Bochums Co-Trainer

Aufstiegsexperte Gellhaus: Auch nachts erreichbar

Sein erstes Pflichtspiel als Cheftrainer im Profifußball hat Markus Gellhaus ausgerechnet gegen den VfL Bochum absolviert. Im Sommer 2016 verdarb ihm sein heutiger Arbeitgeber das Debüt. Janik Haberer erzielte den einzigen Treffer des Tages, und für Markus Gellhaus war es bereits der Anfang vom Ende. Nur knapp drei Monate war der Ostwestfale für die sportlichen Geschicke beim SC Paderborn verantwortlich.

Doch der 50-Jährige hat bei seinem Heimatverein auch schon andere, bessere Zeiten erlebt. 2005 ist ihm an der Seite von Pavel Dotchev der Aufstieg in die 2. Liga gelungen – allerdings als Co-Trainer. In dieser Rolle fühlt sich der Familienvater offensichtlich am wohlsten. Es folgten Stationen in Mönchengladbach, Augsburg, Berlin, Hannover und St. Pauli, immer als Assistent. Zweimal schaffte er sogar den Sprung in die Bundesliga.

Schon mehrfach aufgestiegen

Seine Qualitäten als Aufstiegsexperte könnte Gellhaus in Bochum nun erneut unter Beweis stellen. Mit einem Sieg am Samstag bei seinem Ex-Klub in Paderborn käme der VfL seinem großen Ziel wieder einen Schritt näher. Dass Gellhaus daran einen großen Anteil hätte, betont Chefcoach Thomas Reis gerne: „Wir treffen Entscheidungen immer im Team, sind auch mal unterschiedlicher Meinung. Aber Markus ist immer loyal.“

Bemerkenswert ist, dass sich die beiden bis zum vergangenen Sommer noch gar nicht kannten. Weil es in der Zusammenarbeit zwischen Reis und Heiko Butscher etwas knirschte, suchte der Chefcoach eine neue Vertrauensperson. „Wir haben uns einige Male getroffen und wussten dann, dass es passt. Markus hat viel Erfahrung, wir ergänzen uns gut. Ich weiß, dass ich ihn auch nachts anrufen könnte – was ich aber noch nie getan habe.“

Gellhaus verlängert bis 2023

Auch Markus Gellhaus scheint die Entscheidung nicht zu bereuen, im Gegenteil: Er hat seinen Vertrag jüngst bis 2023 verlängert. „Thomas vertraut mir viel an, bringt mir eine große Wertschätzung entgegen. Wir sind auf einer Wellenlänge“, sagt der erfahrene Assistenztrainer und lobt die Kommunikation zwischen Reis und der Mannschaft: „Wie er mit den Spielern spricht, wie er sie einbindet – diese ehrliche, offene Art imponiert mir.“

Absprachen sind auch vor dem Duell in Paderborn wieder nötig. Dabei geht es unter anderem darum, wer den gesperrten Robert Zulj ersetzen soll. Die erste Alternative ist Thomas Eisfeld. Weil Danilo Soares zurückkehrt, müsste Milos Pantovic oder Herbert Bockhorn weichen. Dass beide im Team bleiben und Pantovic einfach ins Zentrum rückt, ist ebenso denkbar. Reis und Gellhaus werden auch das gemeinsam entscheiden.

(Foto: Firo Sportphoto)

Bochumer Meilenstein

Doppelter Zoller und die Hilfe vom Mannschaftsrat

Bluthochdruckphasen sind für viele Fans des VfL kein seltenes Phänomen. Selbst in dieser Saison, in der die Mannschaft schonend mit der Gesundheit ihrer Anhänger umgeht, kommen sie hin und wieder vor. Trotz 80-minütiger Dominanz mussten die Bochumer am Samstagnachmittag gegen Holstein Kiel doch noch zittern. Ein Handelfmeter, verursacht durch Maxim Leitsch und verwandelt von Alexander Mühling, brachte die Gäste zurück ins Spiel. Zwei Großchancen in der Schlussphase hätten den Spielverlauf beinahe auf den Kopf gestellt. „Am Ende hatten wir ein bisschen Glück. Aber verdient war der Sieg trotzdem“, sagte Simon Zoller nach dem 2:1-Erfolg. Der VfL hat sich die nächsten drei Punkte gesichert und damit auch die Tabellenführung.

Zoller trifft doppelt

Daran war Bochums Angreifer mit seinem Doppelpack entscheidend beteiligt. Mit konsequentem Pressing, taktischer Disziplin, viel Ballgefühl und viel Tempo kontrollierte der VfL das Spitzenspiel gegen den Tabellenvierten in einer beeindruckenden Art und Weise. Zoller vollendete einen feinen Spielzug bereits nach fünf Minuten zum 1:0. Nach einer starken Balleroberung legte er in der 60. Minute das 2:0 nach. Mit etwas mehr Präzision und Konsequenz hätte der VfL das Spiel sogar schon viel früher für sich entscheiden können. „Mit den letzten 10 Minuten bin ich absolut unzufrieden“, legte Thomas Reis den Finger auch direkt in die Wunde, ohne ein Lob zu vergessen: „Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen. Der Wille war direkt da, das hat man sofort gesehen.“

Reis hatte im Vorfeld der Partie zu einer interessanten, für ihn aber keineswegs ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen. Weil Bochums Trainer mit Danilo Soares und Danny Blum gleich zwei Leistungsträger ersetzen musste, holte er sich Hilfe vom Mannschaftsrat und besprach mit seinen Führungsspielern die Aufstellung. Die Wahl fiel schließlich auf Herbert Bockhorn, der links hinten einen guten Eindruck hinterließ, und auf Milos Pantovic im Mittelfeld. „Er wird ja immer etwas kritisch beäugt. Aber ich finde, Milos hat es sehr ordentlich gemacht“, sprach Reis ein Kompliment aus. Auch das übrige Team überzeugte erneut. Ausfälle steckt die Mannschaft mittlerweile gut weg. Nächste Woche in Paderborn wird sie auf den gesperrten Robert Zulj verzichten müssen.

Acht Punkte vor Kiel

Dann soll der nächste Schritt zum großen Ziel gelingen. Der Sieg gegen Verfolger Kiel war bereits ein Meilenstein auf dem Weg zum Aufstieg. Acht Punkte Vorsprung sind es mittlerweile, allerdings müssen die Norddeutschen noch zwei Nachholspiele bestreiten. Klar ist: Der VfL kann den Sprung zurück in die Bundesliga aus eigener Kraft schaffen. Stoppen kann sich das Team nur noch selbst. Einige Fans sind noch skeptisch, andere freuen sich schon so sehr, dass auf der Geschäftsstelle bereits Anfragen für Dauerkarten in der Bundesliga eingegangen sind. Das wiederum sei etwas voreilig, findet Simon Zoller: „Die Spiele bleiben eng, das haben wir heute wieder gesehen. Uns wird nichts geschenkt.“ Dennoch: „Wir wollen bis zum Ende da oben bleiben.“

(Foto: Imago / Eibner)

Bochums Allzweckwaffe

Schnell und „fies“: Bockhorn vor neuer Aufgabe

Eigentlich ist der Weg von Dortmund nach Bochum relativ kurz. Herbert Bockhorn hätte im Sommer 2019 gar umziehen müssen, wenn er das Angebot des VfL nicht ausgeschlagen hätte. Doch ein Wechsel aus der Regionalligamannschaft des BVB nach England reizte ihn seinerzeit mehr. Weil Bockhorn auf der Insel aber nur ein einziges Mal spielen durfte, kam er 2020 zurück nach Deutschland – und der Wechsel zum VfL kam mit Verspätung doch noch zustande.

Leistungsbezogener Vertrag

Für den 26-Jährigen war das zweifellos der richtige Schritt. In diesem Kalenderjahr gehörte er in zehn von 13 Zweitligaspielen zur Bochumer Startelf, also zum Stammpersonal. Dabei zeigte sich der in Uganda geborene, aber in Deutschland aufgewachsene Neuzugang besonders flexibel. Oft kam er im rechten offensiven Mittelfeld zum Einsatz, manchmal aber auch als rechter Außenverteidiger. Mit Bockhorn ist den Verantwortlichen offensichtlich ein Glücksgriff gelungen. Dabei gab es einige Unwägbarkeiten.

„Herbert hatte bei seiner letzten Station in England wenig Spielzeit. Und leider hat ihn in der Vorbereitung auch noch eine Verletzung etwas zurückgeworfen. Seitdem entwickelt er sich kontinuierlich weiter“, sagt VfL-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz über Bochums Allzweckwaffe und erklärt die Hintergründe der Verpflichtung: „Nachdem sich Huddersfield Town von seinem ehemaligen Förderer Jan Siewert trennte, war es für ihn eine schwierige Saison. Wir haben uns dann auf einen leistungsbezogenen Vertrag mit einer Option auf ein weiteres Jahr geeinigt.“ Und diese Option hat der VfL im Februar auch gezogen.

Trainer Thomas Reis hat sich ebenfalls für die Vertragsverlängerung ausgesprochen und vergleicht Bockhorn sogar mit dessen Vorgänger Jordi Osei-Tutu. „Herbert ist ebenfalls sehr schnell und hat dazu einen fiesen Körperschwerpunkt. Wir haben ihn für hinten verpflichtet, aber er kann auch weiter vorne spielen. Das war bei Jordi ähnlich. Herbert belebt unseren Konkurrenzkampf auf mehreren Positionen.“ Was ihm noch fehlt, ist allerdings ein Tor. Bislang stehen nur zwei Vorlage auf seiner Habenseite.

Gegen Kiel in der Startelf

Ob er seine Quote bereits am Osterwochenende im Topspiel gegen Holstein Kiel verbessern kann, hängt auch davon ab, wo ihn Thomas Reis einsetzen wird. Bockhorn wird eigentlich auf zwei Positionen benötigt: Vorne rechts als Ersatz für den gesperrten Danny Blum, also wie schon beim 3:0-Erfolg in Düsseldorf. Aber auch hinten links sucht Thomas Reis noch einen Ersatz für den ebenfalls gesperrten Danilo Soares. Womöglich winkt Bockhorn also eine neue Aufgabe.

(Foto: Imago / Laci Perenyi)

Bochums Cheftrainer

Interview: Reis über Ehrgeiz, Ärger und den Aufstieg

Der VfL Bochum steht seit Wochen auf einem Aufstiegsplatz. Gelingt in dieser Saison tatsächlich die Rückkehr in die Bundesliga? Trainer Thomas Reis, der früher selbst das VfL-Trikot trug, hat die Mannschaft wieder zum Erfolg geführt. Im Interview erklärt der 47-Jährige, wie er Probleme in der Kabine löst, wie er mit Kritik umgeht und was das größte Plus im Aufstiegsrennen ist.

Herr Reis, wer ist ehrgeiziger? Sie oder ihr Torhüter Manuel Riemann?

(schmunzelt) Wir sind beide sehr ehrgeizig, positiv verrückt und auf jeden Fall gierig nach Erfolg. Manuel zeigt das etwas mehr nach außen. Großen Ehrgeiz haben aber viele bei uns. Zwei allein würden nicht reichen.

Über die Gier nach Erfolg haben Sie seit ihrem Amtsantritt im September 2019 schon häufiger gesprochen. Nach Jahren der Inkonstanz mischt der VfL Bochum in dieser Saison konstant oben mit. Was hat sich plötzlich verändert?

In Sachen Konstanz setzen nur ganz wenige Klubs Maßstäbe, zum Beispiel der FC Bayern. Aber: Auch bei uns hat sich etwas entwickelt. Mit jedem Sieg sind wir gieriger geworden. Wer in der Tabelle oben steht, will da auch bleiben. Wichtig ist, nicht nachzulassen oder weniger zu investieren. Dazu neigt man manchmal. 

Schnelle Selbstzufriedenheit – war das ein Bochumer Problem?

Ich habe die Entwicklung ja immer verfolgt, auch als ich zwischendurch in Wolfsburg war. Ich hatte den Eindruck, dass die Herangehensweise und das Auftreten etwas zu defensiv waren. Klar, mehr als zehn Jahre in der 2. Liga verändern das Selbstverständnis. Aber der VfL war und ist ein toller Klub, der sich im Ruhrgebiet immer zwischen den beiden Großen behauptet hat.

Interessant ist, dass sich die Mannschaft personell kaum verändert hat, nachdem Sie den Job von Robin Dutt übernommen haben. Wo haben Sie vor allem angesetzt?

Ich weiß, dass es auf Teamarbeit ankommt. Manche Spieler haben ihr Ego zu sehr in den Vordergrund gestellt. Teilweise fehlte die Selbstkritik oder die Disziplin. Es haben sich aber alle zusammengerauft. Wir spornen uns jetzt gegenseitig an, jeder bringt seine Stärken ein und weiß, wie er mit dem anderen umzugehen hat. Es müssen nicht alle miteinander befreundet sein. Aber auf dem Platz muss es funktionieren. Diese Verlässlichkeit ist jetzt da.

Klingt so, als dass Sie nicht nur als Trainer, sondern auch als Erzieher gefragt waren.

Ich gebe einen Rahmen vor, in dem sich die Mannschaft bewegen muss. Grundsätzlich bin ich ein Trainer, der offen sagt, was er denkt. So war ich schon als Spieler und das legt man in seiner neuen Rolle nicht plötzlich ab. Ich war selber auch nicht immer pflegeleicht. Vielleicht komme ich deshalb mit unterschiedlichen Spielertypen sehr gut klar.

Trotzdem hat nicht von Beginn an alles funktioniert. Der VfL blieb auch mit Ihnen zunächst abstiegsgefährdet.

Es gab schon früh eine aufsteigende Tendenz, aber die Ergebnisse haben nicht immer gepasst. Das hat sich dann erst nach dem Jahreswechsel geändert, besonders nach der Corona-Pause, in der wir noch enger zusammengerückt sind.

Die Kritik an Ihrer Person verstummte aber nicht. Wie sind Sie damit umgegangen?

Natürlich bekomme ich einiges mit, ohne dass ich mich davon beeinflussen lasse. Wobei: Mich hat es schon ein bisschen angespornt. Umso mehr freut mich die Entwicklung. Bochum ist meine erste Station als Profitrainer, der Verein ist etwas Besonderes für mich. Es war immer mein Traum, hier eines Tages die Verantwortung zu tragen. Das habe ich schon vor Jahren gesagt. Da können Sie jeden hier fragen.

Steigt der VfL Bochum am Ende dieser Saison wirklich auf?

Wird geladen ... Wird geladen ...

Mit dem Erfolg in dieser Saison wuchs dann der Respekt. Liegt das auch daran, dass Sie nun einen Spielstil gefunden haben, der zur Mannschaft passt?

Es gab eine Niederlage, die ich auf meine Kappe genommen habe. Das war das Heimspiel gegen Fürth Anfang dieser Saison. Das, was ich mir überlegt habe, hat nicht funktioniert. Wir haben daraus gelernt und sind das folgende Spiel gegen Hamburg anders angegangen, personell wie taktisch. Wir sind höher und aggressiver angelaufen, haben unsere Dynamik genutzt. Und wenn ich eine Formation gefunden habe, die funktioniert, stelle ich sie im nächsten Spiel nicht ohne Grund wieder um.

Das ist interessant, denn das Spiel in Hamburg war auch das, in dem Leistungsträger wie Robert Zulj oder Danny Blum nach einer kleinen Denkpause ins Team zurückgekehrt sind.

Sie haben ihren Platz in der Startelf vorher als Selbstverständlichkeit wahrgenommen. Wenn du Spieler mit einer enormen Qualität hast, die aber nur 60 oder 70 Prozent davon abrufen, kannst du das als Trainer nicht laufen lassen. Das meine ich, wenn ich davon spreche, dass wir nicht weniger investieren dürfen.

Die Maßnahme hat offensichtlich Wirkung gezeigt. Was spricht denn jetzt noch gegen den Aufstieg?

Wir haben eine gute Ausgangsposition, aber noch haben wir neun schwere Spiele vor der Brust. Natürlich will ich da oben bleiben. Aber nur weil ich darüber rede und es mir wünsche, werden wir es nicht automatisch schaffen. Den Traum, nach elf Jahren in die Bundesliga zurückzukehren, haben wir alle. Für manche Spieler, die schon älter sind, ist es vielleicht die letzte Chance. 

Was ist denn das stärkste Argument für den VfL im Aufstiegsrennen, auch im Unterschied zu den anderen Klubs?

Dass wir bislang keine längere Schwächephase hatten. Wir haben nach jeder Niederlage sofort wieder gewonnen. Dieser Wille ist bei meiner Mannschaft besonders ausgeprägt. Wenn wir hinfallen, stehen wir sofort wieder auf. Das haben wir in Düsseldorf wieder bewiesen.

Ist es eigentlich ein Vor- oder Nachteil, diese heiße Phase der Saison ohne Zuschauer zu spielen?

Unter normalen Umständen würde das Stadion aus allen Nähten platzen. Letzte Woche gegen Hamburg, als wir in Unterzahl zurücklagen, hätte uns ein zusätzlicher Push von den Tribünen vielleicht geholfen. Aber es gibt bestimmt auch Spieler, die mit der Ruhe im Stadion besser zurechtkommen. Trotzdem: Wir alle wünschen uns, möglichst bald wieder vor Publikum zu spielen.

Dieses Interview ist Anfang der Woche in den Ruhr Nachrichten erschienen. Für mehr Berichte und Reportagen über den VfL Bochum lohnt ein regelmäßiger Blick in das (kostenpflichtige) Print- und Online-Angebot: https://ezeitung.ruhrnachrichten.de/

(Foto: Firo Sportphoto)

3:0-Sieg in Düsseldorf

Bochums Sieger: Holtmann glänzt, Riemann leidet

Frank Goosen scherzte jüngst im Kicker, dass Bochums Gerrit Holtmann sogar schon ohne Auto geblitzt wurde, schließlich rennt der pfeilschnelle Flügelstürmer derzeit allen Gegenspielern in der 2. Liga davon. Holtmann beschleunigt in einigen Szenen auf bis zu 36 km/h – zu schnell für einige Straßen auf Bochumer Stadtgebiet.

Auch in der Landeshauptstadt Düsseldorf war er am Montagabend nicht zu stoppen. Holtmann avancierte beim 3:0-Erfolg des VfL Bochum zu einem der Matchwinner und glänzte in gleich mehreren Szenen. Den Führungstreffer durch Simon Zoller bereitete der Linksfuß mustergültig vor. Das zweite Tor erzielte er nach einem eleganten Spielzug von Robert Zulj und Simon Zoller höchstpersönlich. Die Bochumer lösten die schwierige Aufgabe in Düsseldorf am Ende mit Bravour. Doch speziell die Anfangsphase gefiel weder Holtmann noch seinem Trainer. „Wir hätten auch in Rückstand gehen können“, kritisierte Thomas Reis hinterher und sprach von einem „Ergebnis, das etwas zu hoch ausfiel.“

Holtmanns Träume

Nachdem die Fortuna beste Chancen vergab, schlug der VfL eiskalt zu. Schnelle Spielzüge nach vorne und kluge Pässe in die Tiefe stellten die Hausherren immer wieder vor Probleme. „Das war unser Matchplan“, verriet Holtmann nach der Partie und sprach von „drei ganz wichtigen Punkten“. Die Bochumer eroberten schließlich die Tabellenführung zurück. „Langsam können wir träumen“, sagte Holtmann und gab sich damit im Interview bei Sky ähnlich offensiv wie zuvor auf dem Platz. Nur am dritten Treffer in den Schlussminuten war er nicht mehr beteiligt, als der eingewechselte Soma Novothny per Abstauber zum 3:0-Endstand traf.

Während sich die allermeisten Bochumer danach herzten und mit dem Abpfiff den Auswärtssieg bejubelten, saß Torhüter Manuel Riemann noch minutenlang und in Gedanken versunken auf dem Rasen. Bochums Keeper hatte mit mehreren Paraden den Sieg gesichert, doch zum Feiern war ihm nicht ganz zumute. Riemann verriet dann vor laufender Kamera, dass am Sonntag sein Großvater verstorben ist, der früher selbst in der Bundesliga gespielt hat: „Er hat mich fußballerisch zu dem gemacht, was ich heute bin. Deshalb war völlig klar, dass ich nicht nach wenigen Minuten rausgehen konnte. Denn ich habe heute für ihn gespielt.“

Riemanns Verletzung

Riemann war schon nach wenigen Minuten unglücklich umgeknickt, und zunächst war unklar, ob er weitermachen kann. Doch der ehrgeizige Schlussmann spielt „notfalls auch mit einem Bein“, merkte Thomas Reis nach der Partie mit einem Augenzwinkern an. Riemann biss also auf die Zähne – und war in der folgenden Szene direkt gefordert. Einen gefährlichen Kopfball von Dawid Kownacki kratzte er von der Linie. Riemann entschärfte zu Beginn gleich mehrere Hochkaräter, trotz großer Schmerzen. „In den ersten Minuten war es brutal, dann ging es etwas besser – und die zweite Halbzeit war eine absolute Katastrophe“, beschrieb Riemann den Zustand seines rechten Knöchels.

Untersuchungen im Laufe der Woche werden zeigen, ob sich er womöglich schwerer verletzt hat als zunächst gedacht. Immerhin: Die nächste Partie gegen Verfolger Holstein Kiel steht erst am Osterwochenende an. Definitiv fehlen wird dann aber Danilo Soares. Der Linksverteidiger sah in Düsseldorf die fünfte Gelbe Karte.

(Foto: Firo Sportphoto)

Geschäftsführung bleibt

Neue Verträge für VfL-Chefs: Das sind die Details

Viel verraten hat der VfL Bochum in seiner knapp gehaltenen Pressemitteilung am Freitagnachmittag nicht. Die Nachricht lässt sich mit genau einem Satz zusammenfassen: Ilja Kaenzig und Sebastian Schindzielorz bleiben beim VfL Bochum, sie haben ihre Verträge verlängert. Bis wann, lässt der Verein allerdings offen.

Ein Jahr mehr

Doch die Details müssen deshalb nicht im Verborgenen bleiben. Nach Recherchen von „Tief im Westen – Das VfL-Magazin“ bleibt Kaenzig bis zum Sommer 2023, Schindzielorz bis mindestens zum Winter 2022 beim VfL. Beide haben ihren Vertrag somit um ein weiteres Jahr verlängert. Interessant ist, dass die Zusammenarbeit seit ihrem fast gemeinsamen Amtsantritt im Februar 2018 schon einmal ausgedehnt wurde, ohne dass dies kommuniziert worden ist. Während Kaenzigs Verträge immer bis zum Sommer datiert waren, endeten die Arbeitspapiere von Schindzielorz jeweils im Winter. Dabei ist es auch geblieben.

Gute Arbeit

Dass das Führungsduo nun verlängert hat, ist indes keine Überraschung. Beide genießen nicht nur bei den Fans und Mitarbeitern hohe Anerkennung. Auch das Präsidium, das für die Vertragsverlängerungen zuständig ist, weiß ihre gute Arbeit zu schätzen. Kaenzig und Schindzielorz eint ihre Ruhe und Vernunft. Während Kaenzig die Finanzen, die Vermarktung, die interne wie externe Kommunikation verantwortet, ist Schindzielorz für den Sport zuständig. In beiden Bereichen hat sich der VfL zu einem Spitzenklub in der 2. Liga entwickelt. Mittlerweile besitzt jeder Spieler einen Vertrag, der von den beiden gegengezeichnet wurde.

(Foto: Firo Sportphoto)

Bochumer Eigengewächs

Maxim Leitsch: Hoch talentiert und heiß begehrt

Die Fußball-Welt ist klein, und es ist gut, wenn man sich kennt. Ende der 90er-Jahre haben Stefan Kuntz, Thomas Reis und Sebastian Schindzielorz zusammen beim VfL Bochum gespielt. In dieser Woche hatten sie wieder beruflich miteinander zu tun. Die Bochumer Verantwortlichen haben den Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft gebeten, Rücksicht auf den Spielplan in der 2. Liga zu nehmen. Denn Innenverteidiger Maxim Leitsch, der von Kuntz für die bevorstehende Europameisterschaft der Junioren nominiert wurde, kann sich nicht teilen. Einerseits wird er am Montag im Duell gegen Fortuna Düsseldorf gebraucht. Andererseits trifft das DFB-Team bereits am Mittwoch auf Ungarn.

Bemerkenswerte Entwicklung

Kuntz ist dem VfL jedenfalls entgegengekommen. Maxim Leitsch wird die Partie in Düsseldorf nicht verpassen und erst später zum Turnier nach Ungarn reisen. Dass sich Reis und Schindzielorz für diese Lösung eingesetzt haben, ist nur ein kleiner Beleg dafür, dass Maxim Leitsch beim VfL Bochum zum unverzichtbaren Stammpersonal zählt. Nach dem Re-Start im Mai des vergangenen Jahres hat der 22-Jährige nur ein einziges von 34 Ligaspielen verpasst. Das ist bemerkenswert, denn Leitsch hat es seit seinem Zweitligadebüt im Dezember 2016 bis zur Corona-Unterbrechung im März 2020 auf gerade einmal 26 Spiele gebracht. An seiner sportlichen Entwicklung lag das aber keineswegs.

Verletzungen warfen den Abwehrspieler immer wieder zurück. Vor seinem Comeback im Februar 2020 fehlte Leitsch sogar 16 Monate. Trotzdem legte ihm Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz seinerzeit einen neuen Vierjahresvertrag vor. Er habe immer an ihn geglaubt, betont der Geschäftsführer des VfL Bochum, trotz der komplizierten Vorgeschichte. Eine intensive medizinische Betreuung und individuelle Trainingseinheiten haben Leitsch zurück in die Spur gebracht. Nicht nur sein Körper, auch seine Leistungen sind mittlerweile beeindruckend stabil. Dass sich die Bochumer Abwehr mit ihm von der Schießbude der Liga zur zweitbesten Hintermannschaft entwickelt hat, ist definitiv kein Zufall.

Trainer Thomas Reis lobt den Youngster für sein Durchhaltevermögen: „Ich habe ihn ja schon in der U19 trainiert. Es ist schön zu sehen, wie er sich entwickelt hat, gerade auch körperlich. Das fußballerische Talent hatte er schon immer.“ Tatsächlich bringt Leitsch vieles mit, was ihn zu einem besonderen, aber auch begehrten Spieler macht: Er ist groß gewachsen und trotzdem schnell, er kann innen wie außen verteidigen, ist Linksfuß und erst Anfang 20. Hinzu kommt, dass er auch abseits des Platzes verlässlich und professionell ist. „Wenn er sich noch weiter verbessert, etwa im Aufbauspiel, ist er auch zu Höherem berufen“, glaubt Reis an eine große Karriere des Bochumer Eigengewächses.

Vertrag endet im Sommer 2022

Dass Leitsch hoch talentiert ist, haben natürlich auch andere Klubs registriert. Das Problem: Sein Vertrag läuft im Sommer 2022 aus. Eine zügige Vertragsverlängerung ist unwahrscheinlich, denn auch Leitsch und sein Berater wissen um die gute Position auf dem Transfermarkt. Warum sollten sie sich jetzt länger an den VfL binden, ohne zu wissen, für welche Liga? Leitsch spielt schon seit der E-Jugend beim VfL, doch das allein ist kein Argument. Der Aufstieg muss her, damit die Chancen steigen, dass er noch länger das blau-weiße Trikot trägt. Vielleicht ist es vor diesem Hintergrund ganz gut, dass ihn die vielen Scouts bei der U21-EM erst etwas später zu sehen bekommen…

(Foto: Imago / Eibner)