „Arena 11“, einem der Marktführer. Doch die Zusammenarbeit mit der Agentur, die auch seinen aktuellen Vertrag beim VfL ausgehandelt hat, endete schnell – ebenso wie die Kooperation mit einem niederländischen Vermittler. Nun hat sich Saglam erneut umorientiert. Nicht selten ist so ein Schritt auch ein Indiz für einen möglichen Vereinswechsel.

(Foto: Sportfoto Gerd Krause)

Suche läuft weiter

„Keine Kompromisse“ – Kaenzig über VfL-Investor

So ruhig wie in diesen Tagen war es in der Länderspielpause Anfang Oktober nicht immer. Vor ziemlich genau zwei Jahren haben die Mitglieder des VfL Bochum eine wegweisende Entscheidung getroffen. Mit großer Mehrheit, aber auch unter Protesten, haben sie für die Ausgliederung der Profiabteilung gestimmt. So ist es mittlerweile möglich, Geschäftsanteile an externe Geldgeber zu veräußern. In der Hoffnung auf eine Finanzspritze und mehr sportlichen Erfolg wartet das Umfeld deshalb auf eine erste Vollzugsmeldung.

Doch wann die avisierte Millionensumme fließen könnte, ist weiter ungewiss. Erste Andeutungen von Hans-Peter Villis, dass der Einstieg eines Investors noch in diesem Jahr erfolgen könnte, gab es schon im Januar. Vor knapp zwei Wochen legte er im „Tief im Westen“-Interview sogar nach. Die Rede war von „konkreten Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern, darunter ein möglicher Ankerinvestor.“ Damit hat der Vereinsvorsitzende Erwartungen geweckt – auch wenn er weiter den Konjunktiv bemüht hat.

Präsidium verhandelt

Wie glücklich Geschäftsführer Ilja Kaenzig über diese Aussagen war, ist nicht überliefert. Doch schon in der Jahreshauptversammlung vor knapp zwei Wochen war er um Zurückhaltung bemüht. „Ein Investoreneinstieg ist eine Generationenentscheidung, deshalb arbeiten wir mit größtem Respekt an dieser Aufgabe“, sagte der 46-Jährige vor den Mitgliedern. Zunächst habe sich die Suche auf persönliche Kontakte und das erweiterte Vereinsumfeld erstreckt. Mittlerweile sei der Prozess auch ausgedehnt worden.

Auf den ersten Blick passt diese Information jedoch nicht zu den Äußerungen von Villis, der bei vielen Fans den Eindruck erweckt hat, man habe einen Geldgeber bereits an der Angel. So wurden seine Aussagen jedenfalls interpretiert. Doch Kaenzig sieht darin keinen Widerspruch. „Die Gespräche könnten im schlimmsten Fall scheitern. Und dann muss die Suche ja fortgesetzt werden“, erklärt er auf Nachfrage. Tatsächlich seien die Verhandlungen aber vor allem Thema des Präsidiums, nicht der Geschäftsführung.

Geschäftsführung organisiert

Doch die ist im Hintergrund darum bemüht, den Einstieg beim VfL so attraktiv wie möglich zu gestalten. „Wir bereiten vor, strukturieren und setzen nach Wunsch auch um“, sagt Kaenzig. Den Mitgliedern wurden strenge Auswahlkriterien zugesichert, etwa ein Vetorecht beim Verkauf der Anteile und eine Dividende nur im Falle des Bundesliga-Aufstiegs. Viel Verhandlungsspielraum gibt es also gar nicht. „Kompromisse bei den Bedingungen wird es nicht geben“, verspricht Kaenzig. Leichter wird die Suche dadurch natürlich nicht.

Auch deshalb mahnt der Sprecher der VfL-Geschäftsführung zur Geduld: „Es geht um eine sehr hohe Summe, und es braucht schon einiges, dass sich jemand in das Fußballbusiness begibt, ohne dafür Entscheidungsrechte zu bekommen.“ Dafür kämen sowohl private Investoren als auch strategische Partner, etwa ein Unternehmen, in Betracht. Kaenzig weiß, dass alles passen muss, damit es zu einer Einigung kommt: „Es gibt keinen halben Investor. Und die Entscheidung liegt am Ende immer beim Käufer.“

(Foto: Imago / Team 2)

4:2 gegen Uerdingen

Konkurrenzkampf beim VfL: Zwischen Qual und Wahl

Mit Tränen in den Augen verließ Ulrich Bapoh den Leichtathletikplatz. Mannschaftsarzt Karl-Heinz Bauer und Zeugwart Andreas Pahl trugen den Angreifer beim Testspiel am Donnerstag vom Feld, auftreten konnte er nicht mehr. Ein Zusammenprall mit Uerdingens Torwart Lukas Königshofer hat für das Bochumer Eigengewächs wohl weitreichende Folgen. „Wir müssen von einer schweren Knieverletzung ausgehen“, sagte Trainer Thomas Reis nach der Partie. Seine Mannschaft gewann mit 4:2, Tom Weilandt und Thomas Eisfeld trafen jeweils doppelt.  

Wenige Alternativen in der Abwehr

Abgesehen von Bapohs Verletzung verlief der Test jedoch ganz nach den Vorstellungen des Übungsleiters. Denn das Duell gegen den Drittligisten, der mit bekannten Kräften wie Selim Gündüz und Kevin Großkreutz antrat, brachte Spielpraxis für zahlreiche Rückkehrer und Reservisten – und lieferte zugleich Erkenntnisse über ihr aktuelles Leistungsvermögen. Denn auf sein Stammpersonal hatte Reis fast vollständig verzichtet. Stattdessen sollten Profis wie Stefano Celozzi, Tom Weilandt und Chung Yong Lee so lange wie möglich durchhalten.

Mit ihrem erfolgreichen Comeback hat sich die personelle Situation deutlich entspannt. Neben Bapoh muss der VfL lediglich auf Maxim Leitsch und Patrick Fabian sowie den angeschlagenen Görkem Saglam verzichten. Was für Trainer Thomas Reis bedeutet, dass er nun sehr genau überblicken kann, auf welchen Positionen er künftig die große Wahl hat – und wo die Entscheidung, etwas übertrieben formuliert, eher einer Qual gleichkommt. „Vor allem im Mittelfeldzentrum haben wir viele Möglichkeiten, wenn alle gesund sind“, stellte Reis am Donnerstag fest. In der Abwehr sei es eher umgekehrt.

Denn hinter Saulo Decarli und Simon Lorenz, der ja auch noch kein gestandener Zweitligaspieler ist, fehlen derzeit die Alternativen. Maxwell Gyamfi und Armel Bella Kotchap haben gegen Uerdingen ihr Können angedeutet, aber auch gezeigt, dass ihnen noch Konstanz und Konzentration fehlen. Auch links hinten in der Viererkette mussten zwei Nachwuchskräfte die Lücke besetzen. Sollten die Verantwortlichen ihren Kader im Winter noch einmal aufwerten und nachbessern wollen, dann am ehesten in der Defensive.

Viele Optionen im Mittelfeld

Ganz anders schaut es weiter vorne auf der Spielmacher-Position aus. Dort hat sich zuletzt Sebastian Maier festgespielt. Thomas Eisfeld, der gegen Uerdingen zweimal traf und vor allem bei Standardsituationen überzeugte, hatte zu Saisonbeginn große Probleme – ist aber ebenfalls eine Option. Doch bei diesem Zweikampf wird es nicht bleiben. Chung Yong Lee hat sich nach schwierigen Monaten gesund zurückgemeldet. Und Görkem Saglam, der aufpassen muss, sich in Bochum nicht zum ewigen Talent zu entwickeln, kämpft auch noch um seinen Platz.

Selbst auf der offensiven Außenbahn, auf der Danny Blum, Simon Zoller und Milos Pantovic lange Zeit konkurrenzlos waren, muss sich Thomas Reis künftig entscheiden. Denn Tom Weilandt drängt nach seiner Genesung wieder in die Startelf. Selbst Jordi Osei-Tutu könnte eine Alternative sein: Gegen Uerdingen zeigte er bekannte Schwächen im Abwehrverhalten, beeindruckte aber mit seiner Dynamik in der Offensive. So setzte er vor dem Treffer zum 4:2 zu einem eindrucksvollen 80-Meter-Sprint an, bei dem er sämtliche Gegenspieler wie Slalomstangen stehen ließ.

Kein ernsthafter Konkurrenzkampf deutet sich derweil zwischen den Pfosten an. Zwar bringt Sommerneuzugang und Herausforderer Patrick Drewes genau das mit, was Manuel Riemann fehlt – nämlich Ruhe und Körpergröße. Doch wie schon in der Vorbereitung blieb er auch im Test gegen das Team aus Krefeld nicht fehlerlos. Das zwischenzeitliche 1:1 ging auf die Kappe des Schlussmanns. Will er seinen umstrittenen Teamkollegen tatsächlich aus dem Tor verdrängen, muss Drewes in Zukunft noch deutlich zulegen.

(Foto: Imago / Revierfoto)